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Die neue Welt · 1938-03-11 · Heft 734 (11.3.1938) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 734 (11.3.1938)
Date
1938-03-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 734 vom 11. Marz 1038 DIE NEUE WELT SilUT AUS ALLER WELT Die schlimmste Gefahr abgewendet Aus Bukarest: Das Präsidium der Bukarester 'Advokatenkammer hatte verfügt, daß jene jüdischen Advokaten, die nach dem 1. Dezember 1918 in die Advokatenlistc eingetragen wurden und deren Staatsangehörigkeit jetzt überprüft wird, den Eid auf die neue Verfassung nicht abzulegen, haben. Diese Verfügung hat ungeheuro Bestürzung in den Kreisen der jüdischen Advokaten hervorgerufen, da die Nichtleistung des Eides die endgültige Streichung von der Berufsliste nach sich zieht, so daß auch die spätere Wiederaufnahme der Betroffenen in die Bürgerlisten ihnen zur weiteren Ausübung ihres Berufes nicht mehr hätte verhelfen können. Dem Beispiel der Bukarester Advokatenkammer waren einige Advokatenkammern in der Provinz sowie auch verschiedene Aerztekammern gefolgt. Im Amtsblatt der rumänischen Regierung erschien nun eine Verordnung des Justizminieters, in der zunächst der Termin für die Ablcgung des Eides bis zum 15. März verlängert und überdies verfügt wird, daß die Eidesleistung nicht nur vor der zuständigen Kammer, sondern vor jedem Richter des Landes gegen einfache Peraonallegitimation und Nachweis der Ausübung des betreffenden Berufes erfolgen kann. Somit haben die jüdischen Advokaten, Aerzte usw., deren Berufsausbildung bis zur Beendigung der Revision ihrer staatsbürgerlichen Verhältnisse suspendiert worden war — es handelt sich hier um tausende jüdische Angehörige der Intelligenzberufe —. die Aussicht, nach einer positiven Erledigung der Revision ihre Berufe wieder ausüben zu können. Wenn auch die neue rumänische Regierung bisher noch keine der krassen antisemitischen Verfügungen der Regierung Goga-Cuza offiziell aufgehoben hat, so: zeugt diese Verfügung des Justizministeriums dennoch für die Tendenz der Regierung, die Bestrebungen der einzelnen Bcrufsintelligenzkammern, die Judenfrage schärfer zu behandeln, als es in die Regierungspolitik hinpaßt, zu durchkreuzen. Eine Kundgebung Aua Paris (J. T. A.): In der außenpolitischen Debatte der Kammer ergriff der Abgeordnete Grumbach das Wort. Er sprach über die Beziehungen Frankreichs zu Deutschland von verschiedenen Gesichtspunkten aus und berührte dabei auch die J u d e nfr ag e. Als er seihe jüdische Abstammung erwähnte, ständen alle der Volksfront angehörenden Abgeordneten und auch viele Deputierte der Rechtsparteien, auf und brachten ihm eine Ovation dar. Die Kundgebung dauerte eine Minute lang, und hatte den 'Sinn, den verfolgten. Juden der- Welt die Sympathien' Frankreichs zu zeigen. Die Juden Äfexikos wehren sich Aus Mexiko City (J. T. A.): Auf einer über Initiative der „Bne Brith" einberufenen Konferenz - der jüdischen Führer Mexikos wurde beschlossen, zur B ekämpfung des An tisemitismusin Mexiko! einen Verband sämtlicher jüdischer Institutionen zu schaffen. Alle, die Gesamtheit der Juden in Mexiko be-, treffenden Fragen,, insbesondere auf dem Gebiet der Bekämpfung des Antisemitismus, werden künftighin' ausschließlich