Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 713 (28.12.1937)
- Date
- 1937-12-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 4 DIE NEUE WELT Nr. 713 vom 28. ISeaeflaßer 1937 ft» peße&e iW Wie Irreales, Metaphysisches, „Unpraktisches' das Volk wach erhält, ausharren läßt, ihm die Hoffnung auf künftige Erlösung gibt — dieser bewunde rungswürdige und einzige Fall in der Weltgeschichte spiegelt sich in einer Reihe von Sagen wider. Chajim Bloch, dem das jüdische Schrifttum schon zahlreiche wertvolle Beiträge verdankt, hat in seinem soeben erschienenen Buch „Das geliebte Land", Sagen aus Palästina (R. Löwit Verlag, Wien und Jerusalem) diese Sagen nach schriftlicher und mündlicher Uebeiiieferung gesammelt und so dem Glauben des jüdischen Volkes an die religiöse und kulturelle Wiederaufrichtung Erez Israels ein klassisches Denkmal gesetzt. Es war natürlich kein leichtes, das Material der Vergessenheit zu entreißen. Man mußte den ausgeprägten Sinn haben für den Wert des jüdischen Volksmärchens, um zu deren Quellen vorzudringen; eine feine Spürnase haben für all die mit dem Glauben verwobenen kulturhistorischen und volkskundlichen Motive, die zusammen heute noch in der jüdischen Gemeinschaft lebendig und fruchtbar wirkend sind. Im Mittelpunkt der Sagen steht das Gottvertrauen und die messianische Verheißung, zwei Kräfte — einander ergänzend und bedingend; inmitten der Kunde von Haß und Leidenschaft, Hunger und Verfolgung, erhebt sich der unzerstörbare Mythos von der Erlösung der Welt. Chajim Bloch hat mit großem Geschick und einprägsamer Schlichtheit die Sagen nacherzählt. Sie. besitzen erzieherische Kraft, sie geben uns Stolz und Würde und Vertrauen in unsere Zukunft. „Das geliebte Land" kann zu einem geliebten Buch des jüdischen Volkes werden. Wer solcher Sagen fähig ist, kann nicht untergehen. o. r. Z)&j 7&nfrdtec%. Der Berg, auf dem sich später der Tempel Gottes zu Jerusalem erhob, gehörte in altersgrauer Vorzeit zwei Brüdern; er war ihnen als Erbe nach ihrem Vater zugefallen. Der eine der Brüder hatte Frau und Kinder, der andere hingegen blieb unvermählt. Beide wohnten in einem Hause beisammen, lebten in friedlicher Gemeinschaft und bestellten getreu ihren Acker. Das Feld gedieh, und ein jeder, war mit seinem Geschick zufrieden. Einmal, es war um die Zeit, da man den Weizen erntete, banden die Brüder Garben im Felde und richteten sie zu gleichen Haufen auf. In der Nacht lag der unbeweibte Bruder in seiner Kammer und :dachte bei sich: ,Jch bin allein und habe mein Brot mit niemandem zu teilen. Warum soll mein Anteil an* dem Ertrag des Feldes gleich jenem meines Bruders sein, der eine Sippe zu ernähren hat? So sann er, erhob sich von seinem Ruhelager und schlich sich wie ein Dieb zu seinem Haufen. Dort nahm er mehrere Garben und legte sie zum Haufen seines Bruders. Aber auch den Bruder mied der Schlaf und er kam auf einen ähnlichen Gedanken. Er sprach zu seiner Frau: „Es ist nicht recht, daß ich und mein Bruder die Ernte zu gleichen Hälften teilen. Ich bin doch in jeder Beziehung besser dran als er. Mir hat Gott eine gute Frau und brave Kmder gegeben, ihm aber ist ein freudloses Leben beschieden, wnä seine einzige Freude ist gewiß der Ertrag der Feldfrucht. Wollen wir uns aufmachen und im stillen von unseren Garben einige auf seinen Haufen legen." Die Frau stimmte bei, und sie taten also. Am nächsten Morgen fand es jeder von den Brüdern seltsam, daß der Getreidehaufen wie ehedem gleich groß war, und ein jeder vonihnen war so erstaunt, daß er keine Worte jand. So ging es Nacht um Nacht,, und beide Getreidehaufen waren immer wieder von neuem gleich groß. Eines Nachts überraschten die Brüder einander mit den Garben in der Hand. Sie umarmten einander und ein jeder von ihnen dankte Gott. Die Stätte, an der sich Treue solcherart:.