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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1868-01-01 · 1868 · page 85

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1868
Date
1868-01-01
Page
– (sequence 85)
Language
German
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IRI
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77 Wie Frank in Polen auf den Besitz eines isolirten Landstriches (zwischen Busk in Gliniany) speculirte, um eine eigene mysteriöse Hofhaltung einzurichten, eben so scheint er in Brünn einen solchen Plan verfolgt zu haben. Endlich gelang es ihm im hohen Alter, eine Art Solitüde zu erwerben. Dem regierenden Fürsten Wolfgang Ernst vonHomburg-Birstein in Offenbach, der von Schulden gedrängt war, kaufte Frank das Schloss in diesem kleinen Orte ab1) und zwar mit den Prärogativen, eigene Gerichtsbarkeit und Polizei über seine Leute zu haben und überhaupt vollständige Unabhängigkeit eines Souveräns zu gemessen. Oder muss erst der Beweis geführt werden, dass der „Bochur" Jankiew Lejbowicz aus Galizien, der sabbatianische Sektirer von Salonichi und Nikopolis, der Messias von Podolien, der Denunciant von Lemberg, der entlarvte Betrüger von Warschau, der Sträfling von Czenstochow, der Mystagog von Brünn identisch mit dem Baron von Frank in Offenbach ist? Nach dem Bisherigen dürfte die Beweisführung überflüssig sein, und das Folgende wird die Identität ebenfalls bestätigen. Wir begegnen in Offenbach denselben Personen, demselben geheimthuenden Charlatan Frank, seinen zwei Söhnen, seiner Tochter Eva, die noch immer als Jungfrau galt, zwar schon über die Jugendblüthe hinaus, aber noch immer von wunderbarer Schönheit, und auch den getauften Kabbalisten Schor - Wolo wski; auch den kabbalistischen Hokus- Pokus werden wir im Schlosse des Barons von Frank antreffen. Der Zug der Polacken (wie sie genannt wurden) von Brünn nach Offenbach (1788—89), der Luxus, der dabei' getrieben wurde und das geheimnissvolle Treiben in diesem Schlosse, sollen hier nicht ge^ schildert werden. Man kann sie bei Schenck-Rinck nachlesen, der sie aus dem Munde seines mütterlichen Grossvaters und zum Theil auch seiner Mutter vernommen hat. In Offenbach beliebte es Frank, eine andere Rolle zu spielen. Er iiess sich nicht nur Baron oder „der Polenfürst" nennen, sondern er gab auch anzuhören, d. h. er liess durch seine Leute aussprengen und bestätigte es durch auffallende Zeichen: er sei eigentlich eine hohe, sehr hohe Persönlichkeit, eine entthronte Grösse, Dass das Schloss in Offenbacli von Frank angekauft wurde, berichtet der anonyme Gewährsmann bei Schenck-Rinck S. 33.

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