Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 703 (23.11.1937)
- Date
- 1937-11-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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m Preis 10 droschen Dienstag, den 23« November 1937 ilEIIE HbeUe vniV{ Nr« 701 V« b«!>♦ ersität* Tötung vom Verleger versendet ■' nal exp&Ue par l'6diteor" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER VERBAND PER JUPEHSTAATSZION»STEH Mittwoch, den 24. November, um halb 9 Uhr abends im Zentralheim, II, Praterstraße 30 Ckßjes-iedekltfeiet Gedenkrede: Rabbiner1 Dr. B. Murmelstein An Soldatengräbern ♦ ♦ ♦ 30.000 jüdische. Soldaten und Offiziere, welche in der österreichisch-ungarischen Armee dienten, sind im Weltkrtes« gefallen. Aus dem Protokoll einer am 10. November 1937 in Graz abgehaltenen, den Behörden gemeldeten, von den Behörden bewilligten und überwachten Versammlung des „Antisemitenbundes": Der Hautpredner des Abend namens. Endema.nn, (Wien) sagt:; „Der Bund jüdischer Proritsoldaten erklärte, [ er ,WDlie 'm^t dejn > Anj^emj^g^^ ._ men,. ühr sic'h über^ie^Jü&enfrage' auszüsprecl^n7 (Große Heiterkeit;): Wir aber werden, nicht: verhäng dein, sondern zupacken und hinausschmeißen." . <•••■• „Wir werden' die jüdischen Frontsoldaten nie * als Frontkämpfer anerkennen. Sie haben wohl vier ' Jähre des, Kaisers Rock getragen. Aber an der Front waren nur unsere Väter und Brüder. Die jüdischen Soldaten sind in den Kanzleien gesessen und haben dort g e s t o h l e n. Nur dadurch war es ihnen möglich, so mächtig zu werden, daß sie : Staa.tsvermögen gestohlen und ver- 1 schleudert haben..." ' ■ Wir gehören nicht zu jenen, die sich auf Tote berufen,, wenn sie ihr Recht als, Menschen und Bürger fordern. «Jüdische Kriegsopfer sind kein Tauschobjekt für Rechte. 30.000 unserer Brüder sind gefallen. Ehre ihrem Andenken, Friede ihrer Asche. Aber wir legeW sie njcht, $uf'. den Tisch , des Hauses und weisen nicht aufsie, um das.zu bekommen, was: jeder anständige Staat jedem seiner Bürger zu geben hat. Mit Krieg und ohne Krieg. Mit Toten und ohne Tote... gleiches Recht •' , .; ' .*■ Die Leute vom österreichischen Antisemitenbund beteuern ,bei jeder Gelegenheit, daß sie keine Hakenkreuzler, kejne Nationalsozialisten sind. In der Methode, jüdische Kriegsgräber. zu. behandeln, unterscheiden sie sich allerdings von denen im Dritten Reiche. Ueber Weisung des Herrn Goebbels hät man in Hitler-Deutschland die Namen' der jüdischen Kriegsopfer . von, den Helden-Gr,absteihen ,weggekratzt. 'Die österreichischen Antisemitenbündler - kratzen die Namen nicht'weg. Sie speien sie an. - ' - * Wir prunken und prahlen nicht mit unseren Toten und treiben keinen Handel mit: ihnen. Aber wir fragen jene, •» die-berufen sind, in Oesterreich das Gesetz'und die Würde des Staates und die Würde der Menschen in diesem Staate zu wahren: Darf irgendein, übermütiger,, gewissenloser. Mersch, vor die' Gräber österreichischer, jüdischer Kriegsopfer hintreten und sie urigesträft ■ schmählich besudeln? . , .' ,', . *■•,..!,. Wir fragen nicht für die österreichische^ Juden: Wir fragen für Oesterreich..' Das; kleine, schwache Oesterreich, hat eine starke. Waffe: Seine Kultur! Seine große Kultur! Will Oesterreich es dulden, daß Endemann und seine Kumpane ihm diese Waffe aus der Hand schlagen? r. st. BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig 8 16.