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Die neue Welt · 1937-12-17 · Heft 710 (17.12.1937) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 710 (17.12.1937)
Date
1937-12-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr.,710 vom 17. Dezember 1937 DIE NEUE WELT Seite t England und Israel Eine Schrift von Baal Brtt(Rv^LöÄ^Veriag, Wien) Der sich hinter dem Pseudonym Baal Brit verbergende Autor der Schrift „England und Israel" gibt eine interessante, wenn auch nicht in allen Teilen autreffende Darstellung der zionistischen Sittiation, beziehungsweise des Verhältnisses Jüdisches Volk — Englands Palästina-Politik. Nach Ansicht des Autors steht der Zionismus Vor einer großen Entscheidung. Um sie günstig und zukunftsreich zu gestalten, müssen alle hemmenden, schädlichen Elemente und Erscheinungen beseitigt werden, ebenso auch alle optimistischen Verfärbungen der Lage, zu denen auch die. Meinung gehört, daß das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Israel und Ismael, zwischen Juden und Arabern, die Basis für ein günstiges, politisches Verhältnis schaffen müsse. Besonders eindringlich behandelt Baal Brit die Schäden, die der klassenkämpferische. Marxismus der jüdischen Arbeiterpartei in Palästina verursacht hat. Baal Brit führt aus: Bedeutete die Verwandtschaftsideologie für unsere Araberpolitik . eine gefährliche Illusion, so wurde eine andere, die sozialpolitische Denkrichtung unserer Olim, geradezu verhängnisvoll. Die überwiegend marxistisch-klassenkämpiferische Einstellung der jüdischen Einwanderer war auch, innerzionistisch gesehen, oft von Ueb el, wenn auch keineswegs behauptet werden soll, daß die rechtsradikalen Elemente eine geringere Schuld an den traurigen Zerwürfnissen im eigenen Lager tragen. Aber alle internen Folgen solcher Parteistreitigkeiten treten jedenfalls an Wichtigkeit weit zurück hinter den unheilvollen Wirkungen des sozialistischen Internationalismus auf unsere Beziehungen zu den Arabern. Um das zu verstehen, muß man sich ein ungefähres Bild von den sozialen und kulturellen Verhältnissen der palästinensischen Araber machen. Von diesen etwa 900.000 Köpfen sind annähernd 65.000 Nomaden, die als politischer Faktor eine nebensächliche Rolle spielen, dann gibt es eine Schichte von' Stadtbewohnern — großenteils christlichen Konfessionen angehörend — und die zahlenmäßig unbedeutende, politisch aber um so mächtigere Schichte der Großgrundbesitzer (Efettdis) und Intelligenzler.' Die ganze' übrige Masse, über 700.000 Menschen, sind Fellachen. Diese erdrückende Mehrheit der arabischen Bevölkerung iätr"ßMitisch indifferent, stumpf und unwissend und lebt auf einer viel niedrigeren sozialen und kulturellen Stufe als die leibeigenen Bauern des europäischen Mittelalters. Sie sind von einer unvorstellbaren materiellen und geistigen Armut, fast ausnahmslos Analphabeten'; ihre Frauen, grausam mißhandelte, verachtete Arbeitssklaven, die man billig kaufen und verkaufen kann; ihre Wohnstätten fensterlose, schmutzstarrende Lehmhöhlen, die sie mit den Haustieren teilen. Den Boden, der nicht ihnen, sondern den Efendis gehört, bearbeiten sie mit den denkbar primitivsten Methoden als Kleinpächter oder als Lohnarbeiter. So vegetieren sie seit Jahrtausenden dahin, als Freiwild der. vielen Erobererheere, die durch das Land gezogen sind, welirlos auch allen Seuchen, und Hungersnöten ausgesetzt, von den Efendis ausgebeutet und geknechtet, von ihren eigenen Volksgenossen, den Beduinen, verachtet und terrorisiert. Aber—und das ist das Entscheidende — diese für uns unfaßbar grauenhaften Lebensbedingungen sind für den Fellachen eine