Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 699 (3.11.1937)
- Date
- 1937-11-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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jfffc.-rira vt/äi. 5. November 1937. DIE NEUE WELT Seite # txMstkw ludeniutn Von Dr. Maurice Lasersohn. Im untersten Süden Indiens, an der Mälabar- Icüste,. im Staate C o c h i n, unter der Herrschaft des Maharajah von Cochin, leben Juden, die sogenannten „Schwarzen Juden" (Black Jews), zu denen äußerst selten ein Besucher aus Europa kommt. . Hafen und Stadt British Cochin sind eine britische Besitzung und liegen an einer Lagune, die tief ins Land hineinschneidet; an der anderen Seite der Lagune liegt Ernaculam, die Hauptstadt des Staates Cochin, und der Sitz des Maharajah. Die Cochin-Juden leben nicht in der Stadt British Cochin, sondern in einem Vorort, der direkt an die Stadt angrenzt und bereits in dem Staate Cochin liegt; dieser Vorort heißt Jew Town oder Mattanchery, und-dort befindet sich die berühmte alte Synagoge der „Weißen Juden" (White Jews), sowie zwei Synagogen der „Schwarzen Juden", die Kadagham Bagam Synagogue, die nahe der weißen Synagoge liegt, und die Thekkum Bagam Synagogue, die etwas weiter liegt. Die weiße Synagoge ist eine schöne, alte, verhältnismäßig kleine Synagoge, die sehr gut erhalten ist und einen wundervollen Fußboden aus alten chinesischen Fayence-Kacheln besitzt. Diese Kacheln erinnern an Delfter Kacheln und sind mit Zeichnungen in blauer Farbe, in chinesischem Stil, bedeckt. Ein reicher Cochin-Jude wollte das Seinige tun, um die Synagoge zu verschönern, und bestellte in der Mitte des 18. Jahrhunderts Kacheln für den Fußboden, die er aus China kommen ließ. Merkwürdig ist. daß jede Gruppe von acht Kacheln immer wieder dasselbe Thema wiederholt. Es ist eine rührende Liebesgeschichte: Ein Jüngling steht am Ufer des Flusses und spricht über den Fluß hinweg mit dem Mädchen, das er liebt, und das ihm mitteilt, ihr Vater wolle sie an einen alten, reichen Geizhals verheiraten, usw.; die Sache endet natürlich glücklich für das Liebespaar. Die jüdische Gemeinde in Cochin besteht äus etwa 500 „schwarzen" Juden., und etwa 90 „weißen Juden". Die „schwarzen" Juden behaupten, bereits im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. sich in Cochin angesiedelt zu haben. Sie haben augenscheinlich schon damals gewußt, daß papierene Verträge nur „Papierfetzen" sind, die zu nichts verpflichten. Sie. haben darum, nach gutem altem indischem' Brauch, die Rechte, die ihnen der Brahmanische Herrscher vo^ii M a 1 a b a r verbriefte, auf zwei dicke Kupfertafeln eingravieren lassen, die heute noch im Besitze der weißen Synagoge ind. Die Kupfertafeln stammen aus dem Jahre 388 n. Chr. (nach der Deutung von Buchanein-Hamilton aus dem Jahre 490 n. Chr.), sind von der Größe eines mittleren Buches und werden von einem kupfernen Ringe zusammengehalten. Auf den Kupfertafeln wird in alter Tamil-Schrift festgelegt, daß der Herrscher dem Joseph Rabban auf ewige Zeiten ein Stück Land verleihe, auf welchem dieser, die Rechte eines Fürsten über sein Volk ausüben könne. Das war in Wirklichkeit, unter der Ober- Hoheit der Malabar-Herrscher, ein selbständiges jüdisches Fürstentum, der Staat von A j iura na m oder Cranganore, dessen Unabhängigkeit späterhin, im 16. Jahrhundert, von den portugiesischen Eroberern vernichtet "wurde. Die weiße Synagoge und eine der schwarzen Synagogen liegen in der Judenstraß e von Mattancherry, die übrigens sehr rein gehalten ist und angenehm von anderen Ghettos des Orients absticht. Neben der weißen Synagoge befindet sich der zu ihr gehörige große Uhrglockenturm, der direkt an die Umwallung angrenzt, die