Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 689 (24.9.1937)
- Date
- 1937-09-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen 185 Freitag, den 24« September 1937 Xitl. Universit*\«f* 689 V* b* b+ Zftcnng vom Verleger versendet .. Journal expM16 par l'edltenr*1 R E V U BEZUGSBEDINGUNGEN: Oestettretch monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig s 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—jg Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER Redaktion u.Verwaltung: IX,Universitätsstr.8,7el.A'20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Thomas G. Masaryk 'In. patriarchalischem Alter ist Th,' G. Masaryk seinem Volk1 entrissen morden. Seinem Volk und der Kulturmenschheit,~ die auch heilte, '• unter den ungünstigsten ethischen Verhältnissen', «' unleugbar fühlt, wer mit dem' ersten Präsidenten der tschechoslowakischen Republik dahingegangen ist. ' Zahllos sind die. BetracHtungen, die: jetzt an den Verstorbenen geknüpft, werden. Man würdigt den Staatsmann und Menschen, den Philosophen und Politiker. Mir scheint es, daß über Masaryk zu sagen wäre: er war das Gewissen der Menschheit. In ihm kristallisierten sich die, gegensätzlichen Kräfte zum Chaos und zur Verderbnis. Wer in unseren stürmischen Tagen, empfand, daß es so etwas wie ewig gültiges Sittengesetz, Recht und Würde des Menschen und des Volkes geben sollte, dem kam Masaryk in den Sinn.. Darum kann man wohl ohne Uebertreibung Masaryk' als einen großen und weisen Mann in ' a n ti ke m Sinne bezeichnen. Sohn, Perikles... ' *. Wie nicht anders möglich, halte Masaryk in seinen jungen und in seinen reifen Jahren Beziehungen zum Judentum. In dem Buch „Masaryk erzählt sein Leben", Gespräche mit Karel Capek, sind an mehreren Stellen Begegnungen Masaryks mit Juden, mit jüdischen Dingen verzeichnet. Auch Hier dokumentiert , sich Masaryks unerbittlicher Drang nach Wahrheit und,-— Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit hat mit Humanität nichts zu tun. Sie ist ohne Milde und Sentimentalität. Sie ist eine solche, die erst erkämpft werden muß. Das Gemüt verlangt Stütze durch die Vernunft: es ist eine kalte, logische Gerechtigkeit, auch wenn sie sich etwas gütiger gibt. * Masaryk hat kein Regime, er hat einen Staat geschaffen. Und dieser Staat hat von ihm eine moralische Sendung mitbekommen, der das tschechischeVolki nicht untreu werden kann, will es sich nicht selbst verlieren. Noch steht der Geist über der Materie] die Humanitätßber der Gewalt. Masaryk hat zu [ diesem Zustand einen enormen Beitrag geleistet und er. hat es. sich nicht leicht gemacht. Seine Erfolge sind keine Augenblickserfolge und seine Erscheinung meist hoffnungsvoll in die Zukunft. Er hat niemals Parolen in die Menge geschrien. Vor seinen edlen tond verantwortungsbewußten Der Fälscher von Nürnberg Während in Genf, der Stadt des Völkerbundes, seitens der großen demokratischen Staaten der Versuch gemacht wurde, einzelne Konfliktskeime zu zerstören und den Frieden durch Selbstopfer zu sichern, wurden in Nürnberg, der Stadt der Parteitage, Haßreden gehalten, wie sie in solchem Ausmaße nicht einmal von den extremsten Pessimisten erwartet worden sind. Die Hauptaufgabe fiel diesmal Alfred Rosenberg zu, dem bekanntlich die „weltanschauliche Schulung des neuen deutschen Menschen" anvertraut ist. Sie unterschied sich von den anderen Führerreden dadurch, daß der theoretische Teil, die Verleumdung des Judentums, durch Material gestützt wurde, durch eine Fälschung, deren Art in Ton und Wort den berüchtigten „Protokollen der Weisen von Zion" nachgebildet ist. Da dieses Machwerk durch einwandfreie Gerichte in Grahamstown (Südafrika)' und Bern (Schweiz) als Fälschung, Plagiat und — lächerlicher Unsinn deklariert worden ist und scheinbar auch im heutigen Deutschland gegen den Willen seiner Machthaber an antijüdischem Propagandawert eingebüßt hat, sah sich Alfred Rosenberg verpflichtet, mit einer neuen Fälschung aufzuwarten, mit einer solchen, die in ihrem Endzweck den „Protokollen" nicht nachstehen sollte. Rosenberg selbst will etwaigem Zweifel damit begegnen, daß er von vornherein (wir 'izitie^ehTdär^^eig:s"'den' „Völkischen Beobachter" vom 10. September) in bezüg auf jüdische Bekenntnis s.e, welche den jüdischen Welteroberungsplan bekunden, erklärt: ' . „Ich möchte von dieser Stelle hoch auf eine Aeußerung verweisen, die vielleicht mancher Spießbürger als wahnsinnig bezeichnen würde, wenn sie nicht im Augenblick des jüdischen Triumphes schwarz auf weiß vor uns niedergelegt liegen würde." Und nun kommt Rosenbergs Enthüllung, vor der man kein Spießbürger sein muß, um sie als wahnsinnig zu bezeichnen oder, vielleicht besser und einfacher, als schuftig, schamlos, verbrecherisch, dem Hirn des >äm Hakenkreuz Genesenen entsprungen. Rosenberg erzählt nämlich: „Es handelt sich um das in New York erschienene Werk „Nun und immerdar" (Now and Foreever"), ein Zwiegespräch zwischen dem jüdischen