Selbstverständlichkeit, etwas unabänderlich Gegebenes. Mit animalischer Apathie ertrug er seit jeher seine Daseinsform, ohne Auftrieb und Phantasie dämmert er. dahin seit undenklichen Zeiten. Dafür gibt es einen unwiderleglichen Beweis: Niemals gab es, weder in Palästina noch in 4en anderen asiatischen Ländern, wo ähnliche Bedingrungen bestehen, ein sichtbares Aufbäumen der Fellachen gegen die Unterdrücker, niemals einen Bauernkrieg, nicht einmal etwas, das einer Revolte ähnlich sah, ja nicht einmal eine gemeinsame Protestbewegung ...; -In diese asiatisch erstarrte, unbegreifliche Welt strömten'nun. die beweglichen, empfindsamen, kritischen, freiheitsdurstigen Söhne Israels hinein. Sie kamen, sahen — und verstanden nicht. Da gab es eine Handvoll Unterdrücker, großkapitalistische Efendis, auf eine ungeheure Masse von ausgebeuteten, vermutlich schwer leidenden Unterproletariern aufgepfropft. Klar, was hier zu tun war — stand denn das Rezept nicht .bei Marx und Engels — „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch"? Es' wurde gewissenhaft befolgt! Verbruderungsversuche ohne Ende, Propaganda gegen die Efendis. Schaffung jüdisch-arabischer Organisationen — aber nichts wollte stimmen, der erprobte Mechanismus der Zweiten und Dritten Internationalen versagte vollkommen. Daß man sich die unversöhnliche Feindschaft der Efendis zuziehen würde, damit hatte man natürlich gerechnet, aber das blieb auch wirklich der einzige greifbare Erfolg. Die Felachehmassen hatten nicht die geringste Lust, sich von den Jüngern des roten Glaubensbekenntnisses erwecken öder gar befreien zu lassen. Sie blieben feindselig und ablehnend und -bezeugten für diese Heilsbotschaft so wenig Verständnis wie etwa ein Säugling für eine Havannazigarre. Sie blieben weiterhin die gefügigen Werkzeuge ihrer Herren, und .sehr gefährliche Werkzeuge im Kampfe der Efendis gegen uns. ' Daß es so kam und kommen mußte, konnten unsere edeldehkenden, opferbereiten Chaluzim nicht Vorausseheft. Mcht die Spur eines Votwurf es darf sie treffen, die bessere Menschen afs» Politiker waren. Die Verantwortung tragen} allem ihre Führer, diese ahnungslosen Besserwisser, die noch lange nicht begriffen haben werden, daß der Boden vo.n Nahalal und ein Warschauer Versammlungslokal nicht dasselbe sind, $tefaft Zwekg (Aber Theodor Heril In seinem neuen Buche,1 „Begegnung mit Menschen, Städten, Büchern" schildert Stefan Zweig, Welcher nur den „Redakteur" Herzl kannte, zum Zionismus aber gar keine Beziehung hatte, den Eindruck, den das Begräbnis H^rzls bei ihm hinterließ: „Es war ein endloser Zug. Mit einmal merkte Wien, daß hier nicht nur ein Feuilletonist gestorben war, ein Schriftsteller oder ..mittlerer Dichter, sondern einer jener Gestalter von Ideen, wie sie in einem Land, in einem Volk nur in ungeheuren Intervallen sich sieghaft erheben. Am Friedhof entstand ein Tumult, zu viele strömten plötzlich zu seinem Sarge, weinend, heulend, schreiend in einer wild explodierenden Verzweiflung, es wurde ein Toben, ein Wüten fast,\ alle Ordnung war zerbrochen durch eine Art elementarer und ekstatischer Trauer, wie ich sie niemals vordem und nachher bei einem Begräbnis gesehen und an diesem ungeheuren,- aus der Tief e eines ganzen Millionenvolkes stoßhaft a:uf stürmenden Schme rz konnte ich zum erstenmal ermessen, wieviel Leidenschaft und.Hoffnung dieser einzelne und einsame Mensch durch die. Gewalt eines einzigen Geda.nkens in. die^ Welt, getragen.'' Zur üfosdridite der ungarischen luden Aus Budapest: Der Distriktspräsident der Kultusgemeinde Buda (Ofen), Dr. Armin Goszt o.n y i,. veröffentlicht in dem Informationsblatt der Gemeinde einen Artikel über die Vergangenheit der Judenschaft von Buda. (Vor 1866 waren Pest, Ofen :und Altofen drei gesonderte Städte). Die erste Niederlassung von Juden, in Buda erfolgte im elften Ja^rhjU'n-4e^t.