Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 721 (25.1.1938)
- Date
- 1938-01-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2711613-2712340-2712347--6973-2720795- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 DIE NEUE WELT ttr. 72t vom 25. Jänner 1938 rialen Judentums gegen den internationalen Antisemitismus ist relativ spät ins Bewußtsein der jüdischen Maasen und insbesondere der westjüdischen und amerikanischen Organisationen getreten. Lange Zeit vermochte die politische Aktion einflußreicher Persönlichkeiten und Familien die politisch notwendigen Vorstellungen bei den Regierungen antisemitischer Staaten die Massenaktion zu ersetzen. Die Zeiten, in der ein Moses Montefiore die Pogrome in Damaskus durch seinen persönlichen Einfluß abzustellen vermochte, in welcher der allerdings oft überschätzte Einfluß des Hauses Rothschild genügte, um in deutschen Kleinstaaten judenfeindliche Bewegungen einzudämmen, in welcher JüdischeNotabelnvonNewYorkdie amerikanisehe Regierung zu Vorstellungen bei den russischen Behörden zu bewegen vermochten, sind endgültig vorbei, bo> Wie auch die Form des Antisemitismus der frühkapitalistischen Epoche sich endgültig gewandelt hat. Heute operiert die antisemitische Bewegung mit den massensuggestiven Mitteln, die sie der Prop aganda des Weltkrieges entnommen, mit kaltem Boykott und raffinierten Ausgliederungsversuchen der jüdischen Bevölkerung aus der erwerbenden .Wirtschaft. Nur eine Organisation hat bisher mit finanziell unzureichenden Mitteln und einem allzu geringen Aufwand an mitarbeitenden Kräften den Versuch unternommen, den Kampf gegen die neue Epidemie in umfassender Weise zu führen. Es ist kein Zufall, daß die Führung dieser Institution, des Jüdischen Weltkongresses, heute noch in der Hauptsache bei Männern liegt, die der harten Schule des europäischen Ostens entstammen; denn die Erfahrung bleibt der beste Lehrmeister. Gerade die weitsichtigsten Führer der jüdischen Weltkongreß-Bewegung suchen aber immer mehr den Kongreß zü erweitern und auf eine universelle Grundlage zu stellen. Aber auch ohne die zweifellos notwendige und wohl zwangsläufige Erweiterung der Bewegung ist das bisher Geleistete in gewissem Sinne imponierend: Die Summe an publizistischer Kleinarbeit, an Interventionen bei Staatsmännern und Diplomaten, die in der Oeffentlichkeit nicht ohne weiteres erörtbaren Abwehrerfolge im Kampfe gegen antisemitische Flut verdienen volle Anerkennung und jene JJnterstützung, die bisher nicht in genügendem Maße der noch jungen Institution zugeflossen ist. Es gilt, aus dieser Institution das Beste herauszuholen, was für die Erhaltung äer staatsbürgerlichen Freiheit der Juden in den einzelnen Ländern möglich ist. Wir wissen, daß das schweizerische Judentum und seine repräsentative Instanz, der Gemeindebund, die Zeichen der Zeit verstanden hat. (Anm. der fced.: Der Schweizer Jüdische Gemeindebund ist Mitglied 3er J. W. C.) Bei aller Autonomie, die im Innern jeder ■jüdischen Landesgemeinschaft besteht und bestehen muß, darf die Aktion für die in ihrer Gesamtheit gefährdete Gemeinschaft nicht vergessen werden. Deshalb darf man aus gutem Gewissen der vom Weltkongreß in der Schweiz durchgeführten Aktion ideell und materiell seine Unterstützung leihen. Nachrichten aus Palästina Aus Beirut wird gemeldet, daß die Polizei dort einem großen Waffenschmuggel nach Palästina auf die Spur gekommen ist, der hauptsächlich von