Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 12 (1938)
- Issue
- Heft 717 (11.1.1938)
- Date
- 1938-01-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite $ IHR NKIW WJ5MC Nr. 717 vom 11. Jänner 1938 Rumämsdie§ Der Minister für öffentliche Gesundheit hat eine Verordnungerlassen, wonach alle im Bereich des Gesundheitsministeriums beschäftigten jüdischen Aerzte entlassen und durch christliche Aerzte ersetzt werden. Im Zusammenhange damit, sei eine Meldung aus Bukarest wiederholt, welche die „Neue Welt" vor zwei Monaten gebracht hat: Die Opferbereitschalt der jüdischen Aerzte. Auf dem Kongreß für Seuchenverhütung hob der Minister, für Volksgesundheit, Ion Constantinescu, die Opferbereitschaft der jüdischen Aerzte lobend hervor. Rumänische Aerzte, sagte er, verlangen die Beseitigung der jüdischen Aerzte; aber diejenigen, die diese Forderung erheben, seien nicht bereit, auf dem Lande, wo großer Mangel an Aerzten herrscht, Dienst zu tun, während jüdische Aerzte bereit sind, die entlegensten und der Seuchengefahr am stärksten ausgesetzten Gegenden aufzusuchen. Es ist nicht meine Schuld, erklärte der Minister, wenn ich jüdische Aerzte anstelle, die bereit sind, Hilfe zu leisten. Ausschreitungen. Der Korrespondent der amerikanischen Agentur United Preß meldet: Aus der rumänischen Provinz treffen immer wieder Nachrichten über antisemitische Ausschreitungen ein. In Bukarest selbst kam es bisher kaum zu größeren Zwischenfällen, wenn auch in der inneren Stadt mehrmals Juden von jungen- Nationalisten angepöbelt wurden. Bezeichnend für die Alarmstimmung bei den rumänischen Juden ist es, daß die Aufkäufer gebrauchter Möbel in den letzten Tagen von Angeboten seitens jüdischer Familien, die fortziehen wollen, geradezu überschwemmt wurden. Ciogas Doppelgesidit Die J. T. A. berichtet über den Verlauf der Unterredung zwischen dem rumänischen Ministerpräsidenten Goga und den Mitgliedern des Präsidiums der Jüdischen Reichspartei, Dr. Fischer und Dr. Singer: Der Ministerpräsident Goga begrüßte die beiden Herren in herzlicher Weise und unterhielt sich mit ihnen längere Zeit über die Situation der Juden unter der neuen Regierung, versicherte, daß überall im Lande vollkommene Ruhe und Ordnung herrsche und fügte hinzu, die Regierung werde Ausschreitungen und Uebergriffe gegen die Juden nicht dulden. Er ersuchte die Mitglieder der Abordnung, ihrerseits der jüdischen Bevölkerung zu versichern, daß keine Ursache zu irgendwelchen Besorgnissen bestünde. Sowohl beim Empfang als auch beim Abschied, so bemerkt die J. T. A., reichte der Ministerpräsident Goga den beiden Herren die Hand. In einem Interview des „Daily Herald" »nwdings erklärte Goga: „Rumänien ist den Minderheiten gegenüber tolerant. Es sind aber nach dem Kriege jüdische Flüchtlinge aus Rußland, Ungarn und Deutschland in Rumänien eingedrungen. Wir haben 500.000 vagabundierende Leute, die wir nicht als rumänische Staatsbürger betrachten können. Meine erste Maßnahme wird die sein, darzutun, daß wir es nicht verantworten können, diese Leute in unserem Staate zu behalten." Die „Herrschaft der Juden" in Mexiko / Aus Mexiko City (J. T. A.): Die beiden Häuser des mexikanischen Parlaments haben mehrere Fremdengesetze beschlossen, die dazu angetan sind, die Lag© der Juden in Mexiko ernstlich zu gefährden. Die Gesetze sehen vor: Fremde müssen während der ersten fünf Jahre ihres Aufenthaltes im Lande in speziellen, ihnen von der Regierung zugewießenen Orten wohnen und dürfen nur b eatimmte