Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 672 (16.7.1937)
- Date
- 1937-07-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen feeitag/ den 16« MI 1**7 Ii« i*k*Qanq /1> Nr. V. b. b« '-eitoing Verleger versendet ml expedi6 pax l'editeuc" R E VU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN; Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Btunäntea monatlich Lei 80.—, vierteljährig Lei- 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwältttng: IX,Universitäts$tr.8,7el.A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Ferienreisen nach Polen I i Billig / bequem / D-Zug / Platzkarten / Abralicn leden Sonntag Leitung. Dr. T0CKER 1 Auskünfte und Anmeldungen: „IN DIE WEIT". W. M. RENNER, I .Wien IX, Llechtenstelnstr. 2, Tel. A-14-5-04. (Nächst Schottenring) B ■III IPI 11,1111 MlillllllWIBBBiaMMMiW^ Eine natürliche Besorgnis Nach einem kürzlich zwischen Oesterreich und Deutschland getroffenen« Abkommen sollen im Nachrichtendienst und in der Presse (und im weiteren Sinne in jeder Druckschrift) keinerlei Nachrichten veröffentlicht werden, die im anderen Land Anstoß erregen könnten. Fragen der Weltanschauung und der Staatsauffassung sollen auch dort, wo Meinungsverschiedenheiten gegeben sind, sachlich und nicht in. beleidigender Form behandelt werden. Bei strenger Handhabung, dieses Presseabkommens wird man naturgemäß zu einem Punkt gelangen, wo die Wahrheit vergewaltigt, d. h. entweder unterdrückt oder verfälscht werden muß. Die österreichische Presse hat sich aus angeborenem Takt auch ohne die jetzt vollzogene Bindung Zurückhaltung auferlegt un* ist sowohl-im Tatsächlichen als a%K' xn. den weltarischaulichen, Auseihra'dersetzun^en' bis, zur Grenze des Möglichen gegangen. . Aber wenn hier Konvention und Obsorge ,zu weit gehen, hat die Gleichschaltung ein Ausmaß erreicht, das die Lektüre der ^Presse als . pure .Zeitverschwendung erscheinen'läßt. Heute hat es keinen [ Sinn mehr, sich mit dem reichsdeutschen. Nationalsozialismus weltanschaulich auseinanderzusetzen oder... gar die täglichen Verfälschungen der nationalsozialistischen Presse richtigstellen zu wollen. Der Wahrheitsgehalt der nazistischen. Zeitungen läßt sich nur mehr mikroskopisch 'eruieren; schon gar nicht zu reden von der Darstellung der jüdischen Dinge, mag es sich um Fälle des Alltags oder um die zionistischen Bestrebungen des jüdischen Volkes handeln. Die Richtlinien des Pressefriedens zwischen dem Kulturstaat Oesterreich und dem Dritten Reich streifen auch Interessen der jüdischen Ehre und Würde,' das jüdischen Lebens und Glaubens. Darum haben wir die Pflicht, aus vollbewußter Verantwortung heraus zu kontrollieren," wie- 'weit " auch wir •' inden Rahmen des angestrebten : Pressefriedens einbezogen sind. Es wäre eine falsche ■Perspektive, von uns den Verzicht auf jede polemi- 'sehe Abwehr ehrenschänderischer' Angriffe zu vergangen, wenn von dort'drüben, ohne "Hemmung wie bisher, der Jude geschmäht und verfemt wird — in •einer Presse, die hier in Oesterreich Gastfreundschaft genießt. Mit dem Hakenkreuz als solchem polemisieren, daran denken wir wahrlich nicht. Wir sind erfahren genug, um zu wissen, daß es sinnlos ist, mit dem Kopf gegen die braune Wand zu. rennen. Aber '. es scheint uns gerecht und billig, über, die Entwicklung antijüdischer Tendenzen "besorgt zu sein, die hier bei uns jetzt auch noch 'durch die hereingelassene nationalsozialistische Presse forciert werden; durch die Presse,'. die nach dem Abkommen keine' Nachrichten veröffentlichen soll, die im anderen Lande,, also in Oesterreich, Anstoß