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Die neue Welt · 1937-07-13 · Heft 671 (13.7.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 671 (13.7.1937)
Date
1937-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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187 _ •. . mm mm- ■ ■ mm mm mmmm\ BEZUGSBEDINGUNGEN; Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, HM MM ■ ■ vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« ■ mW^m ■ ■ mm^m jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig BPi' U ' ■ - ■ BBi Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—j W ' ' ' ^BBW VMi Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, viertel jährig Schweizer Franca 4.60. 1 . ■ -^^^ Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion ^Verwaltung: IX, üniversitätsstr. 8> Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstati u. Freit an Einigkeit im kämpf! Das Gesicht des geteilten Palästina Geschenke und Drohungen Von Dr. Martin Lichtner. - Der Teilungsplan der Royal Cömmission ist Realität geworden. Es bestehtkein Zweifel, daß er die Konstruktion eines politisch, wirtschaftlich und ideell gleich unmöglichen Gebildes darstellt. Er ist abzulehnen mit aller Konsequenz, aller'Schärfe, mit aller Klarheit und Unzweideutigkeit des Willens und mit aller Leidenschaft eines betrogenen. Volkes, das in unsagbarer r^ot einer Zerstückelung und Verstümmlung seiner letzten Hoffnung, gegenübergestellt wird. Es muß in diesen schwersten Tagen , unserer zionistischen Geschichte noch einmal. mit aller. Klarheit festgehalten werden, daß alle Parteien von rechts bis links, ohne jegliche Ausnahme, auf ihrem Wahlprogramm ihr „N e i n" zum. Teilungsplaft , und ' zu' jedem anderen Vorschlag, (der , unsere Rechte auf und in Erez Israel einschränkt, .verkündet haben, daß . daher, alle Delegierten, ohne, jede Ausnahme, Mt .gebundenen Direktiven zum Kongreß kommen und eine Abweichung, ja, jegliches Kompromißin dieser;Frage, den 'betreffenden Delegierten und seine Partei 'so"bloßstellen würde, daß sie.' von' 'selbst :gerichtet[wÜr4jBnV Wenn jemals das Wort von -der Verantwortung vor der Geschichte und von der. Weltgeschichte, als ^Weltgericht, eine Berechti-r güng : hatte äiesmi^glip äi^6s;r#ort mit aller , Sch'wWjfe'.se^er'B^eutung. (; .' ,;'-.'•. ' Es ist vollkommen gleichgültig,wenn einzelne^ Personen der verschiedeilen; Parteien von sich aus und" persönlich erklärt, haben, daß; der Teilungfspian zumindest > diskutabel s^ dem-Wahlprogramm keiner Partei; steht davon ein Wort-und', der Auftrag des jüdischenrVolkes, gegeben dureh dehcStimmzettel zum zionistischen Kongreß lautet:. Nein! s" Wer diskutieren will,- dem steht,die Presse, und der Versanimluhgssaal zur Verfügung, aber niemals der Kongreß, niemals die ,Tribühe des jüdischen Volkes, von welcher es diesmal seine» schwerwiegendste Entscheidung seit Jahrhunderteh der Welt laut, deutlichvkjär in}d mit aller Leidenschaft zu rverkünden hat. Der Delegierte, der zum Kongreß geht, mit dem klaren 'Auftrag* ej& unversöhnlichesi Nejh| zu sagen und dort Ja sagen wird, hat sich selbst als Lügner und Betrüger seines eigenen Volkes gerichtet. Aber, auch innerhalb der Reihen der zionistischen Bewegung*; sollte von dieser "Stundp an, da die größte Macht der: Welt , darangeht, ihr heiliges Versprechen an unserem Volke zu verleugnen und iu zerreißen, ein ungeschriebenes Gesetz wirksam ' werden, unter; das sich alle Völker seit jeher beugen,. wenn die Gefahr am größten geworden ist:•. E i n i g;k 6 i t!; Unser Nein wir# .unter keinen Umständen nqtzlos sein, dehn noch sind viele .Etappen bis zur Realisierung des Planes zu überwinden. Noch hat das englische Unterhaus zu sprechen und es mehren sich die Stimmen in England selbst und unter den Abgeord- ,. neten,, die. den .Plan ablehnen. Noch hat Amerika seine sehr, gewichtige Stimme abzugeben, da eine Aenderung des Mandates über Palästina nur mit dessen . Zustimmung erfolgen kann, und je größer und hörbarer unser1 Widerstand seih wird, je deutlicher