Schriftsteller Samuel Roth und dem zionistischen Politiker Israel Z a n.g will. Israel Zangwill hat dem Werke eine Einleitung geschrieben, das Buch selbst ist gewidmet dem jetzigen Rektor der jüdischen Universität in Jerusalem. Die beiden Hebräer unterhalten sich über die Juden und ihre Zukunft, wobei der Schriftsteller Roth folgendes in wörtlicher Uebersetzung nach dem uns vorliegenden Original äußert: „Inzwischen haben wir Juden (in Rußland)' die Freiheit gewonnen und großartig Rache genommen. Oh, es hat sich gelohnt, Pogrome zu erleiden. Die Regierung, welche uns verfolgt hat, windet sich hoffnungslos im Staub der Vergangenheit. Wo wir einst die Erniedrigten und Verfolgten waren, sind wir heute die stolzen und rücksichts- 1 losen Verfolger." Rosenberg erzählt weiter von den großartiges Plänen der Juden, die Welt zu erobern, von ihren großen Siegen und Freuden; zitiert weiter Stellen aus dem Buch „Now and Foreever", u. a. auch: „Habe ich nicht beobachtet", sagt Roth, „daß unser Volk seinen Einflußbereich über das ganze Land (Amerika) ausgedehnt hat? Stadt für Stadt-haben wir unsere Einflußsphäre weiter und weiter entwickelt. Aber das konnten wir hauptsächlich darum tun, weil wir unsere Hände beim Bau im Spiele hatten, sogar bei der Stadt Detroit (wo sich die Automobil« werke des einstigen Antisemiten Henry Ford befinden* Anm. d. Red.), welche die Hauptstadt des amerikanischen Antisemitismus ist." Wir bitten, nicht ungeduldig zu werden, wen» wir noch eine Stelle aus Rosenbergs Rede (nach dem „Völkischen Beobachter" vom 10. September) zitieren* Diese Stelle lautet: „Und nach der Prophezeiung, daß das britische Imperium zusammenbrechen würde, wird der eigentliche Plan des Zionismus in Palästina ent«« hüllt. Die beiden Juden träumen davon — und ich betone, daß Israel Zangwill feine führenete Per« sö-n 1 ichkeit des WeIt jjldentums ist, daß. die Juden sich ausbreiten würden nach dem Sü dV osten, nach In dien, nach 'China;. Dafür soll offenbar der Judenstaät in Palästina das Sprungbrett darstellen, und" so-hofft denn der Verfasser des ge* nannten Buches am'Ende, daß einmal ein Mann als Führer eines Eacheunter* nehmens gegen Europa auftreten würde. Er würde Menschen ausschicken, die in ihren Kleidern giftgefüllte Phiolen mit sich tragen, deren Zerstreuung unheilbare Krankheiten in Europa nach sich ziehen würde. Und im Rausche dieser Prophezeiungen erklärt Roth wörtlich: „Das Leben der europäischen Völker wird gleichsam aus ihnen herausfließen, durch Mund und Augen und Haut in Strömen verfaulten Blutes. In Rußland werden nur Säuglinge und An-..', alphabeten geschont werden — der Rest wird un-.. geheure Friedhöfe aus Moskau und Petrograd bilden. Aus Polen und der Ukraine wird er eine, heulende Wildnis machen und alle Frauen in diesen Ländern werden geschändet, ehe man sie tötet, zur Erinnerung an das, was sich einst gegen ein wehrloses Volk in ihrer Mitte ereignete.'..." Wir müssen um Entschuldigung für die Reproduktion dieses schändlichen Unsinns bitten, gleichzeitig aber bemerken, daß nicht unser Blatt, sondern der Philosoph Alfred Rosenberg Schuld an der Sachlage trägt. Es gehört ein großes Stück Selbst- Leistung verblaßt rasch der Flitter des Tagesruhmes, der jetzt den Mode gewordenen großsprecherischen, eitlen, gewalttätigen und geisthassenden Führern spendiert wird. * Masaryk mar Realist. Ihm hat die Tschechoslowakische Republik das moralische Anrecht auf ihre Selbständigkeit zu verdanken. Noch während übergroße Mächte dastanden, wagte sein realer Sinn von einem freien Volk auf freiem Grund zu träumen. Er hatte Zeit, wartete. Und in den Stunden des Wartens träumte er, der — Realist. Unsere Träger der nationaljüdischen Bewegung und unsere verantwortlichen Führer der; zionistischen Politik können an Masaryks Beispiel lernen, wie man einen Staat vorbereitet, mit Zuhilfenahme aller moralischen Kräfte, die dem Recht entspringen. Unser Recht auf das „Jüdische Nationalheim" Palästina ist unantastbar. Aber unsere „Realisten" besitzen nicht das Vertrauen auf dieses KecJif, sie haben keine Geduld, zu warten, sie haben nicht den Mut, zu fordern,. Sä Wir Juden sind Masaryk* dem Präsident- Befreier, unendlich dankbar. Seine Erscheinung und sein Wirken waren uns Trost in vielen dunklen Zeiten. Als Beispiel höchster Pflichterfüllung," als nationale Figur prophetischen Formais, als Verkünder der Humanität, als Volksbefreier wird er auch in der j ü di sehen Geschichte fortleben. o. r. Bruchbänder, SVSJSf... Bruchleidende, Achtungl Bruchbänder sind keine Massenartikel, die in einer Type für jedermann passen. - Wenden Sie sich deshalb an unsere renommierte Fachfirma: Unser HERNIASTAT"*Bruchband wird-jedem Einzelfall sorgfältigst angepaßt, daher absolut verläßlich in der Wirkung, ohne Druck, ohne Beschwerden, auch in schweren Fallen bestens empfohlen. Beratung unverbindlich und fcos'enlos. 6 Probierkabinen. Wien, Taborstr. 22 Tel. R-42-5-40 Bandaaen-rrtikolqsdi