Berufe ausüben. — Aflle Unternehmungen müssen mindestens 90 Prozent gebürtige Mexikaner Beschäftigen, die übrigen 10 Prozent können Ausländer und Eingebürgerte sein. (Bisher hatten Eingebürgerte dieselben Rechte wie die im Lande Geborenen). — Ausländer erhalten keine neuen Geachäftalieenzen^ d*Q Schiffmann IM ZEICHEN zePÜS BILLIGKEIT m Wir „wollen und mllssen das restliche Lager in Winterwaren jeder Art in der Zeit vom 10. bis 22. Jänner leeren. Die „Schiff mann-lnventur 1938" steht daher im Zeichen grenzenloser Billigkeit. Nur einmal im Jahre — zur Inventur — sind solche Preise möglich .... Nützen Sie die kurze Frist. Die unerhört billigen SEIDEN-PREISE bleiben.weiter in Geltung! Kommen Sie täglich, 8 Uhr früh - d Taborstraße 48. bereits an Ausländer ausgegebenen Lizenzen werden annulliert. — Der Präsident entscheidet über die Höchstzahl fremder Industrie- und Handelsunternehm.uagen; Unternehmungen, die das Kontingent überschreiten, werden enteignet und in Mexiko gebürtigen Arbeitern ins E i g e n t u m übergeben. — Ausländer, die innerhalb eines Jahres nach Betreten des Landes nicht 20.000 Pesos in .Unternehmungen' investiert haben, werden deportiert, ihr Eigentum wird zugunsten von Arbeiterkooperativen konfisziert. Der Sprecher des Regierungsrundfuhksenders erklärte, die neuen Maßnahmen seien notwendig, um den Strom der Einwanderer vor alleöi in die Hauptstadt einzudämmen. Wenn diese Bestimmungen auf die Schaffung eines Ghettos hinauslaufen, müsse erklärt werden, daß dies zwar nicht %eeibaichtigt, aber eben unvermeidlich sei. * Diese Meldung über Maßnahmen der mexikanischen Regierung, welche sich gegen die Existenz der Juden in Mexiko, die zum . größten Teil eingewandert sind, richten, verdient besondere, Beachtung. Mexiko ist von einer stark marxistischen und vor allem gegen die Kirche feindlich eingestellten Regierung beherrscht. Dieser Umstand wird seit Jahrgn..dazu benützt, um das „kirchenschänderiflphe und bolschewistische Mexiko" als einen von Juden mißleiteten und..regierten Staat hinzustellen. Jetzt wir,d klar, wie es um die „Herrschaft der J u d e n"/bestellt ist. Man geht daran, die „herrschenden" Juden1 zu deportyeren und den Regt in ein Ghetto zu zwingen. \ <■ Das Technikum in Haifa Dem Bericht, welchen die. Leitung des Technikums aus Anlaß der Feier des 25. Jahrestages der Grundsteinlegung herausgegeben hat, ist zu entnehmen: Im Jahre 1935/36 waren 30 Lehrkräfte tätig; davon 19 Professoren und Dozenten, 7 Assistenten, 4 Laboranten, außerdem Sprachlehrer und sonstige Lehrkräfte für Hilfsfächer. Im Jahre 1936/37 stieg die Zahl auf 40, davon 24 Professoren und Dozenten, 12 Aasistenten und 4 Laboranten, außer Sprachlehrern und technischen Instruktoren. , Das Anwachsen der Zahl* der Lehrkräfte ist hauptr sächlich dem Ausbau der tec|nologischen Abteilung zuzuschreiben. Im Jahrep935/36 wurde der zweite, im Jahre 1936/37 der dritte |Curs dieser Abteilung eröffnet. Es wurden neue Dozenten für Technologie, Chemie, Thermodynamik, Wärmemaschjbien und Elektrotechnik berufen! Außerdem wurden die Katheder für Städter und Siedlungsbau, architektonisches Zeichnen, sanitäre Installation und Baugesetzgebüng neu besetzt. Im Jahre 1935/36 betrug die Studeritenzahl 360 (gegen 230 im Jahre 1934/35),'„darunter 25 Studentinnen. Im Jahre 1936/37 stieg die. Zahl auf 420, darunter. .21 Studentinnen. Unter, dea Herkunftaländern steht Polen mit 60 Prozent an erster Stelle, ungefähr 20 Prozent kommen aus Palästina, während sich die