und leJdehsenajftHcher wir an das Freiheits- und Humanitätsideal des ' amerikanischen; Volkes appellieren wer-: den, üih; sVgrößer wird die- Hoffriuhg sein, daß die öffentliche.'Meinung Amerikas aüf ühsere Seite tritt1 und .die .Regierung von USA. die Zustimmung verweigert; 'Schließlich aber ' hat der V öl k e r b u n'd selbst zu sprechen und es ist bekannt, daß ehr Be-' Schluß dört einstimmig gefaßt werden muß,' soll &c Gültigkeit erlangen. Werden wir es den Staatejn: Europas glehiigertd klar zu machen'verstehen, däß die brennende Judenfrage, die entsetzliche Juderinot, in einzelnen bestimmten Gebieten Europas nicht'gelöst werden kann, wenn uns dieses lächerlich kleine Gebiet' gegeben wird, dann ist anzunehmen,, daß einzelne Mitglieder des Völkerbundes nicht für; die Zustimmung zü haben seih werden. Schließlich aber sei noch auf eines hingewiesen; Der - Teiltth^laö bedeutet crsi- Der zionistische Leser wird noch oft genug Ge- : Iegenheit haben, sich mit dem Bericht der Kgl. Kom- ■ mission und ihrem von der britischen Regierung akzeptierten Teilungsplan zu beschäftigen. Wird doch der [ Züricher Zionistenkongreß im Zeichen der Stellungnahme zum geplanten „jüdischen Staat" stehen! Nichtsdestoweniger ist es zweckmäßig, sich die wesentlichen Punkte des Regierungsprojekts vor Augen zu fuhren und so einen Ueberblick über das ganze Problem zu gewinnen. Es geht nicht um genaue Feststellung der Grenzen und um die etwaige künftige Staatsform, son-; dern darum, in welchem Geist die britische Regierung sich ihrer Mandatsverpflichtungen entledigen und die von ihr als „gerecht" empfundene Lösung der Pa- ' lästina-Frage durchführen, will. Der Bericht der Kgl. Kommission umfaßt 404 Seiten, das Memorandum der ' britischen Regierung ist nach den Londoner Berichten : ebenfalls umfangreich, so daß das Studium der beiden Dokumente sehr viel Zeit'in Anspruch nehmen und jeden Bart bezwingen I Spezu^enntiiisse voraussetzen .würde. Wir -geben im nachstehenden einen Auszug, aus dem Peel-Bericht und aus ■ der ■ Erklärung > derenglischen . Regierung, wobei wir bisweilen das eine Dokument mit dem zweiten konfronöeren und einer Analyse unterziehen. Ursache des Teilungsplanes .Der Kommissiqhsbericht geht von der. Ansicht aus, daß das in den letzten Jahren in Palästina praktizierte Regime nicht länger andauern könne, da das Bestreben der beiden Völker, ihre nationalen Aspirationen zu verwirklichen, zu Unruhen führen müsse. Alle halben Maßnahmen würden die Wurzel des Problems nicht treffen, deswegen habe die Kommission die radikale Lösung durch Schaffung zweier besonderer Staaten Vorgeschlagen. :]'-'■ Die Städte "Haifa, Akko, Safed und Tiberias ^erdeh einen Teil des jüdischen Staates bilden,• aber'—- (|a sie eine beträchtliche arabische Bevölkerung be- , sitzen — eine gewisse Zeit hoch unter britischem Mandat verbleiben. mälig den Versuch eines Eritentestaates, den Friedensyerträg'zu zerreißen und Teile eines Mandatsgebietes sich' einzugliedern! Das ist. ein ungeheurliches Präjudiz! Die kleinen Nationalstaaten dürfen füglich erwarten, daß nach diesem Beispiel andere kommen werden, mit der Forderung, der Zerreißung von Territorien, die durch den Friedensvertrag geschaffen wurden. . v Nun aber, gesetzt den Fäll, daß alle Widerstände gebrochen werden, angenommen, daß England bereit ist; .durch Kompensationen aller Art sich die Stimmen Äiuerikas und der Völkerbundstaaten zu sichern, an- ^hQmmen, daß alle Bedenken gegenüber diesen Kompensation fallengelassen werden: Es gibt ein j historisches Gesetz, ein ungeschriebenes Gesetz, das sich aber bisher in allen ähnlichen Fällen bewährt hat: Rfan kann sich letzten Endes, nachdem alle erlaubten' Mittel des Abwehrkampfes versagt haben, dem Zwange und der Gewalt beugen, aber man verweigert die Zustimmung! Man erklärt die Verweigerung der Unter- •i^lpft''und erreicht damit, daß für alle Zukunft Ge-! walt nicht Recht werden kann und daß man in jedem |Augenblick sein Recht wieder verlangen oder erzwin-. jgeh'kärinJ 'Jenen aber, die da