von dem Verband behandelt werden. Auf der Konferenz wurde mitgeteilt, daß die antisemitische Agitation in Mexiko von „einem gewissen europäischen:. Staat" ausgeführt wird, der.für diesen Zweck monatlich 400.000 Pesos zur Verfügung stellt. Arische Kunst im Prager Neuen Deutschen Theater Aus Prag (J. T. A.): Die Tschechoslowakische „Liga gegen den Antisemitismus" schreibt zu der Auf-' führung von Caiderons „Richter. von.Za!amea" im Prager Neuen Deutschen Theater am Samstag, den 5. März, durch das Ensemble der Berliner Schiller-Theaters u. a.: „. . . Das Gastspiel soll der Vorbote eines Abkommens über einen „Kulturaustausch" zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei sein. Wir fragen uns, welchen Sinn ein solches Gastspiel hätte. Soll dem Prager Publikum spezifisch deutsche Schauspielkunst vorgeführt werden? Und ausgerechnet von Heinrich George, der das Ensemble führt und dessen größtes Verdienst um die neudeuts.che Kunst es ist, daß er in einem s e n t i m e ntalblutrünstigen Nazi-Werbefilm („Hitlerjunge Quex") sich dazu hergab, den kommunistischj ü d is c h e n „Un termenacb e n" in phantastischgrauenerregender Form zu mimen? Wir erlauben uns die Frage, ob das Neue Deutsche Theater auch zu dieser Vorstellung auf den Besuch seiner zahlreichen jüdischen.Abonnenten rechnet, ohne die es bekanntlich nicht existieren könnte. Und wir erlauben uns weiter die Feststellung, daß wirkliche deutsche Kultur viel früher, als an ein Drittes Reich gedacht werden konnte, in das Denken und Fühlen des tschechischen Volkes und der sudetendeutschen Bevölkerung überging." Henleins „Zeit" klagt über „Boykott" Aus Prag (J. T. A.): Das Henlein-Organ „Die Zeit" hat anläßlich des Gastspiels des Berliner Schiller- Theaters mit Genugtuung ' festgstellt: „Die Stam'mgäste (!) fehlten. Man sah beinahe nur deutsches Publikum." Jetzt, anläßlich des Gastspiels der Berliner Truppe in Preßburg, klagt dieselbe „Zeit" über „Boykotthetze der Frcßburgcr Juden und Emigranten, deren ea zusammen etwa 17.000 gibt". Das-Blatt meldet Weiter aus-Preßburg: „Samstag wurden in und vor der Synagoge hektographierte Flugzettel verteilt, die folgenden Wortlaut haben: Juden! Hitler-Deutschland ist unser Feind! Meidet Montag das Gastspiel der Berliner Schiller-Bühne! Die Schauspieler sind Hakenkr eü zier und Antisemiten!" Die Preßburgcr Polizei hielt teilweise Bereitschaft, um gegen die etwaigen Demonstrationen einschreiten zu können." — „Montagsblatt" bemerkt, daß die Behauptung der „Zeit", daß „trotz dem löblichen Boykott" das Prager Deutsche Theater gefüllt war, „etwas Ubertrieben" sei. Die katholische Staatspartei Hollands gegen Rassenwahn Aus Haag: Der neue,Vorsitzende der katholischen Staatspartei von Holland, Mr. ,V e r s c h u u r, hat sich in einer vielbcmerkten-Rcdegegen , alle Rassen- und Klassenunterschiede gewandt. „Wir vermeiden", sagte er, „alle extremen Ziele. Von Schlagworten Über Mythos und Rasse wollen wir holländischen Katholiken nichts wissen." Dieser Rede kommt um so größere Bedeutung zu, da die katholische Staatspartei, als die größte im holländischen Parlament, in der Regierungskoalition eine ausschlaggebende Rolle spielt. Die Leipziger Börse, judenrein Aus Leipzig: Der Präsident der mitteldeutschen Börse zu