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Die neue Welt · 1937-06-25 · Heft 666 (25.6.1937) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 666 (25.6.1937)
Date
1937-06-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 666 vom 35. Juni 1937 Seite T jÄd&te Siedlung iH tluukqastm Von Dr. D. J. H. Nyessen Öle Frage einer Kolonisation in Madagaskar beschäftigt seit einigen Monaten die jüdische Oeffentlichkeit. Bekannt sind die verschiedenen Erklärungen des französischen Kolonienministers Moutet zu dieser Sache und die Entsendung einer polnisch-jüdischen Kommission zur . Untersuchung der Kolonlsätionsmögltchkeiten. Minister Moutet hat wiederholt erklärt, daß der Gedanke einer jüdischen Siedlung in Madagaskar in erster Linie für solche Juden aus Polen bestimmt sein soll, die bereits in Frankreich leben, aber dort keine gesicherte Existenz haben. Ferner wurde mitteilt, daß es sich nur um zahlenmäßig geringfügige Versuche handeln kann, da das Land nach Ansicht der französischen Stellen für eine Großkolonisation vorerst keine Möglichkeiten bietet. Abgesehen davon, wurde darauf hingewiesen, daß die Kosten der Kolonisation von jüdiscnen Stellen getragen werden müßten. Die Hoffnungen, die sich an dieses Projekt knüpfen, sind a'ro erheblich eingeschränkt, ebenso wie die Einwandc- . rungsmöglichkeiten in andere Länder. Unsere Leser wird eine Darstellung interessieren, die aus Madagaskar selbst stammt. Tananarive (Madagaskar), 25. Mai. ' Augenblicklich gibt es genug Länder, die mit Hilfe jüdischer Energie, jüdischer Begabung und jüdischen Kapitals urbar gemacht werden können, während die heutige Bevölkerung gewaltige Räume der Produktion entzieht. Eines dieser Länder ist das menschenleere, meist subtropische Madagaskar. Es ist wohl am Rande der Tropen gelegen, aber durch größere Höhe im über- - wiegenden Teil gemäßigt, nicht so heiß wie etwa Palästina im Sommer, aber auch nicht so feuchtkalt, wie zum Beispiel Jerusalem im Winter. Das Hochland erstreckt sich über eine Distanz wie vom Nil bis zum Euphrat oder von Gaza in nördlicher Richtung bis zur Krim. Jetzt ist es so kalt, daß man den ganzi-n Tag heizt, und keine der französischen Lebensversicherungen verlangt eine Tropenprämie. -Die Juden werden hier hoffentlich einen Vorposten, der weißen Menschheit bilden, zur Sicherstellung der mehr und mehr vordringenden Mächte des Ostens. Sobald ich vernommen hatte, daß Minister Marius Moutet, der französische Kolonialminister, über jüdische Kolonisation in Madagaskar günstig dachte, bin ich nach der „Roten Insel" gereist, um mich persönlich mit den Möglichkeiten zu befassen. Erfahrung hat mich gelehrt, daß für die Beurteilung der Immigrationsmöglichkeiten eines Landes beinahe niemals ein Urteil möglich ist. Dazu ist eine liefgehende Kenntnis Sowohl des Landes, seiner Möglichkeiten und seiner jetzigen Bevölkerung wie der Immigranten notwendig, lind das alles ist erst nach Jahren ernsten Studiums zuerlangen. Daß die positive Einschätzung solcher Möglichkeiten in Europa ganz ausgeschlossen ist, braucht den nicht zu wundern, der weiß, catt 'aan auf •Java selbst die Möglichkeiten einer Kolonisation auf Sumatra oder. Neu-Guinea nach vielen Jahren immer noch negativ beurteilt. Haben die Holländer ijicht jahrhundertelang Neu-Holland als ungeeignet für Kolonisation