Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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3* lassungsrecht erworben und nahm B. als Lehrer seiner Kinder an. Einige Zeit hierauf brach zwischen ihnen Zwist aus. A. kündigte dem Lehrer B. und verlangte, dass er diesen Ort verlasse. B. erwiderte, die Niederlassung ist an diesem Orte Jedermann von der Obrigkeit gestattet, und auch jüdischer Seits liegt kein Verbot dagegen vor.6) Es wurde hierauf zwischen Beiden der Vergleich getroffen, dass B. zu einer bestimmten Zeit weggehe. Als diese Zeit heranrückte, weigerte sich B. wegzugehen und wendete ein, der Vergleich sei nicht vor Gericht getroffen worden und er habe ihm nur aus Furcht vor A., der ein gewaltthätiger Mann, seine Zustimmung gegeben; A. behauptete das Gegentheil, der Vergleich sei gerichtlich gewesen und vonB. eidlich bestätigt worden. ■r) Man fragte nun bei R* Tarn an, ob nicht, da das Gericht nach den gegenseitigen Aussagen nicht Gewissheit erlangen kann, dass B. den Eid nicht geleistet, B. nach der Heiligkeit, die dem Eide beigelegt wird, den Ort zu verlassen anzuhalten sei? Oder ob im Gegentheile, da, wenn selbst B. den Eid geleistet, anzunehmen ist, dass, da A. notorisch ein gewaltthätiger Mann, ihn nur Furcht dazu getrieben, auf Vergleich, und Eid kein Werth zu legen sei? R. Tarn respondirt (86 c. d.): Wäre der Eid wirklich geleistet worden, so könnte der Einrede, es habe Furcht hierzu gedrängt, nichts eingeräumt werden: der Eid ist unverbrüchlich, welches auch das Motiv der Ableistung sei. In dem vorliegenden Falle aber stellt B. den Eid ganz in Abrede: das Gericht befindet sich zwar in Zweifel hierüber, B. aber tritt mit Gewissheit auf; wenn nun nach der Lehre vom Eide auch einem zweifelhaften Eide nachgekommen werden muss, so ist dieses nur eine moralische, den Schwörenden (d. i. denjenigen, der zweifelt, ob er geschworen) verbindende Pflicht; der Zweifel des Gerichts *) Die Juden schwebten in beständiger Ungewissheit vor dem fanatischen Pöbel, der häufig an Orten, wo Juden sich in grösserer Anzahl befanden, in blutigen Aufläufen seinem heiligen Eifer Genüge that. Die Juden wachten daher ängstlich gegen ihre eigene Vermehrung, die sie durch mit Bann verbundene Verbote abzuwehren versuchten. Vgl. Joseph Kolon Resp. 195. — Ein Responsum ähnlichen Inhalts, das von römischen Gelehrten nach Paris erging, ist angeführt bei Luzzato Bet Haozar S. 5. 7) Der Text ist hier etwas corrupt, der Zusammenhang zeigt jedoch wie unsere Darstellung.