Leipzig hat mit sofortiger Wirksamkeit den nichtarischen Besuchern der, Wertpapierbörse .die Zulassungsgenehmigung e n t z o g e n. Arssdie Sdhallplf|ien in I)eu$$dyae*d ' Dem „Präger Tagblätt" wird aus Berlin u. a. berichtet: ' Es gehört zu den wichtigsten Prog'rammp'unkten des Nationalsozialismus; den Primat der Wirtschaft durch' den Primät der Politik zu ersetzen; Bis vor kurzem;gab"es auf dem Gäbiet der Grämmöphonp 1 a 11 e n i n D e ü t s e h 1a h d ' keinen Arierparagraphen:-'Da. dte" Berliner Schallplatt'enfirmen sämtlich nur-'. Schwesterunternehmungen der Loiidoner oder New-Yorker-.Häuser, -d. h. Teile " von" internationalen Konzernen sind, führten-sie deren Platten auch weiter in ihren Katalogen. Und gerade die internationalen Musikwert^^^clen^öta P,ubli^um in Deutschland'besonders stÄ'''•g,cMtj?fc:'',• Eitie wichtige Atolle" spielte in diesem Zusammenhang auch die Vercshlechterung der R a.d j. o,? P r p g.r ato m e. Die Schallplattenindustrie .begann sich merklich. z.u .erholen. Es entstand eine ' Hausse .jn ^üdj^chen oder .sonstwie J ^unerwünschten" Musikern. Die: ,-,Electröla",: -Berlins-•••• 'SchWeatergesell-; Schaft wn>^ ' Von -HtttieMättv Mehtihihi,;'$chnabeXBusch und Tos-- cäjaini t fii|iijqci'^u' j^giercui; sie"; fanden bedeutenden ^bsatz, '^üöw'sky wurde =durch seine Platten weiten Kreisen-, bekannt.-.-■ ■ - " - Im November 1937 lenkte-das „Schwarze Korps" das öffentliche Interesse' äü'f dfeseh Tatbestand. Zwei große Aufsätze wurden der „Verjudiin'g der S c h a 11 p l.a-t t e". gewidmet. Kurz darauf. . erfolgte eine lakonische 'Verfügung: des-' Propägandaministe- Tiums, Platten mit jüdischen Künstlern nicht mehr zu vertreiben. Die Industrie kam dadurch in eine peinliche Lage.'. Sie sah sich gezwungen, Musiker wie. Offenbach, Mendelssohn, Meyerbeer/Mahler und Rubin stein . aus dem Repertoire zu streichen. Die Proteste aus dem Lager der Industrie hatten den vorläufigen Erfolg, daß jnan erlogen hat, eine, kleine- Anzahl- „j üd i s.c h e r .Kl assike r". (Mendelssohn, Meyerbeer) freizugeben. Aber schon ergab sich eine neue Schwierigkeit. Eine Zusatzbestimmung verlangte, daß auch die Texte von Liedern, Opern und Operetten auf ihre rassische Herkunft geprüft werden..-Eine: große Anzahl Lieder von Schubert und Schumann ist bekanntlich .auf 'Eteinesche Texte .komponiert. Sämtliche volkstümliche Operetten von Franz L e h ä r haben z. B. jüdische Mitarbeiter, Augenblicklich , werden auf dem .' Gebiete der älteren Operettenmusik nur Instrumental-Platten aufgenommen, da , man fürchtet, das. Gesa'iigsplatten jüdische Textvexfasser haben könnten. .. . Die. Kosten, die der, StjhaUplattenindustrie durch diese Verfügungen entstehen, werdenauf v i e ,1 e :M i 1- 1 i p n e n geschätzt. Hunderttausende von Platten dürfen nicht mehr vertrieben werden. Allem der. Neudruck von Katalogen und Prospekten kostet bei einer der drei großen Firmen mehr als 100.000 Mark. Auch dieser Tatbestand zeigt, däß ' män in Deutschland entschlossen ist, auf allen Gebieten die Politik über die Wirtschaft zu stellen, und dabei vor keiner Konsequenz zurückscheut. Wir bitten für unsere alten u. arbeitsunfähigen BLINDEN um Spenden. Für die blinden Musiklehrer, Klaviera .Stimmer, Korbu. Sesselflechtersowio IS Iß