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Die neue Welt · 1937-11-09 · Heft 700 (9.11.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 700 (9.11.1937)
Date
1937-11-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag/ den §♦ November 1937 tfl* Jahrgang Nr* 700 V. b* b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expddiS par r&Uteaz" DIE NEUE WELT R E VU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER ganzjährig B 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, — - oslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« " monatlich Mark 1.—, vierteljährig BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlichi 8 1.40. Herteljtorf& S 4.-, 3. Ä.h vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, JlerWJährig Ko18.-, *n«Mb Jährte Dinar 40.—: Bumänlen monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—: Dentschtand Kg3.-; Bulgarien monatlich Lewa 30.-, vierteljährig Lewa 80.-: »"JÄ^^r4 Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.60. vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion a. Verwaltung: IX% Universitätsstr.8,7el. A-20-2-78 - Ersdteint Dienstag u. Freita* Eiserne Stirnen Aus Berlin: Die „Nationalsozialistische Partei- Korrespondenz", Berlin (Nr. 239 vom 15. Oktober 1937), schreibt: „Man kann fast täglich in der Weltpresse lesen, daß die in Deutschland lebenden Juden entsetzlichen Drangsalierungen ausgesetzt seien. Wenn auch nur ein bescheidener Bruchteil dieser vom Weltjudentum inszenierten antinationalsozialistischen Propaganda wahr wäre, dann hätten die 500.000 gegenwärtig immer noch im. Reich lebenden Juden schon längst den Staub von ihren Füßen geschüttelt. Aber daran denkt keiner dieser durchaus unerwünschten Zeitgenossen. Richtig ist, daß sich der Umgang zwischen Deutschen und Juden,, soweit .er heute noch durch- .formelle Umstände nötig ist, in betont kühl,en'Formen vollzieht, , Aber die Trennung vom. Judentum hat sich in s c h ä r f s t e m G e g e nsatz ,zu . den radikaleren- Methoden in 5.o-l e n immer in äußerlich gemessenen, w oh Ia h st an d igen und. lediglich vonsachlichen Erwägungen bestimmten Bahnen, vollzogen. Das muß einmalimit. aller wünschenswerten Deutlichkeit ausgesprochen werden." , ,• .7 \\~ T „V ..„'.'.. ' ,'.' , .'*.,.,.. ...... ,' '< *! .Aus':' W-'a* r s;ch a4,:;.Die offizielle cpolhische; Te.legraphenagentür '(PAT.) meldet: Da jm:V«rlaüfe; der; antijüdischen Boykottaktidh nationalsozialistischer Elemente in Därizig p o I n i s c h e'Bü'r ge r Schaden erlitten haben, hat der polnische Generalk o iri m i s. s ä r im - Senat ' des Freistaates eine: Reihe von Protesten, u. a. auch gegen die. P a/s si v it ä t drer - D anziger Sicher h e i t'sb ehörde.n, eingebracht. .< Der Grneralkommissär machte den Senat darauf aufmerksam, daß die Tölerierung der Boykottaktiön und der Exzesse: eine V e r 1 e t z u n g des Abkommens zwischen Polen Und Danzig, auf Grund dessen" der. Senat sich verpflichtet, keine feindlichen Manifestationen' und Handlungen gegen polnische Bürger zuzulassen, darstellt: ' : ' .•'*■. .'■"'•' . " .' [■■ Aus P anzi g: Eine. Reihe auswärtiger Persönlichkeiten' ersuchte "den V Öj k er bun d s h o c h.k o mmissär, Prof. Burckhard't, um Einschreiten in Zusammenhang, mit den. Pogromen, auf dem Gebjete, ,des Freistaates.. Der Hochkommissär ließ erklären", er. sei außerstande, zu intemhieren, da es sich Um ,i n.n e r e A n ge 1 e g e.n h e i t e.n des Freistaates handelt, . und' lehnte es ab, die Delegation zu erop|ang$n.. . .r;^ * .;,\ ,' . , Die Hakenkreuzler werfen sich in die Brust: „Die- Polen: sind nochr viel gemeiner als wir!" — In Polen gjbts alle Tage Pogrom und Boykott unter den Auge^ einer .nichts; sehenden und nichts, hörenden Polizei. Aber in Danzig protestiert man dagegen. — Der- Völkerbundkommissär, der lediglich zur Wahrung der Rechte , der Minderheiten in Danzig sitzt, empfängt nicht, weil es sich um .