Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 698 (29.10.1937)
- Date
- 1937-10-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 698 vom 20. Oktober 1Ö37 DIE NEUE WELT Seite 7 Punkt Nr. 3: „Am 15. August 1937 vormittags frei zur Abhaltung von Gottesdiensten für die katholischen und protestantischen Teilnehmer. Hier, Chawer Doktor, habe ich einen Bericht vom Jiddischen Kulturkongreß in Paris, verfaßt von einem bekannten jüdischenglischen Schriftsteller, der kein Kommunist ist. Es heißt da wörtlich: „Die kommunistischen Führer haben außerordentliche Achtung vor der jüdischen Tradition auf dem Kongreß bewiesen, es war eine Sensation, wie vornehm sie sich zur hebräischen Sprache bezogen. Si traten sogar für eine Verständigung zwischen Hebräisten und Jiddischisten ein." Dagegen habe ich da eine Charkower Zeitung, „Stern", vom 9. September 1937, da heißt es im Leitartikel: „Die Religion ist der größte Feind des Kommunismus. Der Kampf gegen die Religion, gegen die religiösen Feiertage ist ein organischer Bestandteil des Kampfes, den die Partei Lenin-Stalin für die Verwirklichung dös Kommunismus fUhrt." Dasselbe Blatt schreibt am 26. August 1937: „Die jüdische Religion kultiviert Chauvinismus, Ultranationalismus, den zoologischen (tierischen) Haß gegen Nichtjuden. Es ist Tatsache, daß sich im Kampfe gegen Stalin der Rabbi mit dem Kardinal, der Zionist mit dem Antisemiten vereinige., Ein klassischer Bewes: der zionistische „Nawi", der hebräische Dichter- Faschist B i a 1 i k, der bisher nur Pogrom-Tränen weinte, hat in Hitler seinen Weggenossen erkannt. Er hat Hitler gesegnet und den Bolschewismus verflucht." Ein anderes russisches Blatt, die „Tribuna", schreibt: „Die Rabbiner setzen trotz aller Warnungen ihre antisowjetistische Tätigkeit fort. Sie agitieren für den Zionismus, sie bluffen die arbeitenden Massen mit Märchen vom .glücklichen Leben in Palästina', sie verbreiten Greuelnachrichten über das .gottlose' Biro- Bidschan und diskreditieren diese größte Eroberung der arbeitenden Juden, dieses herrliche Beispiel der praktischen Verwirklichung leninistisch-stalinistischer Nationalitätenpolitik. Auch jetzt noch sympathisieren diese jüdischen Reaktionäre mit jenen ihrer ausländischen ,Brüder', welche dem Banditengeneral Franco Huldigungstelegramme als Ausdruck tiefster Dankbarkeit für seinen Kampf gegen das revolutionäre Spanien schicken." ...... „Sehen Sie, lieber Chawer Doktor, das ist der Kommunismus. In Berlin, Paris und New York ordnet er für die Katholiken und Protestanten Gottesdienste ein, in Moskau läßt er hebräische Lehrer in Gefängnissen verhungern. Das ist auch Propaganda für Religion. Ich will Ihnen nur noch eines sagen: wir hier in diesem Lande wollen keine „Zwiakes" schaffen. Das ist' häßlich und niedrig. Offenes Visier — eine Grundförderung unserer nationalen Bewegung. Keine Propaganda für oder gegen Religion. Ehrlich sein, stolz sein, selbstbewußt, und wahrhaft national sein — glauben Sie mir, Doktor Möscheh, daß wir. uns von selbst zu einem Staatsvolk m a c h en', getragen von der sonnenklaren Bibel, durchdrungen vom feurigen Wort der Propheten, beglücktdurchdasglühende Lied der Lieder, durchgeistigt von der menschlich en Tiefe der Mischna h." Aus dem Hebräischen übertragen von M. S. Brafmann. Ga§t$piel Sevilla Pastor Judische KunstlerspieBe Freitag, den 29. Oktober, findet die große Erijffnungspremiöre „Das Melarae*d 1" mit Sevilla Pastör In der Titelrolle statt. In diesem Sensationslustspiel wirkt das ganze Siegler-Ensemble '(Erna Siegler, Dolly Nachbar, J. Havis u. a.) mit. Sonntag nachmittags „Die Schickerte", Montag nachmittags „Huije Kapzen". Beide Vorstellungen mit Sevilla Pastor bei ermäßigten Preisen. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes.) Frankreich: Roman eines Schwindlers — Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund — La belle Equipe — Menschen unter Menschen — liebe macht blind, ——1~ Die rote Robe — Pepe* le Moko — „Le Mioche" — „Le Roi". Amerika: Die gute Erde — Sensation um Galahad-— Die kleine Ching-Ching — Eskapade — Quality Street — Schrecken der Meere — Bulldog Drum-; mond — Maienzeit — Geschichte wird bei Nacht gemacht — Entgleist — Schwarzes Gold — , Flucht aus. San Quentin — Saratdga — Eine Dame der Gesellschaft —- Darf ich bitten? — Die Eisprinzessin — Die Frau des G-Man — Meuterei in Sing-Sing — Man trifft sich .in. Paris — Leidenschaft — Wir in der Todeszelie — Das Leben Emile Zolas — Der Seeteufel — Im Schatten der Wolkenkratzer — Königin Victoria — Der letzte Zug aus Madrid — Königin Viktoria — Für Sie, Madame — 100 Männer um 1 Mädel — Skandal auf der Rennbahn — Im siebenten Himmel — 1918, der Friede brach aus. Filme unter Arterparagraph Karussell — Stärker als Paragraphen — Die graue Dame — Das große und das Ideine Glück — Mil-<. Uonäre — Mein Sohn, der Minister — Mein Verhängnis sind die Frauen — t Ohrfeigen — liebe geht seltsame Woge — Puszta-Komtesse —- Madame Bovary — Versprich mir nichts — Wenn du eine Schwiegermutter hast -T- AusternUllI — Die milde Helene — Patrioten — Unternehmen Michael — Mysterium des Lebens — Liebe kann lügen — IA in Oberbayern — Oaprlolen — Unentschuldigte Stunde — Land der Liebe — Liebesregiment Zauber der Boheme — Dos Schwelgen im Walde — Die Stimme des Herzens — Zu neuen Ufern — Ein Volksfeind — Shtilock Holmes — Die glücklichste Ehe von Wien — jPeter Im Schnee — Der zerbrochene Krug. AUS AUER WELT Um die tihetftosSitzordnung Aus Warschau: An der Universität Lemberg fand die feierliche Eröffnung des neuen Studienjahres statt. Der Rektor, Prof. Kulczynski, verurteilte In seiner Ansprache entschieden die judenfeindlichen Ausschreitungen. Daraufhin haben nationaldemokratische Studenten gegen den Rektor gerichtete Aufrufe verbreitet und auf den Straßen durch juden- und ukräinerfeindliche Rufe demonstriert. Eine Abordnung der antisemitischen Studenten wandte sich an den Rektor mit der Forderung, an der Lemberger Universität ebenso wie in Warschau für die jüdischen Hörer abgesonderte Sitzplätze zu bestimmen. Der Rektor wies diese Forderung bedingungslos zurück. An der Lemberger Technischen Hochschule ist der jüdische Student Alexander Bernstein von Nationaldemokraten schwer verletzt worden. . . * Auf der Warschauer Zahnärztlichen Hochschule hat Prof. Nicz, als er bemerkte, daß die jüdischen Hörer stehen, diese aufgefordert, Platz zu nehmen. Die jüdischen Studenten erklärten, sie könnten dies nicht tun, weil für sie n u r a b g e s o n d e r t'e Plätze bestimmt sind. Darauf erhob sich der Professor mit den Worten: „Wenn meine Hörer stehen, dann kann ich nicht sitze n." Prof. Nicz, der bereits in vorgerücktem, Alter steht, hielt die ganze Vorlesung stehend. . Im dritten Jahrgang der (von Juden gestifteten) Wawelbergschen Hochschule kam es zu Zusammenstößen zwischen nationaldemokratischen und jüdischen Hörern. Während der Vorlesungen verlangten nationaldemokratische Studenten, daß die Professoren die jüdischen Studenten auffordern mögen, die für sie bestimmten. Plätze einzunehmen. Prof. a w e 1 erwiderte, man könne Menschen nicht zwingen, sich auf abgesonderte Bänke zu setzen. . Die Rassisten in <Jer Tschechoslowakei Aus Prag: Die Herbsttagung des mährischschlesischen Landtages in Brünn befaßte sich auch mit den Verhältnissen ^am -Brünner Landes-Theat'er. Der Kulturreferent des Landesausschusses Loubal wies die Angriffe des tschechischen Agrariers Lednicky gegen die Leitung des tschechisciien'' Landestheaters ''in ' Brünri, weil sie Juden und Ausländer engagierte, zurück und sagte: „Die Sitten des Dritten Reiches werden wir bei uns nicht einführen, den Rassismus müssen. sWir aufs, schärfste, ablehnen." Die Presse der Sudetendeutschen. P artei Konrad Henleins hat in der letzten Zeit wiederum scharfe Angriffe gegen den Direktor des Reichenberge r deutschen, Stadttheaters gerichtet und , dessen Rücktritt gefordert), ,;weil .