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Die neue Welt · 1938-01-25 · Heft 721 (25.1.1938) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 721 (25.1.1938)
Date
1938-01-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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186 Preis 10Groschen m-»«« »m» .aiJ±h ' ,v;--f«fewbJ, ' VMStea^ DIE NEUE WfcLT REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.-*, ganzjährig 8 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel* jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 60.—• vierteljährig Lei 160.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—a Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion ^Verwaltung: IX.Universitätsstr. 8\lel.A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u.Freitag Kein Todesurteil gegen Juden Wir haben in unserer letzten Nummer die Nachricht von.einem Todesurteil gegen zwei junge Juden mit Vorbehalt wiedergegeben. Nun meldet die J. T. A. aus Jerusalem: Am 21. Jänner, mittags, verkündete das Jerusalemer Militärgericht das Urteil gegen die.beiden jungen kurdischen Juden Abraham Aziz Jacob und Elijahu Brunn, die des unerlaubten Waffenbesitzes angeklagt waren. Der 17jährige Jacob und der 19jährige Brunn wurden zu je fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Bekanntlich haben Zeitungen in Prag, Wien und anderswo gemeldet, daß die beiden Juden zum Tode verutei 11 und auch hingerichtet wurden. Diese Meldung hat sich nun nicht bestätigt. Aber auch die Ver« urteilung zu fünf Jahren Gefängnis wird von den Juden Palästinas als außerordentlich hart empfunden. Jacob und Brunn wurden nicht etwa waffentragend aufgegriffen, auch konnte man ihnen nicht nachweisen, daß sie in die Kämpfe in Palästina sich einmischen wollten, sondern durch einen unglücklichen Zufall kam es heraus, daß die beiden im Besitze eines Revolvers waren. Brunn war mit der Reinigung seines Revolvers beschäftigt, als dieser sich entlud und eine Kugel Jacob verletzte, der ins Krankenhaus gebracht werden mußtetAuf diese Weise kam die Angelegenheit zur Kenntnis der Polizei. Jüdische Verbrechen Unflätiges Schimpfen und Stimmen der, yerjuiutft. .; .■.-Der!,,pesterre^ — die Organisation,, welche unter der Patronanz des Wiener Vizebürgermeisters Dr. Kresse die Ausstellung und Aktion „Christen kauft bei Christen" veranstaltet hat — fordert in der letzten Nummer seines Blattes „Wiener Gewerbe" an leitender Stelle und in großer Aufmachung ein Fremdenge setz gegen J u d e n. Die Zeitung schreibt: „Es wird in allen Kreisen des bodenständig e n Wiener Gewerbes auf das. lebhafteste begrüßt werden, wenn endlich einmal das schon so lange angekündigte F r e m d e n g e setz erlassen wird, das die Seßhaftmachung ausländischer Juden unmöglich mächen soll. Was die schon im L a n d e b e f i n dlicihen Israeliten anlängt, so wird das bodenständige Volk gut daran tun, diesen Herrschaften auf die Finger zu schauen. Man wird den Juden, wo immer es nottut, mit entsprechender Schärfe (selbstverständlich immer im Rahmen der Gesetze)1 klarmachen müssen, daß sie schließlich in einem Kulturstaat und nicht in einem a s i a t ischen Ghetto leben." Was veranlaßt den „Gewerbebund", diese „rumänischen" Töne anzuschlagen und in die Art des ^Stürmer" über die Juden herzufallen? Die Aufdeckung eines fürchterlichen jüdischen „Verbrechens". Das Blatt schickt nämlich seiner in Schimpfereien ärgster Sorte eingekleideten Förderung nach Gesetzen gegen Juden folgende Meldung voraus: 1 „Von der Wiener Friseurzunft erhielten wir da zürn Beispiel die Mitteilung, daß Herr Chaim Korkus, Wien, 7. Bezirk, Zollergasse 34, exemplarisch bestraft werden mußte, weil er die verbindlichen Beschlüsse der Zunft zur Hintarihaltung des unlauteren Wettbewerbes