Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 710 (17.12.1937)
- Date
- 1937-12-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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PdHs 20 droschen Freitag/ den 17* Pextmtot 1937 II« lahrgang 187 Nr» 710 V* b« b+ Zeitung vom Verleger versende! *l'Mitenr'4 Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. R E V U E HER#<&GEBE&: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljahrig S 4.—, ganzjährig a IB.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; BnmSnJen monatlich Lei 50.—, vierteljahrig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährl» Mark 3.—; Bnlgarlen monatlich Lewa 30.—. vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—a Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwattung: IX, Universitätsstr.8,1et. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag Geschichten au» Oesterreich Von Leopold Ehrlich-Hichler A t$i a n z I e I n e n S 6.30 Der Aul«' K. der berühmten Romane „Heimweh nach Iflfiien" . und „Sohn des Moses Mautnd' ^f',{ legt hier ein Werk vor, das die Freuden l^fl auch die Tragik des österreichischen Judentum Ä sitfliildert. Dieses Buch ist wegen seiner spannondil!* Handlung und seiner, natürlichen Sprache bdr4%W„ ein echtes Volksbuch zu werden. Durch jüdi gute Buchhandlung oder direkt beim V eil lag R. Löwit Ritten l, Fleischmarkt i ipptei^ ^V''.-'"' ' ■• .-. •" »t«fl-Wv..«j us , 1 Exportartikel? .■ •■; ^|j(^|Pi|ich lichtete.sich das Dunkel um.die,Vorgänge Ijn ^^präereja ' Orient, ' uin'die Hintergründe der Propaganl \^»,, welche die arabische Jugend zu extremnationa||||^$cfr.en' Bünden' auf gerufen und zu einem aj£tiYen,|(^M'erstandgegen die Ka n d a t s m ä c hte und ".'gegen das", ju-di s c h e Si e d 1 uh gs we rk. in Palästina (^^ahisiert hat. Man wußte schon länge, daß „aiuli^iäische" Einflüsse am Werk waren, man fand. "Wnd^iu und Agitatiorismaterial, das seine Herkunft \\\^; verleugnen konnte; ' aber die letzten Vorkommnis , ün S y r i e n und P a 1 ä s t i n a weisen jetzt eiiii)|^tüg. nach H i 11 e r - D e u t s c h 1 a n d als dem aktlv^^w Element der Verhetzung hin. Wlo^.tinilich die „Orient-Agentur" aus Damaskus meldet, \^ soeben dort eine Konferenz der nationalsozialistis(|^;(äßitu. Propaganda-Agenten stattgefunden, an der aucli «cler offizielle Leiter der Hitler-Jugend peutsdii^^Sj» Baidur von "S c h ir a ch, teilnahm. Der wichtigst,) i^gratungsgegenstand war die Verstärkung der nazlg|j^ben Propaganda unter den Arabern des Vordere^(i^f-i&nts; Hand in Hand mit der faschistischen Propaganda ^ie von Italien ', hauptsächlich durch den R'adios6iK|||^ / won Bari betrieben, wird. Schirach, der mit. f ti.)j|jjty $ h n r e i c h s d e u t s c h e.n Agitatoren er^^teven war,' erklärte, daß der Zweck seiner Reise ' 5C|( ^w eine enge Verknüpfung zwischen der arabisch^ $ W3id der nationalsozialistischen Jugend herzustellen / wozu ein gegenseitige Sichkennenlernen erfordern^ Deutschland sei bereit, eine große Zahl juiig(,|, Araber bei sich aufzunehmen, mit den Methb^ des Nationalsozialismus' bekanntzuinj,,^,!«^, um so der Hitler-Bewegung im Vorderen' Qne^f («ine Plattform zu-schaffen. An(^y;-r Konferenz in Damaskus beschäftigte man sich mit dem Plan, ein Netz deutscher Gy m.nnjjj ^fie fr und S ch ulen in den arabischen Ländern ^^'Vorrichten und als Lehrer nationalsozialistische küßten einzustellen. Die einzelnen Länder sollen eiits^e«jhend ihrer Eigenart, ihrer wirtschaftlichen,'-^^ politischen Struktur behandelt werden. , Wio die Angelegenheit seitens des deutschen NqÄti&tsozialismus' betrachtet wird, ersieht man dt^^a, daß Baidur von Schirach bereits Syrieiuw &!k und P e r sie n besucht hat und hieb'ei mit { arabischen Jugendorganisationen, in Berühriuig gjiLomrnen ist. Der Plan, junge Araber nach Deutsch!