—; Polen monatlich Zloty LSß, vierteljährig Zloty 4.60: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; Rnmanien monatlich Lei 80.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—j Schweix and die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit Bbeaelchnete Anzelgen sind entgeltlich. Redaktion a.Verzüaltunq : lX,Unwersitä*sstr.8,7ei.A-20-2-78 - Erschein* Dienstatt a, Freitatt Leichte Entspannung in Jerusalem aber weitere Terrorakte im Lande Aus Jerusalem wird unter dem 19. d. gemeldet: Nach den stürmischen Ereignissen der letzten Wochen ist in Jerusalem eine Entspannung eingetreten, so daß die Palästina-Regierung es für möglich gefunden hat, heute Freitag den Ausnahmezustand abzuschaffen- und die strengen Beschränkungsmaßriahmen zu lockern. Die Polizeikräfte haben größere Mengen Tränengas bekommen, das gegen Demonstranten verwendet werden soll. Passanten in den Straßen werden angehalten und nach Waffen untersucht. Auch werden alle Araber, die in die Altstadt wollen, einer genauen Durchsuchung unterzogen. _ ■ ■' # Wie wir-bereits gemeldet haben, hat die Palästina- Regierung Militärgerichte eingesetzt, die über Bombenanschläge, Sabotageakte und Angriffe mit der Schußwaffe zu urteilen haben. Personen,, die Schußwaffen anwenden, sowie-Bombenanschläge und Sabotageakte (gegen.Brücken, Eisenbahnen usw.) verüben, werden zum Tode verurteilt. Trotz dieser Ausnahmsgerichte, welche am 18tj November ihre Tätigkeit begonnen haben, setzen die arabischen Banden ihre Terrorakte, fort. Nach wie vor, liegen Meldungen über jüdische Todesopfer vor. .' 's? jo rAufi sdie,... Attentate in ~ J e r u s a 1 e.m hat. (die, Pa^&s^nä-Regierung..zunächst damit geantwortet, daß; sie- ,vi n; v e.r s chiedenen T-e.ile n des Landes". Juden verhaftete und m Jaffa, aburteilte. Die - meisten Angeklagten (wessen angeklagt?); erhielten, eine Gefängnisstrafe von drei Monaten, wobei die Bestimmung „z u r Verhütung von Verbrechen" (!) in Anwendung gebracht wurde. Ohne die geringste Spur eines berechtigten Verdachtes wurden führende Mitglieder des palästinensischen Brith Trumpeldor verhaftet und ins Gefängnis gesteckt . . . - Von Verurteilungen mordender arabischer Banditen durch die eingesetzten Militärgerichtshöfe ist bisher nichs bekannt geworden. Hingegen erfahren wir, daß die Polizei die Massenverhaftungen, insbesondere unter den Revisionisten, wahllos fortsetzt. . So wurde in P.etach-Tikwah das Mitglied des Kolonienrates, Mosche Ginsburg, ohne Angabe von Gründen verhaftet. Die jüngsten Ereignisse Arabische Terroristen haben das Gebäude der Bahn* Station der Kolonie Tel-Josef im Emek Israel niedergebrannt. Die Terroristen schnitten auch die Telephonleitungen in der Un^efcung von Tel-Josef durch. In. der Nähe von Beth Alpha griff eine fünfzehnköpfige bewaffnete Araberbande eine Polizeipatrouille an. Die Polizisten, unter ihnen mehrere jüdische Hilfspolizisten, vertrieben die Angreifer. * Jüdischer Arbeiter ermorde* In der Nähe von Tel-Amal ist der 24jährige jüdische Arbeiter Jehuda S.chpanp w, als er auf dem Felde arbeitete, von arabischen Terroristen durch mehrere Schüsse lebensgefährlich verletzt worden. Schpanow erlag bald darauf seinen Verletzungen. MeffrGroßmann: Gericht über ein Gerichtsverfahren Wie wir in unserer Ausgabe vom 6.' No- " ~vember meldeten, wurde Meir Großmann, der Vorsitzende der Judenstaatspartei, wegen Veröffentlichung des sogenannten Weizmann- Ormsby-Gore-Gespräches von seinen zionistischen Aemtern suspendiert. Nun nimmt Großmann