Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 673 (20.7.1937)
- Date
- 1937-07-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite? DIE NEUE WELT Nr. 673 vom 20. Juli 1937 dem städtischen Budget für Straßenbau noch nicht genehmigt. Der Bürgermeister kündigte eine nochmalige Intervention bei der Regierung in dieser Sache an. In der Aussprachen wiesen mehrere Stadtverordnete darauf hin, daß die wirtschaftliche Depression auf die düsteren politischen Aussichten und auf das fast völlige Aufhören der Einwanderung zurückzuführen sei. T. A.) Neue Bodenkäufe des Keren Kajemeth Aus Jerusalem: Der Keren Kajemeth hat in der Nähe von „Giwat Saul", im Westen von Jerusalem, eine Fläche von 110.000 Quadratmeter erworben. Die Eigentumsvorgänger sind die Erben nach dem reichen sephardischen Juden Aron Walera. Der Keren Kajemeth plant dort die Errichtung eines neuen Stadtviertels, das den Namen „Schchunat Aron" tragen und Jerusalem mit dem alten Motza verbinden soll. (J. T. A."> Das Ende des englischen Pronazisntus Die größte dänische Tageszeitung „Berlingske Tidende" (Kopenhagen), welche auch intime Beziehungen zum dänischen Hof hat, veröffentlicht — nach langer Zurückhaltung im Zusammenhang mit der englischen Thronkrlse und der Affäre der Frau Simpson — Material über die unterirdische Tätigkeit der englischen prohitlerischen Kreise, hauptsächlich der adeligen Kreise, über ihre Machinationen, Intrigen und ihre endgültige schwere Niederlage. Vor allem stellt das Blatt fest, daß es in London eine große Partei gibt, welche ein Bündnis zwischen England und Deutschland anstrebt. Diese Partei, erklärt „Berlingske Tidende", hat plötzlich Macht und Einfluß hinter den Kulissen bekommen, als Eduard vni. auf den Thron kam und als es klar war, daß Mrs. Simpson germanophil sei. Ihre prodeutsche Haltung gab übrigens Anlaß zu dem unsinnigen Gerücht, daß sie eine deutsche Spionin sei. Wenn die deutsche Regierung Herrn von Ribbentrop nach London schickte, so geschah dies deswegen, weil er als einziger die Chance und die Möglichkeit hatte, mit den deutschfreundlichen Kreisen Londons und mit Mrs. Simpson Verbindungen anzuknüpfen. Wie sehr Herr von Ribbentrop mit Frau Simpson rechnete, geht daraus hervor, daß er einen Palast für die deutsche Gesandtschaft erwarb — in nächster Nachbarschaft der Simpson-Villa... Baidwins Aktion, die mit der Abdankung König Eduards endete, war ein ernster Schlag für Deutschland, aber die pronazistischen Kreise gaben sich noch immer nicht geschlagen. An der Spitze dieser Kreise standen so einflußreiche Männer, wie Lord Londondery, dessen Haus „die inoffizielle deutsche Gesandtschaft" genannt wird, und Lord Lathian, der gewesene Sekretär Lloyd Georges. Dieser bekam Gelegenheit, seine germanophilen Artikel sogar in den „Times" zu placieren, ja mehr noch: dank seiner intimen Beziehungen zum Herausgeber der „Times" arbeitete er an einer englisch-deutschen Annäherung. Im übrigen war er es, der die seinerzeitige Begegnung zwischen Lloyd George und Hitler arrangierte. Es besteht kein Zweifel, schreibt das Kopenhagener Blatt weiter, daß durch die Arbeit der germanophilen Kreise die Einladung Neuraths nach London zustandekam. Daher kann die Absage der Reise Neuraths als größte Niederlage der englischen Nazifreunde gewertet werden. Der beste Beweis hiefür ist die radikale Aenderung der Stellungnahme der „Times", wonach dort eine Reihe prohitlerischer Artikel erscheinen sollte. Dazu kam es nicht. Anstatt deutschfreundlicher Artikel gab es andere, weniger freundliche. Es geschah dies unter dem Eindruck der deutschen Machinationen in Spanien, die den Engländern die Augen öffneten. Eduards Abdankung, die Absage