den alten Palast des Maharajas von Cochin umgibt. Durch die Tatsache, daß die Synagoge direkt an den Palast des Maharajah angrenzt, sollte der Umstand unterstrichen werden, daß der Maharajah die Juden unter seinen besonderen Schutz genommen habe. Und wenn auch keine dokumentarischen Beweise vorliegen, so lautet doch die mündliche Ueberlieferung dahin, daß die Juden von Cochin unter ihren Rajahs immer sehr glücklich gewesen sind, daß sie wegen, ihres Glaubens oder ihrer Rasse nie verfolgt worden und nie vertrieben worden sind. Die „weißen" Juden sind erst viel später naoh Cochin gekommen. Sie sind Einwanderer, die' im 16. und 17. Jahrhundert teils aus Bägd a d, teils aus der p o r t u g i e s i s c h e n Kolonie Goa (unterhalb Bombay, ebenfalls an der Malabarküste geigen) nach Cochin gelangt sind. Die „weißen" und die „schwarzen" Juden hoben noch bis vor wenigen Jahrzehnten streng voneinander geschiedene Bevölkerungsgruppen gebildet. Heute, wo im Staate Cochin Schulen existieren, wo Kinder der „weißen" Juden nach der Universität von Madras gehen, um sich dort fortzubilden und ihre gelehrten Titel zu erwerben, heute legt sich allmählich der krasse Unterschied zwischen den „Black Jews" und den „White Jews". Für den Fremden ist es fast unmöglich, einen „schwarzen" Juden von einem „weißen" Juden zu unterscheiden. Die Gesichtsfarbe gibt dazu keinen Anhalt. Die „schwarzen" Juden sind durchaus nicht schwarz und mögen vielleicht um eine Schattierung dunkler sein, als ihre „weißen" Brüder. „Außer den , Juden von Cochin leben noch etwa 500 „schwarze" Juden in Ernaculam, 200 in Mala, 200 in Chenamäghlam (alles Ortschaften im Staate Cochin) und etwa 200 in der Ortschaft Parur im angrenzenden indischen Staate Travahcore. Im ganzen gibt es, nach der Volkszählung von 1931, 1451 Juden in Cochin, „weiße" und „schwarze" zusammen. Die „weißen" Juden bilden gewissermaßen die Aristokratie, die Oberschicht. Unter den „weißen" Juden gibt es einige reiche Familien. Eine von ihnen ist Besitzer einer bedeutenden Handelsfirma, die den Typ des Warenhauses in. Cochin darstellt; andere sind wohlhabende Grundbesitzer und Eigentümer von Kokosnußplantagen. Es gibt unter den weißen Juden einen Arzt und 5 oder 6 junge Leute, die ihr Diplom des B. A. (Bachelor of Art) in der Madras-Universität erhalten haben. Auch unter den „schwarzen" Juden gibt es drei von der Universität diplomierte Leute. Die Juden haben in der gesetzgebenden Versammlung des Staates (Legislative Council of Cochin State) einen ständigen Sitz, und zwar ist momentan Mr. Shabdai S. Köder, B. A., Vertreter der Jüdenschaft in Cochin, ein Mann von etwa 35 Jahren, der ein großes Interesse an der Gemeinde nimmt. Die „weißen" Juden sind teils An- D. Schi mono witsch: m$ Ems. Ismd Nein! Unser Leben geben wir nicht preis, Auch um den Prete der Heiligung nicht. Heilig ist jedes Menschenangesicht. Auch das unsre! Wir folgen nicht eurem Geheiß. Und daß^es jeder Lauernde, hinter Mauern feig Kauernde weiß: Wir,geben unser Blut nicht preis! Unser Mut! Vergossen, einst auf'allen Ackern der Welt — Doch sind wir nicht .mehr das Blatt, das vom Baum fällt, Welk und wehrlos mitgeliefert-Wind und Sturmesnot, Nicht piehr wehrlose, Herde,, begegnen wir dem Tod!' Hier scjüägt uns keinerstraflos ins Gesicht, , Wir leben» von Mordumgeben, und.Jürchten.uns. nicht! Uns Volk, dem alle Wege rings verschlossen, Uns schreckt kein. Meer von Waffen und Geschossen, Die Fallen, der Feinde hindern uns nicht, Ein Volk, geh'n wir herund niemals zurück... Erlöst zu werden im Lande bei unserer SeeV Im einzigen Lajid: in Erez Israel! (Dem Hebräischen nachgedichtet von Jehuda Ehrenkranz.) gestellte im Wärenhause, teils