glauben, daß nach einiger Zeit # es möglich ^ein wird, mittels „dynamischer Methoden"; ctie; Grenzer, des Judenstaätes von Gnaden Eng!. nds zu.erweitern, sei gesagt, daß auch dies nicht verneint WÄrdeh.kann. Aber sie sollen sich bewußt sein, daß dies Krieg bedeutet, denn es erscheint ausgeschlossen,: Der jüdische Staat wird den Namen „Ere* Israel" führen, eine Bezeichnung, gegen die sich die Palästina-Regierung bisher bei verschiedenen Gelegenheiten (Radio, Briefmarke usw.) wehrte. Der südliche Teil Palästinas, Negew genannt, wird bis zum Golf von Aquaba am Roten Meer ins englische Mandatsgebiet fallen und bleibt der Va r a b i* sehen Kolonisation vorbehalten. Damit ist die Möglichkeit neuer Ausbreitungsgebiete auf Null gesunken. Am 1. Jänner 1940 soll die Schaffung der beiden Staaten vollzogen sein. Bis dahin bleibt-das ganze Palästina unter der bisherigen britischen Verwaltung; die durch Aufnahme jüdischer und arabischer Berater erweitert werden soll. Für die Bemessung der w e i t e r e n jüdischen Einwanderung wird lediglich die Aufnahmsfähigkeit des jüdischen Staatsterritoriums in Betracht; gezogen. Englische Geschenke ' Vorteile f ür die Araber: Als.Entschädigung für den Verlust des Territoriums, das von den Arabern als das ihre angesehen wird, erhält-der. arabische Staat— außer 2 Millionen Pf und von England -r ' vom jüdischen Staat eme; Subvention. -* Die, Juden müssen also den Arabern den. Boden abkauften;- VEjs" handelt sich demnach nicht um eine Teüung Palästinas in. zwei Staaten, einen jüdischen und arabischen, sondern darum, daß die Juden gezwungen werden sollen* den Arabern einen Teil Palästinas a b z u k a u le.h. Wichtig ist folgender Passus des Berichtes: „Der arabische Staat würde finanzielle Hüfe von der Regie-i rung Sr. Majestät und von dem jüdischen Staat iji erheblichem Umfang .erhalten." Die Zionistische-Organisation würde da bei Annahme des Regierungsplanes darangehen müssen, neue Gelder aufzubringen,: einen neuen Fonds, etwa einen „Sklavenfonds"; zu schaffen. Vorteile für die Juden: Die Bürger..des jüdischen Staates werden ab Jänner 1940 in der Lage sein, so viele Juden zuzulassen, wie sie glauben, daß aufgenommen werden können. — Diese Möglichkeit wurde uns seitens der Palästina-Regierung bis jetzt vorenthalten. ' Bnst du nicht willig ♦ ♦ ♦ Das Palästina-Mandat wird beendet unci durcK ein Vertragssystem, ersetzt werden. England ver- I daß der neue arabische Staat freiwillig oder auf Grund I eines friedlichen Uebereinkommens jemals diese Landstrecken hergeben wird. Es erscheint unbegreiflich, daß man einerseits jetzt bereit ist, dem Teilungsplan zuzustimmen, weü man sich vor dem Kampfe fürchtet, der dem Nein zu folgen haben wird, andererseits aber keine Furcht zu haben scheint vor einer blutigen Auseinandersetzung, die, wie immer sie ausfallen würde, Menschenleben kostet! Krieg.ist kein Mittel jüdischer Politik! Der Kampf, ist unvermeidlich und er muß und wird geführt werden mit allen Mitteln, die uns. zur Verfügung stehen. Der Kampf muß geführt werden, nicht allein, weü ein heiliges Versprechen gebrochen werden soll, nicht allein, weü Zion ohne Zion unmöglich ist, nicht allein, weü Millionen von Werten uns; weggenommen werden sollen,. nicht allein,, weil dieses; Gebilde, ,das Erez Israel heißen soll, politisch, wirtschaftlich und ideell ein- Nonsens ist, sondern auch um unserer Mülionen von Brüdern wülen, die in Not und Elend leben, die hungern und darben, physisch und seelisch vernichtet werden und deren einzige Hoffnung nun zerstört werden soll. Um der kommenden Generationen wülen muß dieser Kampf geführt werden, die an jedem Punkte der Welt dein gleichen, grausamen Schicksal entgegengehen können. Um der Menschlichkeit und Sittlichkeit wülen muß dieser Kampf geführt werden, um der Menschenrechte willen, denn wir sind das einzige Volk geblieben, das ohne Land, ohne Bpden, ohne Besitz den Stürmen der. Gewalt, der Unterdrückung und des Unrechtes preisgegeben ist,/. ..

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