Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 729 (22.2.1938)
- Date
- 1938-02-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag/ den M. Febrnar mm DIE NEUE 18« Jahrgang Nr« 720 V.b.b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal <wo6»" - "*""" '* REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig 8 16.—; Polen monaülch Zloty 1.50, viertelJährlff Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.~, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertelt Jährig Dinar 40.—: Buntänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland[monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark:3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.--a Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Universitätsstr.8,7eLA-20*2.78 — Erscheint Dienstag a. Freitag Hinter den Kulissen der englischen Palästina-Politik Wirtschaftsdepression und Einwanderungsschedule — Die Bewaffung der Chauffeure — die deutsche nationalsozialistische Propaganda! ZUM FROHEN FESTE wird der PESSACH erst durch die so wunderbaren« delikaten , Schmidl-Mazzoth Die Marke des Feinschmeckers Verlangen Sie Überall nur „SCHHIDL"-Hazzo£h! *) Aus der zionmii§dien Welt' JVichtjge Konferenz der Revisionisten und Juden- : ' staatler in'Paris . Am. 19. Februar fand in Paris eine Sitzung statt, an . welcher als Vertreter , des Präsidiums der „N e.u e n Z i o n i s t i s c h e'n O r g a n i s a t i o n" die Herrn Jabotinsky, Jacobi/und Dr. K1 inger,: und als Vertreter der W e 111 e i t u n g d e r Juden- Sta.a t sp art ei die Herren Großmann, Doktor Macjiower.und Strjcker,' teilnähmen. Oberbaurat Robert St8<$eft welcher soeben in Wien eintraf, teilt uns mit, daß die Konferenz in Hinsicht , auf eine engere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Organisationen günstige Resultate ergeben hat. Vor allem wurde die Schaffung einer politischen Kontakt-Kommission in London beschlossen. , : Alle Beschlüsse werden den beiderseitigen Parteiinstanzen zur Ratifizierung vorgelegt. Die Ausgabe eines offiziellen Berichtes über den Verlauf und die Resultate der Konferenz steht unmittelbar bevor. Betrachtungen des öst£rreichfl§chen Juden 1 ' ' Wien, 21. Februar 1938. Die Wendung in den Beziehungen zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich kam derart überraschend, daß breite Schichten der Bevölkerung nicht, den Maßstab parat Hatten, die Auswirkungen dieser Wendung abzuschätzen. Im ersten Augenblick uha vornehmlich nach der Berliner Reichstagsrede vom 20. Februar hatte die vaterländische Bevölkerung Oesterreichs, die<; nur den geraden patriotischen Weg kennt, die Empfindung, daß den Abmachungen in Berchtesgaden * ein zu starkes Hervortreten der nationalsozialistischen Elemente' \folgen werde, und diejenigen, die politisch nichtsi anderes als die Freiheit, Unabhängigkeit und Würde der österreichischen Staatsbürger' im Sinne haben, waren durch verschiedene Momente irritiert. Die Art, wie in anderen Ländern .der Radikalismus, sich in :Szene setzte und sich seinen Weg bahnte, erschien auf Gund gewisser Symptome, auch bei uns sichtbar. Vergleiche zwischen Hüben und Drüben korinte die. Skeptiker in ihrem Pessimismus bestärken, bis sich schließlich der Horizont zu lichten beginnt. :" . ( Nach allen Enunziationen der Regierung Schusclinigg, d, h. auch, nach der Rekonstruktion ' dieser Regierung/ . ist die österreichische Gesetzgebung intakt geblieben, und nur sie kann die Basis des öfferit-; liehen, Lebens sein. Es kann nicht geleugnet werden, daß das Wiederauftreten des jetzt offen sich betätigen-^ . den Nationalsozialismus gewisse Bedenken hervorrufen ' muß, hauptsächlich bei der.