-bekundete, wurde von Gott gesegnet: Auf ihr erhob sich später das Heiligtum des Herrn Israels, das Betham für alle Völker. (Aus Chajim Blochs „Das geliebte Land".) Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kolb. — Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz. .Steinmann, all© Wien, IX., Vniversitätsstr'aße 6-8, Waschsfoffe, Samfe: Strapaz-FIanelle, gestreift, per Meter . . Pyjama- oder Touring-Flanell, Modedessins Vorarlberger Winter-Dirndlstoffe, gewebt . Veloursflanelle, Modestreifen, f. Schlafröcke Mille fteurs oder Streif-Velours..... Boucle-Velours, 80 cm breit ....... Diagonal-Winterdirndlstoffe, aktuelle Muster „GaUtaler", Mode-Winterdirndlstoff . . . Mode-Velvetine imprime, lichtu. waschecht Mode-Pepita-Stoffe, weiche Qualität . . . „Nordpol"-DoubIe-Velours, schwere Qualität Mode-Waschsamte in allen Farben . . Köper-Samt für Kleider, fiorfest . . . . S —.65 S —98 S 1.29 S 1.39 1.50 1.50 1.60 1.98 1.98 2.20 S 2.40 S 2.40 S 3.90 pcl^attiflücvbrämt paitj flefüttert S I Sft Kunsiseidenstoffe: Satin Lame, in vielen Farben, per Meter . S 1.75 Wäsche-Toile, schöne Pastellfarben S 1.98, 1.89 Mattcrepe in Schwarz und Braun . . . S 1.98 Crepe-Satin, gute Qualität.......S 2.80 Crepe-Mongol-Imprime, Riesenausw., 90 br. S 2.98 Cloque cir6, modische Neuheit, 90 breit . S 3.90 Cloque royal, für Nachmittagskleider, 90 cm S 4.50 Boucle relief, neuartige Bindung, 90 cm . S 4.90 Crepe-Satin-Gouffre, neueste Goldmuster . S 5.50 Mode-Seal-Imitation, 110 breit . . . . . S 5.50 5Ianeü=91o(tjtf?emDi :; 3, Wollstoffe: Woll-Crepe, in modernen Kleiderfarben :• . S Angora-melee, schmiegsamer Kleiderstoff . S Crepe-Noppe, beliebtes Kleidergewebe . . S Mantel-BoucI6, 140 cm breit . . . . S 5.90, Crepe-Granella f. d. Winterkleid, 130 cm . S Noppen-Tweed für Strapazmähtel . i . . S Shetland f. Mäntel ir. 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S 5.90 II, TAB0RSTRASSE 49 AUS ALLER WELT Verbot faschistischer Umzüge im Londoner Juden- - viertel Aus London: Innenminister Sir Samuel Hoare teilte im Unterhaus mit, daß das Verbot faschistischer Aufmärsche in London East End für die Dauer weiterer drei Monate .verlängert wurde. Ich bedaure, sagte Sir Samuel, die Notwendigkeit .einer solchen Einschränkung der Freiheit politischer. Aufmärsche;' angesichts :der Gefahr ernster;Unruhen erweist sich das Verbot jedoch als unvermeidlich. I-Mililon-Dollar-Fonds für jüdische Studenten Aus N e w; Y o r k: Auf der vom Jeschiwah College in New York anläßlich. seines 50jährigen Bestandes abgehaltenen Konferenz .wurde beschlossen, einen Eine- M i 1,1 ion-Dollar- Drive, durchzuführen, aus dessen Eingängen jüdischen Studenten aus Ländern, in denen Juden verfolgt, werden, Stipendien zur Fort*., Setzung ihr es.Studiums im Auslände ge«. währt werden sollen, 250,009 Dollar wurden, auf der. Konferenz selbst gezeichnet. Der Gouverneur des Staates Michigan, Frank Murphy, sagte in einer Ansprache an die Konferenz, die Antisemiten in Amerika wollen die Juden aus Aemtern und Schulen verdrängen; die Juden müssen sich dagegen zur Wehr setzen. Er appelliere an Juden und Christen, gemeinsam die Demokratie zu verteidigen, die