erregen könnten. Unsere Besorgnis ist, wie man sieht, ebenso gerechtfertigt wie legitim. o. r. Verbotene Zeitungen Aus Jerusalem: ,Die Tageszeitung „El Liwaa", das Organ des Mufti, ist für eineinhalb Monate, die Zeitung „A Difaa" für einen Monat verboten worden. In den' Redaktionen wurde eine Haussuchung vorgenommen. Der Grund des Verbotes ist noch nicht bekannt. Angeblich soll es erfolgt sein, weil die beiden Blätter eine Erklärung des Ministerpräsidenten dea Irak gegen die Teilung Palästinas veröffentlicht haben. Die hebräische Tageszeitung „HabOker" wurde für .14 Tage verboten. (J. T. A.) Um internationale Anerkennung de§ Teslung§plane$ Die Beurteilung des britischen Teilungsplans durch die Weltpresse ist nicht einheitlich. Im allgemeinen liegt das Bestreben vor, sich nicht gänzlich von den Pflichten des Mandats loszusagen, andererseits aber Spielraum für Verhandlungen zu lassen. Die negative Stellungnahme seitens der Juden und Araber hat bisher keine Aenderung erfahren. Während im Rahmen der zionistischen Organisation die Vorbereitungen für den Züricher Kongreß getroffen werden, unternimmt die englische Regierung jetzt schon, vierzehn Tage vor der Tagung der Mandatskommission, Schritte, um die internationale Anerkennung des Planes der Teilung Palästinas durchzusetzen und die Schwierigkeiten zu beseitigen, die sich seiner Verwirklichung entgegenstellen. Die Aufmerksamkeit der Regierungsstellen konzentriert sich hierbei insbesondere auf Was hin g t o n und Genf. Der britische Botschafter in Washington hat die Instruktion erhalten, die größten Anstrengungen zu machen» um die Zustimmung der Vereinigten Staaten zu den Vorschlägen der Kgl, Kommission zu erlangen*. ...^^y.^.«. ^^.._Y.-r-.._; Man rechnet , mit einem starken Widerstand Amerikas, das 1924 in einer .Abmachung der .englischen Verwaltung in Palästina „gemäß dem Mandat" zugestimmt hat, gegen eine radikale Aenderung der Mandatsbestimmungen. Der Balfour«Dek!aratfion entgegengesetzt „S u n d a y Observer" schreibt, die 'Hauptsorge der Regierung sei jetzt darauf gerichtet,' möglichst schnell wenigstens die grundsätzliche Zustimmung der Juden und der Araber zu dem Teilungsplan zu erlangen. Je länger mit der Annahme gezögert wird, um so größer sei die .Gefahr, daß es zu einem beklagenswerten Zwischenfall kommen könnte, der die Annahme erschwert. W^&i0l jaden Bart bezwingen! Im Leitartikel seiner Montagsnummer ■ wirft S,M a n c hi e s t e r Gu a r d i a n" die Frage -auf, was •geschehen werde, wenn einige - Völkerbundmitgiieder nicht der Art zustimmen, wie England; durch Einschränkung der jüdischen Einwanderung auf ein Maß, das die Araber nicht ablehnen, sich den Folgen seiner Politik entziehen will. Es sei unmöglich, daß man nicht ein Mittel finden sollte, um einen Teil Jerusalems mit dem neuen jüdischen Staate zu verbinden. Auch „Daily Telegraph" setzt sich für eine Grenzrevision in dem Sinne ein, daß der Negew den Juden zugewiesen werde, die ihn kultivieren könnten, während er unter arabischer Herrschaft sicherlich eine Wüste bleiben werde. Eine besonders scharfe Verurteilung des Planes der Teilung Palästinas kommt in dem Leitartikel der in Belfast erscheinenden Zeitung „Northern Whig" zum Ausdruck. Der Plan wird als dem Geist, wenn nicht gar 4em Wortlaut, der B a i f o u r- Deklaration entgegengesetzt bezeichnete Er sei gleichbedeutend mit einer Aufgabe der Mandatargewalt Englands als Konzession an den arabischen Terrorismus. Die Stimme Polens. In der Wilnaer Zeitung „Slowo" fordert der polnische konservative Politiker Studnicki, daß Polen, Ungarn