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Die neue Welt · 1938-02-18 · Heft 728 (18.2.1938) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 728 (18.2.1938)
Date
1938-02-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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D»Aie 941 tfSK>*%e*fa.€»tM ffeifag, den 18« februar l#38 12. Jahrgang Nr« 728 V* b* b* rmWmm ©5 £§55 $5 II Zeitung vom Verleger versende! ..Journal expedie par rediteur** HIE! ilEIIE t"—"—1 Hj ^HH ^^^H ^BlB ^fl H ^HHB ■ UIE neue L_____ BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich a i.d'J, vierteljährig a 4.—, ganzjährig » 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmänien monatlich Lei 50.—, vierteljahrig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.60. u . Mit E5 bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. T Redaktion u. Verwaltung: lX,Universitätsstr.8tleLA-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Das neue Regime in Rumänien und die Juden REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Josef PoppersLynkeus wird anläßlich der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages in allen Kulturländern gefeiert. In Kolin geboren, betätigte sich Popper-Lypeus bahnbrechend als Ingenieur, Philosoph, Soziologe und Schriftsteller in Wien, wo er 1921 starb, Mit warmer. Sympathie stand er der zionistischen Bewegung, gegenüber, seine '; umfangreiche Bibliothek hinterließ er! der Hebräischen Universität Jerusalem. — Eine Würdigung der Per-; sönlichkeit und des Schaffens Popper-Lynkeuä' be-; halten-wir uns vor. Zur Umbildung des österreidiisdien Kabinetts In politischen Kreisen wird die Frage erörtert, ob im Zusammenhang mit der Aussprache in Berchtesgaden eine A en der ung. de r Politik' ge genüber den j Ii d i sc*h en S t a a t s bü rg er n . seitens der österreichischen Bundesregierung zu erwarten•• sei! ■ Wie der J. T. A. mitgeteilt wird, lehnt die österreichische Regierung, am ' P r i n'z i p d e r . G1 e i c hberechtigu ng unerschütterlich festhaltend, aus sozialen, ethischen und religiösen Gründen eine Diskriminierung der österreichischen Judenschaft ab. Die Rekonstruktion des Kabinetts wird nichts am Standpunkt der Regierung gegenüber den jüdischen Staatsbürgern ändern. Der Judfedhe Weltkongreß arbeitet Aus Paris wird gemeldet: Das Exekutivkomitee des J ü d is c h e n Weltkongresses hielt in Paris eine Sitzung ab. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Lage der Juden in Rumänien. Dr. N. Goldmann, M. Jarblum und Rev. M. L. Perlzweig berichteten über die Tätigkeit der Mitglieder der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses während der hundertsten Ratstagung in Genf, der die Petition des Jüdischen Weltkongresses unterbreitet wurde. Nach eingehender Beratung über die ständig sich verschärfende Situation der rumänischen , Juden wurden die Richtlinien für die weiter zu . verfolgenden Schritte des Exekutivkomitees des Jüdischen Weltkongresses festgelegt und einstimmig angenommen. Es wurden ferner Berichte aus den verschiedenen Ländern über die erhöhte organisatorische Zusammenfassung; im Rahmen der bestehenden Weltkongreßinstanzen, so vor allem in Belgien, Oesterreich und Jugoslawien, vorgelegt. Einstimmig wurde beschlossen, im Sommer 1938 eine Tagung des Rates des Weltkongresses, dem 150 Delegierte des Ersten Jüdischen Weltkongresses aus 32 Ländern angehören, einzuberufen. Datum und Ort der Ratstagung werden bei der Mitte März stattfindenden Sitzung der Exekutive bestimmt werden. Die amerikanischen Mitglieder der Exekutive -Stäben den Beschlüssen auf telegraphischem Wege zustimmt. 1 Die J. T. A. meldet: Die seit dem 11. Februar im Amte befindliche neue Regierung des Patriarchen Miron Christea, deren aktivste Persönlichkeit der stellvertretende Ministerpräsident Tatarescu ist, hat noch nichts darüber verlauten lassen, daß eine Zurückziehung der antijüdischen Verordnungen ihrer national-christlichen Vorgängerin erwogen wird. Eine Reihe dieser Verordnungen, wie z. B. das Verbot der Beschäftigimg weiblichen christlichen Dienstpersonals in jüdischen Haushalten, dessen Durchführung sich als unmöglich erwies und darum von Gheorghe Cuza selbst verschoben wurde, enthält eine schwere Diffamierung der Juden. Andere Verordnungen, wie z. B. das in den Zeitungen nicht einmal publiziert gewesene Dekret über Entlassung jüdischer Angestellten, ferner die Austreibung der Reste jüdischer Staatsbeamten und das Schenkergesetz, . haben bereits .viele tausende Juden in allen Teilen' Rumäniens existenzlös gemacht. Bis. jetzt wurde lediglich bekannt, daß die Regierung die Verordnung Gogas, betreffend TJeberprüf un g 'j:des Btt^ger schafts Status der Juden in Rumänien, zwar nicht aufgehoben aber den ursprünglich auf den 12. Februar angesetzten Termin für die Einbringung der Dokumente zum Nachweis der Staatsbürgerschaft bis zum 7. März verlängert hat. Aus all dem schließt die Presse des Auslandes — die rumänische Inlandspresse, die streng unter Zensur steht, enthält sich der Erörterung des