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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 1

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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,An deu Strömen Babels da sassen sie und hingen weinend an Weiden ihre Harfen auf, denn dort verlangten spottend ihre Dränger, sie sollten singen die Gesänge Zions." Aber ihrer unbewusst hatten sie dort die Gesänge Zions wiedergefunden, hatten sie gefunden! Wovon die Mauern der heiligen Stadt nur selten wiedergehallt; das Wort Gottes, das in ihrem Umfang nur zu Zeiten ein schwaches, bald verrauschendes Echo gefunden hatte, an Babylons Strömen grub es sich tief in das Herz der Vertriebenen ein, dort wurde es zum lebendigen, über Jahrtausende hinaus tönenden Gesang. Welch ein Gegensatz zwischen den einst Angesessenen und den aus dem Exil Zurückkehrenden! Jene waren Herren des Landes-, aber was Palästina zum Lande Gottes machen, das heilige Zeichen, das seinen Markstein bilden, das Panier, das auf seinen Bergen wehen und an den entferntesten Enden wahrgenommen werden sollte: die Verehrung des Einen Gottes und die Heilighaltung seiner Lehre, es war bis auf wenige Spuren abhanden gekommen. Die Zurückkehrenden vermochten kaum unangefochten den Altar wieder aufzurichten; ihr politisches Bestehen war abhängig von der wandelnden Laune persischer Könige; aber sie hatten erworben, was Jene nie besassen, die Verheissung, „der Herr werde unter seinem Volke wandeln" ging erst jetzt ihrer Erfüllung entgegen! — Ein leuchtender Strahl hatte auf Sinai die Erde berührt; doch welcher Zeit bedarf es, um die harte incrustirte Materie zu durchdringen und flüssig zu machen, den durch thierischen Materialismus verkörperten Geist aus seinen Banden zu befreien, dass er sich in leichtbeschwingtem Fluge über die Erde erhebe! Selbst die Gestaltung, die das Volk trotz des Abmahnens seines letzten tiefsehenden Richters — Samuels — dem Staate gegeben hatte, war der Entwickelung der Gotteslehre hinderlich: die an der Spitze der an die Stelle der frühern Republik getretenen Monarchie stehenden Könige fanden theils durch eine falsche Politik gegen aussen, theils, um sich dem nach dem Mosaismus sie überragenden Gesetz zu entziehen (eine Erscheinung, die in etwas veränderter Gestalt auch in der spätem Zeit des zweiten Tempels wiederkehrt) ihrem Interesse angemessen, dem Gultus des höchsten Gottes zu entsagen. Der Mosaismus datirt sein eigentliches Bestehen erst von der Zeit des zweiten Tempels; jetzt waren die Geister für ihn reif geworden, und selbst in der Abhängigkeit von aussen lag, da nun der Politik kein Feld eingeräumt war, Förderliches. 1

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