Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 676 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712301--6632-2720410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
/> / C■' is? Preis 20 Groschen Freilag/ den 30* Mi WJ7 » i^«täisloib»«„ V+b*fc« Zeitlang vom Verleger versende! „Journal expädie par rfidlteas** REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40r viertel jährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50» vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel* jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lira 14.—J Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung : IX, Universitätsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitat Wels und Europa Als kürzlich in der oberösterreichischen Stadt Wels ein Altsoldatehtreffen stattfand, das dem österreichisch - deutschen Kameradschaftsgeist gewidmet sein sollte, gab es eine Störung seitens illegaler österreichischer Nationalsozialisten. Es war nicht das erstemal, daß sich gelegentlich einer gemeinsamen Kundgebung von Oesterreichern und Reichsdeutschen wohlvorbereitete nazistische Skandale ereigneten. Aber «!ne entsprechende moralische und administrative Abwehr blieb aus. Diesmal, nach dem Welser Treffen, ließ sich die Stimme des patriotischen Oesterreichertums, der Vaterländischen Front, vernehmen: eine grandiose Kundgebung, die das Bekenntnis zu Oesterreichs Führung bezeugte, sollte den Unentwegten zu verstehen geben, daß man gegen sie von nun ab mit den entsprechenden Mitteln vorgehen werde. Bezeichnend waren hiebei die Ausdrücke „Gesindel" und „Lausbuben", die den störenden Nazis galten. Es ist peinlich, daß ein jüdisches, ein zionistisches Blatt an dieser Charakterisierung der österreichischen Unruhestifter Kritik üben muß. Uns dünkt es, daß die Bezeichnung „Gesindel" und „Lausbuben" am Wesen dieser Illegalen vorbeigeht. Man müßte andere, besser passende Namen für diejenigen finden, welche nichts anderes im Sinn haben, als die Kultur und' Freiheit, in der wir leben, zu vernichten und an deren Stelle „ein. schäbiges, niedriges, gieriges Proletentum zu setzen. Nirgends wird es so deutlich wie in Oesterreich, daß es sich beim Nazismus nicht um einen politischen, sondern kriminiellen Talbestand handelt: Hier ist eine moralische Terminologie nicht am Platz. Denn die Absicht, das Vaterland zu unterwühlen und zu zerstören und es einer notorischen Barbarei zu unterstellen, entstammt nicht einer revolutionären, heroischen Seele, sondern verbrecherigen Neigungen, dem pathologischen Haß Minderwertiger und Erfolgarmer, mögen sie Hochschuldozenten oder arbeitslose Friseu'rgehilfen sein. Jüdischerseits wurde diese Tatsache genug oft verspürt. Die österreichische Presse, soweit sie sich gleichgeschaltet hat, bedient sich kontinuierlich der nazistischen Phraseologie gegenüber dem Judentum. Sie übernimmt mit Wollust die „arische" Weltanschauung von der Minder- und Unterwertigkeit der semitischen Rasse, die man aus allen Bezirken des wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und privaten Lebens ausschalten müsse, die Lügen und Verleumdungen des großen Bruders nachplappernd, nur zu dem Zweck, um ihren bestialischen Gelüsten frönen zu können. Die österreichischen Nazis, die von einigen Funktionären der Vaterländischen Front bei der Welser Gegenkundgebung „Gesindel" und „Lausbuben" genannt wurden, werden zweifellos über die Müde erstaunt sein, mit der man ihr schädliches Tun beurteilt, und sie werden nach ihren bisherigen Erfahrungen vor den kommenden Folgen keine Furcht empfinden. Der oberösterreichische Landeshauptmann sprach u. a. dnige Worte, die unserem Rechtsempfinden schon näherliegen als die oben erwähnten milden Bezeichnungen: „Die Vorfälle des 18. Juli" (Demoristrationstag), sagte er, „haben eine Wirkung gezeitigt, die sich die Demonstranten sicherlich nicht erwartet haben. Wir könnten wegen dieser zweifelhaften