Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 723 (1.2.1938)
- Date
- 1938-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2712340-2712349--6984-2720808- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 10 Groschen Dfautag* den l.PdwMt 1938 DIE NEUE IS« Jahrgang ► 7*3 V. b*b« Zeitung vom Verleger versende* Jhnmbi e*p&ti6 par ttfidtteur." 187 Titl. Universitätsbibliothek Wien, REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig 8 16.—; Polen monatlich Zloty L6& vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; Bamänien monatlich Lei 60.—. vierteljährig Lei 160.—; Deutschland monatlich Hark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—. vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—. vierteljährig Lire 14.—jj Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IXt Universitätsstr. 8,7eL A-20-2-78 Erscheint Dienstag u. Freiii 2 Kräfte, die außerhalb Oesler« reidis liegen ♦ ♦ ♦ Was jeder Mensch in Oesterreich wußte, was sozusagen die Spatzen von den Dächern pfiffen, wurde soeben amtlich festgestellt: daß die „Nationalbetonten" aller Schattierungen unbelehrbar sind und nach wie vor eine Hetze gegen das unabhängige Oesterreich entfalten. Diesmal wurde sogar konstatiert, daß die unbelehrbaren. Illegalen Einrichtungen, die der Versöhnung dienen sollten, nämlich den Siebenerausschuß (eine Institution zur Herüberziehung der nationalbetonten Gegner in das Lager der Vaterländischen Front) zum Gegenteil der Befriedungspolitik, d. i. zu nationalsozialistischer Propaganda, mißbrauchten. Aber es blieb nicht bei der bloßen Agitation. Diejenigen Herren, welchen man die Aufgabe anvertraute, die sogenannte „nationale Opposition" in den Arbeitsbereich der Vaterländischen Front einzugliedern, bedienten sich der neugermanischen Tugenden, nämlich der List und Tücke, um ihre verleumderische und aufwieglerische Tätigkeit ungehindert betreiben zu können. Sie sabotierten' nicht bloß den Geist der gemeinsamen Aufbauarbeit, sondern gingen noch einen Schritt weiter: sie bereiteten gegen die Existenz Oesterreichs gerichteteAktionen vor. , Man war auf manches seitens1 der österreichischen Illegalen gefaßt, man wußte, daß die Methoden dieser Elemente „nie die der Ehrenhaftigkeit und Anständigkeit" waren, aber diesmal übertrafen sie sich selber. Bundeskommissär Oberst Adam machte eben diese Feststellung, indem er hinzufügte, daß man doch immer wieder von einem „propagandistischen Schurkenstreich" überrascht werde. Man er- CaßAnketUcf I, Hoher Markt- LichtenstegNr.4 fuhr einige überraschende Dinge über die Tätigkeit im Büro des erwähnten Befriedungskomitees. Amtlich wird mitgeteilt, daß u. a. ein „Aktionsprogramm für iäas Jahr 1938" gefunden wurde, dem man entnehmen kann, was alles gegen die Ruhe und Sicherheit Oesterreichs seitens der Befriedungsherren des Siebenerausschusses geplant war. Man kann mit Recht annehmen, daß im Büro dieses Ausschusses die Kundgebungen anläßlich der Ankunft der italienischen Studenten .in Wien, die Störungsversuche bei den letzten legitimistische,n Kundgebungen, die Zertrümmerung yon . Auslagerischeiben jüdischer Stadtgeschäfte besprochen und inszeniert wurden. Durch diese Attacken sollte die innerpolitische Entwicklung Oesterreichs beeinflußt werden, natürlich im Sinne des Nationalsozialismus, der ohne „Kräfte, die außerhalb Oesterreichs liegen", nicht die geringste Chance hätte, sich bemerkbar zu machen. : Wie immer dem sei, läßt sich die Tatsache nicht leugnen, daß in Oesterreich geborene Menschen „deutschen Blutes", also Bodenständige, ihrem Vaterland den schwersten Schaden zufügen, es um seine Selbständigkeit, um seine Kultur, um seine historische Aufgabe bringen wollen. Diejenigen, Welche rechtens das österreichische Vaterland schützen, leben zum Teil noch immer in der Illusion, daß man mit diesen nationalbetonten Opposionellen auskommen könnte, da sie ja schließlich - desselben .Stammes seien; und dieselbe Presse, die das kleinste jüdische „Delikt" als ein Verbrechen an der "Exiafenz'Oesterreichs hinstellt, begnügt sich jetzt damit, wieder einmal die verbrecherischen Aktionen und Pläne der . hiesigen Nationalsozialisten als---Jungenstreiche zu registrieren. Solange nicht in der Beurteilung dieser Dinge ein Gesinnungsvmschwung aller, der Verantwortlichen und Nichtverantwortlichen, eintritt, wird man vor Enttäuschungen nicht bewahrt sein, Genf und die rumänische Judenfrage Widersprechende Meldungen Aus Genf meldet die J. T. A.: In der ersten Öffentlichen Sitzung der 100. Session des Völkerbundrates ist der rumänischen Judenfrage nicht Erwähnung getan worden. Erst spät am Abend, nach Beendigung der Sitzung, fanden mehrere Besprechungen statt, die sich zum Teil auf die j ü d ischenPetitionen gegen Rumänien bezogen. Den jüdischen Petitionen ist die Dringlichkeit nicht zuerkannt worden. Wie der J. T. A. von autoritativer Seite mitgeteilt wird, haben der französische Außenminister D e 1 b o s und der britische Außenminister Eden in ihren Gesprächen mit dem