„innere" Angelegenheiten handelt•■ ,; Italienische Rundfunk-Propaganda unter / ■• den Arabern Aus 'London: In. der Interpellatiohsdebatte des britischen UnUrhauses am 3. November fragte der'Abge*\ ordnete- Ca:p % a i n M a, c Don a,l d, ob seit Abschluß des englisch-italienischen Agreements vom 2. Jänner 1937 die britische -Regierung* Klage über provozierende, italienische Fr.ease- und Run'df unkpropa- . ganda unter den Arabern erhalten hat und ob diesbezüglich Beschwerden,vor allem im Hinblick auf die kUrzlichen Arabischen Unruhen, vprgebracht wurden. Der I^nterstaatssekretär im Auß^nm^nlsterium, Cranborne, erklärte, daß die Frage der italienischen , antibritischen; Propaganda verschiedentlich in diplomatischen Gesprächen zwischen London und Rom erörtert wurde. Das Material über die .Haltung der italienischen Presse und des itallenisphen Rundfunks während der kürzlichen Unruhen in Palästina werde im Außernntaisterium studiert. Memorandum der Judenstaatspartei an U.S.A. Aus Jerusalem: Wie das Zentralkomitee der Judenstaatspartei mitteilt, hat die „J u d e n s t a a t spartei in den Vereinigten Staaten" der amerikanischen Regierung ein ausführliches Memorandum über die Lage in Palästina und über den T e il u n g s p 1 a n überreicht. Der Beschluß zu diesem Schritt wurde in einer Sitzung unter dem Vorsitz des Ehrenpräsidenten der amerikanischen Judenstaatspartei, Prof. W.Czernowicz, gefaßt. In dem Memorandum wird darauf hingewiesen, daß die amerikanische Delegation auf dem Friedenskongreß am 6. Februar 1919 beantragt hat, daß „die Juden nach Palästina zurückkehren und sich dort niederlassen sollen und daß die Zusage, Palästina in einen jüdischen Staat umzuwandeln, verwirklich t werd en soll". Ferner wird daran erinnert, daß auf der Konferenz von San Remo das Gebiet des historischen P.aläs tina, auf dem das Jüdische Nationalheim errichtet werden soll, in einem Umfang von etwa 3 4.0 0 0 Quadratmeilen festgestellt wurde. Die britische Regierung habe bei der Uebernahme des Mandats zugesagt, alle Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Volk in seiner Verknüpfung mit Palästina in seinen historischen Grenzen zu erfüllen. Im Hinblick auf die neuen Pläne Englands wird die amerikanische Regierung gebeten, gegen die Teilung des historischen Palästina und die Einengung seines Gebietes Einspruch zu erheben. England solle entweder das Mandat durchführen oder es einer anderen Macht überlassen. Der Leiter der Abteüung für den Nahen Osten bei der amerikanischen Regierung, Wallace Mur> ray, hat der Leitung der Judenstaatspartei daraufhin mitgeteilt, daß die Regierung die Veränderungen in der Lage Palästinas aufmerksam verf olge und das Interesse des amerikanischen Judentums an dem Schicksal Palästinas zur Kenntnis nehme. in&eln, frei von Judenhaß Die ausländische Presse stellt in der letzten Zeit mit Nachdruck fest, daß sich die antisemitische Propaganda in Oesterreich verstärkt habe. Fürdie Beurteilung des latent e n Antisemitismus bei uns gibt es kein Meßinstrument, man ist hier auf das Gefühl angewiesen. und das Gefühl vermag festzustellen, daß auch der- „unsichtbare" Antisemitismus an Intensität zugenommen hat. Denn auf die Dauer kann sich auch der platonische Antisemit der stündlich auf ihn einstürmenden Propaganda nicht entziehen. : 'Der praktische Antisemitismus scheut sich nicht, nackt und brutal auf die Straße zu treten. In großen Versammlungen, die von offiziellen Vertretern des Gewerbes geleitet werden, hört man Worte, die dem Sprachschatz des Hakenkreuzlertums entnommen sind,'und es gibt hiezu Kommentare, die besagen, man wolle durch eine . drastische und lärmende antisemitische Propaganda verhüten, daß eine Abwanderurig zu den „Illegalen" erfolge. Natürlich lassen sich .solche Deutungen nicht nachprüfen, aber sie berühren ohne Zweifel Kompetenzen der legitimen politischen Führung Oesterreichs, seitens welcher bisher im Zusammenhang mit diesen Erscheinungen keinerlei Reflex zu merken