österreichischen Juden-, he.it. Penn man kennt die Parolen und Tendenzen, dieser Gruppe, die immer — legal oder illegal —- das' Judentum beschimpft, verdächtigt und verfolgt hat,' und zwar unter Anwendung der bekannten „rassischen".'Devise. Die Erweiterung des Abkommens vom 11. Juli bezieht sich vornehmlich auf die Anerkennung der , Aua London meldet die J. T. A.: In der Unterhausdebatte am 16. Februar wurden an den Kolonienminister Ormsby.-Gore, der soeben Beine Demission angekündigt hat, mehrere Anfragen gerichtet, die sich mit der britischen Palästina-Politik befassen. Abg. Thos. Williams fragte den Kolonienminister, ob er jetzt in der Lage sei, zu sagen, auf welcher Basis die Einwanderung in Palästina, nach dem 31. März geregelt werden wird. Minister Ormsby-Gore erwiderte, er habe der von ihm am 9. Februar erteilten Antwort nichts hinzuzufügen. " Abg. Morgan Jdhes: Hat der Minister Kenntnis davon, daß die sehr schwere Wirtschaftsdepression in Palästina eine Folge der Ein- Wanderungspolitik der Regierung ist? Minister Ormsby-Gore: Ich bin nicht der,Ansicht, daß diese Politik die Ursache der wirtschaftlichen Depression ist. Es ist wahr, daß es in Palästina eine große Zahl von Arbeitslosen, gibt, aber die Arbeiter-Schedulen haben damit nichts zu tun. Abg. Morgan Jones: Ist es nicht ein© Tatsache, daß keine Neigung besteht, Geld in Palästina zu investieren, so lange Unsicherheit über die Politik der Regierung herrscht? Sir Archibald SJjj. c11al r:Hat nicht die Kgl. Kommission selbst betont, daß ein Andauern'der Prosperität in Palästina von der Aufrechterhaltung der Einwanderung in einem wesentlichen Umfang abhängig ist? Beide Fragen blieben unbeantwortet. Colonel Wed.gwood fragte den Kolonienminister, ob es den jüdischen Autobus-Chauffeuren im Hinblick auf die fortwährenden Ueberfälle auf Autobusse erlaubt wurde, Waffen zu tragen, wie dies die Exekutive der Jewish Agency am 6. Jänner gefordert habe. " Ormsby-Gore erwiderte, nach sorgfältiger Erwägung sowohl durch die Zivilals auch durch die Militärbehörden bus:Chauffeuren das Tragen von Waffen n i c h t z u g e s t a 11 e n. Weitere Maßnahmen zum Schutze des Straßenverkehrs seien vor kurzem ergriff en worden; er hoffe, daß Sie sich als wirksam erweisen werden. " Colonel. W e d g w o o d: Was ist mit den zwanzig jüdischen Kindern und den acht Frauen geschehen, die am 21. Jänner als i 11 eg a 1 e Einwanderer an der palästinensischen Grenze verhaftet wurden? — Ormsby-Gore: Ich werde den Fäll untersuchen. Der Augeordnete Vyvyan Adams fragte, ob die englische Regierung noch immer Teilungais Lösung des Palästina-Problems ansehe. Abg. Thos. Williams fragte, ob der Minister in der Lage sei, eine Erklärung über die Politik der Regierung abzugeben. Die Beantwortung beider Fragen lehnte der Kolonienminister ab. Auch auf die weitere Frage des Abgeordneten Wilin Palästina sei beschlossen worden, jüdischen Autoliams, ob der Minister im Hinblick darauf, daß — wie der Mufti erklärt habe — Terror das Mandat und, in letzter Folge, das Jüdische Nationalheim vernichten werde, nicht die Notwendigkeit einer beschleunigten Entscheidung einsehe, wurde keine Antwort erteilt. Abg. Mander fragte den Außenminister, ob er im Hinblick auf die Ausbreitung der nationalsozialistischen Propaganda in allen britischen Kolonien, und besonders in Paläst i n a, bei der deutschen Regierung Vorstellungen erheben werde. Außenminister. Anthony Eden: Sr. Majestät Regierung ist sich der Notwendigkeit einer genauen Ueberwachung aller Formen ausländischer Propaganda voll bewußt. Nach den Informationen jedoch, die ich besitze, glaube ich nicht, daß die besondere Art der Propaganda, von der Abg. Mander gesprochen hat, gegenwärtig von solcher Natur ist, daß Vorstellungen bei der deutschen