Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 688 (14.9.1937)
- Date
- 1937-09-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Kr. 687 vom 10. September 1937 GRABSTEINE P RIEDLÄNDER & DEUTSCH #ien, i. Beu, Seitensietiengasse 2, III Samstag Xl„ Zenit altriedhot, neb, d. 1. 7or. ||| geschlossen AUS ALLER WELT Der litauische Innenminister gratuliert zu Bosch Haschana Aus Kaunas, (J. T. A.): Der litauische Innenminister, General Caplikas, hat an die* Juden Litauens zu Rosen Haschana eine Botschaft erlassen, in der er der Hoffnung Ausdruck gibt, daß es bald zur Errichtung eines jüdischen Staates kommen werde. Einen besonderen Gruß entbietet der Innenminister auch den in Amerika lebenden Juden aus Litauen. Nachspiel zu den Vorfällen in Brest-Litowsk Aus Wilna: Das Kreisgericht in Wilna hat als Berufungsgericht das über den 18jährigen Fleischhauergehilfen Wolf Szczerbowski, der in einem persönlichen Streit den Polizisten Kedziora in Brest Litowsk erstochen hat, verhängte Todesurteil bestätigt. Unmittelbar auf den Tod Kedzioras folgten bekanntlich die schweren judenfeindlichen Ausschreitungen, von denen der größte Teil der jüdischen Bevölkerung von Brest Litowsk direkt betroffen worden ist. Staatsanwalt Sokolowski verlangte die Bestätigung der Todesstrafe. Er erklärte, die Atmosphäre des jüdischen Protestes gegen das Tierschlachtungsgesetz habe die Tat Szozerbowskis möglich gemacht. Der Vertreter der Zivilklägerin, der Witwe Neu renoviert! Restaurant „Zum Braten «i II, Negerlegasse 2 / Tel A-4M10-Z ItfD strene orthodox Reichhaltige Menü - S —.90 bis S 2.30 Gute Küche Billigste Preise Kedzioras, Rechtsanwalt Wenclawski, benutzte sein Plädoyer zu schärfsten Angriffen auf die jüdische Gesamtheit. Er erklärte, daß nur ein Todesurteil antipolnischen Terror der Juden verhindern könne. Die Verteidiger Rosenthal, Czernichow und Lewin forderten eine Milderung des Urteils mit Rücksicht auf das jugendliche Älter des Täters und auf die provozierenden Umstände, die zu seiner Tat geführt haben. Der Staatsanwalt, der nach den Verteidigern nochmals das Wort ergriff, erklärte, er Destehe nicht mehr auf der Aufrechterhaltung der Todesstrafe, verlange aber, daß eine sehr schwere Strafe über den Täter verhängt werde, die abschreckend wirken und ähnliche Verbrechen verhüten soll. In der Begründung der Bestätigung des Todesurteils lehnt es das Gericht ab, sich die Argumente der Verteidigung zu eigen zu machen, wonach Szczerbowski die Tat in einem Zustand höchster Erregung begangen habe, in dem er für seine Handlungen nicht verantwortlich gewesen sei. Das Gericht stellt fest, daß' die Tat vorbedacht begangen wurde und das Todesurteil aus diesem Grunde gerechtfertigt erscheine. Die Verteidiger Szozerbowskis meldeten Berufung beim Obersten Gerichtshof in Warschau an. Himmelschreiender lln§inn Aus Bukarest; Die rumänische Tageszeitung „Dimineatza" veröffentlicht ein Interview mit dem Präsidenten des gegenwärtig in Bukarest tagenden A n t h r opologen-Kongresses, Prof. Eugene Pittard, der zur deutschen Rassenpolitik folgendes ausführte: Die.von den deutschen Nationalsozialisten vertretene Rassentheorie ist, vom wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet, barerUnsinn. Durch nichts läßt sichdie Anwendung des Rassenprinzips im sozialen und politischen Leben begründen. Wir dürfen nicht. vergessen, daß der Krieg von 1914 von Deutschland nicht so sehr aus ökonomischen Gründen als vielmehr durch Uebertreibung der rassischen Idee provoziert wurde. Das deutsche Volk wurde von seinen Mentoren in dem Glauben erhalten, daß die Deutschen einer bevorzugten Rasseangehören. Es besteht die Gefahr, daß der in dem heutigen nazistischen Reich grassierende Rassenwahn zu den gleichen unheilvollen Folgen führt. Alle, die im Dienst der anthropologischen Wissenschaft stehen, wissen, daß es eine arische Rasse nicht gibt. Die Verfechtung des Prinzips von auserwählten und minderwertigen Rassen wächst sich zu einer schweren Gefahr für die Menschheit aus. Es ist dies ein himmelschreiender Unsinn, vertreten von PseudoWissenschaftlern, die Sprache mit Rasse verwechseln. Es gibt keine lateinischen Rassen, es gibt auch keine germanischen Rassen. In keinem Lande Europas ist eine reine Rasse festzustellen. Der an dem Kongreß teünehmende bekannte Pariser Gelehrte Prof. Henri Berr erklärte der „Dimineatza": Jedes Volk ist aus verschiedenen ethnischen Elementen zusammengesetzt. Die Deutschen, die auf die Reinheit ihrer Rasse so stolz sind, sind ein Konglomerat von keltischen und slawischen Elementen. Die rassistische Theorie ist absurd, die Geschichte beweist uns, daß nur durch das Zusammenwirken verschiedener Rassen große . Leistungen hervorgebracht werden können. Es Ist bezeichnend, daß heute mit der Verherrlichung der Rassen ein geistiger Verfall zusammengeht Die Massen wurden irregeführt und sind dem Rassenwahn verfallen. Die Wissenschaft jedoch läßt sich nicht einschüchtern, sie wird Aufklärung bringen. Tibor Eckhardt gegen die deutschen Bassisten Aus Budapest; Der Führer der Kleinlandwirte- Partei, Tibor Eckhardt, hielt in fünf Gemeinden des Komitats Zala Reden, in denen er unter anderem erklärte: Aus dem Ausland werden Ungarn nicht nur fremde Gedanken empfohlen, sondern es werden ihm auch Flug-» Schriften und materielle Mittel zur Verhetzung geliefert. Die Ideenströmung, die der Wind aus Deutschland herüberweht, ist ein Wahnsinn, der auf rassischer Grundlage die Ausmerzung anderer Rassen verkündet. Die Verkündigung des barbarischen Hasses, die Nieder« schlagung derjenigen, die anderer Meinung sind, die Unter* jochung der Freiheit, das Niederschießen des im Bette liegenden politischen Feindes, das ist keine christliche Politik. Gott möge dieses arme kleine Land davor bewahren, daß es sich je auf diesen Weg verirre. Opportunismus stärker als Rechtsempfinden Aus Budapest: Die Beratungen des XIV. Internationalen Kongresses der Hochschulföderation für den Völkerbund haben am 4. September ihren Abschluß gefunden. An Stelle des vom palästinensischen Delegierten Daniel Sher beantragten Beschlusses, wonach die Verfolgungen der jüdischen Studenten an. den Universitäten und Hochschulen in Polen und Rumänien gebrandmarkt und die akademische Jugend beider Länder aufgefordert werden soll, diesen unwürdigen Zuständen ein Ende zu bereiten, wurde einstimmig folgende