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Die neue Welt · 1937-08-14 · Heft 681 (14.8.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 681 (14.8.1937)
Date
1937-08-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 681 vom 17. August 1937 hängen. Besonders schwerwiegend ist die Entscheidung des Rates über die Fr age der Teilung Palästinas, die den breitesten Raum in seinen Beratungen einnimmt. Im Gegensatz zur Jewish Agency wurde die jüdische Orthodoxie über die geplante Teilung Palästinas weder befragt noch zu Rate gezogen. Wir könnten den Standpunkt einnehmen, daß wir uns der Teilungsfrage gegenüber neutral verhalten. Es spielen jedoch derart schwerwiegende religiöse Momente mit, daß wir notgedrungen mit der ganzen Autorität des orthodoxen Judentums für eine gerechte und den religiösen Bedürfnisse angepaßte Lösung eintreten müssen. Die Beschränkung des jüdischen Staates auf einen Teil Palästinas bedeutet zweifellos eine Verletzung der religiösen Tradition des Judentums, die durch die Thora geheiligt wurde Andererseits ist auch die zweite Alternative des Peel- Berichtes — Einschränkung der Einwanderung — ein schwerer Verstoß gegen die religiösen Gesetze, die die Einwanderung nach Palästina zu einem religiösen Gebot für die Juden gestempelt haben. Aus all dem geht hervor, in welch schwerer Lage sich die Orthodoxie bei ihren Entscheidungen befindet. Nach der Entscheidung des Rabbinischen Rates wird sich die Kenessio Gedaulo mit der politischenSeiteder Teilung sfrage befassen. Je nach deren Entscheidung wird die Orthodoxie durch die Aguda mit der Jewish Agency und, falls diese es ablehnen sollte, direkt mit der Mandatsregierung und in weiterer Folge mit dem Völkerbund eine Verbindung anstreben. Die Orthodoxie ist, da sie in der Jewish Agency nicht vertreten ist, von der Entscheidung auf dem internationalen Forum, formell ausgeschlossen; da jedoch mindestens 40 Prozent des Jischuw religiös sind und in einem neuen jüdischen Staate der religiöse Geist durch die Gegner der Religion bedroht werden könnte, ist es die Pflicht der Orthodoxie, durch Schaffung einer machtvollen Organisation . gewichtigen Einfluß auf die bevorstehenden polltischen Entscheidungen zu nehmen, AUS ALLER WELT (Meldungen der J. T. A.) Am 26. und 27. August wird in Paris vor Beginn des Kongresses der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden „OSE" eine Exekutivsitrung aller auf dem Weltkongreß jüdischer Aerzte in Tel-Aviv im Jahre 1936 gewählten Leitungsmitglieder des Weltverbandes jüdischer Aerzte stattfinden. Auf der Sitzung werden organisatorische Fragen behandelt und Berichte über die Lage der jüdischen Aerzte in verschiedenen Ländern erstattet werden. * Zwölf Huligans, die sich im Juni an dem Pogrom in Czenstochau beteiligt hatten, standen am 11. August vor dem Czenstochauer Bezirksgericht. Vier Angeklagte wurden zu je acht Monaten Gefängnis, einer zu einem, Monat Gefängnis verurteilt, die übrigen wurden freigesprochen. — Das W i 1 n a e r Gericht verurteilte die beiden jungen Juden David Gordon und Chaim Riemer zu je zwei Jahren Gefängnis, weil sie am Tage des Protestes gegen den Pogrom von Przytyk versucht hatten, eine Protestversammlung zu organisieren. * Eine Reihe jüngerer deutscher Architekten, durchwegs Pölzig-Schüler, wie Karl Ludwig Franck, der Sohn des bekannten Malers Philipp Franck, Jännicke und andere, erhielten plötzlich von der Reichskulturkammer wegen „arglistiger Verschweigung ihrer jüdischen Versippung" unbefristete Arbeitsverbote, das heißt, sie dürfen in Deutschland nicht mehr bauen. Ihren Auftraggebern für bereits begonnene Bauten wurde mitgeteilt, daß ihnen über die Reichskulturkammer ..einwandfreie arische" Architekten zugewiesen werden würden. * Nach einer soeben veröffentlichten Statistik der Unterrichtsverwaltung betrug die Zahl der jüdischen Hörer an den österreichischen Hochschulen im vergangenen Sommersemester 1937 elf Prozent der Gesamthörerschaft. Gegenüber dem vorletzten Semester wird ein Rückgang der Hörer aus dem Ausland um acht Prozent festgestellt. * In Nizza fand soeben der Kongreß des International Students' Service (ISS) statt. Vertreter der World Union of Jewish Students war deren Sekretär Alexander Teich aus Wien. Anwesend war auch eine Delegation aus Nazi-Deutschland, bestehend aus 23 Delegierten, unter ihnen