Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 679 (10.8.1937)
- Date
- 1937-08-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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185 Kongreß hinter getcl ■w«. Vol Wien, j ±*+,***±****!**m Preis 10 Groschen Dienstag/ den 10* August l#17 >!♦ Jahrgang Nf ♦ 67« V« b*b Zeitnng vom Verleger versendet „Journal exp6die par rediteur" - m m ° m m BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich;S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60. - M m ■ - . - ■ ■ Hl vierteljährig Zloty 4.60: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel» |W II ' ■ ■ Bm| .jährig Dinar 40.-; Bnmtaleu monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig .'..' V II ' H JH V , Mark 3.—; Bulgarien. monaUich. Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—. vierteljährig Lire 14.—a .Lg, - m Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.60, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Ü*iversitätsstr.8, IeLA-20-2-78 - Erscheint Dienstag «. Freitast haben nichts zu verbergen W i e n, :den 8. August 1937, Heute wird in Basel des ersten Kongresses gedacht, der vor vierzig Jahren unter Theodor Herzl eröffnet wurde. Es ist zweifellös ein Datum, das zu tief er, Feierlichkeit und. Weihe, aber auch zu Besinnung verpflichtet. Ich weiß nicht, mit welchen Gefühlen die Delegierten des 20; Zionistenkongresses die Stätte .betreten werden, der durch Theodor Herzl für alle Zeitea geweiht ist. Aber mir will scheinen-, daß viele von ihnen, die jetzt dem Plan eines geteilten Erez Israel zustimmen, das Recht auf die Teilnahme an der Kongreßfeier verwirkt haben sollten — kraft eines höheren,,, sittlicheren und ^gerechteren Anspruchs als des; Anspruchs, den sie aus ihrem. Delegierten- oder Exejmtiymitglieds-Titel beziehen. Schmerzlich. waren die; Züricher; Eröffnungstakte .am Dienstag, den 3. August, bitterer noch das erste politische Referat des, Präsidenten K Weizmannr am Mittwoch, den 4;.,'August, geradezu beschämend am Donnerstag, den 5r Au^usV. der'_ Beschluß lder" 285 gegeri die' 115, die politische bebätte. nicht ö f f e n 11 i c h abzuhalten, drei.'Tage vor der Re!spektsbezeugung für das politische Vermächtnis Theodor Herzls, der in Basel vor vierzig Jahren der Welt von der .Kongreßtribüne verkündete: '; . ~ . ' " ' , ■ Der Kongreß birgt keine Geheimnisse, sondern , legt seine Ziele offen und unter Kontrolle der öffentlichen Meinung dar. ..... * c Pernsichtige Zionisten waren über den früHen- Termin der Kongreßwahlen• . und, des Kongresses er--, statitit.; Bevor noch. der Bericht der Kgl. Kommission und das Zustimmungsstatement der britischen Regierung .bekanntwar, wurden . die. Schekelzahler zur Urne getrieben, Es ist nicht ausgeschlossen, daß unter, dem Eindruck des Teüungsprojektes sich das Wahl-; ergebnes anders gestaltet hätte, zumal unschwer zu errechnen, war, daß die Linken und die A-Männer mit dem. „anglbphilen" Präsidenten' der Zjonistenorgänisa-' tjon gehen würden. . . .. Noch fataler macht sich der. Umstand geltend,' d,aß,in,Zürich über das Teilungsprojekt debattiert und.' seitens der,, T^ekutive eine Entscheidung gefordert wird, ..bqvor die Mandatskommission den Bericht. Peels ,und .die-politischen Absichten Englands geprüft, ~ bzw. ihre Feststellungen gemacht hat. . Die Mandats-. kommission üi Genf erweist sich gewissenhafter als ' die' Kon'greßmajorität in