-.er .Juden beschäftigt.- Dem? gegenüber veröffentlicht , das' Präger „Montagsblatt" folgende „authentische Auskünfte": „Die Behauptung, daß dasv darstellende Personal sich hervorragend aus volksfremden Elementen zusammensetze, ist unwahr. Unter den Bühnenvorständen, die fast vollzählig schon ir Vorjahre am Reichenberger Stadttheater erfolgreich tätig waren, befindet sich nicht ein einziger politischer Auswanderer. Unter den rund 150 Angestellten des Reichenberger Stadttheaters sind nur sieben Personen jüdischen. Glaubens. Diese sieben Darsteller erfreuen sich derselben künstlerischen, Würdigung und Anerkennung durch Presse und Publikum, wie das gesamte lediglich nach künstlerischen Gesichtspunkten zusammengestellte Personal." An der deutsch-lukemburgischen Grenze Aus Basel: Die Basler.,,Nationälzeitung" schreibt: Wir haben über die Schwierigkeiten berichtet, die jüdischen Reisenden aus' Deutschland an der Grenzstation Igel bereitet würden, die man zurücksandte oder mit der Einlieferung in ein Schulungslager bedrohte. Die Leute kehrten daraufhin nach Luxemburg zurück und die deutsche 'Gesandtschaft, bei der sie vorstellig wurden, setzte sich mit der , Grenzstation Igel in Verbindung, worauf erreicht wurde,, .daß. die Zurückgewiesenen nach Deutschland zurück'durften. Kurz darauf setzte eine neue'Praxis ein. Im Zuge in Igel wurden alle jüdis c h, e n R e i s e n d e n, die aus Deutschland kamen, festgestellt,- und es wurde ihnen eröffnet, daß, wenn sie nach Luxemburg wollten, man sie nicht durchlasse, oder aber sie müßten ihren Paß abgeben und hätten kein Recht mehr, nach Deutschland zurückzukehren, und würden als E m i g r a n t e h behandelt. Daß -Leute, die in Deutschland wohnen, dieses Risiko nicht eingehen wollten, versteht sich. Während in Luxemburg die Angehörigen auf den Bahnhöfen auf ihren Besuch warteten, weinten in Igel die Zurückgewiesehen, besonders die Kinder, derart, daß nicht jüdische Mitreisende sich ihrer annahmen und versicherten,- sie würden iri Luxemburg ihren Angehörigen Bescheid sagen. Gleichzeitig, wurden die aus Luxemburg kommenden in Deutschland ebenfalls wohnenden israelitischen Reisenden nicht nach Deutschland zurück g e 1 a s s e n. Die deutsche Gesandtschaft erklärt sich machtlos. Vom Gutdünken der Grenzbeamten hängt alles ab'. Man spricht in eingeweihten Kreisen davön, daß ein Gesetz in Ausarbeitung sei, das verfügt, Juden die Pässe abzunehmen und ihre Auslandsreisen-genau zu überwachen oder ganz zu verbieten. Verband der Jitdenstaafs« tioimten Beimeföfiming in Knittelfeld Am 17. Oktober fand in Knittelfeld die feierliche Eröffnung des neuen Heimes der Ortsgruppe des Verbandes der Judenstaatszionisten statt. Der Bezirksobmann Kommerzialrat Benedek beglückwünschte die Knittelfelder Freunde zu ihrem schönen Heim. Obmannstellvertreter Norbert Bauernfreund begrüßte den Vorsitzenden der österreichischen Judenstaatszionisten, Oberbaurat Robert Stricker, und die Abordnungen aus L e o b e n und Judenburg. Er hielt dem verstorbenen Mitglied Herrn Leo B i b r i n g einen ergreifenden Nachruf. Herr Oberkantor K o f f 1 e r (Leoben) nahm in würdigster Weise die Einweihung des Heimes vor. Sodann verlas Gg. Max B i b r i n g die von ihm verfaßte Chronik „4 0 Jahre Judentum in Knittelfeld", welche größtes Interesse fand. Ihm dankte Obmannverstellvertreter Bauernfreund und nahm die Gelegenheit wahr, festzustellen, daß die Errichtung des Heimes