Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 730 (25.2.1938)
- Date
- 1938-02-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag/ den 25* Februar 1938 12« Jahrgang Ht* 730 V. b*!>♦ Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedlo par rediteor«* DIE NEUE REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig 8 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« Jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig/ Lire 14.—s Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Universitätsstr.8,7ei,A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag Ein Wort der jüdi§dien Pre§se o. r. Wien, 24. Februar 1938. So viel weiß auch der dem Tagesgeschehen fernstehende jüdische Mitbürger, daß es nur selten weltpolitische Entscheidungen gibt, die nicht in das Schicksal des jüdischen Volkes eingreifen. Darum horcht er auf, wenn sich neue Dinge ankündigen und prüft sie auf ihren Gehalt an „jüdischer Wirkung". Die letzten Tage sind geeignet, zu solcher Prüfung zu veranlassen. Man begegnet einander, tauscht Gedanken, Befürchtungen, Hoffnungen aus; man sucht nach geschichtlichen Analogien; man blickt einander in die Augen und studiert die Mienen und ist glücklich, in irgend einem Lächeln ein Stückchen Optimismus gefunden zu haben. Und sie alle — die noch Gutgestellten und die schon Wurzellosen, die Skeptiker und Phlegmatiker, die Gottgläubigen und die zu oft Enttäuschten, diejenigen, welche noch etwas und diejenigen, welche nichts mehr zu verlieren haben —, sie alle greifen erregt und besorgt und trostbedürftig nach der Zeitung, nach derjüdischenZeitung. Von ihr, der jüdischen Zeitung, erwarten sie Aufklärung, Information, Richtlinie. Von ihr verlangen sie, daß sie sich ihrer annehme, daß sie für sie kämpfe, daß sie all das ausspreche, was der Einzelne in den schweren Tagen empfindet und dem Andern sagen möchte. Plötzlich ist die nur halb beachtete und nur halb geachtete Zeitung ein Faktor in der jüdischen Gasse geworden. Die Tagespresse bringt, die großen politischen Meldungen aus London, Rom, Paris, Berlin, Wien, Prag. Aber die jüdische' Presse soll aus diesen Meldungen das herausschälen, was für das jüdische Schicksal wichtig ist. Denn jeder Jude fühlt, daß jetzt die weltpolitischen Entscheidungen auch in sein Leben, in sein tägliches privates Leben eingreifen werden. ... Wir waren uns seit jeher dieses Umstandes bewußt und registrierten nicht bloß die Ereignisse, sondern deuteten sie auch dem Leser in ihren Hintergründen, soweit diese unser Schicksal mitbetrafen. Es gab keine Gelegenheit, die wir nicht zu dieser Aufklärung benützten. So wurden wir Informations- und Trostquelle für den jüdischen Leser, sein Halt in Schwierigen und drohenden Tagen, sein Spiegel, in dem er sich selbst mit seinen Freuden und Leiden sah. Der Kampf für jüdisches Recht und jüdische Ehre vollzog sich an allen Fronten, auch wo äußerste Zurückhaltung den Kampf erschwerte, fast unmöglich machte. Es gehörten viel Selbstbeherrschung, viel Takt und gleichzeitig viel Mut dazu, dort etwas zu sagen, wo scheinbar aktuell schwerwiegendere Interessen Stillschweigen verlangten. Wir sind in dieser Hinsicht bis an die äußerste Grenze des Möglichen gegangen. Man muß verstehen, daß einer Zeitung, einer jüdischen Zeitung, schwerste Pflichten gegenüber ihrem Lande auferlegt sind und daß sie gleichzeitig bestrebt sein muß, ihre patriotische Ueberzeugung mit den legitimen Wünschen der jüdischen Gemeinschaft in Einklang zu bringen. Die Durchführung dieser Aufgabe ist nur möglich, wenn die jüdische Zeitung nach beiden