Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Es ist kein angenehmes Geschäft, Leichen auszugraben, sie ihres Todtenkranzes zu berauben und sie noch dazu der Schändung preisszugeben. Aber die Geschichtsforschung darf sich zuweilen dieser Tmpietät nicht entziehen, will sie nicht allzu optimistisch eineLobrednerin der vergangenen Zeit werden. Für Lessingische „Rettungen" bietet die Gallerie der Geschichte überhaupt weit weniger Stoff als für Danteische „Verdammnisse". Diese Impietät wird für den Historiker dringende Pflicht, wenn eine Persönlichkeit, welche in die Geschichte eingegriffen hat, beim Leben officiell auf Grund erwiesener Thatsachen wegen gemeiner Schwindeleien und Verworfenheit gebrandmarkt wurde und doch nach dem Tode gewissermaassen kanonisirt oder — was noch mehr bedeutet und ehrenvoller ist — in den Himmel der Romantik versetzt wird. Gerade an den Grenzgebieten der Religion, wo auch unschuldige Schwärmerei so leicht in gefährliche Verirrungen gerathen kann, ist es eine Gewissenssache für die historische Kritik, der posthumen Apotheose mit aller Energie entgegenzutreten und die Aureole vom Haupte des Schwindlers zu reissen, um das Schelmengesicht hervortreten zu lassen. Sie darf die Heiligsprechung eines Gauklers, so weit es in ihrer Macht steht, nicht um sich greifen lassen. Diese Pflicht will ich gegen einen vor etwa 80 Jahren Verstorbenen schonungslos üben, der bei seinem Leben von jüdischer und katholischer Seite als gefährlicher Betrüger verurtheilt worden ist und doch in ganz jüngster Zeit von mehreren Seiten als ein Roman- Held verklärt wurde. Jakob Frank, dessen Gemeinheiten und 1