Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1865
- Date
- 1865-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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12 längt und der Belehrung mit nicht ermüdendem Eifer folgt. In solcher Zeit bilden Anfragen auf den verschiedenen Gebieten des religiösen und des allgemeinen Wissens den Stoff der Responsen, wird in ihnen Aufschluss über Schriftstellen, Sprachliches und Etymologisches, religionsphilosophische Materien u. s. w. neben rituellen und rechtlichen Normirungen gegeben. In den trüben Tagen des Druckes hingegen, in denen Verfolgungssucht und Religionshass ihre blutigen Geissein schwingen, ist der Aufflug des Geistes gehemmt, die Wissbegierde ziehet sich auf das Gebiet zurück, das allein Trost verspricht, auf Erkenntniss religiösen Lebens und religiöser Ausübung, zu anderweitigem Forschen gebricht ihr Muth und Erhebung. Doch wird auch in dieser Zeit das rechtliche Gebiet mit überraschender Geistesfrische angebaut. Rechtsprechen ist. religiöse Pflicht, die Rechtsnormen sind in der heiligen Schrift, Mischna und Talmud niedergelegt, sie zur Ausführung und Anwendung bringen also religiöse Ausübung. Auch gebot Selbstgefühl und Selbstachtung, rechtliche Fragen nicht vor ein Tribunal zu bringen, wo den Juden nur Hohn und Erniedrigung erwarteten. Ein nicht geringes Moment bildete ferner der Zustand, in welchem sich Recht und Rechtslehre im Mittelalter befanden. Es genügt, hinzuweisen auf die Gottesgerichte und die bis Ende des vorigen Jahrhunderts als Rechtsmittel figurirende Tortur; welchen Standpunkt nahm diesem barbarischen Criminal- Und ihm entsprechenden Civilrecht gegenüber das jüdische Recht ein! — Die trübe Zeit drängte aber auch zum Anbaue eines neuen Rechtszweiges. Sie hatte Normen ausfindig zu machen über das Verhalten ihren Peinigern gegenüber, über die Weise der Vertheilung der von diesen willkürlich auferlegten Steuern, über die von Einzelnen und Gemeinden zu tragenden Lasten (bekannt unter dem Namen CDft): es ergehen nun Anfragen, zü denen die frühere Zeit nicht Veranlassung hatte, und es sollen für diese Verhältnisse zweckmässige Normen und Regeln festgestellt werden. Die ertheilten Responsen überraschen durch ihre scharfsinnigen Deductionen aus einer oft leicht hingeworfenen talmudischen Notiz, oder durch Analogien aus mehr oder minder verwandten Normen, doch das Object der Anfrage eröffnet Aussichten auf ein Gebiet, von dem sich gern das Auge abwendet. — Manches kommt hier der geschichtlichen Forschung zu