Beamte der Eisenbahn und, des Transportwesens, teils Kleinhändler. Die „schwarzen" Juden sind fast durchwegs Kleinhändler, jedoch nicht Hausierer; sie handeln mit Lebensmitteln, meist mit Eiern, Geflügel,, Fischen,.. Bananen, Früchten usw.: es gibt auch einige Textilhändler. Früher war die Buchbinderei unter den Juden ein sehr verbreitetes Handwerk, heute hat es sich sehr vermindert. Eine Anzahl von „schwärzen" Juden arbeitet als einfache Arbeiter im Hafen. Merkwürdigerweise gibt es in Cochin kein einziges-Zugtier, kein Pferd, keinen Esel, keinen Ochseil: die Straßen sind ausgezeichnet geebnet und der ganze Transport wird von Menschen ausgeführt. Die Juden in Cochin sind arm, aber es ist nicht die verzweifelte Armut des osteuropäischen Juden, der nicht nur Hunger und Kälte zu bekämpfen hat, sondern auch stets dem furchtbarsten Feinde, dem Antisemitismus, ins Auge zu blicken hat. Der Cochin- Jude ist bedürfnislos, genau so wie seine Umgebung; er macht durchaus nicht einen unglücklichen Eindruck. In Wirklichkeit hat es bisher keinen einzigen Fall einer.E h e zwischen „w e iß e n" und „schwarze n" Juden gegeben. Das dürfte sich aber allmählich ändern. Es sind momentan einige Fälle da, wo junge Leute, die diesen verschiedenen Gruppen angehören, einander heiraten wollen. Der Kastengeist der Eltern und Verwandten stellt sich dem heute noch entgegen, aber es unterliegt keinem Zweifel, daß er, mit den Fortschritten der Bildung und der Verbreitung der englischen Sprache, allmählich untergraben werden wird. British Cochin hat seit einem Jahr einen neuen Hafen,, in welchen große Dampfer einlaufen können, und seit kurzem ein ausgezeichnetes Hotel (Malabar- Hotel), das den modernen Anforderungen entspricht. Die Sprache der Juden von Cochin ist M a 1 a y älam, ein malaiischer Dialekt. Aber viele von den weißen Juden sprechen und. verstehen Englisch, während die Jugend, welche die staatlichen Schulen besucht, sowohl unter den weißen, wie auch unter den schwarzen Juden, ein sehr gutes Englisch spricht. (J. P.Z., Zürich.). Dit fitisktk ätk SkitMMe V W^F^^^rwW ^^V^r IW^^rWW^^J^r^rlF im Duta tutoftes NaCh einer eben erschienenen Studie von Theodor Ehrenstein, Kunstverlag Albert Kende (Wien). Es ist Theodor Ehrenstein zu danken, klar aufgezeigt haben, worum es sich bei den Fresken Dura Europcw' in bezüg auf das Werk jüdischer Künstler und spezifisch jüdische Kunst handelt. Wie erklärt es sich zunächst, daß man sich über das Bildverbot hinwegsetzen konnte? Die Fresken stammen aus der Mitte des dritten nachchristlichen Jahrhunderts und die Juden befanden sich damals seit langem unter dem starken Einfluß hellenistischen Denkens. Den Konservativen, die streng am Bildverbot festhielten, standen die Progressisten gegenüber, die in schönen Bildern eine würdige Verherrlichung der jüdischen Heroenzeit erblickten. Viele Beispiele ließen sich hiefür angeben: in Syrien und Palästina, in Libyen und Rom. Inschriften auf Gräbern besagen, daß es jüdische Maler gab, und der Talmud berichtet dies auch für Palästina. Für Dura Europos, die mazedonischrömische Grenzstadt am Euphrat im Bereich des heutigen Syrien, müssen Wir die Möglichkeit, sich über das Bildverbot hinwegzusetzen, als durchaus glaubwürdig betrachten, ebenso auch, daß es sich bei den Kunstschaff enden, um Juden gehandelt hat. Die M a 1 k u h s t, die wir bei den Fresken Dura EuropoS' bewundern können, läßt sich in ihrer Eigenheit streng von all dem scheiden, was man bisher fälschlich für sie heranzog. Es handelt sich in Dura Europos um eine frühe Art von Historienmalerei. Die Themen sind selbständig entwickelt, soweit sich dies überhaupt bei einer Kunst sagen läßt. Die Personen, Tiere und