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Die neue Welt · 1937-11-12 · Heft 701 (12.11.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 701 (12.11.1937)
Date
1937-11-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag/ den!«♦ November ütöf "litl. CJnivek^. *lr* 701 V* b* b* ^rteger versendet uti par l'fedlteur** REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN Uestcrrelch monatlicn 8 1.40, viertelJänrlg S 4.—, gaiizjährtg S 16.—; Polen monatUch Zloty 1.50. viertel jährlg Zloty 4.50} Tschechoslowakei monatUch Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, jährig Dinfr 40.-; Bttminien monaUich Lei 50.-, vierteljährig Lei 160.-; Deutschland[monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.-; , Italien monatUch Lire 5.-. vierteljährig Lire 14.—s Schweix und die übrigen Länder monatUcb Schweizer Francs 1.60. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: lX,Universitäfsstr.8,7el,A-20-2-78 - Ersdieint Dienstag u. Freitag Zur Tagesordnung Es gibt gewisse antisemitische Kreise, die sich, bei einer ungesetzlichen Handlung ertappt, auf — G e« sinnungsf reiheit berufen. Jedem sei es gestattet, sich gesinnungsgemäß, bzw. zeitgemäß zu organisieren. Jedem sei es gestattet , sich in arischen Gruppen zusammenzuschließen und Antisemit zu sein. Auch die Juden seien ja vielfach in rein jüdischen Vereinen organisiert und niemand könnte ihnen das verwehren. Die Herren Antisemiten vergessen allerdings hiebei, daß sie sich nicht bloß „arisch" organisieren, sondern gegen den „nichtarischen" Teil der österreichischen Bevölkerung, gegen die Juden, öffentlich Boykottpropaganda betreiben, also eine Schicht von Staatsbürgern, die den Schutz der Gesetze genießen, wirtschaftlich ruinieren wollen. Da gibt es z. B. die N o r d-D eut s che Buchdruckerei und V er 1 ägs anstatt A. G. (Wien, Gumpendorferstraße 55), die Herausgeberin der „Wiener Hausfrau" und die Auslieferungsstelle der „Essener Nationalzeitung", eine Druckerei, die seit einiger Zeit in verschiedenen1 grpßen Wiener Sälen Vortragsnachmittage', veranstaltet, auf deren Programm auch Mödeschauen „arischer" Wiener Modefirmen stehen. Bei dieser Gelegenheit wird atich ein „Führer d u r c h d i e arische Geschäftswelt" angekündigt, der den, Kunden für Weihnachtseinkäufe als Richtschnur dienen soll. Es wird also 'den WieÄ ''Hausfrauen indirekt zu verstelieÄ gegeben, daß" die -Ftaen^'-welcne der Katalog nicht enthält, jüdische Firmen sind und daher gemieden werden sollen. : Wer erinnert sich nicht bei dieser Gelegenheit an den „arischen Firmenwegweiser", der im Vorjahr von der Polizei verboten und beschlagnahmt wurde? Soll heuer ein Auge zugedrückt werden, weü es sich um einen Wegweiser der „Nord-Deutschen «Buchdruckerei und Verlagsanstalt A. G." handelt? * Die Wiener Tagespresse berichtet — mit einzelnen % nationalbetonten Ausnahmen — über nationalsozialistische Demonstrationen', die anläßlich des sogenannten Münchener „Novemberputschs" vom 9. November 1923 auf dem Stephansplatz stattgefunden haben. . Die polizeiliche Amtshandlung hat ergeben, daß es sich durchwegs um „jugendliche Elemente" handelte, und so entsteht der Eindruck, als ob die reifen „Illegalen" bereits zur Vernunft gekommen wären und nur noch ein paar hundert „Buben" auf der Walstatt gelassen hätten. Wir wollen diesem äußeren Schein keine Kritik entgegensetzen. Jedenfalls gibt es in Wien, obwohl der Anreiz zu Demonstrationen durch Verbot reichsdeutsch-österreichischer Gruppenbegegnungen abgestellt wurde, doch noch von Zeit zu Zeit nationalsozialistische Ansammlungen provokatorischer Natur, jüngst gerade im Zentrum der