beharrlich verletzt hat. Dem Herrn Korkus wurde die Gewerbeberechtigung für die Zeit .von sechs Monaten entzogen." . ' Wir sind den Spuren des vom „Gewerbebund" hinausposaunten Kapitalverbrechens nachgegangen uncl konnten feststellen: Die Wiener Friseurzunft, welche Unter dem Einiluß der „Nobelfriseure" steht, hat Minimalpreise fürs Haarschneiden, Rasieren und Fristeren, bestimmt. Das hat insbesondere in den äußeren Stadtbezirken, wo die ärmeren Leute leben, de^u, geführt, daß die Frequenz der Friseurläden rapki .zurückging.' In dieser Not wurden einige Dutzend; kleinerer Friseure zu „Verbrechern". Sie rasierten lim vierzig Qroschen statt um fünfzig, und verlangten fürs Haarschneiden um zwanzig Groschen weniger als die hochnotpeinliche Friseurordnung vorschreibt. Eine stattliche Anzahl dieser „Schädlinge" wurde zu Cchweren Geldstrafen und zum Entzug des Gewerbes Der Jüdische Weltkongreß und Rumänien Aus Genf wird gemeldet: Die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses veröffentlicht im „Journal de Geneve" eine Entgegnung auf das in dieser Zeitung erschienene Interview mit dem rumänischen Außenminister Istrate Micescu, in welcher der Feststellung Micescus, daß die rumänische Regierung die Juden*-nicht als nationale Minderheit, sondern als Teil der rumänischen Bevölkerung ansieht, entgegengetreten wird. Die Exekutive unterstreicht, daß alle bisher von der rumänischen Regierung durchgeführten anti- - jüdischen Maßnahmen sich auf alle Juden ohne Ausnahme beziehen, so z. B. das Verbot, weibliches christliches Dienstpersonal unter 40 Jahren zu beschäftigen. Der Jüdische Weltkongreß unterstreicht ferner, daß die Juden, die Micescu als „Immigranten" bezeichnet, alteingesessene Einwohner der ehemals österreichischen, ungarischen und russischen Provinzen sind und daß sie gemäß dem Minderheiten-Abkommen als rumänische Staatsangehörige anzusehen sind. Zur rumänischen Judenfrage Aus London: „The Scotchman" erörtei't die Möglichkeit, daß auf der bevorstehenden Tagung des Völkerbundsrates eine Debatte über die jüdische Frage geführt werden wird, und schreibt: Die Judenfräge ist geeignet,-1 zwischen den Vertretern^ Englands «und, Frankreichs auf,der einen Seite und den rumänischen und' polnischen Vertretern auf der anderen Seite eine lebhafte Auseinandersetzung hervorzurufen. Es ist so gut wie gewiß, daß das Ergebnis einer solchen Diskussion sein würde, daß man sich prinzipiell darauf einigt, das ganze Problem der jüdischen Aus- und Einwanderung vom internationalen Standpunkt aus zu betrachten und zu behandeln. Das Forum hierfür müßte eine internatio« nale Konferenz sein, die schon in der nächsten Zeit zusammentreten müßte. Eigene Listen der Jüdischen Reichspartei Aus Bukarest: Bisher haben 21 Parteien ihre Teilnahme an den Wahlen angemeldet. Zu diesen Parteien gehört auch die Jüdische Reichspart ei. Die Regierung, die bereits ein Wahlkartell mit der. nationaldemokratischen Partei Professor Jorgas geschlossen hat, steht auch in Verhandlung mit der deutschen Minderheit wegen Abschlusses eines gleichen Kartells, Jüdischer Haushalt — christliche Dienstmädchen Aus Bukarest wird gemeldet: Die Regierung hat beschlossen, die Durchführung der vor einigen Tagen erlassenen Verordung über die Entlassung der oh'^is^Jichen Dienstmädchen unter 40 Jahren aus den jüdischen Haushaltungen bis zum Beginn der landwirtschaftlichen Saisonarbeiten aufzuschieben. Durch diesen Beschluß will die Regierung das Anwachsen der Arbeitslosigkeit verhindern und den im Frühjahr zur Entlassung kommenden Dienstmädchen Gelegenheit geben, sich in der- Landwirtschaft Arbeit zu beschaffen. : '------ (J. T.