eine Nichte von Rudolf Heß. Ein Vertreter der Nazi-Delegation benützte sein Referat „Hochschule und Volk" zu einer Propagandarede für den Nazismus und Judenhaß. Er betonte, daß die deutsche Wissenschaft auch ohne die Juden bestehe. Vertreter der Delegationen aus der Schweiz, Holland, Schottland und Amerika traten ihm entgegen und entkräfteten seine Ausführungen. — Auf dem Kongreß wurde unter anderem ein Beschluß gefaßt, eine paritätische Konferenz von jüdischen, arabischen und englischen Studenten einzuberufen. Saisonbeginn in den „Jüdischen Kunstlerspielen". Wie wir erfahren, unterhandelt die Direktion der „Jüdischen Künstlerspiele" mit prominenten Schauspieler des Warschauer jüdischen Theater«, um die neue Spielzelt anfangs September mit einem erstklassigen Ensemble und durchaus neuen Repertoire beginnen zu können. RUNDSCHAU Weixmanns Memoiren Die 40 Jahre des politischen Zionismus, vom 1. Kongreß in Basel bis zum 20. Kongreß in Zürich, bieten zweifellos dem Historiker und Politiker eine Quelle großer Ideen, bestechender Formulierungen und unbestrittener Tatsachen. Wer in dieser Zeit sich zionistisch betätigt, hat, kann manche Erinnerungsfreude genießen und vielleicht auch Genugtuung empfinden über den Weg, der zurückgelegt worden ist. Denn selbst die radikalsten Pessimisten können nicht leugnen, daß ein Stückchen des Herzl-Traumes realisiert worden ist — möge auch die Enttäuschung und der Schmerz über den 20. Kongreß noch so groß sein. Um so kräftiger darf in die Saiten greifen ein Mann, dem das Schicksal der zionistischen Bewegung, das Erbe Theodor Herzls, fast 20 Jahre lang anvertraut war. Diese Bemerkung bezieht sich auf die Nachricht, daß Dr. Weizmann, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, mit der Abfassung seiner Memoiren beschäftigt sei, welche die von ihm miterlebte und mitgeformte Epoche des politischen Zionismus widerspiegeln sollen. Ohne Zweifel wird sich in Weizmanns Memoiren sehr viel Interessantes finden lassen. Weizmann weiß so vieles, was die Zionistische Organisation und seine engsten Mitarbeiter nicht wissen. Er hat jahrelang mit den jeweiligen Regierungen und High Commissioners verhandelt und kann Dinge erzählen, die sich nur in den diplomatischen Akten finden. Ueberdies besitzt Weizmann hohe Intellektualität und Formgabe, so daß auch nach der literarischen Seite hin seine Memoiren Niveau versprechen. Für den Büchermarkt wird Weizmanns Buch also eine Bereicherung bedeuten. Dessen kann man gewiß sein. Für die zionistische Welt allerdings, d. h. für die vielen tausenden Männer und Frauen, die ihr Leben dem Zionismus geweiht haben, wäre es eine Genugtuung, wenn Dr. Weizmann in der Darstellung der Wahrheit unerbittlich wäre, wenn er auch das Stück Selbsterkenntnis brächte, das von Selbstentlarvung nicht mehr weit entfernt ist. Sollen die Memoiren Dr. Weizmanns ethischen und erzieherischen Wert haben, dann müßte er auch den Irrweg zeichnen, den er gegangen ist und dem auf dem Züricher Kongreß gemachten Geständnis: „20 Jahre lang habe ich geschwiegen", das Verschwiegene folgen lassen. - Wer audi protesfieri ♦ ♦ ♦ Mit dem Beginn des zionistischen Aufbauwerkes In Palästina setzte ein neues und, man kann sagen, ruhmreiches Kapitel der jüdischen Geschichte ein. Alle Kulturvölker der Erde erkannten die zerstreuten Kinder Israels als Volk an und beauftragten im Rahmen des Völkerbundes England, die Errichtung des Jüdischen Nationalh eims zu fördern. Es war dies ein p o 1 i t i s c h e r Akt, keine Maßnahme der Philanthropie, bzw. des „Rachmones". Ohne den Rechtstitel des jüdischen Volkes wäre eine Einwanderung nach Palästina, eine Wiedererrichtung des jüdischen Staates, eine Repatriierung der Juden in ihr angestammtes Heimatland nicht möglich gewesen. Der neue jüdische Mensch, der mit dem neuen chaluzischen Geist, der Jude, der sich seelisch und geistig und beruf lieh umschichtet — nur der vermochte und vermag dieser großen Aufgabe gerecht zu werden. Heute wieder muß man dies Selbstverständliche sagen. Denn heute wird dem jüdischen Volke seine alte Heimat — wenn auch nur in verkleinertem, sehr verkleinertem Maßstab — als J u d e n s t a a t angeboten, der Gedanke vom nationalen Wiedererwachen steht vor der Realisierung. Man erinnere sich daran, wie der Zionismus geschmäht, die Zionisten als unpatriotisch denunziert, der Judenstaat