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Die neue Welt · 1937-12-10 · Heft 708 (10.12.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 708 (10.12.1937)
Date
1937-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen freffag/ den 10» Dezember 1937 II« Jahrgang Nr« 708 V. b* b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedlö par rediteur" 186 Ti«. Universitätsbibliothek ■ Wien, I. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, viertelJänrlg S 4.—, ganzjährig ö 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—. vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Bnmänlen monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bnlrarlen monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwei* und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: lXtUnioersitätsstr.8,7eLA-20-2-78 - Erscheint Dienstag u.Freitag ff Wenig versprechendes Abenteuer.. Der Bückzug vom „Zwerg-Judenstaat" beginnt? ii Der jüdische Kunsthistoriker Profeffor Doktor Max Eisler gestorben Ganz unerwartet ist der Wiener Universitätsprofessor Dr. Max Eisler Mittwoch, den 8. Dezember, im Alter von, 56 Jahren gestorben. Sein Bang als Gelehrter, Vortragender und Schriftsteller war unbestritten, insbesondere auf dem Gebiet der Architektur, die er auf seinen Reisen in Italien, Belgien, Frankreich, Holland und Sclmeiz studierte. Sein Forscherinteresse umspannte einen weiten Horizont und seiner Feder haben wir bedeutende Werke, wie das Lehrbuch der Kulturgeschichte des Altertums", „Neuholländische Kunst", „Erziehungswege zur Schönheit", zu verdanken. Im letzten Jahrzehnt seines arbeits- und erfolgreichen Lebens vertiefte sich Max Eisler in das Gebiet jüdischen Schaffens. In einer Reihe von Aufsätzen, die auch schriftstellerisch bedeutend sind, stellte Professor Eisler den Baustil der jüdischen Synagogen im 'Osten fest und kam .dabei zu Kochst 'belangvollen Forschungsergebnissen. Seine besondere „private" Liebe gehörte der holländischen Kunst, vornehmlich Rembrandt und Josef Israels, zwei Meistern, die er auch in zahlreichen Vorträgen darstellte. Der Verstorbene, der dem jüdischen Parteiwesen fernstand, war ein strenggläubiger Jude, dem die Tradition ein wesentliches Stück jüdischen Lebens und Wertes jbedeutete. Sein Aufenthalt in Palästina brachte reiche Resultate; Prof. Eisler bekannte sich vorbehaltlos zum zionistischen Aufbauwerk, das er nach seiner Rückkehr enthusiastisch propagierte. Er zeichnete in mehreren Aufsätzen und Vorträgen die Konturen der neuen judäopalästinensischen Kulttir, indem er ihr große Bedeutung für die Renaissance des jüdischen Volkes und für die Zukunft der Kulturformen, welches dieses schaffe, zusprach. Ein reicher Geist, ein gediegener Forscher, ein gläubig-volkhafter Jude ist mit Professor Eisler dahingegangen. ,J)ie Neue Welt" hat bedeutende Originalaufsätze Professor Eislers über die Kultur des neuen Palästina veröffentlicht. Vom füdisAen Weltkongreß Aus Paris wird uns berichtet: Die Wirtschaftsabteilung des Jüdischen Weltkongresses veröffentlicht soeben den ersten Band eines umfassenden Werkes über die wirtschaftliche Lage der Juden in der Welt. Der vorliegende Band „Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Minderheiten" behandelt die folgenden Länder: Bulgarien, Danzig, Estland, Griechenland, Irak, Jugoslawien, Lettland, Oberschlesien, Oesterreich, Polen, Türkei, Ungarn. Ein demnächst folgender zweiter Band wird dfe Lage der Juden in Rumänien, der Tschechoslowakei, in Litauen und im nationalsozialistischen Deutschland darstellen. Dem Buch liegt umfangreiches, auf das gründlichste nachgeprüftes Tatsachenmaterial zugrunde. Zur Beschaffung dieses Materials mußte der Jüdische Weltkongreß durch eine Reihe von Spezialisten in monatelanger Arbeit Enqueten in allen jenen Ländern durchführen lassen, über deren jüdische Bevölkerung keine genügenden