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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 74

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 74)
Language
German
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72 war er durch die an sieh untadelige Benennung'Chronik' verdrängt worden, welche ich, da A mundi exordio für den deutschen Ausdruck unfügsam ist, gern beibehalten habe. — Ich knüpfe hier an, was sonst über die Schicksale des Textes wissenswerth und zur Beurtheilung meiner Arbeit dienlich ist. Die Hildesheimer Handschrift ist seit Flacius verschollen; auch meine vielfältigen, bereitwilligst von Freunden unterstützten Bemühungen haben zu keiner Spur ihres Verbleibs geführt. Eine andere Handschrift zu benutzen war unter den folgenden Herausgebern nur dem letzten, dem mehrerwähnten De Prato, vergönnt, welchem sein Onkel Comes Albas Turrius aus Rom eine, wie es scheint, genaue Vaticanus. Vergleichung sandte von einem Vaticanischen Pergamentcodex num. 825 signatus, charactere minori et rotundo (vulgo stampatellö) exaratus, gui deeimo fere saeculo ab eius rei peritis scriptus creditur (Vol. Up. XXXIV"). Eine Durcharbeitung der Varianten führt zu dem Ergebniss dass diese Vaticanische Handschrift demselben Archetypon entstammt wie die Hildesheimer, mit der sie alle Lücken theilt; im Uebrigen sind jedoch die meistens brauchbaren Abweichungen so zahlreich und vielartig dass eine Identität mit der Hildesheimer, wie sie De Prato vermuthet, auch bei Voraussetzung arger Flüchtigkeit des Flacius immer noch unglaublich bleibt (s. oben Anm. 11). — Ausgaben der Chronik wurden in den ersten achtzehn Jahren nach Flacius zu Paris, Rom und Cöln veranstaltet mit den willkührlichsten Aenderungen Giselinus (s. oben Anm. 38) und unter Verschweigung von Flacius' Namen. Erst der niederländische Arzt Victor Giselinus, der durch seine Arbeit am Prudentius und seinen Briefwechsel mit Justus Lipsius auch bei den Philologen in Andenken steht, ist in seiner, Antwerpen 1574 erschienenen, Ausgabe aller Schriften des Severus für die Chronik wieder mit Bewusstsein auf die Basler Ausgabe als auf die einzige damals vorhandene Grundlage zurückgegangen, obschon er oder sein Setzer mit schlimmer, sowohl De Prato wie Schönemann irreführender Nachlässigkeit durchweg den Codex des Sigonius. Flacius Herdesianus nennt statt Hildesianus. — Sieben Jahre nach Giselinus hat Caroflus Sigonius die Chronik für die italienischen Schulen bearbeitet, und seine Ausgabe (Bologna 1581, nachgedruckt Hanau 1602), in welcher sich des Mannes allbekannte Gelehrsamkeit und philologische Hebung nicht verleugnen, ist sowohl für Erklärung wie für Conjecturalkritik bis jetzt die einzige nennenswerthe Leistung geblieben; dass sie von Bernhardy (R. L. G. S. 805) nicht genannt wird, kann wohl nur Zufall sein. Freilich muss man bei den mannigfachen Berührungspunkten mit ecclesiastischen Dingen es immer im Sinn behalten, dass Sigonius seine Arbeit zunächst auf das nachtridentinische Italien berechnete und dass er sie einem Kardinal (Gabrieli Palaeoto S. R. E. Presb. Card, et Bononiae Episcopo) gewidmet hat, in dessen Auftrage sie unternommen wurde. Unter solchen Umständen ist es nur peinlich aber nicht auffallend, dass auch Sigonius weder die Basler Ausgabe noch den Namen des Flacius nennt; denn dieser Name steht unter den auetores primae classis d. h. den Schriftstellern, deren sämmtliche Werke verboten sind, auf dem index librorum prohibiiorum. Alle angewandte Vorsicht konnte jedoch den Sigonius nicht vor Anfechtungen schützen; dieser Commentar zu Severus gab so wie seine anderen die Bibel berührenden Schriften Anlass zu anonymen censurae, welche, nach de Prato's (Vol. 11p. XXV) Vermuthung, von dem Jesuiten Antonius Possevinus herrührten. Sie scheinen einer Behörde, wohl der Congregation des Index, vorgelegen zu haben; wenigstens sah sich Sigonius genöthigt, handschriftlich auf die einzelnen Ausstellungen zu erwiedern (s. oben Anm. 45). Die betreffenden, für die Geschichte der untergehenden italienischen Philologie lehrreichen Aktenstücke sind erst durch Philippus Argelatus in seiner Gesammtausgabe von Sigonius' Werken (Mailand 1737) VI p. 1139—72 veröffentlicht worden. — Ich habe regelmässige Rücksicht genommen auf die Vaticanische Handschrift, auf den Text des Flacius, auf die wenigen Bemerkungen des Giselinus und auf Sigonius; nur bei besonderem Anlass durften die sonst vorhandenen Ausgaben zur Erwähnung kommen. Unter diesen hat die kritisch werthlose (s. oben S. 20) Voretius. "von. dem Rector des Berliner Joachimsthals-Gymnasiums Joh. Vorstius besorgte Gesammtausgabe in verschiedenen Abdrücken (Berlin 1668, Leipzig 1703, 1709) jetzt die meiste Verbreitung erlangt. Nach ihrer Eintheilung habe ich die Capitel und Paragraphen citirt, da dieselben bei Flacius und Sigonius nicht numerirt sind. — Die neueste, durch fremd- De Prato. artige Beigaben zu zwei Quartbänden angeschwellte Ausgabe aller Schriften des Severus, welche Hieronymus De Prato, Priester des Oratoriums, zu Verona 1741—54 besorgte, ist in Deutschland nicht leicht zu finden und mir nur durch die Liberalität der Göttinger Bibliotheksverwaltung zugänglich geworden. Für die übrigen Schriften des Severus hat ihr die Handschrift der Veronesischen Capitularbibliothek einen höheren Werth verliehen als sie ihn für die Chronik ansprechen darf. Hier beschränkt sich ihr Nutzen auf die in den Noten verzeichneten, jedoch nur zum allergeringsten Theil für den Text verwendeten Lesarten des Vaticanus. — Der Abdruck bei Gallandi (Biblioth. patr. VIII) giebt den De Prato'schen Text wieder; aber bei dem gänzlichen Mangel an Noten erfährt man nicht was De Prato's Conjectur und was Lesart des Vaticanus ist.

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