Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 692 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 692 vom 8. Oktober 1037 DIE NEUE WEtl Seite T MMma-OukesUt und fidistke fhasik Im Anschluß an unsere kritische Betrachtung „Palästina-Orchester boykottiert jüdische Komponisten" („Die Neue Welt" vom 16. Juli 1937) haben wir eine Reihe jsustimmender Aeußerungen erhalten. Wir werden demnächst einige hievon veröffentlichen. Im nachstehenden bringen wir einen Aufsatz des bedeutenden Musikgelehrten Prof. S. Rojsowsky von der Hebräischen Universität Jerusalem aus dem „Haaretz" zürn Abdruck, der unsere Kritik bestätigt und darüber hinaus wertvolle Anregungen gibt. Die Red. Es erübHgt sich jede Diskussion über die große Notwendigkeit dieses Orchesters im Musikleben unseres Landes und seine große Bedeutung für die Entwicklung unserer Musik in der Zukunft. Die Konzerte des Palästina-Orchesters sind bereits ein organischer Teil des geistigen Trebens im Lande geworden, einer der erhabensten Genüsse nicht nur für die Kreise der Gebildeten, sondern auch für weite Kreise des Jischuws. Die Bedeutung des von Huberman geschaffenen Werkes wird uns immer klarer. Darum kann sich der Jischum nicht gleichgültig zum Gang der Entwicklung dieses geliebten Instruments zeigen. Aber gerade wegen der großen Rolle dieses Orchesters ist es notwendig, daß seine Leiter an ihre Aufgabe mit. liefcrem Verständnis herantreten, mit größerer .Gründlichkeit und Vorsicht jeden Schritt messen, den sie hier tun. Nur von diesem Standpunkt aus darf man über all das, was in der Vergangenheit getan wurde, Kritik üben und insbesondere, was die Programme der Konzerte betrifft. Wenn man die bisherigen Programme in Betracht zieht, kann man daraus die Absicht der Orchesterleitung erkennen, Palästina zum Sitz der deutschen Musik zu machen — so sehr wurde bisher die deutsche Musik forciert im Verhältnis zur geringen Dosis der Musik anderer Kulturkreise. Bei aller Größe der deutschen Musik in der Vergangenheit darf man' nicht vergessen, daß in den letzten zehn Jahren auf dem Podium des Weltmusiklebens mehrere Völker erschienen sind, die eine neue Art Musik ertönen ließen. Und Palästina ist daran interessiert, dieses Neue zu hören. Aber noch mehr ist unser Land daran interessiert, die j ü dis che n K o mp&h itfte n kennenzulernen, und in dieser Hinsicht hat das Orchester fast nichts getan. Es ist-nicht allein die Pflicht des Orchesters, das Beste der jüdischen musikalischen Schöpfungen zusammenzufassen und ins Repertoire zu nehmen, sondern die Leiter müssen auch verstehen, daß das Palästina Orchester auch 'ah Sturmbock für hebräisches Schaffen zu dienön hat. Deshalb hat die Leitung des Orchesters die Pflicht, sich an alle in der Well zerstreuten jüdischen Komponisten zu wenden, um sie zu kompositorischem Schaffen für dieses Orchester um der jüdischen Kunst, willen anzuregen und auf diese Weine einen Strom neuen jüdischen Schaffens hervdrzurufen. Ein Beispiel hiefür bietet uns das seinerzeitige Petersburger Orchester und die Bestrebungen der zu nationaler Renaissance erwachten kleinen Randstaaten Estland. Lettland. Litauern .Finnland, wo die neugegründeten Orchester Medium und Zentrum des neuen Musikschaffens geworden sind. Unsere Komponisten? befinden sichzwar nicht, wie jene, an Ort und Stelle, sondern zum größten Teil in den verschiedenen Ländern der Galuth, aber die geographischen Schwierigkeiten können unschwer überwunden werden, wenn nur der Wille und das Verständnis vorhanden sind. Die Idee der Verbindung des Palästina-Orchesters mit dem außerpalästinensischen'-Musikschaffen scheint de'n Leitern des Orchesters,'so wichtig und möglich sie auch ist. gänzlich, fremd xu sein. ja. es ist noch nitht einmal ein Funken dieser Idee in ihrem Herzen vorhanden. Auch das bisher geschaffene jüdische Musikgui! ist. ihnen ein verschlossenes Buch, und sie beJeileh>sich scheinbar noch gar nicht, dieses Gebiet kennenzulernen; . ' . Die Interesselosigkeit* an dem > hebräischen Musikschaffen muß so rasch wie möglieh beseitigt werden. Schade, daß der -Inspirator dieses Werkes, Bfonislav Hube rm a n.'hsich fast die ganze Zeit fern von unserem Lande* befindet. - Er würde sich zweifellos, iv^äre