ßatmatogiut* Bürstenmacher bitten wir um Arbeit P^WWW de^ ^idUdmt Bünden Wien II, Rembrandtstraße 18 — Telephon A-47-2-77 , Postsparkcmeri-Konto A-133.213 ,. . Das talmucH§die Redl! Auf den verschiedenen Stufen seiner Entwicklung mit dem römischen verglichen und systematisch dargestellt von Dr. Simon' Rubin,' Lektor am Wiener Beth-Hamidrasch. Dieses Werk, das demnächst der Oeffentlichkeit übergeben wird, ist trotz seines streng wissenschaftlichen Titels ebenso für den Laien wie für den Gelehrten bestimmt. Es ist gegeignet, bahnbrechend auf dem Gebiete der Talmudforschung zu wirken. Der Talmud und die Talmudlehrer erscheinen hier in ihrem wahren Lichte. Als Rechtslehrer und Ree ht s Philosophen, die ein Rechtssystem auf der Grundlage der jüdisch-biblischen Weltanschauung aufbauen. .Moral und Förderung der menschlichen Kultur sind bestimmend für dieses Rechtssystem. In diesem Sinne ist das talmudische Recht nicht nur dem römischen weit überlegen, sondern bietet auch dem modernen Rechte manche wertvolle Erkenntnis. Das jüdische Schrifttum war für die Generationen des Judentums vor uns die Grundlage ihres weltlichen und religiösen Lebens, bot ihnen Stütze und Erba.uung im harten Lebenskampfe. Den heutigen Juden ist ihr Schrifttum nicht nur unbekannt, sondern es wird ihnen immer mehr zur unbequemen Last, da die Judenfeinde ihre gehässigsten und gefährlichsten Angriffe aus dem von ihnen verfälschten jüdischen Schrifttum holen. \ Daher ist dieses Buch, in dem das Judentum in seiner wahren Gestalt dargestellt wird, fürden Juden in diesen Zeiten besonders wertvoll. Maimonides-Institut, Wien, II., Praterstraße 11. (Exemplare der Kaminka-Festschrift zum ermäßigten Preise.) Die Verwaltung hat beschlossen, eine Anzahl von Exemplaren der Festschrift, die im Buchhandel S 8.50 kostet, Rabbinern und Privätgelehrteh, die darum ansuchen, bei direktem Bezüge vom Institut, zum ermäßigten Preise von S 5— (nebst 88 Groschen Porto) zur Verfügung zu stellen. Der Band enthält wissenschaftliche Aufsätze von hervorragenden Gelehrten, wie Prof. Martin Buber, Prof. Umberto Cassuto (Rom), Prof. I. Davidson (New York), Prof. Ismar Elbogen (Berlin), Univers.-Dozent Dr. I. Fischer (Wien), Prof. Sam. Krauß (Wien), Prof. Mich. Guttmann (Budapest), Prof. Jos. Klausner (Jerusalem) und vielen anderen, ferner eine Bibliographie der gedruckten Schriften Dr. Käminkas von 1886 bis 1936, Der Betrag kann dem Institut durch die Postsparkasse überwiesen werden. Empfehlenswerte firmen RESTAURANTS, CAFfiS etc. Cafe Atlashof, I;, -Franz-Josefs-Kat 1, Tel. -;R-28-2-2S. Cafe Augartenhof, Ii., Untere Augarteristr'aße 46, Telephon* A-44-0-76. ." „, Cafe Buchsbaum, IL, Kleine Pfarrgasse 21. Bürgerliches Familiencafe.; , Cafe-Restauränt„De France", L, Schottennng i, Telephon A-16-3-74. Erstklassige Küche. Billige Preise.' Saal und Klubzimmer zu vergeben. Deutsch, am Schottenring 13, Delikatessenhandlung und Gaststube. " .- . ■ .» Cafe-Restaurant „Espresso", 1., Rotenturmstraße 1. Internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Hotel Cafe-Restaurant „Excclsior", I., Rotenturmstraße 24. Ganztägiger Restaurationsbetrieo. Bier vom Faß. _ ... Cafe Franz-Josefs-Ba.hn, IX., Althanplatz 4. 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