Kompromißresolution angenommen: „Der XIV. Kongreß der F, U. I. (Föderation d'Universites Internationale) erklärt nochmals, daß er, getreu seiner (im Artikel 1 der Statuten) festgelegten Mission, im Prinzip jegliche Verwendung der Universitäten als Ras senagitions Zentren ablehnt. Er tut dies in der Ueberzeugung, daß derartige Akte, welche Beweggründe dabei auch im Spiele sein mögen, unvereinbar sind sowohl mit den Prinzipien des Völkerbundes, als auch mit dem Geiste jeglichen Hochschulunterrichtes selbst." Das Memorandum Shers als solches wurde nicht abgelehnt. Die Kompromißresolution, in welcher Polen und Rumänien nicht erwähnt sind, Und nur das Wort „Rassenagitationszentren" auf die. antisemitischen Ausschreitungen anspielt, kam folgendermaßen zustande: Die polnischen und rumänischen Delegierten hatten mit dem Verlassen des Kongresses gedroht, falls das Memorandum der Palästina-Delegation einer Diskussion unterzogen werden würde. Es wurde deshalb ein Aus- >l°C? ^rff Ein Beispiel von vielen schuß gebildet, dem die Polen und Rumänen, der Präsident und der Sekretär der Weltföderation, zwei Mitglieder der britischen Delegation, der Führer der tschechoslowakischen Delegation und Daniel Sher angehörten. Die Rumänen und Polen wünschten nicht nur keine Diskussion, sondern auch die Zurückweisung des Memorandums, weil keine greifbaren Beweise vorgebracht worden seien. Die neue Resolution kam schließlich auf Vorschlag der britischen und der palästinensischen Delegierten zustande. Nur so konnte eine Krise vermieden werden. Die Rumänen und Polen bezeichneten das Memo-« randum als Beleidigung ihrer Nationen und verwahrten sich gegen die Einmischung in „innerpolitisch e'* Angelegenheiten. Daniel Sher betonte demgegenüber, daß es sich hier um eine Frage der Wahrung der Minderheitenrechte handle. Der Opportunismus, der stärker sei als das Rechtsempfinden« sei typisch für unsere Zeit;. Die Deutschem zeigten sich sehr interessiert, verhielten sich aber passiv, während die Franzosen ihre Sympathien mit den Palästinensern bekundeten und bedauerten, daß die ursprünglich e R e s o 1 u t i o n nicht durchgedrungen sei« jiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiw I0SEF LEITMANN I vorm. Paul Planer A.B., I Wien II, PraterstraBe 17, Telephon R-47-5-10 I Elektromaterial Radioapparate Beleuchtung*- M körper Dauerbrandöfen / Gasapparate / Sprechmaachinen EJektrokoametik ' Elektroapparate 7 Glühbirnen In allen Stärken stets lagernd / Befugte Radlo-Reporaturwerkstätte Günstige Tauschgelegenheit Bequemes Teilzahlungssystem EllllllllllllllllllllllllllllllllllllUllllll» Predigten in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen am Laubhuttenfeste. Am Sonntag, den 19. September 1937 (Vorabend des Laubhüttenfestes, Beginn des Gottesdienstes 6 Uhr abends): m., Untere Viaduktgasse 1$, Rabb. Dr. K. Kupfer; EX., Müllnergasae 21, Rabb. Dr. A. Z. Schwarz. — Am Montag, den 20. September 1937 (erster Hauptfeiertag, Beginn des Gottesdienstes 8 Uhr früh: I., Seitenstettengasse 4, Oberrabb. Dr. I. Taglicht; II., Tempelgasse 5, Rabb. Dr. M. Rosenmann; V., Siebenbrunnengasse la, Rabb. Dr. M. G. Mehrer; VI., Schmalzhofgasse 3, Rabb. Dr. J. Droblnsky; VIII., Neudeggergasse 12, Rabb. Dr. M. Bauer; X., Humboldtgasse 27, Rabb. Dr. A. Weiner; XIII., Eitelbergergasse 22, Rabb. Dr. M. L-ewin; XV., Turnergasse 22, Rabb. Dr. H. J. Zimmels; XVI., Hubergasse 8, Rabb. Dr. J. M. Bach; XVHL, Schopenhauerstraße 39, Rabb. Dr. A. Z. Schwarz; XX., Kluckygasse 11, Rabb. Dr. B. Murmelstein; XXI., Holzmeist^itSBe, 12, Rabb.