- In den ^Neunzigerjahren des yoj»igerf« Jahrhunderts wurde ein Grabstein des seinerzeitigen Judenfriedhofes ausgegraben, der die Jahreszahl 1278 trug. Historische Quellen bestätigen; daß die im Lande, lebenden Juden die Ueberlegenheit der " Budaer Juderigemeinde und ihren Einfluß am Hofe des Kön igs M a 11hig,s. C o,rv in u s anerkannten. Der Schwerpunkt des Judentums des; Landes lag da* rrials in Buda. König Matthias betraute den Präsidenten der Budaer Gemeinde -mit der Vertretung der ungarländischen Juden. Er war der ,,u n g a r i s c h e j ü d i s c h e ' P r ä f e k t". Diese Budaer Präf ektur , blieb 63; Jahre lang bestehen. Als Matthias im Jahre 1458 in die Festung Buda einzieht, erfüllt er die Bitte tder Budaer Juden naeh Sanktionierung, ihrer. Vorrechte. Als der. König sich zur, Krönung nach Stuhlweißenburg begibt, reitet ein Mitglied der .berühmten P r ä f. e k t e n f a m i 1 i e M. e\n d e 1 mit 16 Satelliten (Troßknechten) \vor dem König, einher. Als Matthias 1476 mit Beatrix im Hochzeitszug in . Buda einzieht, : wird er > von der jüdischen Abordnung festlich empfangen: der alte Gemeindepräsident sitzt mit gezücktem Säbel zu Pferde, vor ihm ein Banderium, bestehend aus 32 Berittenen, hinter ihm sein Sohn mit 2 4 R i 11 e r n i n P u rp u r g e w ä n dem, hinter ihnen 200 Juden in Turbanen. Einer der unter einem Baldacliin versammelten Alten ' hält - eine, mit Gold verzierte Thöra in Händen.'-Eine Steirizeichhüng von Bela Vizkelety, die; diesen denkwürdigen Empfang darstellt, befindet sich in der Historischen Porträtgalerie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. Eine Französiny'die Augenzeugin des Hochzeitszüges Ulaszlos il. war, nennt den dabei fungierend den jüdischen Präfekten „P r i h c;e d e s J u i f s", der Palatin Stephan Zäpolya nennt* ihn „p r i n c e p s". Filme dier Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes.) Oje s t e r r e i ch: Der Pfarrer von Kirohfeld. Frankreich: La grande Illusion. Amerika: Das Leben Emile Zolas —.Der Seeteufel #—Im Schatten 'der Wolkenkratzer — Königin Viktoria '—t Der' letzte Zug aus Madrid — Für Sie, Madame — 100'Männer um 1 Mädel — Skandal 'auf der Rennbahn — Im siebenten Himmel — 1918, der Friede brach aus — Der anonyme Kavalier — Geldrausch Aus der Werkstatt derQ-Men — Broadway. Melody 1938 — Das Sklavenschiff- — Der große, Gambini — Cafe' Metropole — Engel — ZIgeunerprinzessiri — Flammende Nächte —- Mädel aus Paris — Das blonde Gespenst —■ Feuer über Irland— Efri Star ist geboren — Romeo privat— Olympiade der Unterwelt — König wider Willen — Die, gezeichnete Frau .-~ Hafenspelunke — Ritter ohne Furche und Tadel — Unter vier Augen — Guter Kamerad. / ftlme unter Argerparaqraph Zauber der Boheme — Das Schw eigen im Walde — Dl© Stimme des Herzens — Zu neuen Ufern — Ein Volksfeind — Sherlbck Holmes — Pio glücklichste Ehe von Wien — Peter '-m Schnee — per zerbrochene Krug — Manege — Kein Wort von Liebe» — Der letzte Wiener Fiaker —? Florentino — Daphue und der Diplomat — Der Katzensteg — Dje reuigen Sünder -r- Fanny Elfiler — ■ Gabriele sucht Abenteuer -~ Das große Abenteuer — Serenade Fledermaus — Meine Freundin Barbara — 2:< 2 im' Himmelbett — Musik für dich — Abenteuer in Warschau — Der Berg ruft. 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Premiere heute im Elite-, Opern» und Votivpai'krKino. ..

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