Stadt, rings um den Stephansplatz, wo das Wiener Abend- und Nachtleben am stärksten pulsiert, und wo es auch außerhalb der Hauptsaison so etwas wie Fremdenverkehr gibt. Wieder hörte man am 9. November 1937 aus dem) Mund der jugendlichen Hakenkreuzler (nach dem Ver-i sprechen, Frankreich siegreich zu schlagen); die An--, sieht, daß es doppelt gut gehe, wenns Juden'b;lut; vom Messer sp.ritzt, und obwohl den i Demony srtanten die Probe aufs Exempel versagt geblieben ist, haben sie dennoch im Bereich ihrer Tätigkeit fjnruhe hervorgerufen. Das Publikum .verließ, wie authentisch erzählt, wird, die Lokale,auf und bei dem Stephans* platz und so ist vielleicht die Absicht des provqzjereni den Trupps, den Verkehr zu stören, das Geschäft zu schädigen und die österreichische Wirtschaft zu untergraben, bis zu einem gewissen Grade gelungen. Daß die Saboteure des ökonomischen Lebens im allgemeinen und des Fremdenverkehrs im . besonderen samt und sonders „Bodenständige" waren, sollte zum Nachdenken diejenigen bringen, welche in Versammlungen und von ihrem Amtssitz aus Schutz für die Bodehständigen,-anstatt-vor manchen Bodenständigen, »erlangen» ..... Wieder sechs jüdische Todesopfer Aus der Kolonie Kir jat Anavim Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Am Dienstag, den 9. November, wurde der Jischuw durch eine neue Schreckensnachricht erschüttert. Eine ganze jüdische Arbeitergruppe wurde in Migdal, 14 Kilometer von Jerusalem entfernt, von Arabern aus dem Hinterhalt beschossen. Sämtliche fünf Mitglieder der Gruppe, nämlich Puchowski, Bar Giora, Baumgarten, Olischowski und Morduchöwitsch, sowie der sie begleitende jüdische Hüfspolizist Idzchak wurden t ö 11 i c getroffen. Sie waren alle Mitglieder der Kwuzah Baamaloh und arbeiteten auf den Feldern in der jüdischen Kolonie K i r j a t Anavim. Sie befanden sich gerade auf dem Wege zur Feldarbeit, als sie von den tötlichen Schüssen getroffen wurden. Der Üeberfall geschah so plötzlich, daß der Hilfspolizist nicht* dazu kam, von der Waffe Gebrauch zu machen. Die alarmierte Jerusalemer Soeben ecscUieM**! I! ROBERT STRICKER s -JÜDEHSTAAT" -1 M « Ä-r'i;^:-->-.,;.;,; c„. Einführung — Judenstaatlep auf Befehl — Märchen um die' Fassungskraft .des Zvyerg.Judenstaates — Die Dokumentenafföre Welzmann—GroBmann — Der Negew — Karte des geplanten Judenstaates P h E I S 3 O e R O S C HE N Erhältlich bei: „Die Neue Welt", IX, UnlversitätsstraBe 8,. Buchhandlung Belf, I, Rabensteig, Buchhandlung Rath, II, TaborstraBe 20. Auch durch die Post gegen Voreinsendung von 40 Droschen, Postversand auch*-ins Ausland Polizei nahm mit Hilfe von Spürhunden die Suche nach den Tätern auf. Endlich Müifärgeridfitfshofe Aus Jerusalem meldet United Press: Die britischen Behörden haben mit Rücksicht auf die fortdauernden Unruhen die Errichtung von Militärgerichtshöfen beschlossen, die über folgende Straftaten zu urteüen haben werden: über den Gebrauch von Feuerwaffen, worauf die Todesstrafe steht, über das Werfen von Sprengkörpern, das ebenfalls mit der Todesstrafe zu ahnden ist, und über Sabotage- und Einschüchterungsaktionen. Die von den Militärgerichten gefällten Urteüe unterliegen einer Bestätigung durch den Oberstkommandierenden General Wavell, dessen Entscheidung endgültig ist. Die Gerichte nehmen ihre Tätigkeit am 18. d. auf. Gleichzeitig gab die Mandatsregierung bekannt, daß bis zum 19. Jänner 1938 keine neu«n Binwanderungsgesuche angenommen werden, da die von der Regierung genehmigte Quote für die ArbeiterzüwanderüÄg^'für das -laufende Jahy bereits erreicht sei. Wie verlautet, hat die Regierung eine Quete von nur zweitausend Zuwanderern festgesetzt, während die Kgl. Kommission eine Quote von a c h ttausend empfohlen hatte. ... .' . . * Die Kgl. 