Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 712 (24.12.1937)
- Date
- 1937-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 712 vom 24. Dezember 193". DIE NEUE WELT Seite 7 Wirtschafts-Antisemitismus in Amerika Der „American Jewish jCongress" (Sektion des Jüdischen Weltko'ngressfea) hat «inen umfassenden Bericht über „Die Zurücksetzung der Juden in Öffentlichen und privaten Betrieben" herausgegeben. Verfasser ist der Vorsitzende der Kommission für Wirtschaftsfragen des A. J. C, Dr. J. X. Cohen. Wir bringen nachstehend einen Auszug aus dem Kapitel „Freie Beruf e". (Siehe auch Nr. 6S2 der „N. W.".) j / Lehrberuf Von 55 New-Yorker High Schools (die etwa «en europäischen Gymnasien entsprechen) hatten nur fünf judische Direktoren. Als bei der Regierung des Staates New York der Antrag gestellt wurde, künftighin diese leitenden Stellen auf Grund von Leitstungsprtifungen statt wie bisher durch einfache Berufung zu besetzen, wurde er abgelehnt mit der Begründung: „Sollen denn die Juden auch noch alle diese Pdsten kriegen?" Ein jüdischer Lehrer, Absolvent des Lehrerseminars der Columbia-Universität, Inhaber zweer weiterer Diplome, wurde zur Leitung eines Gyir^ nasiums, ein paar Stunden weit von New York, be; rufen. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres, als er schon alle Vorbereitungen für seine und deiner Familie Uebersiedlung getroffen hatte, wurde ei\vom Schulkuratorium, angerufen: „Sind Sic Jude?'\Als er die brüske Frage bejahte, teilte man ihm einfach mit, daß man unter diesen Umständen auf seine Dienste verzichten müsse. \ ' Was die Anstellung in Privatschulen anseht, so ist die Schwierigkeit, dort jüdische LehrkräfteYunter-' zubringen,, nach Aussagen aller Vermittlungabüros, allgemein. Eines dieser Büros hat in acht Ja h> e n nur einen e in zigen jüdischen Lehrer unterbringen können. Das Deprimierend'ste dabei ist. Yaß auch in Schulen, die von Juden geleitet und für inre Kinder bevorzugt werden, eine ähnliche Tende herrscht und das Lehrpersonal in diesen Priva ahstalten vorwiegend aus Christen besteht. In den Colleges und Universitäten ist die Zurücksetzung der jüdischen Studenten gang und gäbe. Christliche Professoren, wie Clyde .R. Miller, H. A. Watt von der New-Yorker Universität, und Eugene V. Rostow von der Yale-Universität,'sind öffentlich dagegen aufgetreten. ' ,"* . Die letzten Erhebungen . an 179 Universitäten haben ergeben, daß der Lehrkörper von nicht, weniger als 36 überhaupt keine Juden aufweist; 62 von ihnen hatten 1.8 Prozent und 87 von ihnen 2.2 Prozent jüdische Professoren. Die rein k a t h o- 1 i s c h e n H o c h s c h u 1 e n zeigen einen um' 50 Prozent höheren Anteil der Juden ärri Lehrkörper und kommen mit. 3.1 Prozent dem Anteil der Juden an der gesamten Bevölkerung, der 3.6 Prozent beträgt, ziemlich nahe. Man muß aber bedenken, daß der Anteil der Juden an der Einwohnerschaft der großen Städte, die ja das Hauptkontingent der freien Berufe stellt, etwa 7 Prozent beträgt. Mediziner Vor allem aber ist es der m e d i z i n i s ch e B eru f und besonders das Medizinstudium, wo sich neuerdings eine starke Tendenz zur Diskrimination geltend macht. Es hat sich denn auch, unter dem Vorsitz von Dr. Aron Brown ein Komitee gebildet, das im Auftrag des A. J. C. diese Frage eingehend untersucht. Einer seiner Berichte geht dahin, daß in städtischen und staatlichen Institutionen der Immatrikulation voll Juden keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt werden, daß dagegen Institute, die von privater Seite erhalten , werden, besonders im Osten der Union, eine Kontingentierung der jüdischen Studenten eingeführt haben. Angesichts dieser Situation sind Hunderte von jüdischen Studenten an ausländische Universitäten gegangen, viele davon auch auf den europäischen Kontinent. Aber auch diese Möglichkeit wird