er bei uns im Lande, mit der Seele des ganzen Jischuws umbmchi mit einem Teil desselben verbinden. "•• Die arabischen Nachbarstaaten Palästina» Ein Budh von Dr. I* Z. Kanner Gerade in einem Zeitpunkt, wo die politischen Entscheidungen Über den Vorderen Orient durch die nationalistische arabische Bewegung Palästinas beeinflußt werden, ist die Kenntnis der arabischen Länder rings um Palästina von primärer Wichtigkeit. Es ist bekannt, daß viele- Schwierigkeiten, denen heute das zionistische Aufbauwerk begegnet, auf die unrichtige Einschätzung der arabischen Kräfte zurückzuführen sind und auf dem letzten Kongreß sich Stimmen erhoben haben, die zu einem gründlichen Studium unserer arabischen Nachbarn aufriefen. Daneben war es natürlich, sich in ebenso gewissenhafter Weise mit der ganzen arabischen Frage zu beschäftigen: mit den arabischen Völkern, ihren Aspirationen und politischen Zukunftsaussichten. Diese Erwägungen brachten unseren Mitarbeiter Dr. I. Z. Kanner auf den Gedanken, die Studien über die Araberfrage in einer Schrift niederzulegen, die sowohl dem Laien als auch dem „Fachzionisten" wertvolle Anregungen und Kenntnisse vermittelt. In seiner Schrift (erschienen im Verlag Josef Belf,, Wien) stellt der Autor zunächst die Nachbarn Palästinas dar, d. i. den Freistaat Syrien, die Republik Libanon, das Emirat Transjordanien, den Irak, Saudia und Jemen. Diese arabischen Staaten umschließen den künftigen Judenstaat, darum haben wir ihnen aus jüdischpolitischen Interessen unser Augenmerk zuzuwenden. Außerdem haben wir in Betracht zu ziehen, daß die mohammedanische Religion in drei Hauptrichtungen (Sunniten, Schiiten, Wahhabiten) zerfällt. Nach der Darstellung Dr. Kanners droht dem jüdischen Aufbauwerk und den zionistischen Aspirationen seitens der panarabischen Idee keine Gefahr, weil die Araber weder national noch religiös eine einheitliche Struktur zeigen. Die Darstellung der einzelnen arabischen Staaten ihrem geographischen, politischen, nationalen und religiösen Wesen nach, soweit es sich dynamisch gege,n einen jüdischen Staat im Vorderen Orient auswirken kann, bildet den Inhalt des Buches „Die arabischen Nachbar; Staaten Palästinas". Als Abschluß finden wir eine Analyse des Fanar ab Ismus, der die widerstreitenden Kräfte der einzelnen „Dynastien" nicht zu, einer geschlossenen Front gedeihen läßt, dessen Verwirklichung daher auf unüberwindliche Schwierigkeiten stößt. Kanners Schrift hat den Vorzug der Einfachheit und TJebersichtlichkelt in der historischen und politischen Analyse. Sie hält sich von jeder Einseitigkeit fern und ist darum schon als bloße Lektüre anregend und objektives Wiesen vermittelnd. — nf —•. ''' > '•'Briefe Heräls zÖ'lesb»r'bedeutet/fltets-einen großen Genuß*, abgesehen von der; Bereicherung unsere* Einsicht' in: psycholÖ^isc'he1 iind poh^sche ^Situationen, an;denen das Leben des Briefschreitiers so; reich war. Heril schrieb Briefe' gerne. rEfo " großer Teil'seiner politischen'und - propagandistischen Arbeit ist in Briefen niedergelegt. Der Mangel an Mittein 'für 'mitarbeitende Menschen, . Bürokräfte' usw. brachte es* mit sich,' daß Herzl auf seine eigene Feder angewiesen war. Damals gab es noch keine Budgets, keine Beamten,, keine dotierten.!'Posten,; keine Schreibmaschine. .... . | , Im. kürzlich erschienenen „The.odor-Herzl- Jahrbuch" (herausgegeben, von Dr. Tulo Nussenblatt . in' Dr. .Heinrich Glanz' Verlag! Wien) finden sich bisher üriveröffentlichte Briefe Herzls aus den Jahren 1878 .bis i903 an Freunde, Verwandte, Politiker, Schriftsteller, Gesinnungsgenossen. Als Begleitung der „Tagebücher" sind die Briefe Herzls die wichtigste Quelle zur Erforschung seines Entwicklungsweges — für den Politiker und Menschen. „Diese Feder ist e'irte Macht. Sie werden sich davon' überzeugen", schreibt1 er an Baron Hirsch, der sich bekanntlich in dem Gespräch mit Herzl den zionistischen Bestrebungen gegenüber kalt zeigte. In den Briefen des „Theodor-Herzl-Jahrbuches" kommen noch krasser als .in den Tagebüchern die Vielfalt der 'Tätigkeit Herzls, die abrupten Uebergähge von der Literatur zur Politik, vom Bücherschreiben zu entscheidenden politischen Aktionen zum Ausdruck. Der Reiz der.Briefe Herzls liegt nicht so sehr im