rumänischen Außenminister Micescu keinen Zweifel darüber obwalten lassen, daß die Maßnahmen der Regierung Goga gegen die Juden durchaus als eine Verletzung des Minderheitenvertrages von' 1919 angesehen werden müssen und daß deshalb der Völkerbund die Angelegenheit in-Behandlungneh^n mußi;•* - vEden und Delbos bezogen sich dabei auf die seitens des englischen Gesandten der rumänischen, Regierungen Bukarest überreichten Demarchen. Die Delegierten der vier petitionierenden jüdischen Organisationen sind der Ansicht, daß die Ablehnungder dringlichen Behandlung der Petitionen sich nicht schlimm auswirken werde, da auch bei der dringlichen Behandlung der Völkerbundrat in seiner jetzigen Session nicht mehr in die Lage gekommen wäre, die rumänische Judenfrage zu erörtern. Die Petitionäre erwarten,. daß eine Kommission zur Behandlung der Petitionen eingesetzt werden wird und daß diese Kommission darüber zu wachen haben wird, daß Rumänien in der vorgeschriebenen Frist von zwei Monaten eine Antwort auf die jüdischen Petitionen erteilt. Inzwischen wird diese Kömmission die Befugnis haben, die Entwicklung der Judenlage in Rumänien zu beobachten. Micescu hat nichts versprochen Aus Genf wird weiters berichtet: Mit dem rumänischen Außenminister Micescu sind die jüdischen Delegierten nicht direkt in Verbindung getreten. Der belgische Außenminister SpaaK und der Delegierte Neuseelands, Jordan, haben es übernommen, den Standpunkt der jüdischen Dele« ftOTENTUWVU VOTWPARKk. gation bei Micescu zu vertreten. Micescu gab den bei* den Herren die Versicherung ab, daß er in Bukarest in mäßigendem Sinne intervenieren werde. Demgegenüber steht eine Meldung aus Genf,. wonach Micescu sich außerstande erklärte, bindende Zusicherungen darüber abzugeben, daß die gegen die Juden gerichteten Dekrete zunächst nicht zur Ausführung gelangen. Fest steht, daß die jüdische Petition weder vor dem Rat hoch vor dem Minderheitenausschuß besprochen wird, sondern, wie schon oben erwähnt, von einer Studien komm ission geprüft werden wird, die sich unmittelbar nach der Ratstagung mit dem rumänischen Judenproblem beschäftigen soll. Erstunken und erlogen Die antijüdischen Verordnungen und Tendenzen der neuen rumänischen Regierung zwangen, jeden die Situation erkennenden Menschen zu dem Schluß, daß ein Teü der Juden Rumäniens, rechtlos und brotlos gemacht, gezwungen sein werde, seine Wohnstätte zu verlassen, auszuwandern. Das ist ein altes Lied: Wenn es irgendwo nicht gut geht, sind die Juden daran schuld, und man jagt sie hinaus. Jetzt setzen die Rumänen zu dieser Methode an. Da aber die Länder ringsum eine Immigration unmöglich gemacht haben, bleibt den jetzt aus ihren Wirtschaftspositionen geworfenen Juden Rumäniens nichts anderes übrig, als an das Mitgefühl ihrer noch nicht subsistenzlos gewordenen Stammesgenossen zu appellieren. Das ist, abgesehen von ein paar Dutzend Begüterten, die das Land verlassen können, die Lage. Die österreichischen Behörden haben aus den. Wirkungen des rumänischen Goga-Regimes die Konsequenzen, gezogen und durch Nichterteilen, der Visa ein Hereinkommen rumänischer Juden unmöglich gemacht. Das weiß man, das berichtete bereits die Presse. Das „Wiener Gewerbe", 'offizielles Organ der Stadtgruppe Wien des Oesterreichischen1 Gewerbebundes", weiß es besser. In der Ausgabe vom 25. Jänner erzählt dieses offizielle Organ unter dem Titel „Mensch enschmuggel nach'Oest erreich?" die phantastische ' Geschichte von; der illegalen Einwanderung rumänischer Juden nach Wien, indem es sich auf Informationen österreichischer Gewerbetreibender und österreichischer Grenzdienstheamtea beruft, Damit mm sieht, mit welch infamen Mitteln dieses „o f f i z i e 11 e" Organ arbeitet, zitieren wir den größten Teil des genannten Artikels. Dieser beginnt also: „Aus Mitgliederkreisen werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die schon in der letzten Nummer geäußerten Befürchtungen wegen der drohenden Zuwanderung rumänischer Juden nach Oesterreich sich leider zur Gänze als gerechtfertigt erwiesen haben. In der Inneren Stadt und insbesondere in der Leopoldstadt wurden in den letzten Tagen zahlreiche rumänischsprechende Juden in der typischen Kleidung der Balkan-Ghettos gesichtet." Rumänischsprechende Juden in der typischen Kleidung der Balkan-Chettos — das ist eine folkloristische Entdeckung des offiziellen Organs des Oesterreichischen Gewerbebundes! Nun, dieses Organ ist sehr gewissenhaft. Es verläßt sich nicht auf Gerüchte, es zieht Erkundigungen ein. Das sieht folgender* maßen aus: „Wir haben uns nun an verschiedene . durchaus seriöse Persönlichkeiten gewendet, die beim österreichischen Grenzdienst in Verwendung stehen. Unsere Frage, ob eine auffällige Zuwanderung rumänischer Juden zu verzeichnen sei, wurde allgemein verneint. Da ergibt sich nun die Frage: Auf welchem Wege wurden diese ungebetenen Gäste nach Oesterreich geschmuggelt? Nach weiteren Informationen, die wir eingeholt haben, stehen die Ringe nun so, daß sich ein.b.eträch.t«