einer Frau ausgeführt wurde. In dem Hause einer gewissen Frau Hassan, die man für die Anführerin der ßchmuggelbande hält, wurden in einem unterirdischen Raum große Mengen von Waffen und Munition entdeckt. Frau Hassan wurde verhaftet. Der vom Militärgericht in Jerusalem zum Tode verurteilte Araber ist der am 13. Jänner verhaftete Achmed Taha. Die Polizei hatte bei Taha eine Flinte gefunden, <Ü« aus dem Waffenbesitz der Polizeistation in Daharia. stammte, auf welche vor etwa zwei Monaten eine arabische Terrorbande einen Ueberfall verübt hatte. Die zum Tode verurteilten beiden Araber sind Mumjak Hamdan und Hussein el Ghut. Hussein el Ghut gehörte der Bande an, die den Archäologen Professor S t a r k e y ermordete. Hamdan und Hussein el Ghut wurden am Samstag morgens hingerichtet. Ezekiel A11 m a n n, ein 22jähriger Hilfspoliizäst, der unter der Anklage steht, am 27. Dezember auf einen arabischen Omnibus, der auf der Landstraße westlich von Jerusalem fuhr, geschossen zu haben, soll am 2. Februar vor das Militärgericht in Jerusalem gestellt werden. Altmann kam im Jahre 1935 von Bessarabien, wo seine Eltern wohnen, nach Palästina. Kairoer Zeitungen berichten, daß Frankreich mit Vorbereitungen beschäftigt sei, einen Freundschaftapakt mit König Ibn Sand von Saudi Arabien und anderen arabischen Staaten abzuschließen, der In derselben Linie liegen soll wie der italienische Pakt mit Jemen. Straße Bagdad—Haifa entlang der Oelleltnng Im Bau Aus Haifa: Die Iraq Petroleum Company baut eine Straße entlang der zweiten Petroleum-Röhrenleitung Bagdad—Half a, deren Legung bei Mossul begonnen wurde. Auch diese Straße bat, wie die Straße Haifa—Kairo, für, England große ©tratogtsche Bedeutung. iwei AktisetuUeH Groteske von Tunkeier Im Zug Berlin—Bukarest saßen sie: ein deutscher Nationalsozialist und ein rumänischer Cuztet, und führten ein leidenschaftliches Gespräch. Nun, wie gefällt es Ihnen?" fragte der Cuzist, „auch wir haben das Kunststück gemacht." „Welches Kunststück?" „Das Kunststück mit den Herren Juden." „Ganz gut. Aber Sie müssen zugeben, daß Sie nicht originell sind." „Was heißt das: nicht originell?" „Ganz einfach. Ihr seid Plagiatoren." „Wen haben wir plagiiert." „Uns. Uns Nazis... Ihr habt unsere ganze antisemitische Macherei nachgemacht." „Wirklich unerhört. Als Deutschland — nehmen Sie es mir nicht übel — noch ein Kulturland war, tonangebend in Kunst und Wissenschaft, waren wir schon berühmt wegen unseres Antisemitismus. Schon damals, als man es das „Große Deutschland" nannte, das Land Goethes, Kants, Schillers, war bei uns Verfolgung und Drangsal gang und gäbe." „Mag sein. Aber euer Antisemitismus war roh und grob — nicht so kultiviert wie der unsrlge. Wir haben den wirklichen Antisemitismus geschaffen, vertieft und wissenschaftlich ausgebaut. Unsere Rassentheorie hat die Welt aufhorchen gemacht. Gleichschaltung, Arierparagraph, Rassenschande.— das .sind doch uns ere Leistungen, die ihr jetzt mit allen Pikanterien nachahmt . .." „Wir wollen eben all dies ebenfalls durchführen. Bei euch in die Schule gehen, nobel werden. Einen Ehrenplatz einnehmen in der europäischen Völkerfamilie. Sie sehen doch, in welch kurzer Zeit , wir das populärste Land geworden sind." ' „Aber vorläufig seid ihr noch zurückgeblieben. So setzt ihr zu einer Vertreibung der Juden an, und wißt nicht einmal, wieviel Juden es bei euch gibt. Ihr habt eben noch keine richtige Statistik — der eine sagt, es