Statistiken und Angaben vorhanden waren. Besonders aufschlußreiches unbekanntes Material wurde in dem 120 Seiten umfassenden Kapitel über die Lage der Juden in Polen verarbeitet. Das Werk erscheint zunächst in französischer Sprache. Eine englische und eine deutsche Ausgabe uind% iw Xorbereitung, Im repräsentativen Blatt der englischen Judenschaft, „J e w i s h Chronicle" (London), nimmt Mr. Leonhard Stein in einem Briefe an den Herausgeber zur geplanten Teilung Palästinas und Errichtung des „Judenstaates" Stellung. Mr. Stein, der vom letzten Zionistenkongreß zum Rechtsberater der Zionistischen Exekutive gewählt wurde, war viele Jahre hindurch Weizmanns politische „rechte Hand" und politischer Sekretär der Exekutive. Nicht zuletzt ihm wird die von Weizmann bis ins Extreme betriebene Politik des Nachgebens gegenüber der Palästina-Regierung zugeschrieben. Auf dem letzten Kongreß und noch nachher gehörte Mr. Stein zu jenen, welche dem von Weizmann und seinen Freunden enthusiastisch gepriesenen Zwergjudenstaate (der Vorsitzende der Exekutive, Ben Gurion, rief aus: „Mit Begeisterung nehme ich ihn an!") energisch zustimmte :und die Preisgabe des Palästina-Mandats durch England, gleich Weizmann, als u n a b ä n d e r 1 i c h e Tatsache bezeichnete. Jetzt aber spricht Mr. Stein vom Zwerg-Judenstaat als einem „wenig versprechenden Abenteuer" und plädiert für Beibeha.ltung desMandats durch England. Er schreibt: . . „Die durch den gegemy^^'aas Feld beherrschenden Teilungsplan entstandenen Schwierigkeiten Hegen in der Natur dieses konkreten Planes. Es entspringt nicht abstrakt-grundsätzlichen, sondern rein praktischen Erwägungen, wenn ich auf die Notwendigkeit hinweise, gewisse Alternatiworschläge zum Teilungsplan zu machen, scheint doch Teilung in irgend einer Form unvermeidlich zu sein. Ich weiß wohl, daß. eine ideal» Lösung des auf der Tagesordnung stehenden Problems nicht gefunden werden wird. Ich glaube aber nicht, daß es keinen Ausweg mehr aus dem wenig versprechenden Abenteuer, in das sich einzulassen man die Juden auffordert, gibt. Wiewohl die folgenden Vorschläge zweifellos ebenfalls gewisse Mängel aufweisen, scheinen sie mir doch sowohl vom englischen als vom jüdischen Gesichtspunkt aus gewisse Vorteile zu bieten. Meine Vorschäge sind: 1. Lostrennung des Mandatsgebiets (ebenso wie im Jahre 1920 Transjordanien losgetrennt wurde) vom Block des fast ausschließlich von Arabern bewohnten Gebietes, wie es im Peel-Bericht für den künftigen arabischen Staat vorgesehen ist, ohne daß jedoch der Negew (Südpalästina) zu diesem Block gerechnet wird. 2. Der Rest des gegenwärtigen Mandatsgebietes (d. h. das Gebiet des geplanten jüdischen Staates sowie des geplanten britischen Korridors und der Negew) verbleiben unter britischem Mandat. 3. Jerusalem, ausgenommen die vorwiegend jüdischen Gebiete außerhalb der Mauern der Altstadt, ferner Bethlehem und Nazareth, werden für dauernd unter unmittelbare britische Verwaltung gestellt. Aus militärischen und anderen Gründen können auch Lydda und Ramien unter ein Sonderregime gestellt werden. 4. Der Negew wird gleichfalls unter direkte britische Kontrolle gestellt (wobei Revisionen im Falle einer in größerem Maßstab Platz greifenden jüdischen Kolonisation eventuell vorgenommen werden können), aber so, daß verantwortliche jüdische Körperschaften bei der Ausbeutung seiner Bodenschätze im Dienste einer sich als durchführbar erweisenden Kolonisation Erleichterungen erhalten. Neigung zu Krampfadern starke KnOchel usw. verlangt Tragen eines wirkungsvollen Krampfadernstrumpfea. Empfohlen ist die berühmte Spitzenmarke ,.ParadNilt"-Lastex, hauchdünn, porös, fattenlos, auskochbar und Äußerst haltbar, von Gleichmäßiger Kompression, daher höchste Heilwirkung; der ideale Strumpf für Empfindliche. Stuck von S 8.75 aufwärts. FaehM^ma Bondaaen-RIThnlnsch Tanorstr. 