Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 720 (21.1.1938)
- Date
- 1938-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Freitag/ den 21» Jänner 1938 IS« Jahrgang Nr« 720 V« b.b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par reditetu" DIE NEUE REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig » 4.—, ganzjährig a IB.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bnlearien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—a Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Universität$sir.8,7el,A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Eine Gesamtheit an§diuldigen ♦ ♦ ♦ In einigen österreichischen Blättern war zu lesen, daß die in den angelsächsichen Ländern weitverbreitete Zeitschrift „Life" in ihrer .Weihnachtsnummer 1937 das Bild eines angeblich von einem Tiroler Bildhauer verfertigten Christbaumschmucks veröffentlicht habe: einen hölzernen Galgen, an dem ein Jude baumelt, auf dem Querbalken des Galgens zwei Raben. Es hieß weiter, „Life" behaupte, daß dieser Christbaumschmuck zugunsten österreichischer Antisemiten vom Antisemitenbund vertrieben worden sei. Es ist uns augenblicklich nicht möglich; die dem „Life" zugeschobene Veröffentlichung einer — gelinde gesagt — perversen Geschmacklosigkeit auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Jedenfalls aber sind wir überzeugt, daß die Arbeit des Tiroler Bildhauers keinesfalls den Beifall der österreichischen Bevölkerung finden, im Gegenteil: schroffste Ablehnung erfahren würde. Denn bis auf eine kleine Gruppe Unentwegter, die ihre völkischen und ästhetischen Ideale aus der hakenkreuzlerischen „Weltanschauung" beziehen, besitzen die Oesterreicher innere Kultur genug, um derlei Barbarismen den Rücken zu kehren. Wir selbst, als jüdische Zeitung, haben den erwähnten „Christbaumschmuck" schon aus Respekt vor der österreichischen Kulturgesinnung ignoriert. Nun meldet sich aber das „Wiener Montagblatt" zu Wort, sich „gegen diesen Rufmord am österreichischen Volkscharakter" wendend. Dem Blatt sei von 'der Angelegenheit nichts bekannt, und es erklärt entrüstet: Entweder handle es sich um einen Einzelfall oder die Szene des antisemitischen Christbaums sei glattweg gestellt worden. „Damit ist", schließt das Blatt, „die Böswilligkeit einer Propaganda dokumentiert, die auf Grund eines einzelnen, bisher nicht festgestellten und womöglich konstruierten Vorfalles eine Gesamtheit anschuldigt." Eine Gesamtheit anschuldigt... Hier ist der Punkt, wo unsere kritische Betrachtung des Falles einsetzen könnte. Denn 'gerade darin besteht die Methode einer gewissen Antisemitenpresse, daß sie einen Sonderfall verallgemeinert und einen Sonderfall zu Pauschalverdächtigungen benützt. Auch das „Wiener Montagblatt" hat diese Gewohnheit. Allwöchentlich klaubt sie aus der langen Reihe mehr oder minder schwerer Verfehlungen und Verbrechen die Träger „jüdischer Namen" heraus und verkündet in anklägerischem Ton, daß man das Land vom schädlichen jüdischen Einfluß, von den nichtbodenständigen, artfremden Elementen usw. reinigen müsse. Diesmal allerdings, wo es um die Fixierung eines angeblich tirolischen, also „arteigenen" Falles geht, wehrt sich das Blatt dagegen, daß verallgemeinert, daß für die Tat eines einzelnen ganz Oesterreich verantwortlich