beurteilt? Zu ihrem großen Schaden! Auch sind sie immer an Madagaskar entlanggefahren, währe.n.3 sie es weit besser hätten nehmen Können als viele; ihrer jetzigen Besitzungen. Inzwischen ist die Sache schon fortgeschritten., Ende dieser Woche trifft eine polnische Delegation in Majünga ein, unter Leitung von Herrn Z e p e c k i nebst den Herren Salomon Dvk (in Deutschland und Palästina als Mitarbeiter Prof. Franz O p p e nh e i m e r s als Leiter der ersten Siedlungsgenossenfechaft Merchavja — 1909 — später auf dem Versuchsgut Bärenklau) und Albert Leon. Selbst habe ich in diesen Monaten den Eindruck bekommen, daß Madagaskar nicht, was die Geringfügigkeit der Kolonisationsmöglichkeiten betrifft, mit den übrigen französischen Tropenkolonien auf eine Linie gestellt werden kann, aber daß es vielleicht mit Kenya, Rhodesia, sogar mit Südafrika verglichen werden kann. Es ist bestimmt besser als sein Ruf. Gerade vor meiner Abreise habe ich eine jüdische Einzelsiedlung auf dem Meru in Tanganjika bewundert und gesehen, was mit gutem Willen und genügend Kapital in drei Jahren geleistet werden kann. Warum würde so etwas in der Gegend von dem kühlen Antsirahe nicht ebenso gut gehen? Wenn man gebildete, kapitalkräftige, praktische Einzelsiedler in verschiedene Teile der Insel als Prospektoren vorausschickt, wird bald bekannt sein, welches die geeigneten Distrikte sind. Ich habe versucht, mich* mit Juden hier in Verbindung zu setzen, wie den Besitzern der Warenhäuser Faivre, Ulysse Gros und Le Printemps. Diese Herren sind aber katholisch geworden und wollen von ihrem Judentum nichts mehr wissen. Von dieser Seite ist also für die Kommission wenig Hilfe zu erwarten, wie auch von der Seite der höheren und niederen jüdischen Beamten. Besonders die Beamten in den Tropen sind durchaus nicht auf Schwierigkeiten erpicht, die sich bestimmt aus der jüdischen Kolonisation ergeben würden. Sehr einflußreich sind hier auch die Missionen, sowohl die anglikanische wie die französisch-protestantische und besonders die römischkatholische (Jesuiten u. a.). Weil die Malgassen sehr gute Spender sind und vieles zum Aufbau von Kirchen und Schulen geben, sind die Missionen sehr wohlhabend. Jüdische Immigration, die auch andere Anschauungen ins Land bringen wird, wird von dieser Seite kritisch beobachtet werden. Da gerade unter ihnen die besten Kenner des Landes und Volkes gefunden werden, würde man ihre Ratschläge wohl nur unter Vorbehalt genießen dürfen. Auch weil man gewohnt ist, in der Geringschätzung der Möglichkeiten des :Landeä einander nachzureden und die Kommission nicht immer ein eigenes: Urteil abgeben kann, so ist die Warnung, daß man nicht auf Grund einseitiger Informationen vorschnelle Schlüsse ziehe, vielleicht geboten. Das einzige" Tagblatt, „De M a d a g-.a s c ar", brachte am 20. Mai einen Artikel über die jüdischen Pläne, genannt „Madagascar Juive". Es sei Boden genug vorhanden, aber man sollte zuvor Proben mit Malgassen machen, ehe mit fremder Kolonisation -angefangen wird. Diese Bemerkung steht aber mit der Wirklichkeit im Widerspruch. Die Malgassen zählen kaum drei Millionen, während auf der Insel Raum und Boden genug ist für dreißig Millionen. Sie haben bisher ini großen ganzen nur RäubWirtschaft getrieben, das Land seines Waldes beraubt und dadurch der Denudation übergeben. Landwirtschaft