Regierung nötig wären. (J. T. A.)j Der Hafen von Tel*Aviv Aus Jerusalem wird gemeldet: Eine Abordnung der arabischen.Hafenarbeiter von. Jaffa sprach bei Mr, L. K. Pope7"demJaffaer Hafens, vor und) protestierte gegen die Landung von Passagieren im Hafen von Tel-Aviv. Mc Pope teilte der Abordnung mit, daß alle Vorbereitungen für die Landung von Passagieren in Tel-Aviv amtlich beschlossen wurden und unabänderlich seien. In der Zwischenzeit werden alle Vorbereitungen für die Landung von Passagieren im Tel-Aviver Hafen fertiggestellt. Heute wurde bereits die palästinensisch-hebräische Flagge für die am 23. Februar stattfindende feierliche Eröffnung der Passagierlandung im Hafen gehißt. Die „Harzio n" soll bei ihrer Einfahrt in den Hafen von Tel-Aviv am 23. Februar von drei jüdischen Flugzeugen eskortiert werden. Bei der Eröffnungsfeierlichkeit im Hafen werden Ansprachen gehalten. Sir Arthur Wauchope wird den Landungssteg mit einem goldenen, Schlüssel öffnen, der ihm dann zur Erinnerung an diesen Tag überreicht werden wird. Man erwartet, daß Sir Arthur ebenfalls eine Ansprache halten wird. In ganz Palästina zirkulieren Listen zur Zeichnung von Summen, die für die Herausgabe von Aktien für die Entwicklung des Hafens von Tel-Aviv bestimmt sind. Diese Aktien sollen Alijah genannt werden. Für den 24. Februar wird ein „Kindertag" organisiert, an dem alle jüdischen Schulkinder in ganz Palästina das Ereignis der erstmaligen Landung von Passagieren im Hafen von Tel-Aviv feiern werden. nationalsozialistischen Weltanschauung1 und; deren Betätigung im Rahmen der bestehenden Gesetze. Die österreichische Verfassung legt also den weitgehenden [ Wünschen der Nationalsozialisten Schranken auf, die sie nicht ohne Verletzung der österreictiisch-reichsdeutschen Abmachungen überschreiten können. Von diesem Gesichtspunkt aus bietet uns die; gegenwärtige Regierung die Gewähr der Unversehrtheit unserer staatsbürgerlichen Rechte, und darum ist . es die Pflicht a 11 e r P.a t r i o t e n, d u r,c h k e i n e rlei Akt die Aufbauarbeit der Regierung zu stören, vielmehr alles zu tun, auf daß die Wirtschaft unseres Vaterlandes gestärkt, die Ordnung aufrechterhalten, der guteName Oesterreichs? in der Welt gefestigt werde. Die österreichische Judenschaft durchlebt jetzt, ' das kann nicht geleugnet werden, schwere Tage. Die Irritierung der öffentlichen Meinung unterminiert die wirtschaftlichen Möglichkeiten und der an sich schon genug schwere Kampf ums tägliche i Brot erfährt durch die seelischen Auswirkungen der gegenwärtigen Situation, eine nicht geringe Verschärfung Darum waren weite jüdische Kreise bereit, sich einem uferlosen Pessimismus hinzugeben. Diese Stimmung, die schwer auf den Juden Oesterreichs lastete, ist im Begriffe zu weichen. Man erkennt allmählich, bis zu welchem Punkt sich die Dinge entwickeln können, und richtet sich danach ein. Das Leben geht , weiter, die Arbeit geht weiter, und es wäre das Unvernünftigste, sich einem Fatalismus hin-* zugeben. Oesterreich braucht, damit das Ziel seines politischen Aufbaues möglichst rasch erreicht werde, eine gesunde und schöpferische Wirtschaft. In den Werkstätten und Büros, in den Geschäften und Fabriken, in den wissenschaftlichen und kulturellen Instituten soll mit unverminderter Kraft gearbeitet werden, die Fremden der ganzen -Welt sollen; zu uns kommen und unseren Lebenswillen sehen und sich an unseren künstlerischen Leistungen ergötzen. Wer. dieser Aufgabe dient, der dient dem unabhängigen, sich selbst regierenden Kulturstaat Oesterreich. Ruhe bewahren, sich nicht provozieren lassen, seinem Tagewerk nachgehen — das ist die beste Antwort an diejenigen, die etwa beabsichtigen sollten, im Trüben zu * fischen.