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Die neue Welt · 1937-07-06 · Heft 669 (6.7.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 669 (6.7.1937)
Date
1937-07-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag, den 6* Juli 1937 11« Jahrgang Nr+ 669 V« b. b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'editew* 186 Titl. Universitätsbibliothek ■ REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty vierteljährig Zloty 4.50S.Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jogoslawien monatlich Dinar W.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monaUich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, viertelj&hylf Mark"3.—; Bnlgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.?»; Schwelt und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.VertbaUung: lX,Universitätsstr. 8,1 et. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Die anlijudisdie Kampagne in Italien (> Die Diskussion über den Angriff des italienischen Faschismus , gegen Judentum und Zionismus dauert a$. Immer noch finden sich in der italienischen offiziösen Presse gehässige Formulierungen der jüdischen Einstellung gegenüber dem Staat, und manche Blätter können es sich nicht versagen, sogar r a s s i s tische Ätotive heranzuziehen — obwohl das Blatt des Vatikans „Osservattore Romano" sich scharf gegen die neudetitschen Diffamierungen einzelner Rassen wendet. Vpn offizieller Seite wird immer wieder erklärt, daß von einer Haltungsänderung gegenüber den jüdischen Staatsbürgern nicht die Rede sein könne. Unter diesem Gesichtspunkt {st die provokante Herausarbeitung einer Judenfrage in Italien' urivCrstäridlich. Die 40.000 Juden spielen im Bereich von 40 Millionen Italienern keine' Rolle." Ein sprachlicher lind kultureller Gegensatzr ist nicht vorhanden. Das Stehen zahlreicher Juden an exponierten Stellen' der 'Staatsführung läßt also eher auf eine' positive,' pro jüdische' Einstellung des Regimes schließen. "yVqzu also der Lärm! Die „Wiener. Neuesten Nachrichten", die Vertreter . des gr.oßdeutächen Gedankens in Oesterreich, veröffentlichen eine Meldung aus Rom, worin es in be$ug' auf die itaiieiaische Debatte zur Judenfrage he-ißt:v:M . -;•/ V -; „Der wahre Zweck der gegenwärtigen Kampagne ist nach der Meinung überzeugter Italiener, durch einen „S chp c k" die Juden in festerer Treue an das £ a s c b i s t i s c h e . R e g i m 6 zu binden. Wenn man auf diese Weise nicht zu befriedigenden Ergebnissen kommtj ist es nicht ausgeschlossen, daß man zu drastischeren Maßnahmen'greifen wird. Bekennen sich die italienischen Juden nicht zu Mussolinis politischer These, daß der faschistische Staat alles andere überragt und-daß die Treue zu ihm nicht vereinbar ist mit irgend welchen internationalen Anschauungen des Judentums, so glauben unterrichtete Kreise mit strengen .Maßnahmen rechnen zu müssen, möglicherweise sogar mit der Aufhebung der staatsbürgerlich e n; Gl ei c hb er e c hti g un g, die bisher der j:ü d i s c h e n M i n d e r h e i t garantiert war." Diese Darstellung läßt eine Spur erkennen, von der in der italienischen Presse selbst nichts zu merken war. Diese Spur deutet auf reichsdeutschen, hitleristischen Ursprung, und man geht nicht fehl in der Annähme, daß hier nazistischer Einfluß am Werke ist, bzw. der nazistische Versuch, die verbrecherischen Argumentationen des Hakenkreuzes den Italienern mundgerecht zu machen. Verdächtig ist hiebei zunächst die Wendung „A u f h e b u n g d e r s t a a t sbürgerlichen Gleichberechtigung", die nach Streichers Nürnberg riecht, und der Begriff „jüdische Minderheit", ein Begriff, der weder im italienischen Hausgebrauch noch in der italienischen Verfassung existiert. ' Sollte all das ein natoinalbetonter Wunschtraum sein? Oder ein