Oesterreicher in Hinkunft auch einmal u n österreichische Methoden anwenden." Es wäre schade, wenn man sich von der Anwendung u n österreichischer Methoden gegenüber den antiösterreichischen Desparados zurückhalten würde. Es wäre verfehlt, es wäre ein Verbrechen an den sittlichen Prinzipien jedes Gemeinwesens, wenn man unsere Illegalen nicht mit ihren Methoden behandeln würde. Entweder man schützt die moralischen Güter Europas, oder man wird in den braunen Abgrund hineingerissen. Bisher hat sich die These vom Schutz des österreichischen Erbgutes und der bodenständigen Verpflichtungen nur gegen die Juden ausgewirkt, während das „Gesindel" und die „Lausbuben" in den Raum des österreichischen Volkes miteinbezogen wurden. In Wels wird Europa verteidigt, d. h. das Gefühl für Ehre und Würde. Will Oesterreich in Ruhe seinen Aufgaben nachgehen, dann muß es die Ruhestörer mit Ii n österreichischen Methoden angehen* Die nächste Etappe: England konstruiert neuen Teilungtplan Obwohl dokumentarisch festgestellt ist, daß der Teil Syriens, der jetzt Palästina heißt, niemals den Arabern als selbständiges Land versprochen war, versuchen sowohl die Araber als auch die antijüdischen Interpreten des Mandats, die jüdische Position in Palästina zu unterminieren und im gegenwärtigen Status zu kristallisieren. Dies äußert sich vor allem in der Art, wie der Teilungsplan angesehen wird. Maßgebend für die Zukunft der zionistischen Aspirationen sind diese Manöver nicht, aber sie bleiben nicht ohne Einfluß auf solche Kreise, die den jüdischen Aufbaubestrebungen wohlwollend gegenüberstehen. Die englische Regierung, bzw. der Kolonienminister Ormsby-Gore wird versuchen, für das Teilungsprojekt in Genf Stimmung zu machen, unabhängig davon, ob die Mandatskommission ihre Vorschläge an den Völkerbundrat vom Peel-Bericht abhängig machen wird. In London hat man sich auf das Prinzip der Teilung festgelegt und wird, solange es geht, daran festhalten. Aus Genf wird berichtet, daß Ormsby-Gore bereits mit der Modifizierung seiner ersten Arbeit eingetroffen ist. und daß er hofft, die Mandatskommission werde sich seinen Vorschlägen anschließen. Da die Mandatskommission das Recht hat, Zeugen und Sachverständige eirizuverriehm&n, dürfte es in Genf zu schweren Diskussionen kommen: es besteht die Hoffnung, daß das Problem in seinem ganzen Umfang aufgerollt werden wird. Die arabische Delegation besteht aus den berüchtigten Extremisten Auni Abdul Hadi (der namens der Araber den Versailler Vertrag unterschrieben und die Sache der Araber vor der Kgl. Komtfltlif fi jeden Bart bezwingen! mission vertreten hat)1 und aus Djemal Hussein! aus dem Muftikreis, während wir erfahren, daß Doktor Weizmann und eine Delegation des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat in Palästina) nach Genf abgereist sind. Ginge es nach den zwei ehemaligen Kolonienministem Amery und Churchill, die bereits in der Vergangenheit die stärksten Anhänger der Mandatserfüllung waren und jetzt gegen den Teilungsplan Stellung genommen haben, so würde die englische Regierung ihr Projekt ad acta legen und einen Weg suchen, der zeigt, daß die beiden Teüe des Mandats, der jüdisch-positive und der arabisch-negative, miteinander vereinbar sind. Leider aber ist im gegenwärtigen Stadium der britischen Orientpolitik keine Spur eines konstruktiven Planes sichtbar. London will an den Schlußpunkt seines Versagens ein — Kompromiß setzen, das zwar weder die Juden noch die Araber befriedigt, es aber der Sorge der Mandatserfüllung entledigt. Darum wird die Idee der Teilung weiter forciert. Darum wird heute schon englischerseits mit allen Mitteln versucht, die Genehmigung des Völkerbundes zur Teilung zu erlangen. Die englische Regierung kommt, wie gesagt, mit einem modifizierten Teilungsplan nach Genf, und auf der anderen, jüdischen Seite gibt es bereits. Kreise, die unter gewissen Umständen, d. h. bei gewissen