Neuraths, die spanische Affäre — das sind die drei Etappen der englisch-deutschen Abkühlung. Warnung yor dem Medi'zinstudium an jüdische Abiturienten Wir erhalten eine Zuschrift der Vereinigung jüdischer Aerzte, worin ea u. a. heißt: „Die Vereinigung jüdischer Aerzte in Wien, welche seit Jahren einen schweren Kampf gegen die Entrechtung und für die wirtschaftliche Stützung der jüdischen Aerzte führt, sieht sich im Bewußtsein ihrer Verantwortung genötigt, die jüdischen Abiturienten und ihre Eltern vor der Wahl des Medizinstudiums in der jetzigen Zeit auf das nachdrücklichste zu warnen. Die edle Sendung des Arztes, aber auch die seit Jahrhunderten bekannte und bewährte Eignung der Juden für den ärztlichen Beruf veranlassen viele, ungeachtet der schier unüberwindlichen Schwierigkeiten, Medizin zu studieren. Während in früheren Jahren jeder österreichische Staatsbürger nach seiner Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde sich einfach in einem beliebigen öffentlichen Spital zur Praxis, bzw. als Hilfsarzt anmelden konnte, worauf seine Ernennung zum Aspiranten, bzw. Sekundararzt genau turnusmäßig erfolgte, ist seit dem 1. April 1933 dies nicht mehr der Fall, Weder muß die Anmeldung eines aspirierenden Hospitanten entgegengenommen werden, noch auch gibt es trotz der in Oesterreich verfassungsmäßig festgelegten Gleichberechtigung eine Möglichkeit, die Ernennung oder Beförderung durchzusetzen, da seit dem erwähnten Zeitpunkt jede Personaländerung dem Ministerium für soziale Verwaltung vorbehalten ist. Die Folge dieser Neueinführung Ist, daß seit 1. April 1033 bis auf ganz vereinzelte Ausnahmen keine Ernennungen von jüdischen Aspiranten und Sekundarärzten in den Fondsspitälern erfolgten; ähnliches gilt auch für die städtischen Krankenanstalten. Man sieht also, daß die Aussichten für Juden unter diesen Umständen katastrophal schlecht sind, abgesehen davon, daß auch die allgemeine Lage der AeTzteschaft durch UeberftiHung de» Stande« imt, überaus traurig ist. Es mache sich also jeder Jude, der Medizin zu studieren beabsichtigt, damit vertraut, daß ihm Elend, Auswanderung oder Umschichtung drohen! Man schichte sich also vor und nicht erst nach dein schwierigen, fast aussichtslosen Medizinstudium um!" Dollfuß-Trauergedenkfeier dev Israelitischen Kultus-" gemeinde Wien. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltet anläßlich der.dritten Wiederkehr des Todestages des verewigten Bundeskanzlers Doktor Engelbert D o 11 f u ß am Freitag, den 23. Juli d. J., um 7 Uhr abends im Stadttempel, I., Seitenstettengasse 4,^ einen Trauergottesdienst. Zum Zeichen der Trauer werden alle Gebäude der Kultusgemeinde mit Trauerfahnen beflaggt. In sämtlichen Synagogen wird beim A b e n dgottesdienst am Freitag, den 23. d. M., für den verewigten Bundeskanzler das vorgeschriebene Gebet für das. Seelenheil des Verstorbenen verrichtet werden. Todesfall. Am 14. Juli 193? verschied nach langem schweren Leiden Herr Emanuel Braun. Die Beerdigung fand am Erew Tischabeaw statt. Der Verstorbene war ein guter Jude, ein treuer Sohn seines Volkes. Um ihn trauern seine Frau und seine Söhne, unsere Gesinnungsgenossen: Felix Braun, Ing. Otto Braun und Rudolf Braun. Secher lezadik liwrocho. Gartenfest in Sauerbrunn. Sonntag, den 25. ds., um 5 Uhr nachmittags findet im Garten-Caf6 Hönigsber,g ein Gartenfest -statt; an der Spitze des vorbereitenden Komitees stehen die Herren Dr. K. Blum und Arnold Dawid. Das Programm umfaßt heitere und ernste Lieder sowie Rezitationen. Da der Reinertrag dem KKL. zufließt, ist in dieser beliebten Sommerfrische ein starker Besuch der Veranstaltung zu gewärtigen. 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