^ 'au bringen und sie dort zu nationalsozialistls^m Agitatoren auszubilden, wird zweifellos ausgefüh^Lfeirden. Er liegt auf der Linie der nationalßozialistiaoi, ^"si Propaganda, die es sich zum Ziel genetzt hdt LmÄclit nur. die spgenaonten Ausland Selbstschutz in Palästina gefordert Unser Korrespondent beirichtet aus Jerusalem: Obwohl die Palästina-Regierung durch das Kriegsermächtigungsgesetz die'Möglichkeit "hat, mit den schärfsteh Maßnahmen gegen die, arabischen Terroristen und die geistigen Urheber der Mordtaten und Sabotageakte vorzugehen, zeigt sie dennoch keine klare Linie in ihrer administrativen und politischen Haltung. Der T e 11 u n g sp 1 a n hat alle Gemüter in Erregung versetzt und zunächst die eine, allerdings schwerwiegende Folge gehabt, daß die Unsicherheit Im Lande sowohl in persönlicher als auch in ökonomischer Richtung sich verstärkt hat. Zwar beugt sich der jüdische Jlschuw dem arabischen Banditenterror nicht, aber die Lage ist zweifellos schwieriger geworden, um so mehr, als der militärische und polizeiliche Apparat der Mandatarmacht dem guerillaartigen Vorgehen der Banden nicht gewachsen, ist. > Die hebräische Presse beschäftigt sich täglich und in ausführlicher Weise mit; den Angriffen gegen jüdisches Leben und Gut, und bemerkt hiebei, daß die Terroristen sich hüten, jüdische S i e d I u n g e n anzugreifen und sich darauf verlegen, aus dem Hinterhalt die über die engen Straßen fahrenden Autobusse zu überfallen. Im Zusammenhang mit dieser Feststellung fordern die jüdischen Zeitungen die .Regierung auf, bewaffnete jüdische Abteilungen zu schaffen, welche den: Sicherheitsdienst auf den Straßen versehen und die noch besteheno^en.Banden Jausro^eD sollen. Allerdings ist wenig Hbffhüng vorhanden, daß der 'neue. Ghefvider, palästinensischen Streitkräfte die jüdische Forderung > erfüllen wird. , , * Ueber die letzten Geschehnisse liegen folgende Meldungen der J. T. A. aus Jerusalem vor: Aus J e r u s a 1 e m wird gemeldet: Der 13jährige jüdische Knabe Elimelech Römer, der am Donnerstag, den 9. Dezember, in der Hechaluzstraße im jüdischen Viertel von Haifa, von einem arabischen Terroristen durch zwei Schüsse schwer verletzt und sofort nach seiner Einlieferung ins Hadassa- Spital einer Operation unterzogen wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. In der Nähe des Regierungs-Zentralgebäüdes in Jerusalem ' warf ein arabischer Terrorist eine Bombe militärischen Typs gegen eine Gruppe jüdischer Regierungsbeamter, die sich gerade auf dem Weg in das Amt befanden. Die Beamten entgingen knapp dem Tode. Der Attentäter flüchtete. Ein vor fünf Jahren gepflanzter, 50 Dunam großer Orangen-Pardess in Misch mar Haemek ist von Terroristen vollkommen zerstört worden. Der Schaden wird auf 1500 Pfund geschätzt. Der aus vornehmer Familie stammende bekannte arabische Rechtsanwalt Scheich Mohammed el Khatib wurde am hellichten Tage auf dem Marktplatz in Haifa von arabischen Terroristen ermordet. Der Scheich galt alsGegnerdesMufti. Ein arabischer Polizist, der die Verfolgung des Attentäters aufnahm, wurde von diesem durch mehrere Schüsse verletzt. In der Nähe von Nazareth wurde auf. einen jüdischen Autobus aus geringer Entfernung aus dem Hinterhalt ein schwerer Feuerüberfall verübt. Die Terroristen warfen aucli eine Bombe. Zwölf jüdische: Fahrgäste wurden schwer verletzt OSr wurden ins Krankenhaus überführt. Ein zweiter Ueberfall auf einen jüdischen Auto-* bus