in erster Linie Gg. Eibring zu verdanken ist, welcher den überwiegenden Teil der Arbeit in hingebungsvollster Weise geleistet hat. Hierauf hielt Oberbaurat Robert Stricker die Festrede. Er dankte zuerst den Knittelfelder Gg. für ihre geleistete prächtige Arbeit und hob hervor, daß die Gg. der Provinz die verläßlichsten Stützen und Förderer des Verbandes der Judenstaatszionisten in Oesterreich sind. Er schilderte sodann die allgemeine Lage des Judentums in der Welt und in Oesterreich und behandelte in eindringlicher Weise die heute aktuellen zionistischen Probleme, vor allen den Teilungsplan und den Verlauf des Züricher Zionistenkongresses. Die Versammlung dankte ihm mit stürmischem Beifall. Dann wurde die „Tikwah" gesungen und der unterhaltende Teil der Feier eröffnet, welcher glänzend verlief. Um die Einrichtung des Heimes und die Feier hatten sich besonders verdient gemacht die Damen Bibring, Korn und Guttmann sowie die Herren Pisker und Familie, Kommerzialrat Benedek, Sußmann, Luria, Igelberg. Kehre demnächst nach Palästina (Tel- Aviv) zurück und übernehme diverse Erledigungen. (Interventionen, Vertretungen, Inkassi usw.) Gefl. Anfragen unter „Tel-Aviv" an die Administration dieses Blattes Berufcjubaläuin des Obevkantors G. H» Margolies Oberkantor Margolies ist in Wien eine derart populäre Figur, daß man ihn dem jüdischem Publikum nicht erst vorzustellen braucht. In. Kaivaria (Litauen) geboren, genoß er seine kantorale Ausbildung bei den berühmtesten Kantoren seiner Zeit (Zemachsohn, Abrahämsohn, Eibenschitz, Don Fuchs und J. Heller), erhielt seine Stimmbildung bei den Professoren Brill, de Keupper und A. Wolf. Im Jahre 1912 begann in der Gemeinde Floridsdorf, sodann in Währing seine kantorale Tätigkeit. Seit 1928 wirkt G. H. Margolies ala. O.befkäntor; am großen Leopoldstädter Tempel. Die 25 Jahre seiner Tätigkeit in Wien waren mit intensiver Arbeit, aber auch mit viel Anerkennung ausgefüllt. Oberkantor Margolies bewährte sich seit jeher als treuer Diener seines Volkes auch im gesellschaftlichen Leben und wirkte uneigennützig bei zahllosen Veranstaltungen als Interpret liturgischen und weltlichen Gesanges mit. Anläßlich seines 25. Berufsjubiläums gratulieren ihm seine Freunde und Verehrer aufs herzlichste und hoffen,, daß ihm noch ein langes, an Ehren reiches Wirken beschieden sein wird. Nach langem, schwerem Leiden ist einer der besten Veteranen des Zionismus, Herr Bernhard Tag, im Alter von 75 Jahren im Altersheim der Wiener Judenger/.eihde dahingeschieden. Er war ein feinsinniger und tiefdenkender Schriftsteller. Er war unter den ersten, die zu Theodor Herzl stießen, der ihn überaus schätzte und seinen Arbeiten großes Interesse entgegenbrachte. Er war Mitarbeiter der „Welt" und veröffentlichte eine Reihe, von Essays erkenntnistheoretischer Art. Er gehörte zu dem Kreise Nathan Birnbaum (Matthias Acher), Hermann Kadisch, Paul Weisengrün, Bernhard Wachstem, Otto Lang, zu jenem Kreise, welcher viele Jahre hindurch dem aufstrebenden Judentum in Wien die geistige Prägung gab. Nun ist auch er von uns gegangen. Leopold Sitamann. Silberne Hochzeit. Der in weiten Kz'eisen hochgeschätzte Oberkantor der großen Synagoge in der Leopoldsgasse, Herr Emanuel-Fränkel, und seine Gattin Helene feiern das Fest der Silbernen Hochzeit. Herzlichste Glückwünsche! a\ Kreuz-Kino I, Wollzeile 17 Telephon R-24-2-16 Vontallun9«ii: k, %6, VtB, ftlO Der sensationelle Film prolongiert! Der letzt@ Im "TT .JffllXSßB)ßi5WlA4»-0-60 VÖRVFRK/SUF AI lO' i^m Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen 6. Woche prolongiert! Ii, Untere Augarten- | straffe 28 | Telephon A.4P.N88?«9lnn: '/»4. 1 «8, l/»1QUhr Ur- und Alleinaufführung in Wien Der erste Tonfilm in jidd.Sprache pM mt'h mit deutschen Fußtiteln Mit MALY P ICON