Richtungen, nach der österreichischen und nach der österreichisch-jüdischen, strengste Objektivität wahrt und das gesamtösterreichische Interesse vor Augen hat. Seit Jahren geben wir uns dieser Aufgabe hin; heute, wo die Zeitereignisse sie noch mehr in den Vordergrund rücken, bedürfen wir mehr denn je der Freundschaft und Anhänglichkeit unserer Leser. Die jüdische Zeitung, die um ihres sittlichen Kampfes willen die schwersten Opfer bringt, hat Anspruch darauf, von den die Früchte dieser Opfer genießenden Juden gestützt zu werden, damit der Kampf mit unverminderter, ja, verstärkter Kraft weitergeführt werden kann. Wir werden jetzt, wo die politische Lage eine delikate und vorsichtige Behandlung aller Fragen erfordert, nicht das geringste von unseren Grundsätzen preisgeben, aber wir erwarten hiebei die Anteilnahme unserer tausenden Leser, durch die das Instrument des Kampfes stark und wuchtig zu bleiben vermag* Jüdische Gleichberechtigung bestätigt Wi e ns den 24. Februar 1938. Nach Mitteilungen der auswärtigen Presse ist letzthin der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, vom Bundeskanzler empfangen worden. In der über eine Stunde dauernden Besprechung erklärte der Bundeskanzler, nach den Mitteilungen der auswärtigen Presse, daß seine Regierung unbedingt an der Verfassung vom 1. Mai 1934 festhalte. Die Verfassung gewährleistet bekanntlich die Gleichberechtis g u n g aller Staatsbürger Oesterreichs sowohl durch eine ausdrückliche Bestimmung als auch durch die Erklärung der Min der hei ts*Sc hu tzbest immun gen als integrierenden Bestandteil der österreichischen Verfassung. Bei der stattgefundenen Rücksprache wurde auch die in letzter Zeit umstrittene Frage der Organisation der jüdischen Jugend, die in den letzten Tagen zum Abschluß gekommen ist, berührt. Die Verlautbarung über die getroffene Regulierung wird in den nächsten Tagen erfolgen. Die Satzungen des Jüdischen Jugendverbandes in Oesterreich brins gen die Gleichberechtigung der jüdischen Jugend und die organisatorisch^ Verbindung mit dem österreichischen Jungvolk zum Ausdruck. Wa§ will Weizmann in London? In der vorigen Woche hat Kolonienminister Ormsby-Gore bei einem Bankett in London erklärt, daß ernach. Abschluß der gegenwärtigen Parlamentssession nicht mehr ins Unterhaus zurückkehren werde. Da vor Sommereintritt die Session zu Ende geht, werden wir nur mehr kurze Zeit Gelegenheit haben, Ormsby-Gore in seinem Amt zu sehen. In der Unterhausdebatte am 16. Februar wurden an Ormsby-Gore mehrere, die britische Palästina- Politik betreffende Fragen gestellt, darunter auch die eine Frage, ob er in der Lage sei, zu erklären, daß die Regierung noch immer die Teilung als Lösung des Palästina-Problems ansehe. Ormsby-,Gore lehnte die Beantwortung dieser Frage ab. Er beantwortete auch nicht die Frage, ob er die Notwendigkeit einer beschleunigten Entscheidung einsehe, da der arabische Terror das Mandat untergrabe. Die Beantwortung dieser Fragen seitens Ormsby- Gores wäre übrigens uninteressant, da er ja nicht mehr Gelegenheit haben wird, seinen Plan — den Teilungsplan — zu verwirklichen. Unwillkürlich drängt sich aber die Frage auf, in welcher Weise die Zionistische Exekutive mit Dr. Weizmann an der Spitze ihre bisherige Politik weiterführen wird. Weizmanns Teilungs-Stütze, Ormsby-Gore, geht, die Stimmung in den englischen Regierungskreisen, betreffs der Teilung, ist flau, der arabische Bandenkrieg geht weiter — es ist nicht zu sehen, mit welcher logischen Begründung Dr. Weizmann die Teilungstragödie, weiterspielen will. Man kann. ohne. Uebertreibung