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Die neue Welt · 1938-01-18 · Heft 719 (18.1.1938) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
12 (1938)
Issue
Heft 719 (18.1.1938)
Date
1938-01-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag, den 18. Jänner 1938 DIE NEUE 12* lahrgang Nr* 719 V+b«fc« Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par I'^dltear" 185 m' ün,v«ttfaWbIfc fothek Wien, REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig ö 16.—; Polen monatlich Zloty 1.80, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel* jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich »Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire Schweiz und die übrigen Lander monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. 'Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitä*sstr. 8,7ei. A-20-2-78 - Erscheint Diensten* u. Freitag Weltpolitik der Woohe Nervosität in Frankreich Während die faschistischen Staaten — zumindest nach außerhin — Geschlossenheit und Festigkeit zeigen, bietet Frankreich das Bild schwierigster Verhältnisse. Ueber Nacht ist das Kabinett Chautemps gegangen und eine neue Regierung, die Dauer verspricht, auf dem politischen -Horizont noch nicht sichtbar. Man kann mit einem Kabinett rechnen, das sich aus Männern der marxistischen Linken, der Bürgerlich-Linken und vielleicht auch der gemäßigten Rechten zusammensetzt, so daß die Möglichkeit einer inneren Konsolidierung, sogar unter Führung prononcierter Volksfront-Anhänger, besteht. Die vor zwei Jahren unter dem damaligen Premier Leon Blum begonnene Ausbalancierung der Bedürfnisse der Arbeiterschichten mit den kapitalistisch-bürgerlichen Gruppen hat mächtige Stöße erhalten. Es waren einerseits die Kommunisten, andererseits die reaktionären Rechtskreise, die ein allmähliches Auflockern der rückständigen Sozialgesetzgebung verhinderten. Die Streiks und Fabriksbesetzungen hier, die unterirdische Minierarbeit der Kapuzenmänner dort zeigten jeweils die Bruchstelle der Regierungskoalition, .und wenn heute wiederum Leon Blum mit der Kabinettsbildung; betraut wurde, so scheint der Beweis vorzuliegen, daß man mit einer Erweiterung"' der bisherigen Volksfront rechnen kann.. :; Aber wie immer man die gegenwärtige Lage Frankreichs beurteilen-: mag,,^bleibt, •i^'^trachet''. bestehen, daß es sich um eine krise des Kabinetts, nicht um eine Krise des parlamentarischen Reg i m e s: handelt. Der Franc. wird sich rasch erholen und etwaige Feinde Frankreichs können versichert sein, daß sich ihnen in Stunden der Gefahr ein geeintes französisches Volk entgegenstellen würde. Die gegenwärtige politische Zerfahrenheit soll nicht der Anlaß für. angriffslüsterne Regierungen sein, sich' Hoffnungen auf ein geschwächtes und verteidigungsunfähiges Frankreich zu machen. Die polnische Sphinx Der polnische Außenminister Oberst. Beck hat die Gewohnheit, auf seinen Reisen nach Genf und von Genf in Berlin Station zu machen. Seine diesmaligen Unterredungen mit deutschen Ministern hatten keine ideologisch-abstrakte, sondern eine reale Tendenz — vor allem die eine, festzustellen, wie das aus dem Völkerbund ausgetretene Deutschland sich von nun ab zur Funktion des Völkerbundes verhalten werde, wenn dieser zur Regelung großer weltpolitischer Fragen schreiten sollte. Auch die Lage in Rum änie.n und dessen nächste Entwicklung dürfte Gegenstand . der; Besprechungen gewesen sein. Zweifellos machen sich Deutschland und Italien Hoffnungen auf ein intimes Zusammenarbeiten und auf eine Situation, die der rumänischen Regierung ein Verbleiben in Genf als nicht sehr lukrativ erscheinen ließe. Da aber die Deutungen der Beck-Gespräche sich bisher als übertrieben erwiesen haben, dürfte