interessiert sie nur solange, als sie Hunger haben. Die etwas gebildeten Leute bevorzugen, wie die mehr gelernten Javaner usw., eine Stellung als Schreiber. Man hat auf Java Schulen für Arbeitslose errichtet, um sie zum Handel usw. heranzuziehen. Das wollen sie aber nicht, obwohl die Javaner energischer sind als die dominierenden Hovas, die nur die französischen Beamten imitieren wollen. Die Franzosen haben wärhend vierzig Jahren doch Wohl Gelegenheit gehabt, die ökonomische Ohnmacht der Malgassen in dieser Beziehung kennenzulernen. Genau so utopisch ist die Behauptung, daß man es dann mit französischen Arbeitslosen, die über einiges Kapital verfügen, probieren müsse. Der französische Kapitalist hat bis heute noch wenig Interesse für Madagakar aufgebracht. Das ökonomische Problem von Madagaskar wird dadurch mit jedem Jahre schwieriger und man kann es nicht allein durch hohe Steuern lösen. Es muß produziert werden. Sowohl von den Malgassen wie von den Franzosen ist in dieser Beziehung nicht allzu viel zu hoffen. Madagaskar ist vielleicht zuerst durch die Juden kolonisiert worden. Das gegenwärtige Saint Marie hieß damals Nosy Hibramo, d. h., Insel voiiAbrahara, die Bevölkerung Zaffe hibrahim. d. h., die Rasse von Abraham. Sie kannten alle Propheten der Bibel, folgten den Regeln des mosaischen Gesetzes, aber wußten gar nichts von Mohammed und seiner Lehre. Wahrscheinlich waren es jemenitische Kolonisten. Madagaskar hat also Verpflichtungen an die Juden, wie die Juden an Madagaskar. Die jüdischen Ansiedler werden nicht nach einem ganz fremden Lande ziehen, sondern nach einem Lande, womit die jüdische Nation seit vielen Jahrhunderten, vielleicht länger als mit vielen europäischen Ländern, verbunden ist. (J. R.) AUS ALLER WELT Was ist jüdisdhvkommunislisdt T Unter diesem Titel schreibt die Wiener Zeitung „Der christliche St ändestaa t": „Da in der Verwendung der Bezeichnung ,.j ü d i s c h-k o m m u n i s t i s c h" in der letzten Zeit manche Irrtümer unterliefen,.wird sich das.Reichsm i n. i s t e r i um für Volksaufkläru n g und Propaganda vielleicht veranlaßt sehen, die Verwendung dieses Schlagwortes durch einen Erlaß zu regeln. Bisher haben nach der nationalsozialistischen Pressepraxis als „jüdisch-kommunistisch" zu gelten: Der Heilige Stuhl; sämtliche Kurienkardinäle; die Demokratie; die Volkskommissäre der USSR> das englische Unterhaus; sämtliche Volksfrontregier.ungeh; Premierminister Baldwin; die deutschen Bischöfe; die Redaktion der „Times", die Tschechoslowakei; die Chinesen, die ganze französische Republik; der Bürgermeister von New York; die Weltpresse; der Kardinal- Erzbischof von Ghikago; die Börsen; der Oberrabbiner von Warschau; der protestantische Bischof von Chikago; der anglikanische Erzbischof von Canterbury; Dänemark, Schweden und Norwegen; das Alte Testament; das „Neuigkeits-Weltblatt", Wien; die Südafrikanische Union; die „Reichspost"; „Goethes Gespräche", herausgegeben von Biedermann 1864; die zionistische Exekutive; die Jesuiten; der Kardinal- Erzbischof von Mecheln, sämtliche christlichen Kirchen und Konfessionen; die britische Admiralität; alle Sozialisten und alle Juden; alle Leute, die von Kultur reden. Des jüdischen Kommunismus sind ferner verdächtig: Alle Nichtdeütschen. — Eine Ergänzungsliste ist. in Vorbereitung." . .