gemacht werde. Mit Recht wendet sich das Blatt gegen solch eine Methode. Aber es darf nicht vergessen, daß es selbst, durch seine allwöchentlichen a n t i j ü d i.s c h e n Angriffe und Verallgemeinerungen, im Ausland (also auch dort, wo „Life" gelesen wird) die Meinung gezüchtet hat, solche Dinge, wie der schändliche Christbaumschmuck, seien in Oesterreich möglich, ja an der Tagesordnung. o. r. Fragen an den Präsidenten Dr. Weizmann Zum Schandurteil gegen Men* Großmann Damit die Oeffentlichkeit im unklaren gelassen und der Eindruck erweckt werde, daß wichtige zionistische Interessen am Spiele stehen, hat das Ehrengericht gegen Meir Großmann die Verhandlung gegen diesen geheim und in dessen Abwesenheit durchgeführt. Hinter geschlossenen Türen also wurde der Führer der Judenstaatspartei „schuldig" erklärt, wurden der altbewährte zionistische Patriot und die von ihm geführte einzige Oppositionsgruppe der Herzl-Zionisten ihrer »echte in der Wetiorganisation schamlos beraubt. Die Judenstaatspartei in Palästina hat zur Aufklärung der jüdischen Welt in Tel-Aviv soeben eine Sonderschrift herausgegeben, die sich in mehreren Aufsätzen mit dieser Angelegenheit beschäftigt. Von besonderem Interesse und zweifellos sensationellem Charakter sind die Fragen, die an Präsidenten Weizmann und einzelne Exekutivmitglieder gestellt werden, aus denen ersichtlich ist, daß nur e i n Grund vorlag, die Verhandlung gegen Großmann geheim zu führen, und zwar: Angst! Herr Dr. Weizmann wird gefragt: 1. Sind Sie verpflichtet, die Beschlüsse der Kondes Aktionskomitees und der Exekutive zu respektieren und zu erfüllen? 2. Ist es bei Ihnen Brauch, daß Sie vor Entscheidungen in prinzipiellen und fundamentalen Fragen den Rat der Exekutive oder den von Freunden ein- R IMAC im Mmaäm " rfäZWt ";*r:V *r? tt^tf^WsSK Mann rrrüß''"sie'•''■gesehen! un'd^ gehört Haben . . .! Nur noch bis 31. d. M. Keine" Preiserhöhung holen? Wenn,bei diesen, wer sind,diese.:Personen? 3. Haben Sie am 19. Juli 193.7 mit Minister Ormsby-Gore , im Kolonialamt eine Unterredung gehabt? 4. Haben Sie sich vor dieser Unterredung mit ,den anderen Mitgliedern der Exekutive über den Zweck und die Grundlagen dieser Konferenz beraten und Richtlinien festgelegt? 5. Haben Sie nach dieser Unterredung der Zionistischen Exekutive über den Inhalt und die Resultate Bericht erstattet? Welche Personen zählen zu Ihren intimsten Mitarbeitern, denen allein Sie die. Protokolle Ihrer Konferenz mit Ormsby-Gore in Zürich anvertraut haben? 6. Haben Sie an der Sitzung des Aktionskomitees im April 1937 in Jerusalem teilgenommen? 7. Wie haben Sie den Beschluß des A. C. vom April 1937, der sich in schärfster Form gegen jede ArtvonAenderungdesMandats, sei es Teilung, Kantonisierung, ausspricht, aufgefaßt? 8. Glauben Sie nach diesem Beschluß des A. C. die Vollmacht besessen zu haben, das obzitierte Gespräch in verbindlicher Form> mit Minister Ormsby-Gore zu führen? 9. Glauben Sie nach diesem verpflichtenden Beschluß des A. C. das Recht und die Vollmacht besessen zu haben, in einem Schreiben an Minister Ormsby-Gore mit Bezug auf jenes Gespräch vom 19. Juli 1937 klar und eindeutig zu erklären: „Ich werde mirallenur erdenkliche Mühe geben, die Annahme Ihres Teilungsvorschlages durchzusetzen"? 