auch ein Bollwerk gegen den Antisemitismus sei. Senator AI Ben Barkley, der Führer der Majorität im Senat, erklärte, die religiöse Freiheit seit ein unerläßliches Gebot wahrer Demokratie. „Monat der Solidarität" mit den judischen Studenten in Polen Aus New York: Der American Jewish Congress hat einen „Monat der Solidarität" mit den jüdischen Studenten in Polen proklamiert. Vom 15. Dezember angefangen finden in den Synagogen und jüdischen Schulen Sammlungen statt; die Anwesenden werden an einem zu bestimmenden Tage zum Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Studenten in Polen 15 Minuten lang stehen. Das frühere Haupt der „Jewsekzija", Larin,, hingerichtet Aus Moskau: (J. T. A.) Unter den acht hohen Sowjetfunktionären, die „wegen terroristischer Tätigkeit und Spionage zugunsten eines ausländischen Staates" (Trotzkismus) zum Tode verurteilt und . erschossen wurden, befindet sich das frühere Haupt der „J e w s e kllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllll! w bitten |f um Einsendung von Adressen, an die wir Probeexemplare versenden können Die Verwaltung „DIE NEUE WE LT" IIIIIIIIIIIIIII^ zija" (Jüdische Sektion der Kommunistischen Partei), Larin. Er war einer der Propagatoren der jüdischen Sowjetrepublik Biro-Bidschan und schrieb ein Buch Uber die Judenfrage. Auch, der mithingerichtete Zucker* mann war Jude. t Die jüdischen Schulen in der Türkei Aus Ankara: (J. T. A.) Der türkische Unterrichtsminister hat eine Verordnung erlassen, auf Grund derer spezielle 'Regierungskommissäre zur Kontrolle des Lehrplans und zur Verwaltung sämtlicher jüdischer Schulen, sowie der Schulen anderer Minderheiten in der Türkei eingesetzt werden. Man erwartet, daß eine Anzahl von Minderheitsschulen, darunter auch die der jüdischen Minderheit, infolge der Verordnung g eschlossen und ihre Schüler in Regierungsschulen überführt werden. . , Aus der Brünner Stadtverwaltung Aus Brünn: Die Stadtvertretung von Brünn' beriet am Montag, 20. Dezember, den Voranschlag für. das Jahr 1938. Stabskapitän Grün (zionistischer Sozialist) forderte Berücksichtigung der Juden bei Anstellung in den Gemeindeanstalten und beschwerte sich darüber, daß die städtische Fürsorge alle Juden, die der sozialen Hilfe bedürfen, an die Jüdische Gemeinde weise, obwohl diese finanziell nicht in der Lag» sei, die Fürsorgelasten für alle hilfsbedürftigen 'Juden allein zu tragen und die Stadt Brünn ihrerseits doch verpflichtet sei, ihre Fürsorge allen Bedürftigen ohne Unterschied der nationalen und religiösen Zugehörigkeit der* selben in gleichem Maße zuteil werden zu lassen. Als der Vizebürgermeister Dr. Eöer (tschechischer Sozialdemokrat) auf die Ausführungen der Debattenredner erwidern wollte, hinderten ihn die Vertreter; der Sudetendeutschen Partei am Sprechen, Dem deutschen Sozialdemokraten Dr. Freund, der für dem Vizebürgermeister eintrat, rief der Henlein-Vertreter Veith „Dummer Jud!"'zu. Später erklärte Veith, daß er diesen Ausdruck nicht gebraucht habe. VizeWlrger- : meMer Eöer stellte fest: „Das'können wir vor Gericht beweisen. Damit hat sich die Sudetendeutsche Partei auf das Niveau des Herrn Julius Streicher begeben." Baal Brtt: England und Israel. Verlag R. Löwit, Wi en-Jerusalem. Diekrisenhafte Entwicklung der Weltlage und des Palästina-Problems macht diese Schrift zu etoer politischen Notwendigkeit ersten Ranges. In klarer, Uberzeug«nder Form werden die wesentlichen Fragen der ztotfftfactom England* and Arabw-PpMMc behandelt. v