- Der „Vater der jüdischen Kolonisation" nach Sibirien verbannt Aus Moskau (J. T. A.): Abraham Merezhin, der Mitbegründer der früheren „Jevsekzia" (Jüdisohe Sektion der Kommunistischen Partei), der später wegen seiner Tätigkeit im „Komzet" (Regierungskommission für die Ansiedlung von Juden), dessen. Vizepräsident er war, den Beinamen „Vater der jüdischen Kolonisation in Sowjetrußland" erhielt, wurde nach Sibirien verbannt. Er wird beschuldigt, trotzkistischer A g e n t zu sein. Merozhin war der Führer der jüdischen Kommunisten in Rußland und Leiter des Jüdischen Departments beim Volkskommissariat für Nationale Mind ö. rh e i t e n. Er war der Initiator zahlreicher Aktionen zugunsten der jüdischen Kolonisation in Rußland. Viele jüdische Kolonien wurden nach ihm benannt. fytiUt-fllttUiQ s39>- StkiflltHOMt, TMotstt. 4ft Verbot von Faschistenumzügen in London Aus L o n d o n: Innenminister Sir Samuel Hoarö teilte am 21. Juni im Unterhaus mit. er sei vom Polizeipräsidenten Londons: informiert worden, daß die „British, Union of Fascists" um die Erlaubnis angesucht habe, am 4. Juli in dem jüdischen'Viertel des Londoner E'ast End e ine n D e'm ons t r a t i on szu g zu veranstalten. Der Innenminister erklärte, daß ersich' veranlaßt gesehen habe,'während der nächsten sechs Wochen sämtliche Demonstrationszüge der britischen Faschisten zu verbieten, da zu befürchten stand, daß'es, wie im Oktober 1936, zu Zusammenstößen mit politischen Gegnern kommen könnte. (Die britischen Faschisten sind, radikal-antisemitisch.) „Die Rassenlehre" auf dem Index Aus der Stadt des Vatikans (J. T. A.) r Die Kongregation des Heiligen Offiziums hat das Buch „D i e Rassenlehre" („Razzismo") des Italieners Q. Cogni auf den Index gesetzt. Das Buch ist in. italienischer sowie in französischer Spräche erschienen. :' Als Grund für das Verbot des Buches wird angegeben, daß die von dem Autor in dem betroffenen Werke vertretenen rassischen Theorien, die sich auf den „arischen Gedanken" und die damit zusammenhängenden R a s s e ri i d e e n stützen, wie sie Rosenberg, Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) England: Wien, Wien, nur Du allein! Ungarn: Der kleine Kavalier. Frankreich: Roman eines Schwindlers — Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund. Amerika: Die Insel ohne Sünde — Kopf in der Schlinge — Drei kleine Gangster — Hochverrat — Sonnenmädel — Motiv unbekannt — Verfluchtes Gold — Es geschah zu Silvester — Golddiggers 1937 — Safari — Hokuspokus — Liebe nicht genügend. Filme unter Arierparagraph Ernte — Der Herrscher — Die Kreutzersonate — Vor Liebe wird gewarnt — Der Hund von BaskervUle —- Sein Modell — Der verkannte Lebemann — Männer im Dunkel — Man spricht über Jacqueline — Der Scheidungsgrund — Susanne im Bad — Condottieri — Zurück in die Heimat — Die ganz großen Torheiten — Amtsschimmel — Entführung an der Biviera — Schwindeln ist keine Sünd'... — Etappenhase — Ich bleib' nicht Junggeselle — Die Göttliche — Das Mädel vom Ballett — Abenteuer in Lissabon — Heiratsinstitut Ida Wüst & Co. — Wie dar Hase läuft — Die un-erhörte Frau — Der lustige Witwenball. KINO»PROGRAMME » ) C H U#C D E N Von 10 Uhr vorm-bla 7 Uhr abends iii i DIE LEBENDE ZEITUNG A 40 0 60 Nur 1/48 Uhr und'^10 Uhr abends __ Es geschah zu Silvester

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