Zürich. " Sie prüft, studiert, verlangt ' Aufklärungen vom englischen Kolonienminister, und man" erkennt, daß sie die englischen Angaben nicht als Dogma hinnimmt; abgesehen vom Tatsächlichen 'auch * unter dem Eindruck der Unterhaus-- und Oberhausdebatte, die ergab, daß die eng^ lische öffentliche Meinung vom Teilüngsprojekt gar/ nicht entzückt'ist. Wer die englische Art einer parla-: mentaftscheji Stellungnahme ■ kennt;' konnte mit Recht; zur Ansicht'gelangen, daß die; englische Regierung mit" ihrem Taüungsprojekt eine ."Niederlage einstecken: mußte. Man konnte geradezu von einem Begräbnis erster Klasse sprechen. Aber unsere Herren Weizmannianertun London den Gefallen, die Leiche auszugraben und ihr durch eine Resolution zur Wiederauf erstehüng zu verhelfen. Eine unbegreifliche Methode, Pblitik" zu machen!' ' ". :■<> r ■ ' : . Der Völkerbund rat wird im Herbst keine Gelegenheit mehr haben, sich mit dem Gutachten der Mandatskommission zu befassen. Vor Jänner 1938 ist an eine Behandlung des Palästina-Problems seitens: fies VöIH#bundra^'s' nicht äu denken. Aber Dr. Welz- Neuer Kongreß soll entscheiden Zürich, S.August, Der Verlauf der politischen Debatte, in der beide Richtungen, die Verneiner und Befürworter - des Teilungsplans, ihre Thesen entwickelten, .hat bewiesen, daß es sich nicht um Unterschiede in der sachlichen Bewertung des Sogenannten „Judenstaats" handelt. Der Rede Weizmanns und der Gegenrede Ussischkins folgten Auseinandersetzungen, die erkennen ließen, daß dte Differenzen aus einer anderen Kategorie stammen; als aus , der intel- 1 e-k-t u eilen. Alle, .Delegierten wissen, daß. P(eels Bericht und Ormsby-Gores Empfehlung dem Sinn des Mandats Gewalt antun, unsere Rechtsbasis unterminieren. Die Argumente pro und contra sind ganz und gar abgegriffen,; niemand wird mehr etwas Neues bringen können.. Es geht also nicht mehr um die bessere Ei nVi c h t, sondern um den Charakter der einzelnen Gruppen.; .;. .Die e i,n e n, die - rasch Ja und Amen sagen, haben nicht., die Kraft .-zu kämpfen, die Welt ..zjl alarmieren, das jüdische Voltaufzurufen. "IjJs sind dies die Männer, welche die .ganze Zeit über, während welcher Weizmann schwieg, mitgeschwiegen haben und auch jetzt noch dem Mann-mit der unglücklichen Hand Gefolgschaft leisten. , Die andere n, 'die das Teüungsprojekt, beziehungsweise , die Lächerlichkeit seines - „Judenstaats" , ablehnen, gehören .' zu den Männern, welchen Herzls Erbe als heilig, gilt, welche das jüdische Volk aktivieren, seine pölitiscKen" Kräfte fi< if :m,ii den vorzüglichen Sch.iffe.ri MARCO POLO", „ESPERIA", GALILEA" und „GERUSALEMME*1 Monitlich 8 Abfahrten von TRIEST und GENUA . ..••..) c Auskünfte und Anmeldungen: . r 01 JfMVAtAlAM^ Generalagentur, Wi en I, UnrinTirn Kärnfnerrlng 6 f f MUI1UI1VU Tel. U.47-5-60 u. Reisebüros mobilisieren und der Gerechtigkeit der jüdischen Sache zum Sieg verhelfen wollen. Hier steht also nicht Ja gegen Nein,, sondern verderblicher Defaitismus gegen kämpferischen Patriotismus. Wie die Dinge jetzt stehen, dürfte die Exekutive seitens der Mehrheit des Kongresses den Auftrag bekommen, mit der englischen Regierung über die , Erweiterung der Grenzen des „Judenstaats." zu verhandeln. Es wird nicht nur verhandelt, sondern vor allem gehandelt werden. Palästina, das jüdische Palästina, wird durch die Weizmann- Exekutive zum Schacherobjekt gemacht. Das Schachern wird längere Zeit