Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 718 (14.1.1938)
- Date
- 1938-01-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 718 vom 14. Janner 1938 DIE NEtyE, WELT, Seite T, Mas§enmörder Weidmann — Gestapo'Agent Aus Paris: Das Hitler-Organ „Völkisch e r Beobachter" (Berlin) berichtet in seiner Nummer 359/36 über den Fall des deutsch-arischen Massenmörders Weidmann unter der Ueberschrift „Verbrecher-Dorado in Frankreich. Alltägliche Untaten von Juden und Judengenossen" aus Paris: „Der Fall des deutschen Redakteurs und f ü n ffachen Mörders Weidmann, zu dessen. Helfershelfern der als unbequemer Mitwisser beseitigte jüdische Emigrant Frommer gehört hat, gibt erneut wieder einmal Gelegenheit, darauf hinzuweisen, welchen starken Anteil in Frankreich die eingewanderten internationalen Verbrecher und Jud'en an der auffallenden Zunahme der Verbrechen haben. In den letzten Monaten haben sich hier die Fälle, daß ausländische jüdische Banditen in große Kriminalfälle verwickelt waren, so sehr gemehrt, daß allmählich auch die Öffentlichkeit aufmerksam zu ' werden Jbegiftnt." So das Hitler-Blatt. In der Wirklichkeit war—- .wie jetzt aus den Untersuchungsakten unwiderleglich hervorgeht der Jude Frommer ein u n s c h u 1 d i g e s O p.f e r des Ariers1 Weidmann, der ihn im Frankfurter Gefängnis, wo Frommer als Reemigrant saß, kennengelernt hat. Weidmann hat wörtlich gestanden:: „Ich. weiß wirklich nicht,, warum ich Frommer erschossen habe; ich hatte,keinen Grund, ihm übel zu wollen,. denn: er hat mir im , Frankfurter Gefängnis' z a h 1 r e i c h, e Dienste geleistet; doch als er bei. mir saß und seine jüdisch.? Zeitung las,' schoß ich ihm ganz instinktiv eine Kugel in den Nacken." Außerordentliches Aufsehen in Paris erregen nun die Aussagen zweier politischer Flüchtlinge aus Deutschland, die mit Weidmann vorübergehend in Verbindung standen. Diesen Aussagen ist zu entnehmen, daß Weidmann aus dem Frankfurter Gefängnis entlassen und von der Gestapo nach Paris entsandt wurde, um politische Flüchlinge zu überwachen und über sie zu berichten. Weidmann hat die . politischen Flüchtlinge Dörter und Glaser zu sich unter dem Vorwand gelockt, ihnen Stellungen zu verschaffen, hat von ihnen auf diese Weise Informationen ■und Photographien erhalten, die er an die Gestapo nach Deutschland sendete. Auch die Bekanntschaft Frommers hat Weidmann ausgenützt, um ihn auszuhorchen. Spi'tzeli'nserat? Schon mehrmals hatten wir Gelegenheit, festzustellen, daß reichsdeutsche Firmen über „höheren Auftrag" darangehen, ihre jüdischen Vertreter im Ausland abzubauen — sogar auf die Gefahr hin, daß das Geschäft darunter leidet. Die im Ausland vertretenen reichsdeutschen Firmen werden bespitzelt, hauptsächlich damit eruiert werde, ob und welche Vertreter sie beschäftigen. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache ist nachstehendes, in einer Wiener Tageszeitung am 9. Jänner d. J. erschienene Inserat auffallend: S 400 Fixum monatlich bietet ausländ. Markenfirma nur jüd. Vertreter für Wien, der auch die Alleinvertretung einer deutschen Markenfirma für Wien hat. Branche egal. Unter „Angabe der jetzigen Firma und Verdienst 11230" an die Expedition dieses Blattes, Wer mit kaufmännischen Usancen vertraut ist, wird es zweifellos erstaunlich finden, daß 1. eine Markenfirma einen Vertreter ohne Rücksicht auf seine Branche („Branche egal") zu engagieren wünscht, 2. von ihm, einem Juden, die Angabe seiner jetzigen Firma und der Höhe seines Einkommens verlangt. Also ein sonderbares Inserat! Vielleicht gär ein Spitzelinserat? Jedenfalls ist seitens jüdischer Vertreter bei Abfassung ihrer Offerten höchste Vorsicht am Platze, zumal das erwähnte Inserat von der „Oesterreich!