selbst im nachstehenden Artikel zu seiner Suspendierung Stellung. ' Die Zionistische Exekutive hat mich .beim. Zionistischen Ehrengericht wegen „Disziplinb r u c h s" und wegen „Handlungen, die den Zionistischen Interessen schädlich sind", angeklagt. Offiziell kommt die Forderung vom zionistischen Staatsanwalt Dr. Ahron Barth. Er hat einen Beschuldigungsakt dem Vorsitzenden des Kongreßgerichtes geschickt, und dieser hat von mir Erklärungen verlangt. Meine Antwort war einfach und klar: ' 1 Ich betrachte mich der Handlangen, die mir ' zugeschrieben werden, nicht schuldig. Das Datum der Gerichtsverhandlung ist noch nicht bestimmt. Wenn das Gerichtsverfahren stattfinden wird — natürlich öffentlich und nicht hinter geschlossenen Türen—, wird, die jüdische Oeffeutlichkeit die Möglichkeit haben, das was wirklich während des Kongresses in Zürich vorgefallen ist, zu erfahren: wer das Protokoll des , berühmten Gespräches Weizmann-Ormsby-Gore veröffentlicht hat, wie das geschehen konnte, und was diesen Schritt verursacht hat. . , Diejenigen, welche mit Schaum vor den Lippen davon sprechen und nicht die mindeste Ahnung von den Umständen haben, unter welchen ich die „unerhörte T;at" begangen habe, werden noch eine Menge Ueberraschungen erleben. Vor allem werden sie erfahren, was sich tatsächlich hinter ihr e.m Rücken im Verlauf von vier bis fünf Monaten abgespielt hat, beginnend mit einer gewissen Begegnung in Nähalal und endend mit einem Gespräch in London am 19. Juli 1937. Es werden hiebei eine Menge Legenden in Luft aufgehen. Man wird auch eine!3ienge Stoff bezüglich der Art bekommen, wie unsere politischen Angelegenheit geführt wurden, was für Wert gewisse Teile der sogenannten „Koalitions- Exekutive" haben und wer die historische Verantwortung für den heutigen Zustand der Bewegung trägt. Es liegt mir nicht — und schon gar nicht im gegenwärtigen Augenblick — über die Motive zu reden, welche das Gerichtsverfahren herbeigeführt haben. Wenn die. Zionistische Exekutive jetzt keine größeren Sorgen hat, als einen Prozeß zu inszenieren, um eine oppositionelle zionistische Partei für ihren konsequenten und unbarmherzigen Kampf gegen die Teilung Palästinas zu bestrafen, ist das ihre Sache. Meine Freunde und ich sind bereit, den Anklägern und dem Gericht entgegenzutreten; richtiger: sich dem Gericht der jüdischen Oeffentlichkeit zu stellen, wenn — ich wiederhole das noch einmal — sich das Gericht nicht in eine Exekution bei geschlossenen Türen verwandelt. Es ist das Recht der Exekutive, mich für Handlungen anzuklagen, die sie als schwere Verfehlungen betrachtet. Und es ist mein Recht, nicht nur mich zu verteidigen, sondern auch mit begründeten Beschuldigungen gegen die Ankläger herauszutreten, indem ich damit den auf dem Kongreß geführten Kampf fortsetze. * Bis daher das Gerichtsverfahren. 1 In ihrem Rachedurst ging aber die Exekutive einen Schritt weiter. Sie hat nicht nur die Grenzen des Rechts überschritten, sondern einfach — die des natürlichen Verstandes und der natürlichen Logik. Ohne meine Erklärungen und ohne das Verfahren abzuwarten, hat sie den zionistischen Oberstaatsanwalt dahin, instruiert, eine dringende Repressalie gegen mich vorzuschlagen, nämlich: Meine Recht« als. Mitglied des Großen Aktionskomitees und deo Kleinen A. O. und des Präsidiums des A. G. zu suspendieren. Der Oberstaatsanwalt war willfährig,, der Vorschlag kam. Und die Exekutive, der interessierte Part