Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 692 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712317--6756-2720550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
xiJb Preis 20 Groschen »♦ «« ' m. üniJ Jf woal ex^ *\t rWitcor4* DIE NEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN $ Gestenreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 18.—J Pole« monatlich Zloty 1.80. vierteljährig Zloty 4.50; T»Ähechoslowakel monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel-. Jährig Dinar 40.—; Hnm8fllen monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—jj Schwei* und die übrigeil Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion Überwalzung: IXtUniversitätsstr.8t7el»A-20-2~78 — Erscheint Diensten? u. Freita? Robert Stricker: Darf man sein Volk täuschen t n. Märchen um die Fassungskraft des Zweig«Juden$taates REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER 10 Jahre „Die Neue Welt" Zehn Jahre bedeuten im allgemeinen nicht allzu viel im Leben eines Volkes, aber im Bereich einer politischen Bewegung kann diese Zeitspanne reich an Entscheidungen sein. In die letzten zehn Jahre fallen fünf zionistische Kongresse, vom Züricher Kongreß der erweiterten Agency 1939 bis zum Züricher Kongreß der Teilungsplanresolution 1937. Das sind die Pole, zwischen denen sich die zionistische Politik während des Bestandes der „Neuen Welt" und unser Kampf um den integralen Zionismus Theodor Herzls abgespielt hat. Wir können ohne TJebertreibung sagen, daß unsere publizistische Arbeit die ganze Zeit mit dem Bingen für das zionistische Ideal und für die Ehre und Würde des jüdischen Volkes ausgefüllt war. So wie wir uns verpflichtet fühlten, vor Schwäche und Nachgiebigkeit gegenüber unseren nationalen und politischen Gegnern zu warnen und die Fehler unserer Führung aufzudecken, ebenso verzeichneten wir die Erfolge des Aufbauwerkes, die positiven Leistungen des Jischuws und die Erweiterung des zionistischen Tätigkeitsbereiches. Judenstaat im vollen Sinne dieses Wortes war von der ersten Stunde unseres Wirkens an unser Ziel und jede Verfälschung oder Verkleinerung. dieser Herzischen Konzeption! wurde von uns unerbittlich entlarvt, bekämpft, zurückgewiesen.- Wir erinnern hier an unsere Aufsatzreihen. ^Herris^ttaglschet Kämpf um den politischen Zionismus" nach bis dahin unbekanntem Material nnd „Max Nordaus Schicksal' in der Darstellung des Prof. Jahuda, dem wir das Wissen um die Intrigen gegen Herzls Freund und Weggenossen zu verdanken haben. Wie nicht anders möglich, dehnten wir unsere publizistische Tätigkeit auf das Gebiet des gesamten jüdischen Lebens aus — in allen seinen Aeußerungen, Schattierungen und Aspirationen. Das Neue, das vorwärts drängt, das Traditionelle, das bewahrt werden soll, faud die gleiche objektive Teilnahme. Mit dem Temperament, das jeder unabhängigen und rechtlich fühlenden Publizistik eigen ist, propagierten wir das demokratische Prinzip in der zionistischen Organisation und im sozialen Leben, zeigten wir die schädigenden Wirkungen des Klassenkampfes, brandmarkten wir das entwürdigende Treiben der Assimilation. Mit nicht geringerem Streben bemühten wir uns, die geistigen Werte des neuerwachten Judentums unseren Lesern zu vermitteln und kritisch zu beleuchten —die Schöpfungen der Kultur: Kunst, Literatur, Musik, Sprache. So haben wir beispielsweise die hebräische Dichtung in den Namen Bialik, 9gnon, Schneur, Tschernichowski und den Jüngeren Hameln, Schlonsky, Amitai, Berkowics vorgeführt, den Problemen des jüdischen Theaters durch Betrachtungen über HabLmah, Ohel, Wilnaer