wurde auf der Straße T e 1 - A vi v—J erusalem ■ verübt, ohne daß jedoch jemand verletzt wurde. Sir Charles Tegart hat als ersten Schritt zur Bekämpf ung des Terrors nach dem Muster der berühmten „Aying squads" von; Scoüänd Yard! eine mechanisierte „f 1 ie g en d e S ch w adr on" gebildet. Die neue Abteilung besteht aus 150 Polizisten, die imstande sind, jeweils binnen 15 Minuten auf dem Tätort einzutreffen. Sy*fl§die Terrorfeten London. „Daily Herald" meldet, daß die. palästinensischen Behörden eine ständige Zunahme der illegalen Einwanderung syrischer Terristen nach Palästina festgestellt hätten. Besonders in den letzten Tagen sei trotz der erheblichen Verstärkung der Grenzposten ein Anwachsen de** Grenzüberschreitungen festgestellt worden. Das Blatt deutet an, daß diese illegale Einwanderung das Ergebnis der Agitation des Großmuftis von Jerusalem sei, dem für seine politische Arbeit ungeheure Geldmittel zur Verfügung stünden. * Das „Unglück", das die palästinensischen Behörden bei Bewachung der syrischen Grenze verfolgt, steht in Gegensatz zu den glänzenden Resultaten, welche sie auf der Jagd nach „illegalen" jüdischen Einwanderern erzielen. Große Trupps schwerbewaffneter arabischer Rebellen passieren unbemerkt die Grenze, kleine Häuflein orientalischer Juden, zumeist aus Frauen und Kindern betsehend, werden sicher erwischt. Da scheint etwas nicht zu stimmen. deutschen organisatorisch zusammenzufassen und als politisch-militärische Stützpunkte zu benützen, sondern' überall dort einzusetzen, wo ein Nationalismus die Möglichkeit propagandistischer Einflußnahme bietet. Schon ist eine Reise des reichsdeutschen Propagahdaministers Dr. Goebbels nach Aegypten angekündigt, eine Reise, die natürlich 'keinen harmlosen Charakter hat, wenn auch in der, nazistischen Presse von einem Weihnachts- und Erh o l u n g s u r 1 a u b; des Dr. Goebbels die Rede ist. Die Unterstützung der arabischen Terroristen in Palästina, die Organisierung der arabischen Jugendbunde in Syrien, der Besuch in -Aegypten stellen eine' Kette systematischer Pröpagandaversuche im Vorderen Orient dar, die keinesfalls unterschätzt werden dürfen. Nicht allein das zionistische Aufbauwerk in Palästina, die letzte große jüdische Hoff-, riung, soll getroffen werden, sondern auch der Einfluß Frankreichs und Englands, das Prestige der zwei westlichen Demokratien. Weltpolitisch bedeutet also die Hakenkreuzpropaganda im Vorderen Orient einen Eroberu^gsfeldzug. Darum verdient sie seitens der europäischen Mächte größte Aufmerksamkeit. Der Exportartikel „Hakenkreuz" hat schon so vieles — in Palästina, im französischen und spanischen Marokko — bewirkt, daß man seine Spuren mit wachsamem Auge verfolgen muß. * Im Zusammenhange sei daran erinnert, daß die von den. Behörden in Palästina den arabischen Terroristen abgenommenen Waffen fast durchwegs deutscher Herkunft sind. Unter den Augen der englischen Beamtenschaft haben deutsche Agenten die Araber, vor allem die arabische Jugend, auf den Mann dressiert und mit Mordwerkzeugen versehen. Es hat an Warnungen nicht gefehlt und dutzendmal wurde im englischen Parlament an den Kolonienminister die Frage -gerichtet, was die Regierung gegen die gefährliche Wühlarbeit „fremder" Mächte in Palästina zu unternehmen gedenke. Und regelmäßig lautete die Antwort dahin, daß der Regierung von einer solchen Wühlarbeit nichts bekannt sei. Bis jetzt hat diese Politik des Nichtssehens und Nichtshörens Hunderte jüdischer, englischer und arabischer Opfer und Unsummen Geldes gekostet ünd ein aufblühendes Land in eine permanente Krise versetzt. Wird es bei dieser. Politik bleiben?