als verderbenbringende Illusion verhöhnt wurde — von den Assimilanten mämlich, die vor dem Gedanken zitterten, es könnte vielleicht doch eines Tages ihre fragwürdige Existenz als eine solche entlarvt werden. Heute, wo das zionistische Werk, das jüdische Palästina ins Blitzlicht der Weltpolitik getreten ist, wo alle Kulturstaaten sich mit dem jüdischen Palästina-Problem beschäftigen und der Judenstäat zur Realität wird, protestieren mäch-• tige Faktoren und Organisationen gegen eine Schmälerung des jüdischen Rechtes auf den vollen Juden- Staat, und nicht nur die zionistischen, national jüdischen, christlichen und sonstigen Befürworter der Erfüllung sittlicher Verpflichtungen, sondern auch — man falle vor Schreck nicht um: die „union österreichischer Juden" ... s/Judar verrecke!0 in der Schweiz In die Schweiz, das Land der uneingeschränkten Gastfreundschaft, wo seit jeher das Prinzip der Demokratie auch die Richtlinie für das soziale und kulturelle Leben gewesen ist, in diese1 Schweiz sind 500 zionistische Delegierte (nebst ein paar tausend Gästen) gekommen, um über das Schicksal des jüdischen Volkes zu beraten. Schon der primitivste Sinn müßte sich sagen, daß eine zionistische Tagung-nirgend anderswohin tendieren könne als zur Ueberführung von Juden nach Palästina, also zur Verringerung des jüdischen Elements in den Ländern der Zerstreuung; daß also gerade unter diesem Aspekt eine nationalbetonte Richtung einem solchen Kongreß Erfolg wünschen sollt«. Aber man denke: In Zürich, dem Tagungsort des Kongresses, kam es zu wiederholten antisemitischen Kund« gebungen gegen den Kongreß, zur Verbreitung antisemitischer Hetzliteratur — seitens einer politischen Gruppe, die sich „Nationale Front" nennt. Und schon, von fern besehen, läßt sich die Provenienz des Rummels, der Schriften und vor allem der Parolen feststellen. Es gibt überall in der Welt, also auch in der freien Schweizer Republik, Menschen, die man in landläufiger Weise „Antisemiten" nennen kann. Aber verdächtig wurde die Sache dadurch, daß ein Schlacht-1 ruf zu hören war, der dem neudeutschen, nazistischen, hakenkreuzlerischen Wortschatz entnommen ist, nänn lieh das „Juda, verrecke!", das der vom Hitlerismus erzogene Pöbel im höchsten Stadium des Orgasmus auszustoßen pflegt. Das „Juda, verrecke!" ist echtei neudeutsche Ware, die damals erzeugt wurde, als Deutschland sich selbst zum Erwachen aufrief; eine Ware, die überallhin von den Agenten des Goebbels geliefert wird: gratis und franko mit Gebrauchs-« anweisung. Das „Juda, verrecke!" ist der neudeutschei Exportartikel mit dem größten Umsatz, da nicht nur, die Ware gratis und franko ins Haus geliefert wird, sondern der Uebernehmer der Ware auch noch eine Remuneration bekommt. Das „Juda, verrecke!" in den Gassen der Kulturstadt Zürich bezeugt wiederum die Tatsache, daß der reichsdeutsche Nationalsozialismus sich, wie bisher, der verbrecherischesten Mittel bedient, um Unruhe zu stiften. Der Pesthauch der Lüge begleitet ihn überallhin und es gibt Menschen und Gruppen, die an einen Kulturaustausch mit den Vertreiben! der Parole „Juda, verrecke!" denken. Das Singen der „Hatikwa" in den jüdischen Schulen Rumäniens verboten Das rumänische Unterrichtsministerium hat eine Verordnung herausgegeben, der gemäß in allen jüdischen Schulen in Rumänien das Singen der hebräischen Nationalhymne „Hatikwa" verboten ist. Der Leiter der jüdischen Mittelschule in Galatz, I. Herschovici, und die Lehrer M. Sachter und N. Leker wurden Über Verfügung des Unterrichtsministeriums entlassen, weil sie vor kurzem eine zionistische Festlichkeit an dieser Schule organisiert hatten. KINO'PROGRAMME iCHWEDEN Von 10 Uhr vorm. bis 6Uhr abends Lebende Zeitung A - 49 - O - 60 Nur i/27 und 9 Uhr abends Metro-Goldwyn ■ Mayer - Festspiele Paul Muni, Luise Rainer, Tllly Losch Vorverkauf für die nächsten 7 Tage täglich ab i/jlO Uhr vormittags ununterbrochen £ Jetzt auch schulfrei! ie ute Erde SCHLAGER dieser WOCHE Imprimö-Sommerstoffe, waschecht, für Dirndl und Kleider .... per Meter S Mattseiden-Marocaine, knitterfrei, Streifen und Karo ...... per Meter S K.-Seiden-Taft-Blusen, entzückende Schottenmuster . . . , , , »„ s S Schöne Blumen-Dirndln in moderner Knopffasson...........S Herren-Charmeuse-Hemden, gute Qualität, solange Vorrat...... . 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