Truppe, Morris-Schwartz-Theater, der jüdischen Bildenden Kunst durch Darstellung der großen Meister Baum gegeben. * Als ein in Wien erscheinendes Blatt sahen wir uns vor die Aufgabe gestellt, die „österreichische Judenfrage4* in ihrer Besonderheit zu behandeln und sie ins Licht der Oeffentlichkeit zu stellen. In einer Zeit, wo weite jüdische Kreise der Assimilation und der Hoffnungslosigkeit anheimgefallen waren, erhoben wir unsere anklagende und unsere fordernde Stimme. Als getreue Schüler Theodor Herzls zeigten wir den würdigen und erfolgreichen Weg der nationaljüdischen Politik, die allein die Gesundung des jüdischen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und Inilturellen Lebens verbürgen konnte. Man hat Hilfe für Kranke! OBlektro-mediz. Apparate, Höhensonnen, Bestrahlungslampen aUC|, leihWClf el Mediz Leihanstalt Bandnaen-mTholgsch Taborstr. 22 Tal. M2-5-40 Als auf dem Zionistönkongreß 1937 in Zürich bekanntgegeben wurde, daß! Palästina geteüt und dem „Judenstaat" nicht ganz ein Fünftel, rund 4500 Quadratkilometer, zugewiesen werden soll, entstand natürlich sofort die Frage: „Wieviel Juden kann dieser Judenstaat aufnehmen?" Weizmann hatte vorgesorgt. Er schickte zur Beantwortung der naheliegenden Frage drei „Experten" vor, und zwar die auf dem Gebiete der Landwirtschaft wissenschaftlich arbeitenden Dr. S o s k i n und Doktor Ruppin, und den Vorsitzenden des Kolonistenverbandes in Palästina, Smilansky. Dr. Soskin, der optimistischeste Beurteiler, sprach von 4 Millionen Juden, Dr. Ruppin und Smilansky meinten, daß im Verlaufe einiger Jahrzehnte 2 bis 2V2 Millionen Juden, im neuen Judenstaate angesiedelt werden könnten. Unter dem Eindrucke dieser Gutachten, welche immer; hin die Ansiedlung von Millionen junger Juden als möglich bezeichneten, gaben viele Delegierte den Widerstand gegen den Teilungsplan auf. Gerechnet wurde freilich nicht. Man arbeitete nicht mit Bleistift und Papier, sondern mit Stimmungen. Judenstaat . . » Millionen- Juden;'v; die Zeiten sind so schlecht'. ., man läßt sich: gerne bekehren. ., }. Wie aber-sieht die öacKe aus, wenn, , man zu rechnen beginnt? Und rechnen muß man doch, wenn es um solche Entscheidungen geht. Ich will also rechnen. Mein Wissen von der Landwirtschaft ist minimal, fast null, es reicht selbstverständlich an das Wissen der Herren Experten nicht im entferntesten heran. Aber subtrahieren, multiplizieren und dividieren kann ich. Vorerst einige Angaben über die Bevölkerungsdichte in einigen höchstentwickelten, dichter besiedelten und wasserreichsten Ländern. In B e 1 g i e n wohnen auf 1 km2 < f 270 Menschen in H o 11 a n d wohnen auf 1 km2 . ■< * 240 Menschen in England wohnen auf 1 km2 * t 195 Menschen in J a p a n wohnen auf 1 km2 . . « < 175 Menschen in Frankreich wohnen auf 1 km2 . 76 Menschen Dr. Soskin glaubt, vierMillionenJuden im kleinen Judenstaat, also auf einer Fläche von 4500 Quadratkilometer, unterbringen zu können. Das ergibt 890 auf einen Quadratkilometer. Das ist: 3V3mal soviel wie in Belgien, 3a/amal soviel wie in Holland, 41/2mal soviel wie in England usw. Dabei sind die Araber auf dem Gebiete des Judenstaates — heute sind es 290.000, in dreißig Jahren werden es 500.000 sein — gar nicht in Rechnung gezogen. Die uns wahrlich diesen Kampf nicht leicht gemacht. Es gehörten viel Takt und Behutsamkeit, aber auch ebensoviel Entschlossenheit dazu, im Bereich des österreichischen Vaterlandes den angegriffenen jüdischen Interessen zu dienen. Der Schutz der Staatsbürgerrechte in ihren materiellen und sozialen Belangen war ein reiches Gebiet unserer Tätigkeit, nicht minder