sagen, daß noch selten das Debakel einer politischen Führung und Zielsetzung so kraß ans Tageslicht getreten ist, wie *das' Her Herren Weizmann, Ben Gurion, Shertök ... Ormsby-Gore, in seinem verfehlten Teilungsplan völlig isoliert, kündigt soeben seinen Rücktritt als Konsequenz einer schiffbrüchig gewordenen Palästina-Politik an. Dr. Weizmann ist in London erschienen. Daß der blamierte Ormsby-Gore eine Stütze für die Fortsetzung der Weizmann-Politik bedeuten könnte, wird wohl niemand behaupten. Was also Weizmann jetzt für seine Politik in London erreichen will, wissen scheinbar auch seine intimen Freunde und Mitarbeiter nicht. Weiß er es selber? Handelsbilanz Oe§terreidi«Palä§tina Schwerer Rückgang der österreichischen Ausfuhr Die Oesterreichisch-palästinensische Handelskammer gibt in ihren Mitteilungen vom Februar 1938 folgende Zahlen betreffend die Einfuhr palästinensischer Waren in Oesterreich und die Ausfuhr österreichischer Waren nach Palästina bekannt (in österreichischen Schilling): Jahresbilanz Oesterreich-Palästina (österreichische Statistik): 1935 1936 1937 Gesamteinfuhr . . , 757.000 . . . 661.000 . . . 1,102.000 Gesamtausfuhr 8,386.000 3,889.000 3,687.000 Von der Gesamteinfuhr 1937 entfielen auf Nahrungsmittel und Getränke S 385.000, auf Rohstoffe und Halbfabrikate S 614.000, auf Fertigwaren S 42.000 und auf Gold S 61.000. Beim Vergleich mit den entsprechenden Daten des Jahres-1936 ergibt sich bei Nahrungsmitteln ein Zuwachs von S 255.000 (vornehmlich Südfrüchten), bei Rohstoffen ein Zuwachs von S 155.000 (Alteisen, Häute, Felle und sonstige tierische Abfallprodukte) und bei Gold ein Zuwachs von S 46.000. Neigung zu Krampfadern starke Knöchel usw. verlangt Tragen eines wirkungsvollen Kiamptaüernslrumptes. Empfohlen ist die Marke „Paradrilit"-Lastexf hauchdünn, porös, faltenlos, auskochbar und äulierst haltbar; der ideale Strumpf iilr Empfindliche. Stück von S 8.75. Alleinverkauf: Facrtfirma Taboretr. 22 Bandpoen-mghplcisch BroschUren gratis Die Gesamtausfuhr sank wiederum gegen-i über 1936 um S 202.000 und gegenüber 1935 um rund 4,7 Millionen Schilling. Dieser geradezu katastrophale Niedergangunseres Exports nach Palästina ist sicherlich zum größten Teil auf diei derzeit in Palästina herrschenden unruhigen Verhältnisse zurückzuführen, zum Teil jedoch ist er in der mangelnden Konkurrenzfähigkeit.österreichischer Pro* dukte begründet. Besonders das durch das Transferübereinkommen geförderte Dumpingdeutscher waren bringt den österreichischen Export ins Hintertreffen. Sobald die Zwangstransferierungen von Kapitalien aus Deutschland, welche eine hohe Exportprämie für deutsche Waren bedeuten, aufhören werden und in Palästina mit dem Eintritt normaler Verhältnisse das Risiko für den österreichischen Exporteur nicht übermäßig ausfällt, ist mit dem Anwachsen unseres Exports nach Palästina wiederum zu rechnen. Immerhin ist zu bedenken, daß eine übermäßige Aengstlichkeit des Exporteurs die Gefahr in sich enthält, daß der palästinensische Markt dauernd für Oesterreich verlorengeht. Da Palästina schon jetzt ein Umschlagplatz für den Vorderen Orient ist, wäre damit der Verlust einer wichtigen Position gegeben. Dies zu verhüten, müssen in Oesterreich die größten Anstrengungen gemacht werden, Oesterreich ist seit dem Jahre 1935 in der Einfuhr Palästinas von der 14. auf die 21. Stelle zurückgefallen, Während die Aktivität unserer Bilanz gegenüber Palästina im Jahre 1935 noch über 7,6 Millionen Schilling betrug, ist dieser wertvolle Aktivposten im Jahre 193? auf 2,5 Millionen Schilling gesunken,