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Die neue Welt · 1938-03-01 · Heft 731 (1.3.1938) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 731 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 droschen Dienstag/ den I« Min 1938 DIE NEUE Hc J ■kW ■ ■■ ■«■■^■rHH 11 ■■■ REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.80, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteliährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel* jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwei« and die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Schuschnlggs Botschaft und wir Juden iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin ZUM FROHEN FESTE wird der PESSACH erst durch die so wunderbaren, delikaten Schmidl-Nazzoth Die Marke des Feinschmeckers Verlangen Sie überall nur „SCHr1BDL"'Mazzofth? o Die Eröffnung des Passagierhafens in Tele Aviv Aus Tel-Aviv wird gemeldet: Am Dienstag, den 22., waren Stadt und Hafen Tel-Aviv glänzend geschmückt und Illuminiert. Vor dem Stadtgebäude war das Modell eines Schiffes aufgestellt. Sehr viele Gäste aus ganz Palästina waren eingetroffen. Ein besonders reges JLcben herrschte in den Straßen,, die zum Hafen führten. Am Mittwoch vormittags herrschten Sturmwetter und Regen, das Meer war aufgepeitscht, so daß die Arbeiten im Hafen unterbrochen werden mußten. Der Sturm, machte es dem Dampfer „Har Zio n" unmöglich, in den Hafen zu kommen'. Trotzdem begannen die Feierlichkeiten programmgemäß um 12 Uhr mittags. Die Reservierten 1000 Plätze waren alle besetzt. Durch zw öl & Lautsprecher wurden die offiziellen Beden nach allen Teilen der Stadt übertragen. Der erste Redner war der High Commissioner Sir Arthur Wauchope, der mit einem goldenen Schlüssel, der ihm in einer silbernen, mit einem Magen David gravierten Schatulle überreicht wurde, das Einwanderer haus im Hafen geöffnet hattet In seiner Ansprache unterstrich der High Commissioner die große Bedeutung Tel-Avivs für Palästina und die hohe Errungenschaft, die der Hafen darstellt. Er sprach die. Erwartung aus, daß der Hafen,von Tel-Aviv der größte Passagierhafen zur Aufnahme jüdischer Einwanderer sein wird. Der nächste Redner, Direktor Hoofien, Präsident der Hafenbaugesellschaft „Ozar mifale jam", führte in seiner Rede aus, der neue Hafen sei nicht allein ein Symbol des Wachstums der ersten jüdischen Stadt Tcl- Aviv, sondern auch der wirtschaftlichen Reife des Jischuw. Der Bürgermeister von Tel-Aviv, Ingenieur Kok ach, erklärte, durch den neuen Hafen habe sich der Jischuw von Jaffa unabhängig gemacht. DJe gesamte jüdische Presse appelliert an das iWclt ju den tum, den Hafen vergrößern und ausgestalten zu helfen. Im gesamten Jischuw wird die, wenn auch nur „symbolische11, Eröffnung des Hafens als ein Ereignis von ungeheurer Beedutung gewertet. (J. T. A.) Mannhafte Worte int Belgrader Parlament Kürzlich wurde in Belgrad der sephardische Tempel >,Beth Israel" von einer organisierten antisemitischen Gruppe überfallen. Diese Angelegenheit fand jetzt ihren Widerhall im jugoslawischen Parlament, wo der Abgeordnete Jeremiah Prot iß erklärte: „Die Einführung des hitleristischen Systems, . jetzt zum erstenmal durch eine organisierte Partei, ist für uns deshalb peinlich, well sich der Anschlag ' gegen die Belgrader, besser gesagt, die angestammten serbischen Juden gerichtet hat. Die Juden haben es nicht nötig, daß man sie hier verteidigt, und doch ergreife ich diese Gelegenheit, um festzustellen, daß - die' Belgrader Juden den ältesten Häusern entstammen. Von je haben sie sich