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Die neue Welt · 1937-11-26 · Heft 704 (26.11.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 704 (26.11.1937)
Date
1937-11-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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187 Un Preis 20 Groschen Freitag, den SO« November 193' 704 V. b. b« Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp6di6 par rediteu*" DIE NEUE REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBBDiNüUWUJöN: Oesterreich monatücft a 1.40, vierteljährig » 4.—, ganzjährig 8 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— : Rumänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bnlgarlen monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—. vierteljährig Lire 14.—3 Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich, Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitä/sstr. 8,7et. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Jldiyii&u und Mtionatee TuUccc „Graniten ist meine TJeberzeugnng und man wird sie nicht durchbeißen." Z,P. Chajes. In den zehn Jahren, seitdem Wiens großer Oberrabbiner Zwi Perez Chajes von uns gegangen ist, haben die Juden Wiens oft genug empfunden, was ihnen die Persönlichkeit des Verstorbenen gewesen ist, des jüdischen Mahners und Predigers, des sittlichen Führers und zionistischen Politikers. Alle, welcher sozialen und politischen Richtung sie auch zugeneigt sein mochten, beugten sich der Autorität eines Mannes, bei dem sich die. schönsten menschlichen [Eigenschaften in seltener Harmonie vereinigten. Zwi Perez Chajes hat den Mitgliedern seiner Gemeinde, der, jüdischen Gemeinde Wien; und darüber hinaus; .den Juden in aller Welt einen Weg vorgezeichnet :; den Weg' der volklichen Gemeinschaft, die die Tradition zu wahren und die Zukunft für die jüdische Jugend sicherzustellen hat. Diesem Gesichtspunkt war alles, was er tat und forderte, untergeordnet. Welches Glück für eine jüdische Volksgcmeinde, den Spuren eines Mannes folgen zu können, bei dem sich Gesinnung und Wirken völlig deckten. Uns, seinen Schülern und Verehrern, und denen, die jetzt die jüdische Gemeinde Wien führen, geziemt es, ehrfurchtsvoll des verstorbenen Oberrabbiners zu gedenken; seine Gestalt der gegenwärtigen jüdischen Jugend und deren Lehrern nahezubringen; ihn als herrliches Vorbild jüdischer Zucht, Gedankenreinheit und nationalen Hervortretens der Nachwelt zu übergeben. (Bild nach einem Photo von Hella Katz.) In Palästina verhältnismäßig Ruhe Vereinzelte Zwischenfälle Aus Jerusalem wird gemeldet: Seit Einführung der Militärgerichtshöfe haben sich in Palästina nur vereinzelt kleinere Zwischenfälle ereignet. Im großen und ganzen hält die Ruhe ■ im Lande an. , In einem arabischen Dorfe in Nordpalästina wurden zehn Araber verhaftet, die verdächtig sind, mit der Ermordung des Distriktskommissärs Andrews in Zusammenhang zu stehen. Das erste Todesurteil Am 18. November begannen die Militärgerichte in Palästina zu funktionieren, am 24. November wurde vom Militärgericht in Haifa das erste Todesurteil gesprochen. Wegen Waffentragens verurteilt wurde Farhan Essadi aus dorn Dorfe Umel Fahmen bei Yenin, der in dem Dorfe Mazgar bei Yenin festgenommen werden konnte. Man fand bei ihm eine Flinte und 20 Schuß Munition. , Essadi hatte sich bereits während der Unruhen im Jahre 1936 als Terroristenfuhrer hervorgetan, doch war . es den Behörden bisher nicht gelungen, sich seiner zu bedächtigen. Von Jänner bis September 1987 insgesamt rund, 9000 jüdische Einwanderer Nach einer Mitteilung des Statistischen Amtes der Palästina-Regierung sind im S e p t e m b e r d. J. 961 Einwanderer, unter ihnen 773 Juden, nach Palästina gekommen. Insgesamt kamen in den ersten neun Monaten 1937 10.077 Personen, unter ihnen 8683 Juden, nach; Palästina. Gegen das neue Einwanderungsgesetz In der Plenarsitzung des Einwanderungsrates, die in Jerusalem im Beisein von Vertretern aller Schichten des Jischuvv stattgefunden hat, wurde einstimmig eine Protestresolution gegen das neue Einwanderungsgesetz angenommen, worin es u. a. heißt: „Der Einwanderungsrat, der den Jischuw in Palästina repräsentiert, protestiert