gibt in Rumänien ein Million, Juden, der zweite sagt: zwei Millionen, der dritte: eine halbe. Wir machen alles gründlich, systematisch. Wir haben als erste Kurse für Judenkennerei eingeführt, Katheder für Rassenwissenschaft, eine Akademie für Antisemitismus. Wir sind es, die die große Ausstellung „Der ewige Jude" in München veranstaltet haben. Wir sind es,, die den Text der Abkürzungen in den jüdischen Schriften herausbekommen und entziffert haben, die eine Menge Verschwörungen der internationalen jüdischen Maffia enthüllt haben." „Alles gut. Aber mit einer Handbewegung unseren Antisemitismus abtun, das . ist nicht in Ordnung. Es könnte noch der Eindruck entstehen, daß wir ein primitives, barbarisches Volk sind. Darum haben wir bereits nach dem Berliner Vertrag bewiesen, daß wir e3 bei unserer Judenverfolgung mit keiner Minderheit zu tun haben — haben genau solch einen Dreh gemacht wie Sie rtüt dem Versailler Vertrag. Jedenfalls Ist unsere Losimg „Rumänien den Rumänen" etwas völlig Neues und Originelles." „Auch diese Losung habt ihr von irgendwo her. Alles, was ihr jetzt treibt, habt ihr plagiiert. Den Hinauswurf der Juden aus den Aemtern und Stellungen, den Schutz des heiligen Bodens, die Geschichte mit den arischen Dienstmädchen ... Einfach Plagiate. Ihr seid große Nachmacher", sagte der Nationalsozialist. „Vormacher — Nachmacher... Unsinn. Genau genommen, haben wir beide, Nazisten und Cuzisten, einen dritten plagiiert: Haman, bzw. Pharao. Diese waren originell, wir sind nur schwache Kopisten und Nachkriecher. Gebe Gott, daß ich mich irre, aber ich fürchte, daß wir beide dasselbe Ende haben werden, wie jene es hatten* Ich fürchte, daß die Herren Juden uns beide überleben werden; daß sie auf unsere Rechnung ein „Prosit" trinken und dazu — wie seinerzeit Haman-Krapfen — Nazi-Krapfen und Cuza-Krapfen essen werden." Das jüdisch-amerikanische KUnstlerpaar Jac Rechtzeit und Olga Schlifkowic verhandeln wegen eines Gastspieles in den „Jüdischen Kunstspiele n", wo die Serienerfolge der New-Yorker jüdischen Bühnen zur Aufführung gelangen sollen. Der Schwimmklub Hakoah veranstaltet am 29. Jänner um halb 9 Uhr abends im Niederösterreichischen Ge* werbeverein, I., Eschenbachgasse 11, eine besonders origin nelle Faschingsveranstaltung. Die Winterpause wird von den „Schwimmern auf dem Trockenen" verwendet, um alle Freunde des Klubs zu einer „Sommernacht am Wörthersee" einzuladen. Restliche Karten sind bei -den Mitgliedern des Schwimmklubs Kakoah und im Sekretariat erhältlich. „SUige Door" — ein Film, den das Leben schrieb. Wer das Leben in der Theaterwelt kennt, weiß, wie wahr jede Szene des R. K. O.-Radio-Films „Stage Door" (Rivalinnen) ist und wie unibedtngt das Schicksal seiner beiden Heldinnen — sie Werden von Katharina H e p* b u r n und Ginger Rogers dargestellt — typisch für Tausende von unerfahrenen, und ein wenig überspannten Mädchen ist, die im Zauiberreich des Theaters ihre Träume zerrinnen sehen. KBNO'PROGRAMME fCHWEDEM loa« Crawford BBHflHMKBBHB in Franz Molnars Besinn: v**, %6, vhs, Das unbekannte Mädchen V»10 Uhr. Tel. A-49-0-60 mit Franchot Tone, Loretfa Young Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen UflartPn* Schlagerfilm In jiddischer MS9<"i™ Sprache Kino II, Untere Augarten straße 28 Telephon A-40-5-98 Beginn: n/,4, 7,6, '.fi V«10Uhr Eigentümer, Verleger, Herausgeber; Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kolb. — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, alle Wien, IX., Universitätsstraße 6-8, (Sttte gans ö*ofte <3adfje tn fe&* intereffanten kleinen $tnseigen $ebc <£xtmc htmttfyt'äx (Summt « Scr)tüpfer mii sinert ftefjlern S 1.98 ifefloff Barett mii Rietet S 1.98, ßeber= £anbtaftr)e mit SKeifcoer* fötujj, 24 Ms 30 cm, S 4.90 bei Sa>tffmann. &etxtu§> bamitl SBirtfäjafts , bleibet S 1.90, Ä.