'Kommission hatte m 'ihrem Bericht für die Zeit des Ueberganges — als Provisorium — die Zuweisung von tausend Zertifikaten pro Monat, vom August 1937 bis Ende März 1938, insgesamt achttausend Zertifikate, empfohlen. Nach der vorliegenden Meldung hat die Palästina-Regierung für die genannten acht Monate bloß zweitausend bewilligt, ein Vorgehen, daß im Widerspruch zu dem Versprechen der Londoner Regierung und zu den Feststellungen im Vöilterbundrat steht. S. Marcovlcl-Cleja: Wethalb ich der Judenttaatf parte! beitrat 'Paris, November 1937. Oft schon wurde die Frage an mich gerichtet, weshalb ich der Judenstaatspartei beigetreten bin. Wie kommt es — so fragt man mich —, daß ich, anstatt einer der zahlenmäßig bedeutenden und für den Zionismus ver-» antwortlich zeichnenden größeren Parteien beizutreten, mich gerade der in der Zionistischen Organisation numerisch schwächsten Gruppe angeschlossen habe, der Juden-: Staatspartei. Was sei es, das mich, im Zionismus relativ einen Neuling, in das Feld der Opposition geführt habe? Ich muß gestehen, daß meine Entscheidung, bei voller Anerkennung des Programms der Judenstaatspartei^ nicht allein durch programmatische Gesichtspunkte bedingt wurde. Letzten Endes sind Programme immer /vorzüglich. Entscheidend ist jedoch die Art ihrer Durchführung. In Laufe der Zeit werden sogar die besten' Absichten bisweilen verdunkelt, verschiedene Interessen' kommen dazwischen und schließlich bleibt von der ursprünglichen Haltung kaum mehr eine Erinnerung zurück, Mit ihren elf Delegierten konnte die Juden- Staatspartei auf die Entscheidungen des Züricher Zionlstenkongresses kaum nennenswerten Einfluß ausüben. Praktisch gesehen, könnte man sie fast als inexistent befrachten. Ihre Stimme jedoch war da, Fufiscbmerzen, MQdiShelt * können von beginnendem Senkfuß kommen; wirklich,» Abhilfe; unsere moderne »Pedifrif-Einlage fertig oder' nach Gipsmodell, leicht, elastisch, schmerzlos zu tragen; Hflnflaaen-mThnlasch Taborstr. 22 Tel. R-42-M0 und sie wurde eingesetzt in den aufrechten Kampf um ihre Ideen. Freunde und Gegner müssen den Mut und die Unabhängigkeit dieser kleinen Gruppe anerkennen, und auch ich wurde dadurch in einem gewissen Maße in der Haltung beeinfußt, zu der ich mich im Lager des Zionismus bekenne. v * Als neues aktives Mitglied der Zionistischen Organisation wollte ich mich zunächst einmal informieren. lieh studierte ihre Arbeitsmethoden, ihren inneren Aufbau, ihr taktisches Vorgehen, ihren gesamten Apparat. Ich besprach die Judenfrage mit den Führern der Organisation. Sehen und abwarten, sagte ich mir; nun, ich sah und ich wartete ab, aber mein Eindruck war keineswegs er* freulich. Ich konnte nicht begreifen, weshalb eine Bewegung, die die Wiederaufrichtung der altneuen Heimat des jüdischen Volkes anstrebt, erhaben durch eine zwei Jahrtausende alte geistige Tradition, gestärkt durch fast ein halbes Jahrhundert konstruktiven Aufbaues, getragen von allseitiger Sympathie und dem Pioniergeist eines Volkes, dennoch zum heutigen Zustand gelangen konnte, der wie der letzte Akt der Tragödie des modernen Zionismus anmutet. AH das, was wir jüngst erlebten — Wirtschaftskrise, Unruhen, besonders aber die Annahme der Teilung Erez Israels,—, erinnert schmerzlich an das1 Zugrabetragen einer großen Idee; an ein klägliches und ruhmloses Verscharren der herrlichsten Hoffnung eines Volkes. Je mehr ich mich mit, der Vergangenheit und dem .gegenwärtigen Zustani des Zionismus befaßte; um &st

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