dauern. Inzwischen , werden Mandatskommission und Völkerbundrat über dasselbe Thema beraten. Im Frühjahr 1938 dürfte die , zionistische Exekutive ihre ' Verhandlungen abgeschlossen , haben. lieber die , inzwischen: eingetretene weltpolitische Lage im Nahen_ Osten läßt, sich zurzeit nichts voraussagen. Jedenfalls '\vird ..die Exekutive, wie hier verlautet, mit dem Resultat ihrer .Verhandlungen vor die zionistische Organisation treten und zu diesem Zweck einen neuen, außerordentlichen Kongreß einberufen. Erst dieser Kongreß soll endgültige Beschlüsse treffen. Vieles spricht dafür, daß sich bis dahin ein Stimmungswechsel in den zionistischen Reihen vollzieht. . Die Ermächtigung fuf die Exekutive Aus Zürich meldet die J. T. A.: Die- Arbeiter-' fraktion hat vor Beginn der politischen Auasprache eine Entschließung gefaßt, worin es heißt: Der Kongreß soll die Exekutive ermächtigen, mit der britischen Regierung Verhandlungen zu führen, um die wirkliche Bedeutung des Vorschlages der Errichtung eines: jüdischen Staates in Palästina; festzustellen. Das Ergebnis dieser. Verhandlungen soll von der Exekutive einem neugewählten Kongreß .vorgelegt werden. Die Exekutive hat nicht das Recht, vor der Entscheidung des neuen Kongresses sich oder die Zionistische Organisation auf irgend einen Plan oder Vorschlag festzulegen, der zu dem Mandat in Widerspruch steht oder es beeinträchtigen könnte. Ja und Nein Eine einheitliche Stellungnahme haben bisher, nur der Haschomer Hazair und die Ju.den3taats« - 1 , - t Partei bekanntgegeben. Der Haschomer Hazair hat1 eine Resolution gefaßt, derzufolge der Kongreß die Mandatarmacht auffordern soll, das Palästina-Mandat, im-Geiste der , Balfour-Deklaration zu verwirklichen. Der Hschomer Hazair, der 25 Delegierte zählt, ist ebenso wie die 11 Delegierten : der. Ju d e n s t a a t s p a r t e i . entschlossen, gegen die Weizmannsche Formel zu stimmen. Die-Kräfteverteilung; wird in DelegiertenkreiSQn folgendermann hat's eilig. Er will mit einer Kongreßvölimaoht rasch nach Genf und wül, der Mandatskommissipn die ijtöghN&keit geben, auf ein zionistisches „Ji" 'hinweisen, zjt können. Geradezu unheimlich berührt die Parajl^li-.. tät des Tempos bei Weizmann und Ormsby-Göre. Beide \ können-es nicht erwarten. Die Hast und JNTervösitäti. dieser beiden Minister Örmsby-Göre und Weizmann. ist . nicht zu verkennen. Sie wollen der einzig e n Instanz,' dje für uns eine Rechtsbasis bildet* dem y ö lr~ ker^.u.nd, vorgreifen. Eine unheimliche Parallelität , - Während die Kongreßmajorität, sich' beeilt, den. Wünschen Orrasby-Gores und Weizmanns/, nachsu-j kommen, verharren die Araber und ihre Vertreter in. Stillscliweigen. , Sie haben die vernünftigere Position' bwpgejQ, , phne Funken eines Rechtsanspruches ver-f langen sie das Ganze. Eine gesunde Methode,. Politik zu machen. * , " : Nach einer Züricher Meldung erklärte Dr. Weizmann im Rahmen der jetzt nichtöffentlich geführten Debatte, daß England unabhängig von den Juden und Arabern ■ das Mandataufzugeben entschlossen sei, es daher höchste Zeit sei, einen jüdischen souveränen Staat zu installieren. Was für ein Geheimnis steckt hinter dieser Erklärung? Oder ist's bloß ein Schreckschuß nach beliebter Manier? Keinesfalls kann man ~ Weizmann will persönlich der Mandatskommission die .Kongreßentscheidung mitteilen — zu solch einem Dolmetsch der zionistischen Wünsche und Rechte Vertrauen haben. , o. r,