Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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61 liehen Mann zur Aufbewahrung übergab. Man vernahm in» zwischen, die Gefangene sei zum Islam übergegangen und habe einen Muselmann geheirathet, mit dem sie zwei Kinder gezeugt. Die Mutter verlangte nun von jenem Manne, dass er ihr das Geld zurückgebe, da natürlich von einer Auslösung nicht mehr die Bede sein konnte; die Gemeinde protestirte hiergegen und wollte, dass ihr das Geld übergeben werde^ das sie zum Behufe der Loskaufung etwaiger Gefangener fruchtbringend anlegen werde. R. Ascher respondirt (32, 6), es sei weder dem Verlangen der Mutter, noch dem Verlangen der Gemeinde zu willfahren. Das Geld ist von anderen Gemeinden und zu Gunsten dies er Gefangene» beigesteuert worden, es kann daher nicht für Andere verwendet werden. Zwar ist es gegenwärtig auch für Jene nicht zu verwenden; aber vielleicht wird sie später vom Islam zurücktreten und wieder zurückkehren wollen, oder werden ihre Kinder in das Judenthum eintreten, und es ist dain^ was für ihre Mutter gesammelt wurde, auf sie zu verwenden. Das Geld bleibt daher für jetzt in den Händen des Mannes, bei dem es deponirt wurde. Das Judenthum kannte nicht in früherer Zeit Rabbiner im heutigen Sinne: angestellte, kraft Amt und Gehalt functionirende geistliche Beamte. Der Gelehrte war Rabbiner: wer durch Wissen und anhaltende Beschäftigung mit dem Studium, verbunden mit frommem, redlichem Wandel, sich auszeichnete, belehrte und gab Bescheid bei vorkommenden Anfragen; und wer unter den Gelehrten hervorragte, wurde an die Spitze der in jeder grösseren Gemeinde sich befindenden Schule ge» stellt, oder er bildete selbst eine solche heran. Die eigene Befähigung und das entgegenkommende Vertrauen machten den Gelehrten zum Vertreter des religiösen Studiums und daher der religiösen Interessen; ein Rabbineramt wurde nicht gekannt. So war Alfasi nicht Rabbiner zu Lucena, sondern Academiehaupt, ebenso R. Salomon b. Aderet zu Barcelona, R. Ascher zu Toledo u. s. w.; erst vom 15. Jahrhundert ab erscheinen durch den Einfluss äusserer Verhältnisse Rabbiner als Gemeindefunctionäre.5) — Diese Gelehrten der früheren 5) S. Güdemann, Frankel Monatsschrift 13. Jahrg.-: Die Neugestaltung des RabMnerwesens S. 68 f.