in unserer Kultur gebildet. Ihre Loyalität und Treue zu König, Volk und Vaterland stehen außer Zweifel. Sie zogen, aus vollem Herzen Patrioten, zusammen mit uns in den Krieg. Die betroffene Synagoge Beth Israelwurde von König Peter I. eingeweiht, dieser Akt ist auf einer in der Synagoge angebrachten Tafel festgehalten. Stellen Sie sich vor, welch ungeheures Unrecht durch diesen Anschlag den Juden zugefügt wurde!" Der Abgeordnete erinnerte an die Zeit der österreichisch-deutschen Okkupation, in der sich die Belgrader Juden würdig und heldisch benommen haben, und schloß: „Pas haben die Belgrader Juden wahrlich nicht fcerd«V\<J, T., A.), o. r, Wien, 28. Februar 1938. Wenn man die Wirkung der Rede des Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg in eine Formel pressen will, die das Wesentliche sagt, dann könnte diese Formel lauten: Europa ist ruhiger geworden. Damit soll allerdings nicht gesagt sein, daß von nun ab die Dinge in heiterem Rhytmus weitergehen, die Völker keinen Anlaß haben werden, sich über ihr Schicksal Gedanken zu machen. Es ist bloß der schwere Druck, der über Europa, vornehmlich über Mitteleuropa, lastete, ein wenig gewichen. Oesterreich atmet wieder aus beiden Lungen und es fühlt, daß eine dunkle Wolke über seinem Himmel hinweggezogen ist. Nach dem 12. Februar, dem Tag der Berchtesgadener Besprechungen zwischen dem österreichischen und dem reichsdeutschen Kanzler, hatte eine fieberhafte Unruhe eingesetzt. Man wußte nicht, was besprochen und vereinbart worden war, aber die Umstände, unter denen die Konferenz zustande kam, deuteten darauf hin, daß das Gesicht Oesterreichs sich von nun ab ändern werde. Der Grad der Aenderung war unbekannt. Man stellte Vermutungen darüber an. Die Summe all dieser Vermutungen verdichtete sich zu dem Nebel von Gerüchten und Aus- Sie neue große? ©j)imc0s©arictcsSd)«u in 18 SBtf&ern Die gute alte Seit (©änfcfjäufl, ^odjftraßnmmnen, gratet, Stummer JJilm, Cancan im „SKajim" 3^«* 1900, S)eutfcf)meifterfapetlc, Untergang ber „Titanic" ufro. ufm.) mit Units, bic „9?eue==2BeIt"*Seitj'ation Crorfers SBtmber&ätett, (flornns 5 3Kenbes unb rociteren 6 Star^ttraftioncn . 100 SWitwitfcnbc 300 Äojtümc 315 morgen im 5ROIt(H^Ct Streuungen, der schließlich die Gehirne sogar der nüchtern denkenden Bürger umfaßte und für reale Erwägungen unfähig machte. Dazu kam die Erwägung, daß die großen demokratischen Staaten, die in den letzten Jahren der gewaltsamen Aenderung der Machtverhältnisse nur theoretische Formeln entgegenstellten, auch in Sachen der Freiheit Oesterreichs sich gegebenenfalls mit der Feststellung einer vollendeten Tatsache begnügen würden. Denn die Ermunterung von außenher zum Festhalten am eigenstaatlichen Wesen des Landes Oesterreich war sehr gering. Schließlich konnte die Erfahrung auch noch auf die schrecklichen Dinge hinweisen, die bereits die i 11 e g a- 1 e n Unterminierer der österreichischen Selbstständigkeit angerichtet hatten. Sie jetzt legalisieren, hieße — den Terror als den natürlichen Zustand einer Gemein-, schaft deklarieren. Aber das geschah nun eben nicht. Die Botschaft des österreichischen Kanzlers an das Land Oesterreich und an die Welt, so weit sie willens war, zu hören, machte dem Spuk ein Ende. Es gibt jetzt keine dem Belieben einer unentwegten, Gruppe anheimgegebene Auslegung der Österreichisch-deutschen Abmachungen mehr, sondern nur die Erklärung Dr. Schuschniggs, daß die Freiheit und Unabhängigkeit, bzw. volle Souveränität des Bundesstaates Oesterreich von der deutschen Regierung anerkannt und eine Einmischung