zarter Wink des neudeütschen Geistes an das mit dem Dritten Reich befreundete faschistische- Italien? Die römische Praxis wird uns darauf Antwort geben; , Ein politisches Büro der Zionistischen Organisation Amerikas ' Aus New ■ Yprk: Die 40. Jahreskonferenz der Zionisten Amerikas hat beschlossen, einen Jubiläumsfonds von 40.000 Dollar aufzubringen,' der insbesondere dazu bestimmt sein soll, ein in Washington zu errichtendes politisches Büro - der Zionistischen p'r g'a n i s a t i o n Amerikas zu finanzieren. Ueber 10.000 Dollar wurden für diesen Zweck von den Konferenzteilnehmern sofort gezeichnet. Zum Präsidenten der Organisation ist Dr. Stephen S. Wise durch Zuruf wiedergewählt wordeja.XJ. T.. A.)i Wie der jüdische Miniaturstaat aussehen soll Obwohl uns nur mehr Tage von der Veröffentlichung des Kgl. Kommissionsberichtes trennen, versucht die Presse auf Grund ihrer „speziellen Informationen" ihre Leser mit dem Inhalt des Berichts heute schon bekanntzumachen. Im wesentlichen stimmen die Meldungen dähin überein, daß eine Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat empfohlen wird, wobei der jüdische Teil den Bang eines selbständigen Staates erhalten soll, während der arabische Teil an Transjordanien angeschlossen wird. Allerdings ergibt sich bei näherem Studium der Pläne die Tatsache, daß im Grund genommen eine Dreiteilung vollzogen werden müßte, da wichtige Territorien (Städte, Straßen, strategische Partien) lillE^i jeden Bart bezwingen! unter britische Verwaltung gestellt werden sollen. Trotz aller Einzelheiten, die die Authentizität der Presseberichte. erbiöfeen ^s.ol^nr^nßvr»a»,äny 3er -Ben «rföHü^Ä Demgegenüber steht die J.-T.-A,-Meldung aus Jerusalem, ' wonach die Tageszeitung > „Habokej:" bereits Einzelheiten über den Plan der Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat Veröffentlicht. In dieser Publikation heißt es: Der jüdische Staat wird sich dieser Darstellung zufolge von Aegypten bis an die Grenzen Syriens und des Libanon erstrecken. Er wird alle Ebenen und Täler umfassen, den Emek Jesreel, den Eiriek Hazarden (von Naharajim bis Degania), das Hule- Gebiet, ganz Ober- und Untergaliläe, den Karmel und die ganze Küstenebene. Die Wes'tgrenze des jüdischen Staates Wird das Ufer des Mittelländischen Meeres in der Ausdehnung des heutigen Palästina bilden. -Im Nordosten wird sich die Grenze von M e t u 11 a bis zu den Jordanquellen hinziehen, so daß der Oberlauf des Jordan im jüdischen Staat liegen wird. Von dort geht die Grenze zum Kineret-See. Auch das Ostufer des Sees wird jüdisch sein, damit die dort liegenden jüdischen Siedlungen einbezogen werden. Weitet wird die Grenze verlaufen über Ejn Hakore, Massada und Naharajim und wird Bet Joseph einschließen. Beis an soll ebenfalls, als Hauptstadt des gleichnamigen Gebietes, zu dem jüdischen Staat gehören. Von Beisan wird dip Grenze in westlicher Richtung bis Tulkarem und an Dschenin, das gerade an der Grenze liegen wird, vorbei verlaufen, so daß der Karmel und die Siedlungen Mischmar Haemek, Jokneam und ihre Umgebung auf jüdisches Gebiet zu liegen kommen. Tulkarem wird an der Grenze des jüdischen und des arabischen Staates liegen. Von dort verläuft die Grenze am Fuß ■ des Gebirges entlang nach Kalkilia, weiter nach Migdal Zedek und Lydda, das sich auf jüdischem Gebiet befinden, wird, während Ramie im arabischen Staat liegen soll. Es wird dann die Chaussee Jerusalem—Jaffa überquert. In Sarafend soll sich ein kleines englisch -mi 1 itärisches Zentrum für das jüdische Gebiet befinden, in der Nähe von Jerusalem ein solches für den arabischen Staat. Zwischen Lydda und Ramie geht die Grenze dann weiter am Fuß des Gebirges (Hartuf und Hulda sollen im jüdischen Staat liegen). Nach Süden soll die Grenze bis zum Suez-Kanal