Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 734 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Freilag/ den 11« Mäix 193a 12» Jahrgang Nf ♦ 734 V« In ln DIE NEUE r Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par rediteur" 185 Ti«. VniversmtsbiblU fothek Wien, I. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.-. ganzjährig a 16.-; Polen monaUlch Zloty L». vierteljährig Zloty 4.50; Taeheehoslowakel monatlich Ko 6.T, vierteljährig Kc 18.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-. W«rteljänrigDinar 40.-:! Bamäalen monaUlch Lei 50.-, vierteljährig Lei 150.-: Dentschland monatlich Mark 1.-, vlerteljahrlf MarkT3.-TBuSarienmonatlich Lewa 30.-, vierteljährig Lewa 80.-; Itiülen monatlich Lire 5.-. vierteljährig Lire 14.-1 Schwelr und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Universitatsstr.8, Tel. A-20-2-78 Erscheint Dienstag u. Freitag Fleischhauer gibt zu: * //Protokolle — eine Fälschung" Matt weiß, wieviel Unheil die Verbreitung der berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion" in der Welt angerichtet hat. An der Spitze dieser Propagatoren dieser Fälschung steht der deutsche Oberst Ulrich Fleischhauer, der seit Jahren die antisemitische Korrespondenz „Weltdienst" herausgibt, mit der er seine Lügen und Verleumdungen des Judentums in allen Ländern und Sprachen verbreitet. In den letzten Jahren wurde durch zwei Gerichtsurteile, und zwar Princetown (Südafrika) und Bern (Schweiz) festgestellt, daß die „Protokolle" ein Plagiat von Maurice Jolys „Dialog zwischen Macchiavelli und Montesquieu" sind und in Rußland bearbeitet wurden, um dem Zaren und der russischen Aristokratie die Gefahr einer jüdischen Weltherrschaf t vorzumalen. So weltfremd und ungeschult war Fleischhauer nicht, um an die Echtheit der „Protokolle" jemals zu glauben. Nichtsdestoweniger trat er noch im Vorjahr als Experte im Berner Prozeß zugunsten der Echtheit der „Protokolle" auf. Seither war er unermüdlich für die Verbreitung dieser Schrift tätig, die durch seinen „Weltdienst'.' nun auch in Italien, in Palästina und in den arabischen Ländern ihre aufhetzerische Wirkung zu üben vermag. Wie aus London berichtet wird, hat der „Weltäienst" des Ulrich Fleischhauer soeben in englischer Sprache eine Broschüre herausgegeben, welche die angeblichen jüdischen Pläne zur Erringung der Weltherrschaft behandelt. Da nun aber Fleischhauer dem englischen Leser schwerlich zumuten kann, an den Irrsinn der „Protokolle" zu glauben, gibt er zu, daß diese „Protokolle" ein Plagiat sind, aber ■— Herr Fleischhauer weigert sich, die ganze Wahrheit einzubekennen — von einem Juden mit der Absicht plagiiert wurden, um der gesamten Judenheit Instruktionen für die Erlangung der Weltherrschaft zu geben. Nun, so weit haben wir es also gebracht, daß der Leiter der deutschen Antisemitenzentrale die Fälschung der „Protokolle" zugibt, allerdings nur in englischer Sprache und mit einer Einschränkung. Aber der edle Ritter erzählt das nicht seinen deutschen Lesern, die er systematisch zum Glauben an die Ungeheuerlichkeiten der „Protokolle" erzogen hat, und läßt auch weiterhin diese „Protokolle" in der ganzen Welt verbreiten. Unter diesen Umständen hat Fleischhauers Rückzug keinen Wert. Und das ist auch seine Absicht. Es entspricht durchaus der Mentalität der Fleischhauerianer in Deutschland und überall, sich, wenn