durch zwei Umstände stark eingeschränkt: die Ausbreitung des Nationalsozialismus in Mitteleuropa und die Nichtanerkennung der Diplome einer ganzen Reihe von europäischen Universitäten für die Zulassungsprüfung durch die Prüfungskommission des Staates New York. Es scheint überdies, als habe die Vereinigung der amerikanischen Aerzte die Krankenhäuser des ganzen Landes aufgefordert, Absolventen amerikanischer Hochschulen den Vorzug bei Anstellungen zu geben. Weit davon entfernt, gegen splche Verletzungen der amerikanischen Grundsätze dea.freien Wettbewerbs und der Auslese der Tüchtigsten ihre Stimme zu erheben, haben Mitglieder der amerikanischen Aerzteschaft sogar sich bemüht, diesen Zustand noch zu verteidigen. Der bemerkenswerteste Versuch in dieser Richtung ist ein Artikel des Sekretärs der Prüfungskommission für Medizin; des Staates New York, Dr. Harold C. R y p i n s. ini „American Hebrew" vom Dezember 1930. Er behauptet darin, proportionell seien die Juden unter den Medizinstudierenden zufriedenstellend vertreten. Es würde zu weit führen, das gesamte Zahlenmaterial von Dr. Rypinß zu wiederholen und zu — widerlegen. Tatsache ist, daß jedoch gerade aus diesem Material selbst hervorgeht, daß der jüdische Bewerber um Aufnahme in eine Vorbereitungsschule zum Medizinstudium viermal so oft abgewiesen wurde als sein nicht jüdischer Mitbewerber. Was deri zähnärztlichen Beruf angeht, So liegen hier die Dinge fast genau so. Ein Professor der Schule für Zahn- und Mundkrankheiten an der Columbia-Universität hat die Erfahrung gemacht, daß gerade jüdische Dentisten mit großer Praxis keine jüdischen Assistenten wollen. Auch als Apotheker begegnen Juden Zurückweisungen der gleichen Art. So schreibt die Associated Emplöyment Exchange Inc., ein großes Stellenvermitt- Judenstaatsj tigert d Dienstag, den 28. Dezember, halb 9 Uhr abends, im Zentralheim. Wien II, Praterstraße 30 VORTRAG Referent: Dr. Tulo NUSSENBLATT Thema: Theodor Herzl, Berta v. Suttncr und die Friedensidee Gäste willkommen! lungsbüro für Akademiker in Cleveland, Ohio, an den Dekan der Pharmazeutischen Fakultät der Universität äuffalo: „Wir verfügen zur Zeit über offene Stellen ftV etwa 10 Apotheker. Sie müssen zwischen 22 und 31 Jahre alt, in Ohio zugelassen und christlicher R eM g i o n sein." Ingenieure ^ie vielleicht bitterste Erfahrung' aber haben amerikihische Juden im Ingenieur'ach gemacht. Die gro4n Gesellschaften, die hier in Frage kommen, verfoigen\fum großen Teil t eine strenge Politik der Diskrimination. Das ist der Grund für den so außerori^ntHch niedrigen Prozentsatz der jüdischen Studenten ai^den technischen Fachschulen. Vor sechs Jahren warer. am Rensselaer Polytechnic Institute in Trey, New Yofc, von 1600 eingeschriebenen Studenten nür 85 Juden. Weniger also als ein Drittel jener 17 Prozent, die die jüdgehen Studenten an den medizinischen (Schulen ausrriaci^n, bei denen das Kontingentsystem Schwange ist!in den Fachblättern werden Stellenangebote immer h'.üfiger'mit dem Znsatz „Staatsr ö(i g'i o n" oder ,A n g a b e v ö n K o n f « « " : o n" oder gar „Chris t .W bevorzug t" veröffentlicht. ÜhdVbenso i betont c|r stellensuchende nicht jüdische IngerWur, daß ei''."iChlist" oder „Protestant" ist. i.W et i g ' J u d/e 11 '^'i iVCt ' untcrsubringc n", meine die SteJlönvermittler für Techniker.' Es kommt sogarV'or, daß Lücken nicht ausgefüllt werden, auch wenn lein christlicher' Bewerber vorhanden ist: ' Max Liebermann auf dem Index 11 is B e r 1 i n: Die deutsche Reichsdruckerei gibt' sd-nannte Reichsdrucke heraus, das sind besondere sorgfältigausgeführte Reproduktionen von Meisteiirken der Graphik und Malerei. Wie die R'eichsdruckeij jetzt mitteilt, werden folgende" Reichsdrucke nicht ihr auageliefert werden: Reproduktionen der Bilder h Max Liebermann, darunter auch das Porträt fes