auch diesmal das Resultat der Gespräche der polnischen Sphinx mit den deutschen Machthabern nicht sehr ins Gewicht fallen. Im Fernen Osten Japan kämpft und siegt weiter. Wenn auch sein Feldzug großen Schwierigkeiten begegnet, so ist doch aus verschiedenen Aeußerungen und Momenten zu ent-. nehmen, daß es gewillt ist, eine Entscheidung zu er-, zwingen. Das Auftreten amerikanischer Schiffe unweit des Gelben Meeres und die Konzentrierung sowjetrussischer Kräfte an der mandschurischen Grenze haben bisher auf die japanischen Militärs keinen großen Eindruck gemacht, und wenn man das Zuwarten Englands im japanisch-chinesischen Konflikt ins Kalkül zieht, bekommt man den Eindruck, daß man vom Ende noch sehr weit entfernt ist. Die Situation erhält eine rätselhafte Wendung dadurch, daß Japan gerade dort dominieren will, wo eein Freund und Gesinnungsgenosse Deutschland die größten Wirtschaftsinteressen. besitz^ in. China» Nationalsozialistische Wühlarbeit in Palästina Aus London wird gemeldet; Obwohl in allen politischen Kreisen Englands bekannt war, daß seitens des nationalsozialistischen Deutschland im Vorderen Orient eine heftige Propaganda gegen England und in Palästina gegen das britische Mandat schon seit längerer Zeit tätig ist, haben dennoch die diesbezüglich in „Manchester Guardian" veröffentlichten Einzelheiten die öffentliche Meinung des Landes in Unruhe versetzt. Denn, wie die Meldung des „Manchester Guardian" besagt, geht die deutsche Propaganda unter Mitwirkung der militärischen Kreise vor sich. Im April 1935 sind, , so führt das Blatt aus, fünfzig deutsche Agenten int Alter von 23 bis 45 Jähren nach Asien und dem Nahen Orient gesendet worden. Ende des Jahres 1935 schickte man drei Gruppen deutscher Agenten nach Haifa, Jerusalem und Jaffa. Ihr Ziel war: antijüdische Propaganda auf Basis des Panislamismus. Die Mittel dieser Propaganda waren Flug« blätter, Geld und Waffen, die entweder über Aegypten und Syrien oder über palästinensische Häfen ins Land gekommen sind. Obzwar es gelungen ist, bei zahlreichen Auf« ständischen deutsche Gewehre festzustellen und einzelne deutsche Agenten zu verhaften, ist der ganze Umfang der deutschen, im arabischen Bandenkrieg wirksamen Propaganda noch nicht erfaßt, aber man rechnet damit, die geheimsten Spurender hakenkreuzlerischenHetz a r b e i t in Palästina aufzudecken. Unter dem Vorsitz des Königs ♦ ♦ ♦ Aus Bukarest wird gemeldet: Ein unter dem Vorsitz des Königs im königlichen Palast abgehaltener Ministerrat, hat unter anderem beschlossen, die Pistom-Gesellschaft — ein Privatunternehmen, ..das .den Vertrieb der Regierungs- ^Monopölartikel Täbak und Seife besorgt' —'aüfz u föp erf und durch' ein' Re'gierung'sinstitut zu ersetzen, in welchem nur reinb 1 ütige Eumäne n beschäftigt werden sollen; Die Distom-Gesellschaft hat eine größere Anzahl Juden beschäftigt. Der Arbeitsminister Georghe Cuza hat eine Verordnung erlassen, wonach sämtliche in den sozialen Versicherungsinstitu'tionen des ganzen Landes beschäftigten jüdischen Aerzte zu entlassen und durch rumänische Aerzte zu-ersetzen sind. * ' Das Ministerium der schönen Künste ersuchte alle Bukarester .Theater, ihm Listen des Personals zu übersenden. Es werden die jüdischen Schauspieler aus den Nationaltheatern, Opern und von der Regierung subventionierten Privattheatern entfernt werden. Die bezügliche Verordnung steht bevor. * In Bessarabien wurde eine Anzahl Leihbibliotheken von der Behörde mit der Begründung geschlossen, daß sie kommunistische Lektüre verbreiten. Die Besitzer der Bibliotheken sind Juden. Die Bauern fordern das jüdische Vermögen Der Bukarester Sonderkorrespondent der J. T. A. meldet: Aus Bessarabien und der Bukowina treffen in Bukarest