Aenderungen,^ ,zum Teilungsplan'j a sagen und so rasch als möglich auch das geschorene Schäfchen ins Trockene bringen wollen. Das ist die Lage. Die seitens der Mandatsgegner; heraufbeschworene Gefahr kann noch nicht als abgewendet gelten. Der „kühne" Schritt, der englischen Staatskunst hat nach wie vor seine Befürworter. Auf beiden Seiten. Auch auf jüdischer. Und hier ist die Gefahr am größten. Man bildet gespannt nadt lienf Aus Genf wird uns unter dem 29. d. berichtet: Der englische Kolonienminister Ormsby- Gore trifft heute, Donnerstag, in Genf ein und wird sofort mit den Mitgliedern der Mandatskommission Fühlung nehmen. Mit ihm wird eine Anzahl von Palästina-Spezialisten in Genf eintreffen. Den Vorsitz bei der Session bei der Mandatskommission führt der Belgier Orts. Sein Stellvertreter ist der bekannte Schweizer Gelehrte Prof. William R a p p a r d, der in den letzten Jahren öfters den Vorsitz in der Mandatskommission führte und dessen. Empfehlungen an den Völkerbund durchwegs mandatstreu waren. Die englische Delegation mit Ormsby-Gore an der Spitze hofft, daß die Mandatskommission als Grundlage ihres Berichtes an den Völkerbundrat die englischen Empfehlungen benützen werde, so daß das Gutachten der Kommission dem Völkerbundrat bei seiner Septembertagung als Basis seiner Entschließungen dienen könnte. Die Mandatskommission in Verlegenheit Hiezu wird uns aus London berichtet: Der politische Korrespondent des „Daily Telegraph" in Genf will wissen, daß die, Freitag, den 30. Juli, beginnenden Verhandlungen der Mandatskommission infolge der Wichtigkeit des Materials ungefähr 14 Tage dauern werden, zumal mit der Zeugeneinvernähme arabischer und jüdischer Persönlichkeiten, die sich bereits in Genf befinden, gerechnet wird. Wie bereits bekannt, soll die Mandatskommission einen vorläufigen Bericht, über den Teilungsplan für die Septembertagung des Völkerbundrates fertigstellen. Im Hinblick auf die widersprechende Stellungnahme der Juden und Araber ist es nicht ausgeschlossen, daß die Mandatskommission erklären Wird, sie sei nicht in der. Lage, einen Bericht, der idem Völkerbundrat als Grundlage seiner Entschließungen dienen könnte, vorzulegen. Die Mandatskommission kann ihre Haltung damit begründen, daß sie in erster Linie für technische Fragen zuständig ist und' keine politischen Entscheidungen zu treffen hat. Sollte die Mandatskommission auf die Vorlage eines eigenen Berichts verzichten, dann müßte der Völkerbundrat von sich aus zu einer selbständigen Entscheidung gelangen. Auch hier erhebt sich eine nicht leicht zu überwindende Schwierigkeit, da alle Entscheidungen des Völkerbundrates einstimmig zustande kommen müssen. Italien, daß dem Völkerbundrat angehört, hat bereits offiziell wissen lassen, daß es seine Stimme in Genf erheben und sein Wohlwollen für die Araber, zum Ausdruck bringen werde. Diese Mitteilung läßt erkennen, daß die.britischen Wünsche auf italienischen Widerstand stoßen werden. Aber auch die Vereinigten Staaten dürften auf Grund vertraglicher Abmachungen aus dem Jahre 1924 dem Teilungsplan nicht zustimmen, da dort die Opposition der viereinhalb Millionen Juden gegen den projektierten Zwergstaat besonders heftig entbrannt ist. Man weiß bereits in London, daß einflußreiche jüdische Kreise in Amerika mit ihrer Regierung in Fühlung getreten sind und eine Aufschiebung der Entscheidung über die Zukunft Palästinas gefordert haben. Jüdisch-arabische Verhandlungen Aus London wird unter dem 28. Juli gemeldet5 Mehrere große englische Tageszeitungen erhielten aus Jerusalem und Genf Informationen über ernste Verhandlungen, welche zur Zeit zwischen zionistischen und arabischen Führern zwecks Hintanhaltung der Teilung Palästinas stattfinden. Andererseits ist bekannt, daß dem Mufti nahestehende arabische Persönlichkeiten sowohl int Vorderen Orient als auch in Genf Stimmung für di$ Forderungen der extrem-radikalen Araber machen, f