-Kand. Dr. M. Landau. — Am Dienstag, den 21. September 1937 (zweiter Hauptfeiertag, Beginn des Gottesdienstes 8 Uhr früh): III., Untere Viaduktgasse 13, Rabb. Dr. K. Kupfer. Predigten in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen am Laubhüttenfeste. Am Sonntag, den 26, September 193.7, Vorabend des Schemini-Azereth-(Beschluß-)Festes, Beginn,, des Gottesdienstes 5 Uhr 40 Minuten abends: IX., MUllnergasse 21, Rabb. Dr. A. Z. Schwarz. —.Am Montag; den 27. September 1937, Schemini-Azereth-(Beschluß-)Fest? Beginn des Gottesdienstes 8 Uhr früh: I., Seitenstettengasse 4, Oberrabb.- Dr. I. Taglicht;. II., Tempelgasse 5, Rabb. Dr. Jr. M. Bach; IIL, Untere Viaduktgasse 13, Rabbi Dr. K. Kupfer; V., Siebenbrunnengasse ia, Rabb. Dr. M. G. Mehrer; VI., Schmalzhofgasse 3, Rabb. Dr. J. Drobinsky; VIEL, Neudeggergasse 12, Rabb. Dr. M. Bauer; X., Hum-' böldtgässe 27, Rabb. Dr. A. Weiner; XIEC., Eitelbergergasse 22, Rabb. Dr. M. Lewin; XV., Turnergasse 22, Rabb. Dr. H. J. Zimmels; XVI., Hubergasse 8, Rabb.-Kand, Dr. O. J. Glejser; XVBX, Schopenhauerstraße 39, Rabb. Dr. A. Z. Schwarz; XDC., Dollinergasse 3, Rabb. Dr. A» Frankfurter; XX., Kluckygasse 11, Rabb. Dr. B. Murmel* steinj'XXL, Holzmeistergasse 12, Rabb. Dr. M. Rosenmann. Bibelschule der Israel. Kultusgemeinde, Wien, n., Tempelgasse 3. Die Einschreibungen für das Schuljah» 1937/38 finden statt in der Zeit von; 3 bis 4 Uhr nach* mittags am Donnerstag, den 16. September, Mittwoch," delC 22. September, Donnerstag, den 23. September, im Beth- Hami drasch, TL., Tempelgase 3 (Partere links). Der regelmäßige Unterricht beginnt Mittwoch, den 29.' September 1937, um 2 Uhr nachmittags. Schöne weiße Zähne üben eine starke Anziehungs- ■ kraft aus, sie sind der schönste, natürlichste Schmuck. Es .' ist so leicht, schöne, weiße Zähne zu haben, wenn man, morgens und abends die bekannte Qualitäts-Zahnpaste .' Chlorodont benutzt. Wählen Sie Chlorodont, schäumend oder nichtschäumend, nach Ihrem persönlichen Geschmack, E Menschen sehr vorgerückten Alters, die an be-: schwerlichen Entleerungen zu leiden haben, bietet oft schon der tägliche Genuß von etwa 3—4 Eßlöffeln natürlichen. „Franz-Josef"-Bitterwassers die erwünschte, vollkommen schmerzlose Darmreinigung. Es wird ärztlich bestens empfohlen. El- WOCHEN*KALENDER FÜR PAS JAHR 5698 ModenSlipper«autbu<j> a aus engl, gemusterten Stoffen, ganz K.-Selde gejjFJÄ füttert und watteliert............S mmmr nur HvTaborstraDe48 September mnn Tischri Dienstag 14 9 6 uhr: niö5 ov-my- Mittwoch 15 10 ermv) •vans) 1103 Ol* Donnerstag 16 11 Freitag 17 - 12 Sabbateingang 5.55 Samstag 18 13 Sonntag 19 14 6 Uhrr/TUD W Montag 20 15 *.T*gr rwD Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kolb. —• Druck: Druckerelr und Verlags-A.-G. Ignaz Stetomann,, alle Wien,' DC, Univeraitätsstraße' 6-8,