man ihnen auf eine Lumperei kommt, aus dem Staub zu machen, aber derart, daß noch etwas Uebles für die Verleumdeten zurückbleibt Toscanina nadi Palästina abgereist Aus New York (J. T. A.)': Arturo Toscanini, dem die Medaille der Zeitschrift „American Hebrew" überreicht wurde, führte in seiner Dankansprache aus: „Ich bin glücklich in dem Bewußtsein, daß meine Tätigkeit dazu gedient hat, die Aufmerksamkeit der Welt auf die Idee des Friedens und der Zusammenarbeit zwischen den Rassen und R eligionen zu lenken." — Toscanini begab sich soeben auf die Reise nach Palästina. Volksbefragung in Osterreich Sonntag den 13* Marx Der österreichische Bundeskanzler hat sich Mittwoch, den 9. März, in einer Bede in Innsbruck an alle* österreichischen Staatsbürger mit dem Appell gewendet, zu bekennen, daß sie den Weg der sozialen Eintracht und Gleichberechtigung gehen wollen. Es ist der Weg, den Dr. Kurt v. Schuschnigg als Frontführer und Bundeskanzler vor vier Jahren beschritten hat und gewillt ist, zum Wohl des österreichischen Vaterlandes weiterzugehen. Friede und Arbeit soll allen gesichert werden, die sich zu V o I k und Vaterland bekennen. Die österreichische Regierung unter Führung des Kanzlers ist entschlossen, im Interesse aller Staatsbürger .und für den Frieden ein freies und unabhängiges und einiges Oesterreich zu schaffen, wie es ihrem bisherigen Programm entspricht. Dr. Schuschniggs Rede war eine Bekenntnisrede und darum ist es natürlich, daß er seinerseits eben- . falls ein Bekenntnis fordert. Für die jüdischen Staatsbürger Oesterreichs ist es eine Selbstverständlichkeit, alle ihre Kräfte dem Vaterland zu weihen und Ja zu sagen zu den Prinzipien, welche die Führung dieses Staates als Grundlage des sozialen, politischen und wirtschaftlichen Lebens ansieht. Die Rechte ausüben und die Pflichten erfüllen — das diktiert den Juden, welche auf österreichischem Boden ihre Heimat gefunden haben, ihr Gefühl ebenso wie ihr Verstand. Im Bewußtsein, daß das Wohl des österreichischen Vaterlandes es erfordert, wird die Judenschaft Oesterreichs ihr patriotisches Bekenntnis am Sonntag, den 13. März, ablegen. Stürmische Palästi'na-DebaMe im Unterhaus v 1 Aus L o na* 6 n: Im'Uhterhäus ' entspann ' sich am Dienstag, 8. März, Jm-;Zusammenhang..mit der Vorlage des Zusatzbudgets für die Vert eidigungvon P.aIäs t i n a und Trans jordanien in Höhe;von 423.000 Pfund eine Ifalästina-Debatte, die sehr .erregt ^verlief. Kolonienminister Ormsby-G ore begründete zuerst das Zusatzbudget. 301.000 Pfund von den geforderten 423.000 Pfund entfallen auf die Kosten verstärkter militärischer Garnisonen, die seit September des Vorjahres in Palästina erhalten werden. Gegenwärtig befinden sich dort sechs komplette britische Brigaden an Stelle der normalen Besatzung von zwei Infanteriebataillonen. Weiter gab der Kolonienminister bekannt, daß die neue Technische Untersuchungskommission sich im April nach Palästina begeben werde. Lloyd George beanstandete, daß das Parlament eine Verdoppelung der Militärausgaben für Palästina bewilligen solle, ohne ermächtigt zu sein, die Politik zu überprüfen, die eine solche Erhöhung notwendig gemacht habe. Der Konservative Adam warf die Frage einer jüdischen bewaffneten Ordnungstruppe auf. Der Labour-Abgeordnete Morgan Jones übte eine scharf e Kritik an der Palästina-Politik der Regierung, wobei er