jüdischen Problems überhaupt —, daß die Regierung Ohristea-Tatarescu zwar an die Stelle der bisherigen Unsicherheit und Unordnung ein System setzen, im übrigen aber streng nationalistisch regieren will. Im Hinblick aber darauf, daß die Frage des in den internationalen Verträgen und im besonderen in dem Vertrag mit Rumänien vom 9. Dezember 1919, betreffend Schutz der jüdischen Minderheit, wieder vor die Völkerbundinstanzen zur Behandlung kommen wird, erwarten die außenpolitischen Kreise, daß bis. dahin die neue rumänische Regierung eine Formel gefunden haben wird, nach der die juridische und materielle Situation der Juden in Rumänien mit den international verankerten Verträgen in Einklang gebracht wird. Meinung der Wellpresse Mit Ausnahme Deutschlands und Italiens wird fast überall in der Welt Genugtuung über die schnelle Beseitigung der Regierung Goga-Äxza ausgesprochen. Die Presse in Deutschland spricht von einem angeblichen „unerhört starken Druck ausländischer Mächte" und erzählt, das Judentum sei am Mißerfolg Gogas schuld; das internationale Judentum habe über Genf, Paris und London seinen Einfluß ausgeübt, das rumänische Judentum habe die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten herbeigeführt. Im übrigen setzt diese Presse ihre Hoffnungen auf einen späteren Sieg von Codreanus „Eiserner Garde". Die Pariser Zeitungen führen aus, es sei kein Geheimnis, daß die Genfer Beziehungen des Repräsentanten der Regierung Goga-Micescu zu den Repräsentanten der französischen Regierung nicht gerade vielversprechend waren. Die internationale Lage der Regierung Goga war unhaltbar geworden. Was den Widerstand der französischen öffentlichen Meinung auf den Plan rief, waren die so zahlreichen Erklärungen einiger Regierungsmitglieder an italienische und reichsdeutsche Zeitungen, aus denen man wenig Vertrauen auf eine Kontinuität der rumänischen Außenpolitik schöpfen konnte. Erstaunen rief es auch in Paris hervor, daß Ministerpräsident Goga an eine Pariser obskure antisemitische Monatsschrift ein Dankschreiben richtete, welches eine Desavouierung des gegenwärtigen französischen Regierungssystems war. Schließlich beunruhigte auch die von Goga geplante Regelung der Judenfrage, die schwere Auswirkungen für ganz Osteuropa nach sich gezogen hätte. Man teilte hierbei die Auffassung des britischen Außenministers Eden, wonach es sich nicht um ein innerpolitisches, sondern um ein zivilisatorisches Problem handelt. k In englischen Kreisen wird angenommen, daß. did neue Krise durch den schlecht maskierten Versuch einer Annäherung Rumäniens an Deutschland *fcnd durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der antijüdischen Maßnahmen Gogas ausgelöst worden ist. Man neigt auch zu der Ansicht, daß die Wendung in Rumänien in. einem gewissen Zusammenhang mit der Krise des Regimes in-D eut schland steht. Die Budapester Zeitungen, die/'Über dia Lage in Rumänien besonders gut informiert sind, stellen fest, König Carol habe sich gezwungen gesehen, die Regierung Goga sofort zu entlassen, ein Tag Zögern hätte unabsehbare Folgen gehabt. Es herrschte in Ru«. mänien eine Art „Vorbürgerkriegsstimmung". Die Wirtschaft war gelähmt, niemand wagte, einer ernsten Geschäftstätigkeit nachzugehen. Die Kaufleute verkauften nicht, weil sie keinen Kredit mehr hatten und daher ihrerseits nicht kreditieren konnten. Jede Unternehmer-Aktivität hörte auf. Die Zoll- und Steuereinnahmen fielen auf ein Zehntel zurück. Das ausländische Kapital zog sich schon nach den ersten Erklärungen Gogas zurück. Es entwickelte sich ein Abstiegsprozeß mit einer so unerhörten Geschwindigkeit, daß nur noch ein schneller und radikaler Eingriff die Lage retten konnte. Das energische Auftreten der Außemninistcr Englands und Frankreichs in Genf wirkte bereits ernüchternd, doch begann man in Bukarest erst Mar zu sehen, als London und Paris erklärten, daß sie auf den Besuch Micescus keinen Wert legen. Die Verletzung der menschlichen und politischen Rechte der Juden, die Ausschaltung eines Teiles der Bevölkerung aus dem öffentlichen Leben und der Wirtschaft hatte die Oeffentlichkeit in Westeuropa alarmiert und der Westen distanzierte sich. Die Frage der Minderheiten Der neue Arbeitsminister Nitcescu «'klärte anläßlich seines Amtsantrittes: Jene, die eine andere ' Sprache sprechen als wir, mögen sich der Struktur unseres Landes anpassen. Nur auf diese Weise werden sie des Schutzes teilhaftig werden können, auf den loyale Bürger dieses Landes Anspruch haben. Daneben gibt es das Problem derjenigen Minderheiten, die nicht zu diesem Lande gehöx-en, das sind jene, die sich auf betrügerische Weise in das Land gedrängt haben. Dieses Problem interessiert uns in höchstem Maße und wird gelöst werden müssen. Wir ziehen hierbei jedoch einen deutlichen Trennungsstrich KOHLE KOKS miranüni Kmi AMTHRACIT BUCHENHOLZ BÄSCH IV, ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40 Inhaber Dr. Richard Bäsch MT Zweimal tttgllch Clliuitollung nach ollen Bezirken

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