Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1860
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite I (sequence 3)
- Language
- German
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Unter den wichtigen Problemen des gesellschaftlichen Lebens, deren Lösung von jeher die tiefsten Denker beschäftigte, nimmt das Institut der Ehe einen hervorragenden Rang ein. In dem rohen Instincte der Begattung wurzelnd, bildet sie sich bei dem ersten Erwachen des moralischen Bewusstseins, dem Heraustreten aus dem grob-sinnlichen Zustande, zu einem stehenden Verhältnisse, Ehe nach ihrem allgemeinen Begriff. Aus dieser ersten Manifestation des Sittlichkeitsgefühls reift die Ehe allmälig zu höherer Gestaltung, begegnen sich in ihr die verschiedensten Zwecke, in denen, je nachdem sie mit Klarheit zum Bewusstsein gelangen, der höhere Plan unverkennbar ist. Der Mensch fühlt das Bedürfniss, in seinen Nachkommen fortzuleben, den göttlichen Funken in ihm nicht erlöschen zu lassen1), und es spricht sich schon hierin nach Analogie der uns umgebenden organischen "Wesen, denen Fortpflanzung und Forterhaltung ein inwohnendes ewiges Gesetz, der Plan der höheren Weltschöpfung aus. Es lebt aber auch im Menschen das tiefe Verlangen, ein Wesen zu finden, das die verschiedenen Lagen des Lebens mit ihm theile, ihm in den mannigfachen Gestaltungen, die es annimmt, zur Seite stehe; und dieses ist die erste Kundgebung des Geselligkeitstriebes, der in weit umfassenderen, aber weniger aus solcher Tiefe des Gemüthes hervorgehenden Dimensionen einen der Hauptfactoren der menschlichen Gesellschaft bildet. — So wie ferner schon in dem Allgemeinen des Begriffes Ehe der Sittlichkeitsfunke durchbricht, so zeigt die weitere Entwickelung dieses Begriffes auf Veredelndes und Versittlichendes: er leitet über auf die Familie, die Quelle des eigentlich Menschlichen, Ausgang des Sittlichen und vieler aus ihm entspringenden Tugenden. Aber die Familie ist zugleich ein Glied in der Kette der staatlichen Gesellschaft, der kleine Kreis, aus dem der den Staat umfassende Kreis sich in weiten Umfangen herausbildet: die Familie bildet die Grundlage des Staates, mit dem durch dieses vermittelnde Glied J) Hehreres hierüber vgl. weiter. Schön ist dieser Gedanke, wenn auch in etwas anderer Fassung, ausgedrückt Jamblich. vit. Pyth. 18, 86: ait Iv'mv \i\v ovv ZniUystai, diu xL dar otov, oti 8ai zsxvoTCOieto&ut avaxu rov v.oxalnKiv szbqov avtf aavxov &eäv &aQuiztvzfiv. — Hegel, Rechtsphilos. § 34 gibt hierfür das Verlangen an, „die endliche Verbindung seines Ichs mit der Menschheit fortzubilden und fortzupflanzen." 1