reichsdeutscher Stellen in innerösterreichische Verhältnisse ausgeschlossen sei. Wären wir christliche Deutsche oder schlechthin Nichtjuden, so könnte unser Blick dahin gerichtet sein, was Gutes sich für beide Teile unter einem gesamtdeutschen Gesichtspunkt ergibt. Aber als Juden stehen wir naturgemäß bei einer Entwicklung deutscher kulturpolitischer Beziehungen abseits und maßen uns nicht an, hier dreinzureden, Wis reduzieren unser Interesse, auf den legitimen Anspruch, nicht zu Opfern dieser? Entwicklung herabgewürdigt zu werden, * Es gab eine Gefahr für Oesterreich in der ersten Februarhälfte. Niemand kann das bestreiten. Der Bundeskanzler selbst deutete die Gefahr in seiner, Botschaft an. „Bis hierher und nicht weiter!" besagt heute nichts anderes, als daß die Grenze der Nachgiebigkeit um des Friedens und der österreichischen Sache willen erreicht ist. Diesem Passus der Rede wurde bisher in den Komentaren der Weltpresse zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die praktischen Maßnahmen zur Einhaltung dieser Tendenz werden hoffentlich aufklärend wirken. * Zweimal nahm Bundeskanzler Schuschnigg Be-< zug auf den Charakter Oesterreichs. Der österreichische Staat ist ein christlicher, deutscher, ständisch' gegliederter, autoj^är^geführter Staat. Aber in diesem Staat ist Platz für alle, die in ihm leben. Es ist die Aufgabe der Regierung, erklärte Dr. Schuschnigg, „die Wunden zu schließen, die aus einem unglücklichen Krieg und einem unseligen Frieden ihm geschlagen wurden, dem deutschen Volk in Oesterreich und gleichermaßen den zahlenmäßig geringen fremdvolk- Uchen Minoritäten,: die auf unserem Boden.ihre Heimat haben." Diese Stelle.wird darum zitiert, um festzustellen, daß wir Juden nicht zu dem deutschen Volk in Oesterreich zu zählen sind, sondern zu den fremd volklichen Minoritäten. Es ist beschämend, das hier in diesem Zusammenhang wieder sagen zu müssen, aber notwendig — da vielleicht gewisse jüdische Kreise versuchen werden, zu erklären, daß es keinen Unterschied zwischen Oesterreichern und Oesterreichern gibt, daß der Chef der österreichischen Regierung keine Parteien oder Gruppen oder Schichten kennt, sondern nur M e n s c h e n, u. zw. Oesterreicher. Oesterreich ist ein deutsches Land und in Oesterreich wohnt ein deutsches Volk — bis auf geringe fremdvolkliche Minoritäten, zu denen außer Tschechen, Kroaten, Magyaren eben wir Juden gehören* Es wäre gefährlich und verderblich, wenn man hier einer oberflächlichen Terminologie folgen oder gar die mutlose Interpretation unserer Assimilanten annehmen wollte, die schon so viele Enttäuschungen gebracht hat. Der Rechtstitel für die Gleichstellung der jüdischen Statsbürger geht auf die Minderheitenschutzrechte zurück, die der Kanzler andeutet, wenn er von der Aufgabe seiner Regierung spricht, die Wunden auch der fremdvolklichen Minori- Der stärkste jüdische Film dar Gegenwart! Der gewaltigste Stof! in vollendeter Gestaltung I Das menschlichste Thema in der packendsten Darstellung! Der erste künstlerische Film in jiddischer Sprache! Eine Höchstleistung des Films überhaupt! detd)&uk in jiddischer Sprache mit deutschen Fußtiteln mit Abraham Marewski, A. Samberg, Uli Uliana, M. Lipman, DIna Halpern, M. Bozyk, G. Lembarger, L. Liebgold, S. Landau u.a.m. Künstlerisch* Leitung: Univarsitfltsprofesior Dr. Maier Ballaban Musik: Henoch Kohn. Tempelgesang: Garsxon Sirota. Tanz: Judith Barg URAUFFÜHRUNG AB DIENSTAG, 1. MARZ Helios-Kino Nestroy-Kino II, TabontraOe ||, Praterstraß«

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