ist. Denn im Mittelpunkt aller antisemitischen Kundgebungen und Drohungen steht ,-— immer noch — die Phrase vom „bedrohlichen Ueberhandnehmen des Judentums in Oesterreich" und die Forderung, die jüdischen Staatsbürger aus allen Bereichen des Wirtschaftslebens, des Kulturlebens usw. „ auszuschalten. " Man weiß wahrlich nicht, ob man über die lügnerische Darstellung des organisierten Antisemitismus' entrüstet sein oder mit einer Geste der Hoffnungslosigkeit über sie hinwegsehen soll. Es gehört eine große Portion Schamlosigkeit und Tücke dazu, heute, im Jahre 1937, vo^n einem „verjudeten" Oesterreich, zu sprechen; in einem Zeitpunkt, wo zugestandenermaßen die Ausschaltung der Juden forciert wird und. den Maximalgrad bereits erreicht hat. Die vom Hakenkreuzlertum systematisch korrumpierte Gesinnung weiter Kreise braucht nicht erst durch die Vorspiegelung der Notwendigkeit, den Kampf gegen das „Ueberhandnehmen des Judentums in Oesterdeich" zu führen, in Rage gebracht zu werden. ■ Die lärmenden Kundgebungen des „Antisemitenbundes" lassen erkennen, daß dessen Anhänger die .Gifeichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied der Nationalität und des Religionsbekenntnisses hinsichtlich der Juden: als aufgehoben betrachtet wissen wollen; sonst wäre nämlich ihre Forderung nicht zu verstehen, die jüdischen Staatsbürger aus dem Staatsdienst,, besonders aus der Justiz und den Schulen, aus den öffentlichen Körperschaften, wie Krankenkassen, Versicherungen usw., sowie aus dem Kulturleben und der Presse" auszuschalten. Mag auch dieser Forderung in der Praxis die totale Erfüllung versagt sein, so beweist sie doch, wie weit der Wagemut des österreichischen Antisemitismus gediehen ist Die Faktoren, die für die Unversehrtheit der Rechtsgrundlage aller Staatsbürger verantwortlich sind, sehen ohne Wimperzucken zu und erwecken dadurch in den antisemitischen Kreisen den Glauben daß deren Treiben für sie gefahrlos, ja im allgemeinen nicht unerwünscht sei. Wir nähern uns der Grenze, an der unsere Geduld zu Ende ist... * Ein Ueberblick über die anderen Länder ergibt trübe Perspektiven. In Sowjetrußland gibt es kein Judentum mehr in traditionellem Sinne. Der Zusammenhang der russischen Juden mit den Juden der übrigen Welt ist auf den Nullpunkt gesunken. In Polen hat der Angriff gegen die Juden pogromartigen Charakter angenommen, in Rumänien ver* suchen die Cuzisten und die ihr nahestehenden Gruppen, das hitleristische Beispiel nachzuahmen. Das demokratische, auf seine freiheitliche Verfassung mit Recht stolze Ungarn muß bei sich das Heraufkommen extremradikaler reaktionärer Gruppen sehen» die sich zu einem. nationalsozialistischen Einheitsverband zusammengeschlossen haben. In Südafrika, in Nordafrika, in einzelnen südamerikanischen Staaten rumort die Hetze des reichsdeutschen Propagandaministeriums. # Die westlichen Demokratien allerdings bieten noch ein wenig freundlichere Aspekte. In Belgien konnte sich der Faschistenführer De grelle nicht durchsetzen. Seine Wahlniederlage hindert ihn zwar nicht, die antisemitischen Parolen hitleristischen Ursprungs weiterhin zu mobilisieren, aber die Oeffentlichkeit, die öffentliche Meinung, ist von ihm nicht be« geistert. Auch sein französischer Kollege Oberst de la Roque hat nicht den Erfolg errungen, den er sich bei seinem ersten stürmischen Auftreten versprochen hat. Trotz der chauvinistischen „Actiön Franßaise" des jungen Barres, trotz des Lärmens der „Camelots du roi", trotz der Angriffe auf den „Juden" Leon Blum im Parlament hat Frankreich sich — vorläufig — in seinen edlen Traditionen nicht erschüttern lassen. Es gibt zwar bereits eine französische Presse, die sich nazisti eher Argumente gegenüber den Juden bedient und . nachgewiesenermaßen unter finanziellem Einfluß des Dritten Reiches steht, aber die französische Gesellschaft und der staatliche Apparat lassen sich von den Rufen

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