vor allem die Entsendung der neuen Technischen Kommission verurteilte. Der Kolonienminister, sagte er, habe erst im vergangenen August erklärt, zwei Dinge stünden bezüglich Palästinas absolut fest und seien über allen Zweifel erhaben: 1. daß die Regierung die Balfour-Deklaration nach wie vor als verbindlich erachte, und 2., daß das Mandat nach wie vor bestehe. Wenn dem so sei, fragte Morgan Jones, weshalb werde dann überhaupt eine Kommission nach Palästina geschickt? Der Minister habe sich auf ein Abenteuer eingelassen, das geradewegs auf ein furchtbares Unheil zusteuere. Der Liberale James de Rothschild erklärte, er habe Kenntnis, daß der Mufti in täglicher engster Verbindung mit Palästina gehalten werde. Der Mufti habe sich, wie man sich in Palästina erzählt, geäußert, „der Terror habe das Mandat zunichte gemacht und er werde auch der Teilung den Garaus machen". ODOL-ZAHNPASTA reinigt gründlich, schont den Zahnschmelz und macht die Zähne blendend weiß. Abg. Colonel Josiah Wedgwood erklärte: Diö wirklichen Zuhörer , bei dieser Debatte sind nicht die Araber, sondern die achtzehn M i 11 i o n e n J u d e n in der ganzen Welt, von denen nur fünf Millionen in Sicherheit in England und den Vereinigten Staaten leben können. Die einzige Frage, an der diese achtzehn Millionen wirklich interessiert sind, ist nicht die Teilung und nicht die zukünftige Regierung Palästinas, sondern die Frage, ob ihnen irgendwo auf der Erde ein Platz gegeben werden wird, wohin sie gehen können. Es gibt in Palästina etwa 50.000 Juden, die fähig sind, Waffen zu tragen. Weshalb gibt man ihnen nicht die Möglichkeit, sich zu verteidigen und ihr; Land selbst zu schützen? Hat die Regierung ihre Auffassung bezüglich der Teilung geändert oder nicht? Colonel Wedgwood verlangte eine Unterhausdebatte über die jüdische Einwanderung in Palästina, wandte sich gegen die arabischen Forderungen und trat für die Aufrechterhaltung des Mandats ein. Im Laufe seiner Rede kam es zwischen ihm und dem Kolonienminister zu mehreren Zusammenstößen. Wedgwood schlug hierbei mit der Faust auf das Pult. Kolonienminister Ormsby-Gore antwortete auf diesen heftigen Angriff in einer nicht weniger heftigen Form und es kam zu einem weiteren lärmenden Zwischen* fall, als er Colonel Wedgwood beschuldigte, er habe zu wiederholten Malen der Regierung ihre Aufgabe durch derartige Angriffe zu erschweren versucht. „Ich wünsche", erklärte der Minister, „ein für allemal klarzustellen, daß die Regierung nach wie vor genau dort steht, wo sie in der Debatte im Juli v. J. stand: Sie hält nach wie vor an der Teilung Palästinas fest." Mehrere Unterhausabgeordnete aller Parteien, unter ihnen R. D. Denman, Denville, Major Procter, Captain Cazalet, Colonel Wedgwood, Sir Archibald Sinclair, Silverman, Shinwell und Sir John Haslam, haben hinsichtlich der Frage der jüdischen Einwanderung in Palästina einen dem Unterhaus zu unterbreitenden Antrag unterzeichnet, in welchem es heißt, daß „nach Ansicht des Unterhauses nach dem 31. März 1938 die Einwanderung von Juden in Palästina gemäß dem Prinzip wirtschaftlicher Aufnahmefähigkeit des Landes vor sich gehen solle". Eine Erlösung für starke Leute sind unsere modernen „CORPUFRON7"-Leibbindenl Vollendet konstruiert, leicht, kein Verschieben, jedem Fall sorgfältigst angepaßt. Bondngen-lflihniflsch Fachllrma Taborstr. 22 Tel. R-42-54Q