Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 698 (29.10.1937)
- Date
- 1937-10-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen ffelfag, den 2** Oktober 1917 ft« Jahrgang 185 Nr« 698 v« b* b» ^»tnne vom Verleget versendet l'&UteW1 Ti«. Universitätsbibliothek Wien, i. R EVU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig a IB.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig .Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit E bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Vertitaltang: IX,Universitätsstr.8f7 el. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag . Die zwanzig Jäffte, die;, seit .Erlaß der^Balfpur- J)eklaraii6ti.. verflossen: sind, hüben immerwieder diese "tyekiarofäoh^zur 2>tsfeuss|on;'^e^er^.'.. Gegner des 'zionistischen Aufbauwerkes 'und Verwalter des Völkerbündmandats * in" Palästina. versuchten ihren Sirin'. zü ' vefMeifejn ■ ürid}- '• zii. 'verfälschen, und so kam es, daß' sogar die Kgl. Kommission - unier. Führung des Lord Peel; gezwungen war, im Jahre 193? Deutungen an Lord Balfours historischem ^Dokument Vorzunehmen. '■ ' - : : : ■ ' 'Für alle Menschen mit Gerechtigkeitssinn und' politischer Ehrlichkeit stand es' fest, daß England durch die Balfour-Deklaration dem jüdischen Volk den'Wieder gewinn seiner alten, durch alle Jahrhunderte '.des'' Entwurzeltseins ' unoergessenen Heimat ermöglichen wollte. Lord Balfour, der auch das Palästina-Mandat zustande brachte, erblickte für sich und das britische Imperium die große sittliche Auf'gab e, die Schuld am jüdischen Volk wieder gutzumachen, indem man ihm zur Verwirklichung seines zweitausend Jahre alten Traums verhalf. Die Balfour-Deklaration sei uns nicht ein troqkenes, nüchternes Dokument, nicht ein Akt politischer Raison, geboren aus der Konstellation des Jahres 191?; sie sei uns' auch nicht die Geste eines Staatsmannes. Sie'' sei uns ein sittlich fundierter Bündnisvertrag mit dein englischen Volk, dem wir trotz aller- Enttäuschungen vertrauen, auf dessen Fairness wir trotz aller Bitternisse bauen wollen. Nach den furchtbaren Ereignissen des August 1929, wo kleinliche jüdische Gemüter fast verzagten, sicherte Lord Balfour dem jüdischen Volk in einem Brief, zu, daß jede englische Regierung die Pflichten der seinen Namen tragenden Deklaration erfüllen werde. Wir nehmen diesen Brief des großen englischen Staatsmannes alssein Vermächtnis an uns, als das Vermächtnis einer sittlichen Persönlichkeit,1 der das jüdische Volk zu ewiger Dankbarkeit : verpflichtet ist. DIE NEUE WELT erscheint wegen des Montag-Feiertages Donnerstag, den 4. November in vergrößertem Umfang! VERBAND DER JUDENSTAATSZIONISTEN Swee^/adeM^ fytcße fydekkfeiet ffo £od Bolfoüt Sotodap, de* 30. Olrtotec 193?, u*» 830 UU abend* im Hotel „CtoiUHtotal" ES SPRECHE N: Dr. J. Z. Kanner, Jehuda Ehrenkranz, Robert Stricker ^♦♦♦♦.♦^»j+Mt^J«^ Ein Schritt vorwärts — zwei zurück Nach der Flucht des Mufti — Nur ein Schreckschuß? — Arierparagraph in Palästina Von Dr. N. Vardi, Tel-Aviv m In meinem Brief an die „Neue Welt" vom 1. Ok tober rollte ich die Frage auf, ob die neue Politik gegenüber den Arabern ein wirklicher Wendepunkt oder ein bloßer Schreckschuß ist. Ich führte aus, die Antwort darauf würde im Laufe der nächsten Wochen gegeben werden. Nun . fürchte ich,.- daß die Antwort bereits g e g:e b e n ist, , und, •zw^i^^e.mi... Sinne,, .der jüdischer seits als En 1t ä u s c hui g aufgefaßt werden muß» Am 1. Oktober ist ein Schritt getan worden; und am 20. Oktober tat die Regierung zwei Schritte zurück. Der erste Grund hiefür dürfte ein o b j e k t i v e r sein: Die Regierung Palästinas erntet jetzt, was sie selbst im Laufe der letzten zwei Jahre gesät hat. Diesmal möchte die Regierung ehrlich eine allgemeine Beruhigung des Landes. Aber sie wird die Geister, die sie heraufbeschworen hatte, nicht wieder los. Allzu lange hatte das hiesige Arabertum ungehindert Gelegenheit, sich bis an die Zähne zu bewaffnen, Waffenlager zu sammeln, seine. Jugendlichen nach .Syrien und Irak zwecks militärischer Ausbildung zu schicken, fremde arabische Herrscher zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes aufzuhetzen, fremde Abenteurer,für Umsturzzwecke anzustellen und fremdes Geld für terroristische Ziele entgegenzunehmen. Was