-, sehen Anzeigengesellschaft" placiert wurde, , die größtenteils arische Kundschaft bedient. Arbeitslos/ aber nidil #verjudet' Bei einer Konferenz der Gewerkschaft der industriellen Holzarbeiter Kärntens wurde u. a. festgestellt, daß die Kärntner Sägewerke immer mehr unter ausländischen Einfluß geraten. Also sind es Nicht-Bodenständige, die den Kärntner- Holzindustriellen verdrängen, so daß die Gefahr besteht, der wichtigste Industriezweig Kärntens werde in fremde Hände geraten. Aber nicht Juden sind es, die hier vordringen, sondern Italiener. Weiters wird über die erwähnte Konferenz der Holzarbeiter Kärntens berichtet: In Kärnten sind derzeit nicht weniger als 11,000 ausländische Arbeiter, vor allem Italiener und Jugoslawen* beschäftigt. Gleichzeitig aber gibt es in Kärnten 15.000 Arbeits* lose, die durchwegs Oester reicher sind. Es wird also österreichischen Staatsbürgern von Ausländern das Brot , weggenommen und überdies das österreichische Budget durch Belastung des Arbeitslosenfonds wesentlich in Anspruch genommen. Das ist eine Tatsache, die in der Klagenfurter Arbeiterkammer festgestellt wurde. Es fand sich jedoch kein einziger Redner, der eine Abwehr dieses Eindringens fremder Elemente gefordert oder gar gehässig gegen die Italiener und Jugoslawen gesprochen "hätte. Man findet sich mit der Tatsache ab. Allerdings handelt es sich nicht um Juden; für diese hat man einen anderen Ton zur Haiiffj'Vör allem den Vorwurf, d"aß Artfremde den Bodenständigen verdrängen, daß die österreichische Wirtschaft — verjudet ist und mit allen Mitteln — eh'tjudet werden muß... lüdistLet HtuA det lututek W "W^nrwrlrv J w^ww^r' ^WIF^ WVW^w^^^w^ Zur Eröffnung de*» neuen Heimes Bs gehörte viel Mut . und jugendlicher Enthusiasmus dazu, an den Plan der Errichtung eines Heimes heranzutreten, das die jüdlschö Jugend Wiens beherbergen soll. Nun ist, der, P.lan verwirklicht, das Heim fertiggestellt und der Weg zu-allen kulturellen Aufgaben, die solch einer Vereinigung jüdischer Menschen gestellt sind, kann beschritten, werden. \. ■ .■;'>.' Mit-großer Freude und Genugtuung begrüßt das jüdische Wien jdas soeben geschaffene Zentrum der jüdischen Jugend. Nun ist die Möglichkeit gegeben, ein großzügiges Programm durchzuführen in nationalem, sozialem. und künstlerischem. Sinne. Denn ein Heim ist mehr als ein — Lokal. rt « ,; . Man. muß .es mit Betrübnis, feststellen: Jahre hindurch kam der für jede fruchtbare Wirksamkeit so nötige Kontakt , der. jungen jüdischen Menschen nicht zustande, weil es an einem .<■ Räume *ehltej »der schon stimmungsmäßig diesen Kontakt förderte, die Atmosphäre für einen geistigen Austausch und .füjc geselliges Beisammensein besaß. . . . . Diesem. Uebel ist jetzt abgeholfen. Das Heim des jüdischen Klubs der Jungen schafft die. Voraussetzung für. das Programm, das durchgeführt werden soll, für ein wahrlich umfangreiches und verantwortungsvolles jProgramm. Ein großer . Vortrags- und Gesellschaftssaal mit einer anschließenden. Bühne ermög-, licht literarische, schauspielerische und gesellschaftliche Abende, Ausstellungsräume für Maler, Bildhauer usw. Klub- und Spielzimmer laden in ihrer gelungenen Gestaltung zum Verweilen und 'zu