Reichspräsidenten Hinde'n bu r g, ferner das beriiite Porträt von L. Grimm: Heinrich Heine. Antisem|che Studenten in Zagreb fordern Hochsch'ulghetto A-ufeelg-rad: (J. T. A.) Eine Delegation der antisemitaen faschistischen Studenten der Zagreber (Agrameifjniversität sprach beim Rektor, Prof. Hondl, vor ■und. langte die Einführung von Ghettobähkeril die jüdischen Hörer. Der Rektor erwiderte, die Zagretfluniversität. habe seit jeher ausschließlieh der Wisserflaft gedient; solange er Rektor sein werde, werde er dainführung von Ghettobänden nicht zulassen. KINCPROGRAMME t CHWPEM Ritter ohne B««inn: u6, *g( Furcht und Tadel 1A10 Uhr. U.49.0.60 ■wnMMnn^^^M Stan Laurel, Oliver Hardy Samstag und SdU Kindermatinöemit neuem ProgrammI Vorverkauf 10 Uhr vormittags ununterbrochen MStaH Samstag, den 25. bis Montag, mSI1a den 27. Dezember; 0 Bette Davis II,Unterartenin dem preisgekrönten Film HlJKGi Peter Loire in Mr.Moto, der Schotten oonSchonSital Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes.) Oesterreich: Der p/ftrrer von Kirchfeld. Frankreich: La grande Illusion. Amerika: Das Leben ßmile Zolas — Der Seeteufel — Im Schatten der Wölkeilkratzer — Königin Viktoria — Der letzte Zug äufc Madrid ~ Für Sie, Madame — 100 Männer um 1 iiädel — Skandal auf der Rennbahn — Tm siebenten Himmel — 1918, der Friede brach aus — Der anonyme Kavalier — Geldrausch — Aus der Werkstatt der G-Mert — Broadway Melody 1938 — Das Sklavenschiff — Der große Gambini — Cafe Metropole — Engel — Zigeunerprinaessin — Flammende Nächte — Mädel aus Paris — Das blonde Gespenst — Feuer über Irland — Ein Star ist geboren — Romeo privat — Olympiade der Unterwelt — König wider Willen — Die gezeichnete Frau — Hafenspelunkc — Ritter ohne Furcht und Tadel — Unter vier Augen — Guter Kamerad — Helene Willfür — Mister Moto, der Schatten von Schanghai — Ali Baba geht in die Stadt. Filme unter Arierparagraph Zauber der Boheme — Das Schwelgen im Walde — Di« Stimme dos Herzen» — Zu neuen Ufern — Efn Volksfeind — Sherlock Holmes — Die glücklichste Ehe von Wien —• Peter :m Schnee — Der zerbrochene Krug — Manege — Kein Wort von Liebe — Der letzte Wiener Fiaker — Florentine. — Daphne und der Diplomat — Der Katseen» steg — Die reitigen Sünder — Fanny EIßler — Gabriel^ sucht Ahi»nteuer — Da» große Abenteuer — Serenadte — Fledermaus — Meine Freundin Barbara — % " % in» Himmelbett — Musik für dich — Abenteuer in Warschau —. Der Berg ruft — Der Liebling der Matrosen — Streit um den Knaben Jo. T.. Schottcur ins Billige Preise. 3. Tele- Saal und Delikatessenhandlung und Rotenturmstraße 1. Jnter- Heute t „Mister Moto, der SdtaHen von Schanghai" Heute findet im Kreuz- und Votivpark-Kinö die Uraufführung defi ersten Kriminalfilms aus der Serie des japanischen Detektivs ..Mister Moto" statt. Peter Lorre verkörpert diesen ganz neuen Detektivtyp. Jüdische Volkshochschule, I.. Franz-Joa e f s- K a i 3. In den neuadaptierten Räumen der Jüdischen Volkshochschule .(I., Franz-Josefs-Kai 3) hat da?. Wintersemester bereits begonnen. Es finden Sprachkurse für Hebräisch und Englisch statt sowie fortlaufende Vorträg« Über jüdische Geschichte und jüdisches Brauchtum. Anmeldungen unö Auskünfte im Sekretariat, I., Franz- Josefs-kai 3. Telephon R-82-2-36. Empfehlenswerte Firmen RESTAURANTS, CAFfcS et«. an fdafSJrjyilashof, I.-.- Franz-Joser^Kai 1. Tel. R-2S-Ü-2S. ■c. Caf6 Augartenhof,. :I1.. Untere Augartenstraße 45. Telephon A-4-1-0-75. Cafe Buchsbaum, IL. Kleine Pfangasae 21. Bürgerliche* Familiencafe. Cafc-Restaurant „De, France", plion A-16-3-71. Erstklassige Küche, Klubzimmer zu vergeben. Deutsch, am Schottenring 12, Gaststube. , Oui'i'-Jtestuurant ,,Espresso", T.. nationale kalte und warme Kllebe. Menüs .v.u. billigen Preisen Hotel Caf6-Restaurant „Kxcelsior". T.. BotenturmstraGe 'J4. 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