-A.) Au§ Rumänien Aus B u k a r e s t wird gemeldet: Die Ausweisung ausländischer Juden aus Rumänien hat begonnen. Als erste wurden auf Anordnung des Arbeitsministers Geörghe Cuza 600 polnische, jugoslawische und tschechoslowakische Staatsbürger ausgewiesen. Sie werden das Land in kürzester Zeit verlassen müssen. Der Korrespondent des New-Yorker „Jewish Morning Journal" Salomon Itzchaki, der auch die Warschauer Zeitungen „Hajnt" und „Na3Z Przeglad" in Bukarest vertreten hat, ist aus Rumänien ausgewiesen worden. Er mußte das Land sofort verlassen und ist bereits in Belgrad eingetroffen. Itzchak ist griechischer Staatsangehöriger. .... „, Zu dem Ministerratsbeschluß betreffend die Ueberprüfung der rumänischen Staatsbürgerschaft meldet der „Universul", die Ueberprüfung werde sich auf drei Kategorien von Einbürgerungen erstrecken, und zwar: 1. auf die Eintragung in die Heimatlisten auf Grund der Friedensverträge, (diese Kategprie umfaßt die nach Siebenbürgen, der Bukowina und Bessarabien zuständigen Personen), 2. auf die Juden aus dem alten rumänischen Königreich, die von in Rumänien stammenden Eltern abstammen, und schließlich 3. auf die Naturalisierungen. Die Revisionen werden auf Grund eines Ministerialdekrets durch die Bezirksbehörde erfolgen. Als Berufungsinstanz wird das zuständige; Landesgericht bestellt werden. # Der Außenminister Micescu teilte dem Generalsekretär des Völkerbundes, Avenol, und dem Präsidenten des Völkerbundsrates Aga Khan mit, daß er! gleich zu Beginn der Ratstagung in Genf die Frage der Juden in Rumänien in ihrer ganzen Breite aufzurollen gedenke. Rumänien verlangt, so teilte Micuscu mit, die sofortige Einsetzung einer Untersuchungskommission, die sich noch im Februar nach Rumänien begeben soll. Diesem Völkerbundsausschuß würden Vertreter Frankreichs und Englands als der Unterzeichner des Minderheiten Vertrages von 1919 automatisch angehören. Das Regierungsblatt „Tzara Noastra" teilt mit, daß die staatliche Valutenkommission angeordnet habe, daß Juden keine Devisen mehrfür das Ausland erhalten. „Univergul" meldet, daß die Einwanderungskonw mission beschlossen habe, denjenigen f reniden Kaufleuten, welche ihre Firmen erst nach dem 1. Jänner; 1930 in das Handelsregister haben eintragen lassen» verdonnert. Lauter „Bodenständige", unter ihnen auch ein er, der Chaim Korkus heißt. Diese jüdische Rosine holt nun der „Gewerbebund" aus dem bodenständigen Kuchen heraus und macht sie, zum Gegenstand einer gewaltigen antisemitischen Hetze. In einer Zeit, da es von Meldungen über Vater-, Mutter- und Kindesmorde und Schwerverbrechen aller Art wimmelt, wird das Titelblatt einer Zeitung dem Herrn Chaim Korkus gewidmet, welcherirgendeinem armen Teufel den Bart abschabt und dafür statt fünfzig Groschen nur vierzig verlangt hat... Entsetzlich! * Aber diese gegen alle Regeln des Anstandes und der Vernunft verstoßende. Art der. Agitation gegen die jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden hat schließlich doch zu einer, gesunden Reaktion geführt. Die Boykottpropaganda „Christen kauft bei Christen'1 hat bei weitem nicht das Resultat erzielt, das sich1 die Drahtzieher versprochen haben. Der Großteil der christlichen Käufer hat sich nicht davon. abhalten lassen, jüdische Geschäfte, ( in. weichen'er solid und preiswert bedient wird, aufzu,suche,n. Und auch unter, den christlichen Gewerbetreibenden regt sich die Vernunft. Es ist uns bekannt geworden, daß eine Reihe christlicher „bodenständige r" Firmen bei den zuständigen Behörden und bei 4er Regierung vorstellig geworden sind. Sie haben darauf hingewiesen, daß die unter der Parole „Christen kauft bei Christen" betriebene'Hetze im In- und Ausland eine Reaktion hervorrufen könnte, unter welcher der solide, der Hetze abholde christliche Kaufmann und Gewerbetreibende schwer leiden müßte, '

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