Nachrichten über eine zunehmende Unruhe unter Teilen der dortigen Bauernschaft ein. Die National-christliche Partei hatte vor den letzten Aber es wäre verfehlt, anzunehmen, daß sich hieraus eine Richtungsänderung der deutschen oder der japanischen Politik ergeben wird. Der ehemalige amerikanische Botschafter in Deutschland, D o d d, klagt in einer New-Yorker Rede die Vertreter der englischen,und der amerikanischen Rüstungsindustrie der Verschwörung gegen den Völkerbund zum Zweck der Entfesselung eines Krieges an. Er befürchtet, daß Japäns Sieg über China, der von den Westmächten nicht verhindert wird, einen neuen Krieg zur Folge haben werde. Es ist schwer, prophetische Urteile zu korrigieren, zumal die eines Pazifisten und Demokraten vom Schlage des verstorbenen Präsidenten Wilson. Nur'in'einem Punkt dürfte Dodd der Zustimmung aller Kulturmenschen sicher sein: daß die Haltung der großen friedensliebenden Staaten die kriegslüsternen totalitären Regierungen zu Raubzügen ermuntert und in der Welt den Glauben erweckt, Völkerrecht und Humanität und Artung 4er Xerträge seien. Uberholte Begriffe* o, r. Parlamentswahlen in diesen Provinzen das Versprechen gegeben, daß das jüdische Vermögen unier der rumänischen Bevölkerung aufgeteilt werdenwird. Jetzt belagern hunderte Bauern die Aemter der neuernannten Begierungspräf ekten, - wobei sie' mitnhter eine drohende Haltungeinnehmen. Rufe werden laut:: „Wo ist das jüdische Vermögen, das ihr uns für den Fall, daß ihr zur Macht gelangt, versprochen habt? Wozu haben wir für euch gestimmt?" Die lokalen Behörden versuchen die Bauern zu beruhigen, indem sie ihnen sagen, sie mögen sich gedulden und warten, bis die jetzt in Vorbereitung befindlichen Gesetze, die die Beschlagnahme jüdischen Vermögens vorsehen, in Wirksamkeit treten werden. Auch unter den nicht jüdischen Arbeitern; und Angestellten, die in jetzt in Liquidation getretenen jüdischen Betrieben beschäftigt waren, herrscht Unzufriedenheit. In vielen Städten werden die Juden von der politischen Polizei ersucht, ihre Unternehmungen weiterzuführen, um nicht zur wachsenden Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit unter der nichtjüdischen Bevölkerung' des Landes beizutragen. Dennoch schreitet der Prozeß der Selbst-« liquidierung jüdischer Unternehmungen fort, da die meisten jüdischen Kaufleute und Industriellen überzeugt sind, daß die neue Regierung halten wird, was sie versprochen hat, und in jedes jüdische Unternehmen einen Regierungskommissär setzen wird; dies würde praktisch bedeuten, daß Juden nicht mehr das Verfügungsreoht über ihren Besitz haben werden. Jüdische Grund- und Hausbesitzer gehen daran, ihren Besitz zu veräußern, da nichtjüdische Pächter und Mieter in einer immer größeren Zahl aufhören, ihnen die Pacht-, bzw. Mietsrate zu entrichten. Die Grundbesitzpreise sind, seit die neue Regierung zur Macht gekommen ist, um etwa 30 bis 40 Prozent gesunken. * Die von der neuen Regierung ernannten Distrikts- . kommissäre sind darauf bedacht, ihre Autorität dadurch zu manifestieren, daß sie antijüdische Maßnahmen treffen, ohne erst auf Weisungen aus Bukarest zu warten. In Jassy haben die Behörden den jüdischen Fleischhauern verboten, künftighin nichtkoscheres Fleisch zu verkaufen. In Buhusch, Provinz Moldau, ist die rituelle Schächtung überhaupt verboten worden. . Konflikt in der Regierung Aus Bukarest (J. T. A.): Das Kabinett hat, kaum zwei Wochen im Amt, eine ernste Krise durchzumachen. Professor A. C. Cuza stellte im Ministerrat das Verlangen, daß die neue Regierung dem Beispiel Deutschlands und Italiens folgt und den „jüdischen KöVfcfirhuRd" verläßt. Er und sein Sohn,. Arbeit*»

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