und Rumänien gegen den Teilungsplan protestieren sollen, weil diese Länder sehr daran anter- Daß die britische Regierung sich des schweren Standes bewußt ist, den sie in Genf haben wird, ist daraus zu ersehen, daß Kolonienminister Örmsby- Gore in Begleitung des Sekretärs der Kgl. Kommission, Martin, sich zu der außerordentlichen Tagung der Mandatskommission begeben wird. In den Kreisen der Mandatskommission besteht wenig Neigung, dem britischen Plan zuzustimmen, da man in ihm einen schweren Schlag gegen die Einrichtung der Mandate im allgemeinen erblickt. Inzwischen hört die englische Presse nicht auf, sich intensiv mit dem Projekt der Regierung zu beschäftigen. Ueberaus interessant ist die. Haltung des einflußreichen Wochenblattes „Sunday Times", in welchem Scutator : (Herbert Sidebotham) den * Teilungsvorschlag einer vernichtenden Kritik unterzieht. „Wer den Aufstand des Juda Makkabi", schreibt er, „studiert hat, kann eine Teilung nicht; gutheißen, welche die strategisch wichtigen Gebirge in der Hand der Araber läßt. Gibt es nach dem Tode Allenbays (General an der Orientfront im Weltkrieg, d>RM.u) :hiem*änd;-der'-die -Regierung iri; solchen Fragen ' berät"? Jetzt;muß» man sich auf"eine Verbesserurig-der Grelizen konzentrieren, um mehr Raum für einwandernde Juden zu Schaffen. Die Moral der Juden hat darin zu bestehen, daß sie ihre Arbeit fortsetzen. Die Moral für England ist die Einsicht, daß ohne Phantasie und Tatkraft kein konstruktives Werk gelingt." essiert sind, daß ihre Juden auswandern. Studnicki meint, daß dieser, Protest. von Amerika und von den Juden in der Weltunterstützt werden würde.' Er verlangt, daß,Polen das Palästinam a.ndat erhalte. Zehnjähriger Waffenstillstand „New York-Times" greifen in einem Leitartikel den Bericht und die Empfehlungen der Kgl. Kommission scharf an;'Die Zeitung sieht voraus, daß zwischen den beiden zu schaffenden Staaten erbitterte Kämpfe ausbrechen werden* falls die Teilung Palästinas tatsächlich vorgenommen werden sollte. Der Teilungsplan sei eine Lösung, die schwäche Menschen vorgeschlagen haben und basiere auf Defaitismus, von dem die englische Palästina-Politik beherrscht sei. Die Zeitung schlägt dann ihrerseits einen Plan vor, wie das Palästina-Problem gelöst werden könnte. Danach ist ein zehnjähriger Waffenstillstand vorgesehen. Während dieses Zeitraumes soll zwischen Juden und Arabern eine gerechte Arbeitsverteilung vorgenommen und der Anteü beider Bevölkerungsteiie an der Regierung des Landes allmählich vergrößert werden. Die arabischen Fellachen erhalten Böden und Arbeit; die jüdische Einwanderung wird während dieser zehn Jahre derart eingeschränkt, daß am Ende derselben die Juden nicht mehr als 40% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Italien: „Das Gleichgewicht im Mittelmeer". Die italienische Presse widmet den Beschlüssen der Kgl. Kommission und dem Plan der Teilung Palästinas breiten Raum. Ausführliche Berichte der italienischen Korrespondenten in Jerusalem und Alexandrien heben hervor,v daß die Beschlüsse der Kgl. Kommission sowohl bei den Arabern als auch bei den Juden große Unzufriedenheit hervorgerufen haben. Dabei enthält sich der größte Teil der italienischen Presse jeglicher Kommentare zum Teilungsplan, und eirier speziellen Stellungnahme zu dem englischen Projekt der Schaffung zweier selbständiger Staaten. Die Zeitungen heben bloß die arabischen Proteststimmungen hervor und den Appell des Obersten Arabischen Ausschusses an die arabischen Könige. Die einzige Zeitung, die den Teilungsplan bisher deutlich kommentiert >