auf das entsohieednste gegen das neue Einwanderungsgesetz. Die dem High Commissioner erteilte Ermächtigung, nach eigenem Ermessen für eine bestimmte Periode ein Einwanderungsmaximum festzustellen, stellt eine direkte Verletzung einer der prinzipiellen Grundlagen des Palästina-Mandat 8 dar. Sie beseitigt das Prinzip der w i r t s c h a f t liehen Aufnahmsfähigkeit. Der Einwanderungsrat sieht in dem neuen Gesetz, das den Grundsätzen des Mandats widerspricht, ein Attentat auf das Recht der Juden auf Einwanderung. Der Rat ruft die mit der Führung der zionistischen Bewegung betrauten Institutionen und das ganze jüdische Volk auf, alle notwendigen Maßnahmen, zu ergreifen, damit dieses Gesetz widerrufen werde," RUNDSCHAU Nazismus in Marokko Ein Korrespondent des Züricher „Isr. Wochenblatt" hatte Gelegenheit, in Tanger mit Journalisten zu sprechen, welche soeben eine Fahrt durch das Marokko des Generals Franco auf eigene Gefahr durchgeführt hatten. Er berichtet darüber: Die Nachrichten, die über die grausame Bedrückung der Juden im spanischen Teil Marokkos unter dem Einfluß der deutschen Nazipropaganda bekannt werden, sind keineswegs übertrieben, im Gegenteil. Hier ist das deutsche System, auf den Orient übertragen, in grausamer Form durchgeführt. Die Juden sind nur noch Sklaven der spanischen Militärdiktatur. Die Uebergriffe haben seit März dieses Jahres systematisch zugenommen. Mitte April wurde als Signal das jüdische Gemeindehaus von T e tu an zerstört. Als die Juden sich beschwerten, wurde als Antwort den reichen Einwohnern eine Sonderstrafe in Form von Geldbußen zudiktiert, die sie selbst-, verständlich ruinierten.- Um die Strafen einzutreiben, wurden Frauen verhaftet (von einer angesehenen Jüdin weiß man nichts mehr über den Verbleib). Ueberfälle sind an der Tagesordnung. Dabei wird kaum ein Unterschied zwischen eingesessenen Juden und a,uch solchen anderer Nationalität gemacht. Denn die hiesigen jüdischen Gemeinden werden von der Außenwelt isoliert. Die Behörden haben die jüdischen Einwohner genau registriert. Sie haben bekanntgegeben, daß, wenn einer flüchtet, die anderen "Juden dafür mit harten Strafen, nicht nur mit Geldstrafen, verantwortlich gemacht werden. Ein jüdischer Geschäftsmann, der einen Nervenzusammenbruch hatte und daraufhin für einige Zeit sein Geschäft und sein Wohnhaus mit Familie verlassen hatte, konnte nicht wieder in seine Wohnung zurück, sie war beschlagnahmt und von den Carlisten besetzt worden. Die jungen Juden werden unter irgend welchen Vorwänden verhaftet, mißhandelt und an einigen Orten sollen sogar einige erschossen worden sein. Immer wieder werden den Gemeinden Geldbußen auferlegt, die, wenn ' sie nicht bezahlt werden, die Verhaftung angesehener Bürger zur Folge haben. So schlimm ist es seit Jahrhunderten nicht mehr in Marokko gewesen. SdbamSos ♦ ♦ * Auf Grund einer Verfügung des Rektors der von. Juden dem polnischen Staate geschenkten Wawelberg-Hochschule in Warschau wurden die jüdischen Hörer am Freitag, 19. November, nicht in das Gebäude der Hochschule hineingelassen, da sie erklärt hatten, auf den Ghettobänken nicht Platz nehmen zu wollen. Die antisemitischen Zeitungen nennen die Verfügung des Rektors das erste Beispiel eines „i^i offiziellen Numerus clausus" und schreiben, die jüdischen Studenten würden so lange nicht in die Hochschule hineingelassen werden, als sie sich nicht verpflichten, auf den Ghettobänken Platz zu nehmen. Nun hat der Kurator der Hochschule, Michael Wawelberg, beim Obersten Gericht im Namen der Erben der jüdischen Gründer der Schule, Hippolit Wawelberg und Henryk R o t w a n d, eine Klage eingebracht, in der er die Rückgabe des Gebäudes der Hochschule durch die Regierung an die Erben verlangt, da durch die Einführung von Ghettobänken das 1919 zwischen den Gründern der Schule und der Regierung getroffene Abkommen verletzt wurde, das in Punkt I besagt, daß sich das Unterrichtsministerium verpflichtet, keine r e 1 i- Hilfe für Kranke! OElektro-mediz. Apparate, Höhensonnen, Bestrahlungslampen a,-ch J^hWe!$*\ Mediz. Leihanstalt Bnndpgen^llTkoigsifr Taborstr. 22 Tel. R-42-5-4Q

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