22 Broschüren gratis 5. Hinsichtlich des restlichen Gebietes soll das Mandat folgendermaßen ausgeübt werden: a) Während einer Uebergangsperiode (deren Dauer von vornherein festgesetzt werden kann) soll dieses Gebiet derart verwaltet werden, daß es sich immer mehr zu einer Einheit mit vollkommener Selbstverwaltung, die auch die Kontrolle über die Einwanderung in sich schließt, entwickelt. Für die laut dem oben gemachten Vorschlag einer direkten britischen Verwaltung vorbehaltenen Gebiete bleibt diese weiter bestehen. Für das ganze Mandatsgebiet wird ein britischer High Coramissioner beibehalten, b) Bis zur Uebergabe der Kontrolle über die Einwanderung in die Hände der Landesbevölkerung oder ihrer Repräsentanten wird die jüdische Einwanderung erleichtert, wobei das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit in Anwendung bleibt. Unter Aufnahmefähigkeit wird hierbei die Kapazität des zur Selbstverwaltung bestimmten Gebietes zuzüglich des Negew verstanden. 6. Finanzielle Unterstützung zur Entwicklung von Transjordanien und zur Erweiterung Transjordaniens um das vom Mandatsterritorium abgetrennte Gebiet, sofern der Emir von Transjordanien sich verpflichtet, eine solche Entwicklung herbeizuführen und das so entwickelte Gebiet . einer, ar a b Ls c h e n ,E i n w a.n d e,r,u n g,, ausdem. unter'^MaridätSVerwalturtg Stehenden Gebiet ~ W öffnen. Sobald ein genügend großes Gebiet zur Einwanderung von Arabern aus dem un,t§£ Mandat stehenden Gebiet zur Verfügung steht, sollen diesen günstige Bedingungen zur Ansiedlung in dem erweiterten Transjordanien geboten, werden. Die Vorschläge werden gemacht, um zu vermeiden, daß ein jüdischer Staat unter Bedingungen errichtet wird, die Zweifel an seiner Lebensfähigkeit aufkommen lassen." # So wird drei Monate nach Zürich, wo man die Judenstaatspartei wegen ihres Widerstandes gegen die Teilung und den verstümmelten Judenstaa£ und die Preisgabe des Palästina-Mandats als Rebellen und Narren behandelte, gesprochen... . Wenig versprechendes Abenteuer . . . Verbleiben unter britischem Mandat notwendig ... Zweifel an der Lebensfähigkeit. Für den, der die Verhältnisse in London kennt, ist es ausgeschlossen, daß Mr. Stein seinen Rückzugsartikel ohne Wissen und Zustimmung des Präsidenten Weizmann und der Exekutive, der er ja angehört, geschrieben haben sollte. So denkt man also jetzt in London. Die „Abgesandten" der Exekutive (Dr. Nahum Goldmann, Sprinzak, Rottenstreich u. a.) aber fahren weiter in der Welt herum, um Begeisterung für den verstümmelten „Judenstaat" zu machen. Wozu ist dieses Doppelspiel noch gut? lieber eine Million Pfund für Sicherheit* Das palästinensische Amtsblatt veröffentlicht detaillierte Ziffern des vor kurzem bestätigten Budgets der Palästina-Regierung für das Jahr 1937/38. Danach sind für Polizei und Sicherheitsdienst über 800.000, für besondere Sicherheitszwecke über 350.000 und für das transjordanische Grenzkorps mehr als 180.000 Pfund vorgesehen. Für ordentliche und außerordentliche öffentliche Arbeiten sind über 960.000 Pfund bestimmt. Der Budgetüberschuß der Palästina- Regierung betrug am 31. Juli 4,988.302 Pfund. * Das Amtsblatt veröffentlicht ferner den Budgetvoranschlag der Jerusalemer Stadtverwaltung für 1937/38, der ein Defizit von über 20.000 Pfund aufweist. Präliminierten Einnahmen in der Höhe von 113.321 Pfund per 31. März 1938 stehen Ausgaben von 133.388 Pfund (einschließlich 43.824 Pfund für außerordentliche öffentliche Arbeiten) gegenüber. Zionistenverfolgungen in Bußland Aus Jerusalem: Die Arbeiterzeitung „Dawar" berichtet neuerlich über Zionistenverfolgungen in Rußland. So wurden vor kurzem vier Zionisten auf zehn Jahre nach Tschimkent (Zentralasien) verschickt. Die.Zahl der Verbannten, über deren Schicksal nichts in di« Qeffentlichkeit dringt, iwäclist von Tag zu. Tag, *

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