anderen auf 12 verschiedene Länder verteilen. Infolge der Bedrückung der jüdischen Jugend in der Diaspora, ist die Zahlder jungen Leute, die sich um Aufnahme inü Technion bewerben, in ständigem Wachsen begriffen. Leider ist das Technion nicht imstande, alle diejenigen aufzunehmen, die an seine Pforten klopfen. Die Aufnahmegesuche aus der Diaspora sind folgende: im Janre 1934 350, im Jahre 1935 900, im Jahre 1936 600, außer den Aufnahmebewerbungen in die Handwerkerschule. Die Diplomprüfung des 9. Jahrganges fand im April 1937 unter Beteiligung und Aufsicht der Regierung, des Kuratoriums, der Exekutive der Jewish Agency und des Ingenieur- und Architekten-Verbandes in Palästina statt. Von den 15 Kandidaten bestanden 10 dio Diplomprüfung, darunter 1 Kandidatin. Die Zahl der Absolventen, denen der Titel „Ingenieur" verliehen wurde, beläuft sich, den letzten Jahrgang mitgerechnet, auf 90. An den Abendkursen für fachliche Ausbildung nehmen jährlich etwa 100 Arbeiter und Handwerker teil, und zwar in verschiedenen Kursen für Tischler, Schlosser, Elektrotechniker, Post- und Telegraphenarbeiter, Betonverschal er, technische Zeichner, Installateure und Bauführer. Außerdem wurden Fachkurse für Einwanderer aus Deutschland, zur Erlernung neuer Berufe, eingerichtet, besonders auf dem Gebiete autogener und elektrischer Schweißarbeiten. Jeder Kurs rjauerte sechs Monate. Instruktionsdienst in den landwirtschaftlichen Betrieben. In den Jahren 1934/35 trat eine betrübliche Unterbrechung des Instruktionsdienstes, die durch den tragischen Tod des begabten Instruktors Mordechai S i r a t z verursacht worden war, ein. 1936 wurde der Dienst wieder aufgenommen. Ein Instruktor des Technion besuchte in diesem Jahre 42 landwirtschaftliche Siedlungen. Im Winter 1934/35 und 1936/37 veranstaltete das Technion sechs wöchentliche Winterkurse, an denen ungefähr 50 landwirtschaftliche Mechaniker teilnahmen. In den Werkstätten erhielten sie praktischen Unterricht und in den Abendstunden wurde theoretischer Unterricht erteilt. Infolge der schnellen Mechanisierung der landwirtschaftlichen Betriebe gewann der Instruktionsdienst besondere Bedeutung. Austritte aus dem Judentum Aurelia Avanku Fieber geb. Getzl, geb. 10. April 1902 Budapest, verw., III.', Weißgärberlände 30. — Eveline Mann, Schülerin, geb. 26. September 1921 Wien, ledig, IX., Althanstraße 53. —Erna Adler, Privatbeamtin, geb. 15. Jänner 1903 Maria-Enzersdorf, ledig, XIII., Diestenveggasse 32. — Chaim Josefsberg, Versicherungsbeamter, geb. 6. Jänner 1904 Bolechow, verh., VII., Lindengasse 17. — Hedwig Sclireler geb. Neuberger, Private, geb. 14. März 1892 Lemberg, ger.-^etr., I., Stubenring 16. — Lydia , Brakl, geb. 4. Februar 19*3 Wien, ledig, VII., Halbgasse 9. — Hermine Roesmann geb. IHichmann, geb. 8. September 1884 Lardaro, verh., VIII., Kupkagasse 4. — Nelly Singer, geb. 16. April 1921 Wien, ledig, XIX., Dyonisius-Andrassy^ Gasse 3. KINO-PROGRAMME chweden ..Tarantella IfUlMCflEtJ V.M.M1^II«H Baglnn: V»k, V*6, Yh9, %10Uhr.Tcl.A'*t*0'60 mit JEANETTE MACDONALD Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen II ^"\ugarten- Kino II, Untere AugartenstraDe 28 ■ ■ Telephon A-40-5-98 I I Beginn : H/,4, V,6, ',,8 ■ ■V.lOUhr u Ab Freitag, den 7. Jänner, der Schlager film In jiddischer Sprach« Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert, Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kolb. — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann» all« Wien, X&.t IMversittttsstraße ß-&