Wunder, daß es nach alledem der Regierung nicht sogleich gelingt, die Ordnung wiederherzustellen ' und den Zerstörern, ihren Wülen aufzuzwingen. Die Ereignisse der letzten zehn Tage lehrten uns, daß die Zerstörungsarbeit der Administration Wauchope das Land in viel tieferes Elend gestürzt hat, als wir selbst gedacht haben. Der zweite Grund des Rückfalles ist ein politisch-psychologischer, der eine Rückwirkung auf die Araber auszuüben nicht verfehlte.. Die Regierung will Ruhe schaffen, ist aber offenkundig nicht bereit, allzu weit auf dem Wege dieses „Wollens" zu schreiten. Der 1. Oktober scheint also doch nur ein Schreckschuß gewesen zu sein. Unmittelbar darauf stellte sich wiederum die administrative Tradition des Jahres 1936 ein. Und wieder merkt man den Rückfall in die alte politische Linie. Zickzack, Zickzack... Ein Gesetz wurde herausgegeben, das eigentlich den Arierparagraphen in die;Einwanderungspolitik einführt: „Personen j ü d i s c h e r R a s s e" sollent nach einem bestimmten Schlüssel ins Land einwandern können, wobei der' Schlüssel einen f i x e n Prozentsatz nicht.überschreiten darf. Das Einwanderungsdepartement erhält das Recht, den Einwanderer auf seine Zugehörigk eitzur jüdischen Rasse zu prüfen. Von nun ab wird also möglich, daß ein Jude nach Palästina nicht einwandern kann, ausschließlich deshalb, weil er Jude ist... Wobei man nicht außer acht lassen muß, daß das Mandat keine Unterschiede zwischen Rassen zuläßt und die Mandatskommission das Prinzip der „Höchstgrenze" als dem Mandat zu/w/jd erlauf end , verurteilt hat; Sehr hübsch wurde ferner die operettenhafte „Flucht des Mufti" in Szene gesetzt: Zwei Tage vor der „Flucht" erzählte man sich in ganz Palästina ihre Details. Und wenn nach alldem „Seme Eminenz" unter allgemeinem Stillschweigen eines schönen Tages auf dem syrischen Territorium auftauchte, so konnte er es nur mit der wohlwollenden E r 1 aubnis de r Regierung getan haben. Somit erhielt er die Möglichkeit, seine fruchtbringende Oppositionstätigkeit gegen die Regierung in den benachbarten arabischen Ländern zu betreiben. Das war das erste Abschwenken von der Politik, die am 1. Oktober begonnen wurde. Uber das bevorstehende zweite Abschwenk e n berichtet jetzt die arabische Presse: Der Jerusalemer Bürgermeister Dr. C h a 1 d i soll demnächst von den Inseln des Indischen Ozeans nach Jerusalem z urückgeholt werden zwecks Wiedereinsetzung in den Bürgermeisterposten. Es stellt sich offenkundig hraus, daß es außer diesem Pogromhetzer in Jerusalem keinen passenden Kandidaten für den Posten des Bürgermeisters gibt. Und dann eine dritte Wendung: Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, hatte die palästinensische Administration auf das Anerbieten der syrischen Macht, die syrisch-palästinensische Grenze im Interesse Palästinas fester zu schließen, eine negative Antwort erteüt... Unsere liebe Administratipn möchte keine außerordentlichen Mittel gegen palästinensische Staatsbürger, die Reiselust verspüren, angewandt sehen. Im Lichte dieser Zickzack-Politik scheint es begreiflich, daß die arabischen Terrorbanden, sich auf die alte gute Tradition der Administration verlassend, ihre .Tätigkeit erneuert haben. Es ist anzunehmen, daß morgen Mr. Buttershill gegen sie wiederum strenger eingreifen wird, um übermorgen die erwischten Hetzer über die Grenze transportieren zu lassen. Angesichts dessen ist nicht daran zu glaubn, daß uns der sogenannte „neue Kurs" Heil bringen wird. Ich höre, daß die letzte Versammlung des Waad-. Leumi in gedrückter Stimmung verlief. Man hatte den Eindruck, daß die Mitglieder des Waad- Leumi, ohne Unterschied der Partei und Richtung, die Regierungspolitik als eine Falle, in die sich der Zionismus verfangen hat, erkannten. Es herrscht das Gefühl vor, daß man es hier doch auf die Annullierung des Mandats abgesehen hat. Es wird alles angewandt, um eine Situation herbeizuschaffen, die die Abschaffung des Mandats» zum „kategorischen Imperativ" macht. Ob dann das Mandat durch die „Teilung" oder durch andere Eine Erlösung für starke Leute sind unsere modernen „CORPUFRONT"-Leibb nden I Vollendet konstruiert, leicht, weich, kein Dru> k k*i< Verschieben, jedem Fall sorgiältlgst anpepaßi Fachfirma Bondagen-ftlgh olasth Taborstr. 22 Tel. R-42-5-40