anregender Unterhaltung ein. Man ka'nn'öhne Uebert'reiburig sagen: Das neue Heim kann zürn Mittelpunkt kulturellen Lebens für unsere Jugend werden. ' Die räumliche Verbundenheit mit der Jüdischen Kuiturstelle und' dem Jüdischen Kulturjtheat'er wird zweifellos von' großem Nützen sein. ■; ... ■ ■ ' *f>* . '-! Das Heim des 'Jüdischen Klubs > der Jungen befindet sich in Wien,' I., Franz-1 Jös^fs-Kai 3; -Unmittelbar neben der Jüdischen ••Küfturs^ene;',|ft^'-'-wutäe Donnerstag; den- 13. Jänner, eröffnet " N" - : - - . . - .v - . ... . - •.• E Die ' tetaniächeti 'Äuäf CUirarigen ergänzen das'1 Niveau der gediegen gestalteten Räume und beweisen, daß auch in diesem Sinne' erstklassige Arbeit geleistetwurde. Ah der Ausgestaltung des Heimes beteiligten sich: Die 'konstruktiven''baulichen . Arbeiten führte Stadtbaumeister > Eugen "Büch bind e r, IL, Tabor- Straße II b, durch. \ Die Durchführung aller Malerarbeiten stammen vom bekannten' Malermeister S. K 1 e in b e r g, IL, Taborstraße 69. ' Sämtliche Installatidnsarbeiten wurden von der iFirma H. Fingerhut/U., Praterstraße 13, durch, 'geführt. ' f Gesämtausführung' der Tischlerarbeiten durch ,die bekannte Bau- und -Pörtaltischlerei M. D;oktor, H„ Kleine Mohrengasse . Sämtliche .Glasarbeiten und Spiegel wurden von der bekannten Glasniederlage WagschaL IL, Taborstraße 63, geliefei$.. Sämtliche Anstreicherarbeiten stammen aus der Anstreicherwerkstätte Eugen 'Sc h ü t z, V., Geigerg. 2. " Die im neuen J.-K.;J.-Heim montierten Elektro-- beleuchtüngskörper wurden von der Firma Ing. Georg Becher,' XVHL, Währirigerstraße 87, geliefert. Alle Schlosserarbej'ten (Garderobe, Türen iiswO stammen von der Schlosserei Adolf G1 ü c k s man n, IL, Stuwerstraße 20. . .-,y # . Kon.dito.rel Naumann — im Helme de» J.K.J. Wie wir erfahren, hat die vornehme.,jüdische Cafe-Konditorei;Karl Neunvann (II., Gredlerstraße 2) die Leitung des Büffets im. Heime des J.K.J. übernommen, so daß auch hinsichtlich der Speisen und Getränke das Beste vörgeBojgt ist. , det pMcihtSfädet Ein neuer jiddischer Tonfilm Der jiddische Tonfilm „De r Pu r imsp ie le r", der jetzt im Augarten-Kinonach dem Sensationserfolg von „Jidl mit'n Fldl'f gezeigt.»wird, besitzt alle Merkmale des ^sogenannten jüdischen ,;Lebensbildes". mit Gesang und Tanz und: all den Effekten der Rührung und des Humors, iwie wir sie vom jüdischen Theater her (in Wien die „Jüdischen Künstlersplele") kennen. Nichts fehlt an robuster Wirksamkeit, fachen und; Träne umrahmen das reizende Stück jüdischen Lebens. Aber was am meisten packt und mitreißt, ist die Romantik des Stoffes: die verschmähte Liebe eines tragikomischen Gsellen, eben des — Purimapielers. Es ist eine typische Volksstück-Konstellation und darum voll feiner Philoso^le des.,Alltags.._ .. v„ . Wenn uns der Film nur die Bekanntschaft mit Sigmund T u r k o w vermittelt hätte, dem fast stummen, seinem Schicksal ergebenen jüdischen Wanderjungen, so hätte er bereits seine Pflicht getan. Da er aber auch eine blendende Sängerin, Mirjam Kressin, den Grotesktänzer und Bonvivant Heimi Jacobson, die von der Schwartz- Truppe her bekannten Eisik Samberg und Eni L i t o n in charakteristischen Rollen bringt, so nehmen, wir all die Episoden und Stimmungen mh^ Dankbarkeit hin, genießen jiddisches Theater (der Film zeigt in allen seinen Effekten und Ausstrahlungen Theatertechnik!) und freuen uns, daß es endlich den Anfang einer jüdischen Filmindustrie gibt. Die Joseph - G r e c n - Produktion hat bereit!? einen populären Namen. Wir erwarten jetzt einen Aufstieg — . neue Namen, neue Sujets, Filme, die dem jüdischen Schicksal in der Welt gerecht werden. (Zum Schluß: der in Jazz und Schlagerrhtyhmus bewanderte Komponist Nikolaus B r o d s k y bewährte sich gut, Jzchak Mangers Gesangstexte bezeugen das literarische Niveau dieses originellen Balladendichters.) o. r. Filme der Woche Ungarn: Die entführte Braut. Frankreich: J^a grandc Illusion — Dunja. Amerika: Ein Star ist geboren —' Romeo privat — Olympiade der Unterwelt —. König wider Willen — Die gezeichnete Frau — Hafenspelunke — Ritter ohn« Furcht und Tadel — Unter vier Augen — Guter Kamerad r— Helene Willfür — Mister Motoj der Schatten von Schanghai — All Baba geht In die Stadt — Der König und das Girl — Silly Micky Melodie 1938 — Banditen von . Kain-Tu-Kei — Der Liebesreporter — In gefährlicher Mission — Das Herz der Welt — Dead End (Im Schatten, der Wolkenkratzer) — Mr. Dodd saniert. Filme unter Arierparagraph Daphne und der Diplomat — Der Katzensteg — Die reuigen Sünder — Fanny Elßler — Gabriele sUcht Abenteuer — Das große Abenteuer — Serenade — Fledermaus — Meine Freundin Barbara — 2 x 2 im Himmelbett — Musik für dich — Abenteuer in Warschau — Der Berg ruft — Der Liebling der Matrosen — Streit um den Knaben ,To ^— Die Landstreicher — Brillanten;— Gasparone — Tango. Notturno — Togger. Empfehlenswerte Firmen ' RESTAURANTS, CAFfiS etc. Cafö Atlashof, I.. Franz*-Josefs-Kat 1, Tel., R-28-2-28. Cafe" Augartenhof, II., Untere Augartenstraße 4.6, Tele-, phon A-44-0-75. Cafe" Büchsbaum, IL, Kleine Pfarrgasse 21. Bürgerliches Familiencaf4. ' ,'. . ■ .- „ . Caf6-Rcstaurant „De France", I., Schottenring 3, Tele- . phon A-16-3-74. Erstklassige - Küche. Billige Preise. Saal und Klubzimmer zu vergeben. Deutsch, am Schottenring 12, Delikatessenhandlung und Gaststube. v; : * ■-r . Cafe-Restaurant „Espresso", I., Rotenturmstraße 1. Internationale kalte und warme Küche. Menüs m billigen Preisen. Hotel Caf6-Restaurant „Excelsior", I.. Rotenturmstraße 24. Ganztägiger Restaurationsbetrieb. Bier vom Faß. . Cafe Frani-Josefs-Bahn, IX.. AUhanplatz 4, Tel. A-ll-2-4o. Vegetarisches Restaurant. Else Stern, VII.. I/indengasse 34. Eisen, Feinwurst und Selchwarenspeiialiäten. Fabrik: IX., Rotensterngasse 12. Verkaufsstellen: I.. Schwedenplatz "1; II., Praterstraße 33; VII.. Neubaugasse 15; Baden bei Wien. Eisen, Feinw.urst- und Selchwaren 1573. I., Schwedenplatz 1; II.. Praterstraße 33; >rater Hauptallee; VII., Neubaugasse 15; Baden bei Wien Kristall-Cafe, I., Aspernplatz 1, Tel. U-14-5-50., .U-14-5-51. Elegantes, billiges Großcaf6. Warme Speisen. Maria-Theresien-Stüberl, I., Marla-Tiieresien-Straße 4. Küche des Hotel de France. Täglich ab 20 Uhr Musik und Gesang. Cafc-Konditorci Neumarin, II., Gredlerstraße 2 (Telephon A-42-3-81). III., Löwengasse 47 (Tel. U-10-5-78). Caf6 Morzin, I., Salzgries 2 (nächst Hotel Metropol). Tel. U-29-3-84, Inhaberin: Rosa Auffärber. Erstklassiger Kaffee, billige Preise, angenehmer Aufenthalt. Caf6 Rembrandt (neu renoviert), II., Untere -Augartenstraße 11, Tel. A-47-3-31. Leiter: Artur Feuerstein. . Caf6 Schottentor, I., Dr.-Karl-Lueger-Rlng 10. Telephon U-26-5-90, vis-ä-vis der Universität. Schweden-CafeY I., .Schwedenplatz 1, Tel. U-23-5-,75. Alle >in- und ausländischen Zeltungen. Moderne Billards,'Bridgesalon. Cafe Hotel Silier, I., Schwedenplatz 3. 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