Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1856
- Date
- 1856-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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zin für Litteratur des Auslandes", hat die Revenuen des von ihm dem Seminar übergebenen Capitals von 600 Thalern. zu einem Stipendium für einen Seminaristen der obern Abtheilung bestimmt, „der über ein vom Director gegebenes wissenschaftliches Thema die nach dem Ausspruche des Lehrercollegiums beste Arbeit geliefert hat. Dieses Stipendium soll an dem jedesmaligen Sterbetage des Stifters vertheilt werden, und soll der mit dem Stipendium belohnte Hörer seine Ausarbeitung bei der Gedächtnissfeier vortragen." Dieses Jahr wurde als Preisaufgabe gestellt: „Ueber die nach mosaisch-talmudischer Lehre obliegende Pflicht, dem Nächsten bei Gefährdung seines Lebens oder seines Eigenthums beizustehen; und ob bei Rettung des gefährdeten Eigenthums des Nächsten, nach dieser Lehre rechtlich eine Belohnung oder Schadloshaltung beansprucht werden kann." Sechs Hörer haben umfangreichere Ausarbeitungen eingeliefert. Der Name Desjenigen, der den Preis errungen, wird im Jahresbericht des kommenden Jahres angeführt werden. Das Seminar beging iu diesem Jahre zwei öffentliche Feierlichkeiten. Am 28. Januar wurde die Gedäehtnissfeier des Stifters der Anstalt, des Königl. Commerzienrathes Jonas Fränckel, begangen1). Diese Gedächtnissfeier soll statutenmässig jedes Jahr am 27. Januar wiederkehren'-). An ihr wird je der Jahresbericht ausgegeben und die gekrönte Preisschrift verlesen werden. Auch kommen an ihr vier vom Stifter legirte Stipendien zu je 50 Thalern an vier Seminaristen zur Vertheilung. Der 15. October sah im Actussaale die Herren Curatoren, das Lehrercollegium, die Hörer nebst einem zahlreichen Publicum, zur Begehung der Geburtsfeier Sr. Majestät des Königs versammelt. Ein Recitativ (Ps. 21) nebst dem feierlichen Gebethymnus für das Wohl des Königs (njwn jnun) wurde von mehreren Seminaristen, unter Leitung des Cantors Deutsch, executirt. Der Unterzeichnete sprach die Festrede, die, anknüpfend an die Dankgefühle, welche die Anstalt für den König beseelen, dessen Wort die fördernde und reifende Sonne ihres Entstehens war, diese Feier als den Ausdruck einer religiösen Erkenntniss bezeichnete, die in dem grossen All eine höhere, die heterogensten, einander widerstrebenden und abstossenden Elemente zu einem harmonisch sich durchdringenden Ganzen vereinigende Weltordnung, wiederfindet. Und solche Erkenntniss zu verbreiten ist die Aufgabe dieser Anstalt. Ist doch allgemein bekannt und durch die Geschichte vieler Jahrhunderte bewahrheitet, dass den Israeliten sein Glaube Treue dem Staate, Anhänglichkeit an dessen Oberhaupt, Gehorsam gegen die Gesetze lehrt. Da aber die Begriffe über den aus diesem Glauben häufig willkürlich construirten s. g. Gottesstaat dunkel sind, versuchte der Redner hierüber in folgenden Worten manche Andeutungen zu geben: „Der mosaische Staat wird von einem alten Schriftsteller — Flavius Josephus — mehr in frommem Eifer als mit genauer Abwägung des Wortes, Theokratie genannt; dieser Ausdruck wurde von Vielen festgehalten und an ihn die sonderbarsten, das Wesen dieses Staates verkennenden und entstellenden Schlüsse gereihet. Theokratie ist Gottes Herrschaft, Gottes Verwaltung; ein theokratischer Staat ein Staat, der durch den Willen Gottes gesetzt, durch ihn geleitet x) Ueber diese Feier wurde in einer'besondern Broschüre berichtet. -) Durch eingetretene Unistände wurde dieses Jahr die Feier am 28. Januar begangen. 7