die Abwehr von Tendenzen, welche vom Dritten Reich aus unseren Staat bedrohten. Es ist nicht unbescheiden, zu behaupten, daß so manche antijüdische Attacke dieser Art von uns rechtzeitig erkannt und abgewehrt wurde. # Der* Tag fordert zu Abwehr, Kritik, Darstellung, Aufruf. Er findet uns bereit. Kompromißlosigkeit verlangt den ganzen Menschen, schafft Freunde und Gegner, Mißvergnügte und Anhänger. Das ist das Schicksal,des Publizisten, der Zeitung. Wir gehen unseren Weg weiter. Die große Zahl unserer Leser und Freunde, das Echo, das unser publizistisches Wirken für den Zionismus und das Judentum überall in der Welt gefunden hat, erfüllt uns mit Genugtuung. Wie bisher wollen wir nichts anderem dienen als der Sache; dein Ideal> das wir als Lösung und Erlösung für das jüdische Volk erkannt, haben. „Die Neue. Well". 1 Araber eingerechnet, werden nach den Angaben I Dr. Soskins sage und schreibe 1000 Menschen auf einem Quadratkilometer leben müssen! Dr. Weizmann, Dr. Ruppin und Smilansky sind „bescheidener". Sie reden nur von 2 Millionen Juden plus 1/2 Million Araber im neuen Judenstaate. Dann werden auf einem Quadratkilometer rund 560 Menschen ihre Existenz fristen müssen, also mehr wie doppelt soviel, als in dem an hochqualifizierter Landwirtschaft und Industrie, an Bodenschätzen und immense Erträge abwerfenden Kolonien so überreichen Belgien. Aber auch diese Ziffern reichen an die Wirkliche keit nicht heran, sind im Grunde genommen Verfälschungen. Am Kongreß, da nur wenige. Zeit und Stimmung für Nachrechnungen fanden, konnte Herr Smilansky mit seinen 2 Millionen Juden im „neuen Judenstaate" paradieren. Aber später, als er genötigt war, die Details seines Planes zu erörtern, da mußte Herr Smilansky in London den Herrn Smilansky in Zürich der Schönfärberei überführen. Im Londoner Anglo-Palestinian Club hielt Herr Smilansky auch einen Vortrag über die F a s s u n g skr a f~t~ de s geplanten jüdis ch en S t aat e/s}> und :sagte (wie die J. T. A. berichtet): „Vom wirtschaftlich entwicklungsfähigen Boden ganz Palästinas entfallen 4500 Quadratkilometer in das Gebiet des geplanten jüdischen Staates. Von den 4500 Quadratkilometer sind noch 3500 Quadrat« ldlometer in arabischem Besitz (Anm. der Red.: also nur 1000 Quadratkilometer in jüdischen Händen!), 1250 Quadratkilometer gehören reichen arabischen Grundbesitzern, welche nicht in Palästina leben und möglicherweise bereit wären, ihren Boden an Juden zu verkaufen. Die Aussicht, daß man die auf den noch übrigen 2250 Quadratkilometer lebenden Araber nach dem arabischen Palästina oder nach Transjordanien transferieren könnte, ist eine Illusion. Von diesem Boden, welcher mittleren und kleinen arabischen Landwirten gehört, könnten vermutlich noch 30 bis 40 Quadratkilometer durch Juden erworben werden. Damit wäre die Grundlage dafür geschaffen, im Verläufe von zehn bis zwanzig Jahren zwei Millionen Juden anzu« siedeln." So spricht der aus der landwirtschaftlichen Praxis Palästinas kommende und für die Teilung begeisterte Herr Smilansky. (In Zürich zog er mit Weiz^ Ring der Altherreit-Verbände der zionistischen Verbindungen NAHUM GOLDMANN spricht über Uoiästuta - ein UeUfutcMm im GROSSEN MUSIKVEREINSSAAL am Dienstag, den 12. Oktober 1937, 8 Uhr abends SUt \/odco$ mt fceHrtmdtfet Aktualität Karten von S aufwärts bei: Jüdische Kulturstelle, Wien I, Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R-28-2-36; Buchhandlung Lanyi, Wien I, Kärntnerstrasse 44, Tel. B-25-6-75; Buchhandlung Rath, Wien II, Tabprstraße 20a, Tel. R-45-3-05; Buchhandlung Mejstrlk, Wien I, Wollzeile 6, Tel. R-25-4-53. V