Gegenstände sind lebensnah, realistisch, mit scharfen Begrenzungen gegeben. Der deutsche Kunstgelehrte Lietzmann und andere meinten, persische Künstler hätten die Fresken gemalt. Abgesehen von der inhaltlichen Unmöglichkeit (denn die BUder verraten eine genaue Bibelkenntnis und zeigen einmalige Auslegungen mehrdeutiger Stellen), muß dem entgegengehalten werden, daß sich die persische Kunst dieser Zeit in Jagd- und Kampfdarstellungen erschöpfte, in einer monumentalen Reliefkunst, die keine Frontalansichten kannte. Die jüdischen Bibelillustrationen aber zeigen Werke de3 Friedens, und frontale Darstellungen sind häufig. Kann die Kunst der Fresken nun sicher nicht der persischen Kunst zugeordnet werden, so ist : sie andererseits auch-nicht von der f rü.hchristlichen abhängig. Die Motive sind andere. Nirgends sehen wir Nacktes,..nirgends.Blüten- und Vögeldekor, keine Kreise und sonstigen geometrischen Ornamente, wie im Anschluß an die pompeianische Malerei in den römischen Katakomben. Die Kunst der Fresken ist einzigartig und allein-, stehend. Auch die frühchristliche Kunst nach den Dura- Fresken, also nach 244, würde schwerlich von diesen beeinflußt. Die Stadt Dura Europos wurde schon etwa 260 zerstört und wir müssen annehmen, daß die Fresken, vom Wüstensand verschüttet, die Jahrhunderte überdauerten, da Sie sonst wohl wie die anderen Bilderschöpfungen dieser Zeit später dem Glaubenseifer der Mohammedaner zum Opfer gefallen wären. Freüich liegt die Frage anders, wenn wir erkennen, daß es frühere und gleichzeitige jüdische Fresken gegeben haben müsse; ist es doch ganz unmöglich, sich die Dura-Fresken ohne Tradition plötzlich entstanden zu denken. Diese Betrachtungen führen aber weiter, als hier gesagt werden kann. Das Wesentliche.ist, daß es eine eigenartige al tjüdische Kunst am Ausgang des Altertums in Syrien gab und daß sich die kunstgeschichtliche Forschung mit ihrer Rolle noch weiter auseinanderzusetzen haben wird. Dr. Georg B erger (Wien) SS Jahre Hadassa Aus New York (J. T. A.): An der Jubiläumskonferenz, die die Zionistische Frauenorganisation Amerikas, „Hadassa",. anläßlich ihres 25jährigen Bestehens einberufen hatte, nähmen über 2000 Delegierte und Gäste aus 46 Bundesstaaten teil. Sie vertraten 64.000 Mitglieder. Die Konferenz war die größte zionistische Tagung in der Geschichte des amerikanischen Zionismus. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, hatte an die Konferenz eine Begrüßungskundgebung gerichtet, in der es heißt: „Anläßlich des 25. Jahrestages der Gründung der Hadassa möchte ich meine aufrichtigen Glückwünsche aussprechen und d3r Hoffnung Ausdruck geben, daß die hohen Jdeale ü?8 Dienstes an der Allgemeinheit, die diese Organisation charkterisieren, auch in Zukunft ihr Wirken bestimmen mögen." Das Hauptreferat hielt der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas, Dr. Stephen S. W i s e. Er wies auf den Ernst der politischen Lage in Palästina und in der zionistischen Bewegung hin und hob die Aufgaben hervor, die der Hadassa in dem bevorstehenden politischen Kampf gestellt sein werden. Dr. Wise sprach unter stürmischen Beifallskundgebungen der ersten Präsidentin der Hadassa, Miß Henriette S z o 1 d, die heute in Palästina in der vordersten Front der Arbeit steht, im Namen der zionistischen Bewegung Amerikas den Dank für ihr erfolgreiches Wirken aus. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand ein Referat der Präsidentin Mrs. Jacobs über den Beginn und die Entwicklung der zionistischen Arbeit unter den jüdischen Frauen Amerikas. Die Konferenz, faßte eine Resolution, in der die neu.« EinwaÄ<Jerungsy.erordnung als eine „Verletzung deg M a n d a t s" verurteilt wird. so»