«6.»3:a??et. S^ottenblufe S 2.90, Sflanett * Säjkfröcfe S 8,50, Damen*2rai* tting0*2ltt&ttße ab S 3.90. Sxtmen'Wliinttl 2B0flftoff*9Kcmt4 gana aef. tmb matt. (©inael* ttfeeefs 15.-, S3eIourine4D?antet, gana gef. unb voatt, mit 93elj» Sfrtlfwgen nur S 29.— bei Säwfmann. {Rehtfetbcn Stoffe: Cfrepe * be * ©tjinie, in Sdjroata, per SETtetct S 1.98. — Crepe ©eor» gette in Äteiberfarben, H) cm breit, per 2Heter 3 1.98. — Grepe*Satin, in Älelberfarben, 90 cm 4«iL'f*r VJUkx S 2.90 fci 0$ffmaiwü Um 49 ©tofdjeu befomwett Sie« — £ü* borftra&e 48 Damen« 2TCa!o * Wipp £emben ober *|?ofert, in alten färben unb ©töfjen. &dyia&cv ju S 8.90: Stußoben, <$acfen aber ü£ofen, für Damen unb fernen. ft.=Seiben=*Xaffet s SanaHeiber ober SBoflftoff . Äleiber für Damen (©tnaelftücfe). Hubertus « 9ttäntel für afiäbdyen ober ßmioen öts 14 3ar)re> Knaben» Sport * Slngüge bis 14 3ah> — bei Sayiffnwnn in ber Sa&orftra&e. 23ct&cu=3cf)(<tücc: (SoiioresÄunftfeibe, bie grojje 9Jlobe, ober Sljour* Äunftjeibc für Stufen umb Äteiber, per SUteter nur S 1.98. S)ütd tleine »enbflcib aus £repc*8faribot ober CrepesSatin — in bex mobernen ßiniie — 0ber aKobe*9t6enbjäddren aus Silber« o-ber ©olbftoFf nur S 29.— bei Sö>iff«r mann in ber üCaborftt^ SStotnte .$mt3* fcfntfye mit Hmfdjlag unb $uf* fetl, tariert, Stf3s unb ßeberforjte, ©r. 30—42, roäljrenb ber Sctjiff* mann « Snoentut nur S 1.90. 9fyaxtc öottcle*9MftntcX Ut 3TCobe « Stotlfragen, mit 5ßet5 oerorämt, gans SKongoI gefüttert unb mattetiert, nur S 39.— bei Sdjiffmann in ber ara&orftra&e. %i\v iptttfamc tarnen: $tanetl*9,lad)ttjemben m4 färb. SBubilragen unb ßinfafe S 2.90, Heft» unb ©inaefpaape in Damen* Stt>ub>n ab S 7.90 — bei Sdjiffmanri. 3>iefe greife ♦♦ ♦ nut in ber Sabotftrafte 48 iüaf)tenb ber ©djtfftnamt -- Snuetttttt! ^iit 69 @t9fcfjett oertauft U# St^iffx mann: Serren * Sport* Strümpfe mit G5ummi* pg, 2. SBatjt, unb Äin<« ber s patent * Strümpfe (bis 14 3a^re) ober iporjettan * ftaffefifdjatert mit Xaffe, beforiett, $nweit*2Sefte obet? Herren « ySullotm mit langen Slermetn S 2.90, Gtjarroeufe » JHotffomöi* natlon, atte gatfren unfo ffirü&en, S 2.90. (Solange SBuftat! Snterlotf * §emb ober Me nur 89 ©rofdjen, Damen * SdjafmoUlofen, alte ffirb'&en, nur S 1.90, Herren * fttor * Änie« ftriimpfe, einfarbig, mit ffiummiaug, 2. SBafjl, 98 ©rofcfjen — t>ei Sdjiffmann. bleibet unb ^itnbXttt SBinter « Stoeeb 5tteU ber S 3.90, XraAten« Dirnbln S 3.90, 9Kobe* Sßinterbtrnbtn S 4.90, 5t » Seibe « 3mprimi- Äteiber S 4.90. $tt* ^eim: 58aft»93rotförbe 69 ©ro* fä)en, Sletfcri^ommcr m. 5Bcf^Iag 69 ©rofcfjcnv Kompott» ober Delferta ©arnltur aus ©las obeü ^oraeltan, 7 leite, nur S 2.90, 3opnn-3Roffa- Seroice, löteitig, S 4.90) *-» i« to®. %<tim\tti m g-tt* &tvttnt Spott» obet Straften* Stnaüge, SBinter* ober Uebergangs * Wankt, (ginaelftütfe, jefct nur S 29.— in ber ZaUt* M* 48< Wut 39 (öroirfien Damen*9Ketee=Strümpfe 2. SBa^t ober Herren* Sotfen, glatt unb me* Wert, 2. 5Ba^l — je^t bei .Sd)iff.mantti ' m* Wnbl SBatme ^etaljofert, alte ©rö&en, nur 59 Gro|d)en «=> jta be* J&uwrf trajje 48«