verlaufen, Was England für sich behält Die Kreise Beer Schewa und Akaba werden unmittelbar unter britischer Herrschaft stehen. Diese britische Zone wird ein Dreieck mit der Südgrenze des arabischen Staates als Basis und der Spitze in Akaba bilden. Die Juden sollen sich verpflichten, in diesem Gebiet I00.v0.0_0. bis- 150...00Q. Menschen zu kolonisieren und so vielfach in die Augen springende Widersprüche ergeben. Es ist nicht anzunehmen, daß die englische Regierung zur Durchführung von Projekten schreien wird, von denen sie a priori wissen muß, daß diese weder den jüdischen Partner noch die arabische, Bevölkerung in Palästina befriedigen können. Darum liegt die Vermutung nahe, daß die Peel-Koinnussion die in Rede stehende Teilung nicht als einzige Lösungsmöglichkeit, sondern als letztes Auskunftsmittel empfiehlt; eine Vermutung, die durch einen Bericht aus Jerusalem bestätigt wird, wonach Lord Peel drei Alternativ-Vorsch 1 äge mache,, und zwar: 1. Entweder die Balfour-D e k 1 a r a ti o n abzuschaffen, die jüdische Einwanderung einzustellen und eine nationale'rl-r^bische Regierung zu etablieren; 2. oder einen Gesetzgebenden Rat für d»s ganze Land einzurichten; . 3. oder Palästina in z w.f'i Territorien, ein jüdisches und" ein arabisches, zu teilen, wobei dieses mit Transjordanien vereinigt werden soll, in welchem Falle der Emir Abdullah mit einfep* jüdischen Kolonisation in seinem Staat einverstanden w&reT'v' v "■■ '■'•'•■v■•'' : '■ •^•-•".•^•-•v- - ' eine Mehrheit gegenüber den Beduinen' zu schaffen.,, Nach der Durchführung dieser Kolonisation 'soll die Zone, mit Ausnahme von Akaba, das britisch bleibt, an den Jüdeastaat angeschlossen werden. Jerusalem wird internationalisiert Jerusalem soll nach dem Vorbild von Alexandrien zu einer internationalen Stadt unter britischer Kontrolle erklärt werden. Nazareth soll dem jüdischen Staat einverleibt werden, jedoch unter Garantie der christlichen Rechte auf die heiligen Stätten. Bethlehem dagegen soll zu dem arabischen Staat gehören, wobei ebenfalls Garantien für die christlichen heiligen Stätten zu leisten sind. Das Gebiet der Omar-Moschee in Jerusalem wjrd unter der Aufsicht des muselmanischen Religionsfonds (Wakf) stehen. Nach Jerusalem wird f reie Einwanderung nicht zugelassen; zur Einwanderung werden besondere britische Genehmigungen erforderlich sein. Weitere jüdische Kolonisationsgebiete Das Tal von Jericho und die Umgebung dar Kali-Werke.. (Novomejskis Tote Meer-Konzession) werden unter Aufsicht des jüdischen Staates stehen; v|js wird sich dort auch ein britischer strategischer Punkt befinden. Ferner sollen 50.000 Juden in landwirtschaftlichen Kolonien an der Grenze zwischen Tranjijordaniens und dem Irak angesiedelt werden. Als: Entschädigung hierfür werden die Juden auf eigene Konten 1. eine Chaussee von diesem Siedlungsgebiet bis zum Anschluß an die Straße Beisan—Haifa und damit einen bedeutenden Teil der Chaussee Haifa^Bagdad anlegen, 2. eine Eisenbahn in dieser Gegend bauen und S. dem arabischen Staat eine Anleihe gewähren. Das Kolonisationsgebiet an der transjordanisph> arabischen Grenze wird an der Irak-Petroleum* leitung liegen. Der Araber Staat Der arabische Staat wird das Gebirge Eph*aitn, das Gebirge Juda und das Jordantal von Naharajim' fois zum Tal von Jericho, sowie ganz Transjordanien umfassen. An seiner Spitze wird Emir AbduUa stehe»,. Es ist noch nicht bekannt, ob der Araberstaat mit-dem Irak oder mit Syrien ein Bündnis schließen wird. ' Die Hauptstadt) Haifa! Hauptstadt des jüdischen Staates wird Haifa, der Hafen .von Haifa wird jüdisch. Ein bedeutender Teil de* Emek Sebulun wird unter unmittelbare britische Verwaltung gestellt und eine militärische Basis dort.ertfctyst,

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