10. Ist es irgendwie mit dem Beschluß des A. C. in Einklang zu bringen, daß Sie in dem genannten Schreiben an Minister Ormsby-Gore bereits im Detail vom Aufgeben des Mandats1 (vom Völkerbung an Eng- KOHLE KQKS «uKit ANTHRACIT BUCHENHOLZ BÄSCH IVi ARGENTINIERSTRASSE 22 - TEL. U-47-5-40 Inhaber 0r. Richard Bäsch $0- Zweimal täglich Elliustellung nach allen Bezirken land übertragen) im Oktober 1937 und dann-über die Grenzen, die Finanzen, die Einwanderungspolitik und vieles andere sprechen? 11. Sind Sie von den Herren Prof. Brodetzky und Ben-Gurion darauf aufmerksam gemacht worden, daß Herr Großmann dieDokumenteüber Ihre Unterredung mit Minister Ormsby- Gore besitzt? 12. Falls Sie benachrichtigt worden sind, auf welche Weise haben Sie sich bemüht, die Veröffentlichung dieser Dokumente zu verhindern? Haben Sie Herrn Großmann zu einer Unterredung aufgefordert, haben Sie ihm den Inhalt der Dokumente gemäß Ihrer persönlichen Auffassung kommentiert, haben Sie ihn ersucht, diePublikation nicht ^vorzunehmen? Das sind die Fragen an. den Präsidenten, der Zionistischen Organisation, die im Gerichtssaal vor der Öffentlichkeit hätten beantwortet werden müssen. Ihnen ist man ausgewichen und hat die Judenstäatszionis'ten hinter geschlossenen Türen politisch abgewürgt. Eine Erlösung für stnrKe Leute sind unsere modernen „<ORPUFRONT"-Leibbindenl Vollendet konstruiert, leicht, kein Verschieben, jedem Fall sorgfältigst angepaßt. liholnsch Tel. R-42-5-40 Zwei Juden hingerichtet l Todesurteil wegen Waffenbesitzes Aus Jerusalem meldet P a 1 c o r unter dem 18. Jänner: Beim Militärgericht in Jerusalem begann heute der Prozeß gegen zwei Juden, die sich wegen Waffenbesitzes zu verantworten hatten. Es ist dies der erste Prozeß gegen Juden vor dem Militärgericht. Die Beschuldigten sind die Ostjuden Efraim Brin (18jährig) und Abraham Jacob (17jährig). Hiezu meldet die J. T. A. aus Prag: „Telegraf" (!) vom Mittwoch-Abend (!) meldet aus Jerusalem, daß dort heute zwei Juden wegen Waffenbesitzes vom Militärgericht zum Tode verurteilt worden sind und daß das Urteil auch vollstreckt wurde. Sollte sich diese entsetzensvolle Nachricht bestätigen, so kann es sich wohl nur um die zwei kurdischen Juden Abraham Aziz Jacob und Elijahu Brunn handeln, die — wie die J. T. A. mitgeteilt hat — sich am Dienstag, den 18. Jänner, wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor dem Militärgericht in Jerusalem hätten verantworten sollen. Die beiden Juden hatten in die Kämpfe in Palästina in keiner Weise eingegriffen; lediglich durch einen Zufall kamen sie in die Hände der Polizei. Brunn war mit der Reinigung seines Revolvers beschäftigt, als dieser sich entlud und eine Kugel Jacob verletzte, der in das Krankenhaus geschafft werden mußte. Auf diese Weise kam die Angelegenheit zur Kenntnis der Polizei, welche die beiden verhaftete und dem Militärgericht übergab. . Die J.-T.-A.-Nachrich't aus Prag läßt nicht erkennen, um ■-■welchen „Telegraf" („Telegraaf", Amsterdam, „Daily Telegraph", London) es sich handelt. Auch ist das Datum der Nachricht, nämlich „Mittwoch-Abend", völlig, unklar. Mit Rücksicht darauf, daß auch die Namen der Angeklagten in der Palcor- und der J.-T.-A.-Meldung Verschiedenheiten aufweisen, ist die Nachricht vom Todesurteil und seiner Vollstreckung mit Vorsicht aufzunehmen,