Stofflichen wie in der Vehemenz dessen, was hier als Plan, Absicht, Idee, Zukunftstraum vibriert. Dr. Franz Kobler gibt. "in seinem Aufsatz „Herzl , als Briefschreiber" (im genannten Herzl-Jahrbuch) eine Beschreibung des Geheimnisses der Wirkung der Herzl-Briefe; ihm gelingen Fönnulierungeiv von seltener Plastik; er begleitet die Briefe Herzls mit der Teilnahme des Philosophen und kritischen Bewunderers. : Man muß bekennen,, daß das über 300 Seiten umfassende HerzJ-JaJirbuch sehr viel Neues bringt, abgesejhen von den Briefen Herzls, aus denen man übrigens erfährt, daß in der Redaktion "der „Welt" ein'Manuskript Scholem Ale che ms (deutsche Uebersetzung) eingelaufen ist und daß Abraham Goldfaden, der jüdisohe Dramatiker und 'Kdinponist, Theaterdirektor und Regisseur, in Wien 1897 von Herzl eine Empfehlung an r$onnenthal erhielt. Aufsätze, wie Markus Ehrenpreis'' .,,yor Herzi und mit Herzl"; Rafael1 Edelmanns „Theodor Herzl und Georg Brandes", M. Reichenfaids „Herzls Vater": Ephraim Finkeis „'Begegnungen mit Herzl" geben dem Jahrbuch hohen Wert und -dessen Begründer die Legitimation zur WelterfUnrung. Alterdings finden sich darin auch einige Arbeiten, die ihre Aufnahme ins Jahrbuch, zweifellos nur kritikfreiem Wohlwollen, zu verdanken haben und dem Ehrgeiz, mit einem möglichst großen Jahresergebnis aufwarten zu können. Edler Eifer wird aber haltmachen müssen vor dilettantischem Unfug solcher Autoren, die 6eh Zufall "ihrer Zeitgenossenschaft mit dem Reclft verbinden wollen, etwas zu sagen, auch wenn sie rechtens nichts zu sagen haben, auch haltmachen müssen vor den Herzl-Detaillisten, die stots dabei sein wollen, wenn sich eine Gelegenheit des Dabeiseins bietet. Es wäre zu wünschen, daß im kommenden Jahr 1938 nicht wieder Federn Unbefugter gewetzt werden. Die Herausgabe eines Theodor-Herzl-Jahrbuches verpflichtet zu edler Substanz, nicht zu ungesichteter Fülle. o. r. Theater r/Der Dybuk" in den Jüdischen Sfiinsfflerspielen Gastspiel des Morris-Schwartz-Ensembles Heute, Freitag, den 8. Oktober, halb 9 Uhr abends, findet in den Jüdischen Künatlcrspielen die Erstaufführung des „D y b u k" von An-skI statt. In den Hauptrollen treten die Mitglieder des Morrb-Sclivvartz-Ensembles, M. Lipm a n (Asriel), Eny L i t o n (Lea), J. Grudbe^ß (Chanan), Natalja Lipman (Mutter) auf, welche bei ■ der Verfilmung des „Dybuk" in Warschau in den gleichen Rollen beschäftigt waren. Die Wiener Aufführung zeigt auf Grund der Besetzung, der Regie und der musikalischen Untermelung alle Vorzüge des echten, großen Stils ostjüdischer Tht&terkunst, weshalb ihr mit größtem Interesse entgegengesehen wird. Das seit Jahren in Wien nicht mehr gespielte Bühnenwerk wird zweifellos die Aufmerksamkeit dos gesamten jüdischen Publikums hervorrufen. Jüdisches Eiultuvtheafter Freitag, den 8. Oktober, 20 Uhr gelangt GU drelaktige Komödie „Jakob und Christian" von S. Gronemann im Jüdischen Kulturtheater, I., Franz-Josefs-Kai Nr. 3, zur deutschen Uraufführung. In der von "Regisseur Rudolf We i ß inszenierten Vorstellung spielefdie Damen Martha Auffärber und Silvia G r o h s und die Herren Jacques Barta, Heinz, Halb an Evnst Hardt, Joachim L a a t z, Fritz Links, Michael O r- 1 a n, Milo Sperber, Otto T r i 11, Rudolf Weiß und Georg Werner. Das Bühnenbild hat Friedl Gerber entworfen. Reinhardt inszeniert Werfel Im Theater in der Josefstadt wird wieder einmal Theater im besten Sinne des Wortes gespielt. Nach langer Zelt «wi^aer^e^in Drama, das dem Auf bau und Inhalt nach den höchsten Anforderungen entspricht. In dichterischer Vollendung schildert Werfel das Problem des „Freundfeikdes" und zeigt die tiefste Tiefe menschlichen Empfindens. Neu ist das körperliche Erscheinen des Gewissens in Gestalt des ermordeten Freundes auf der Bühne des modernen Theaters. Das kann sich nur ein starker Dichter wie Werfel erlauben unterstützt von der meisterhaften Regie Reinhardts, derrder Dichtung nachspürt bis in die , feinsten Falten. Die größte Leistung vollbringt Attila. Hörbiger. Hervorragend Anton Edthofer, Hans Thimig, - Neugebaüer und Helene Thimig. Ein Beispiel von vielen 29 *a&->$Bipg$&r «aut aus engl, gemusterten Stoffen, ganz K.-Seidc gefütteit und wattelje^t......... . . . S nur U,Taborstraße48