Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 666 (25.6.1937)
- Date
- 1937-06-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag, den 95« Juni 1937 -"'i^r. DIE NEUE 187 4r. 666 V« b. b+ TitJ tt , •'Mtune vom Verleger versendet Universität,* exuMto par i'fiditeur" ^"«Oii^^J.^ REVUE HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel- Iährig Dinar 40.—; Bumänien monatlich Lei 50.—, vierteljflhrig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljahrig Lire 14,—3 Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX% üniversitäfsstr. 8, TeL A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag ^'ÄViÄ0^ Czernoiuitzer Allgem. Zeitung i am 27. Juni, 4. und 11. Juli 1937 nach I POLEN und CZERNOWITZ I Anmeldungen ausschließlich I Reisebüro „Marienbrücke" | " " " "■ " "J Wien l. Rotenturmstr. 26 Telephon R-24-2-86/87 Das Unterhaus über Palästina Der Minister spricht von Arbeitslosigkeit Aus London: In der Beantwortung einer Anfrage des Abegordneten David Adams, erklärte Kolonienminister Ormsby-Gore im Unterhaus, in Palästina herrsche: nicht-M an'g e 1, sondern ein Ueberf 1 u ß an Arbeitern. Es gebe sowohl unter Juden als auch unter Arabern eine erhebliche Arbeitslosigkeit. •. Der. Abgeordnete hatte den Kolonienminister auf die.-ungeheure Enttäuschung der Juden Palästinas über die geringe Zahl der Zertifikate der letzten Schedule aufmerksam gemacht.' Diese Zahl stehe in keinem Verhältnis zu der ' wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit'des Landes, die für die Regelung der Arbeiteremwänderuhg maßgebend sein sollte. Abg. Adams fragte den-Minister, welche ' Schritte man zu unternehmen gedenke, um diese Unzufriedenheit zu beseitigen imd jede Hemmung für die Erweiterung der Industrie und der kapitalsinvestierungen in Palästina zu vermeiden. , r Dßr Kolomenminister antwortete, er könne seiner ^ijni dein*"* AbgT''■T^an1för'''e^eij'ten ■ Antwort nichts , hinzufügend pie. kleine^ArhelteVscheduie. /stehe im. Verhältnis zur. wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit . dejs Landes. .. . .. „. Abg. Adams: Weiß der Minister, daß es infolge des. Mangels an notwendigen Arbeitskräften eine ernste Unzufriedenheiten Palästina, gibt?. ■ Minister Ormsby-Gore: Nej», durchaus nicht. Ich weiß, daß es sowohl unter.Juden wie unter Arabern Arboitlosigkeit . in erheblichem Maß gibt und. daß kein Mangel an Arbeitskräften, sondern ein Ueberfluß besteht. England entscheidet,allein über Palästina ,Abg. .-Oeoffrey Man der fragte, ob geplant sei, sich mit; den D o mi n i on s als Unterzeichnern des , Friedensvertrages, und insbesondere mit der Südafrikanischen Union, über die Politik zu beraten, die, aufgrund des Berichtesder Kgl. Kommission geführt werde^-soll. :s ■ Minister Ormsby-Gore:. Die Regierung des Vereinigten Königreiches trägt als . Mandatsregierung die alleinige Verantwortung für die Entscheidung über die Politik. Die Regierungen der Dominions, und;diö Regierung Indiens werden über, die Politik, -die geplant ist, auf dem laufenden gehalten werden. - .,. , Muß weiter gemordet werden?, ,;' r ■* Auf Anfragen der Abgeordneten Oberst N a t h a n, / David .' A"d a m s und Josiah W e d g w o o d verlas der Minister sodann' einen Bericht des High Commissioner über den mißglückten Anschlag auf den Generalisnpektor ,der. Palästina-Polizei, Roy G. Sp ie er, und erwähnte auch einen Mordversuch an einem palästinensischen -:Uiifcettrfspektör. Von diesen beiden schweren Zwischen- ••fällfcn abgesehen sei nach den Berichten des High Commissioner jedoch eine Besserung der Lage festzustellen. •"■ Abg. Adams: Ist der Minister überzeugt, daß kein; zusätzlicher Polizeischutz erforderlich ist? 'Der Kolonienminister: In den letzten zwei bis drei Monaten wurde die Zahl der unter dem Kommando von '' Oberst Spicer'stehenden Polizisten sehr wesentlich erhöht. Abg. Wedgwood; Erinnert sich der Minister daran, daß ch^ stellvertretender Polizeiinspektor in Haifa nach wiederholten Versuchen ermordet worden, ist? Muß auch Oberst Spicer geopfert wenden, bevor der Minister den Mufti deportieren' läßt oder den High Commissioner abberuft? . Münster Ormsby-Gore ließ diese Frage, .unbeantwortet. Auf zum Kampf gegen die Teilung! Der Ziontetenkongreß — die Entscheidung. Das herrliche Werk des Aufbaues des jüdischen Palästina, des Judenstaates, zu welchem Theodor Herzl das jüdische Volk aufgerufen hat,' an welchem seine Jünger nun seit vierzig Jahren treu, unermüdlich und erfolgreich arbeiten, ist in höchste Gefahr geraten. Feindliche Kräfte holen zu einem vernichtenden Schlage aus: Man will Palästina zerteilen, zerreißen! Schon einmal wurde das jüdische Land durch Abtrennung Transjordaniens verstümmelt. Dieser schnöde Anschlag auf das jüdische Volk und das jüdische Land konnte nur gelingen, weil die zionistische Führung furchts am und schwach war. Nun will man weitergehen und auch das verbliebene West- Palästina in Trümmer schlagen! Soll wieder eine mutlose, ihrer Pflicht zum entschlossensten Widerstände nicht' bewußte zionistische Leitung den Feinden des jüdischen Volkes das schändliche Werk ermöglichen? Soll ein Wortbmch, soll ein nackter Gewaltstreich wieder in der Haltung der zionistischen Führung Rechtfertigung finden? ' Das zu verhüten ist. Sinn und Zweck des kommenden XX. Zioriistehköngresses! ' * ■■. Das jüdische Palästina hat sich zum Kampfe erhoben. Seine FÜhrerr der* Oberrabbiner Palästinas, an ILFE;Ä^ jeden Bart bezwingen! der Spitze, haben folgenden Aufruf an die Welt und an das Judentum erlassen: „In letzter Stunde proklamieren wir unseren unbeugsamen Widerstand gegen jeden Plan einer Teilung oder V.e r k leine r u n g Palästinas. Während der 2000 Jahre, da das Judentum in der Zerstreuung lebt, hat es niemals seine Rechte auf Palästina als das jüdische Vaterland, aufgegeben. Das Judentum wird nie auch nur einen einzigen Fußbreit des Bodens Palästinas freiwillig hergeben. Wir. stellen feierlich fest, daß das Recht des jüdischen Volkes auf das palästinensische Vaterland in seinen historischen Grenzen ein ewiges und unabänderliches ist, und verweigern jede Zustimmung zu irgendeiner Form der Teilung des Landes, die unsere Rechte einzuschränken angetan ist." Unterzeichnet sind: Die Oberrabbiner Hertzog, Jakob Meir, Amiel, Usiel, Hoffmann, Schapirb; die Führer der Allgemeinen Zionisten (Gruppe B) Supraski, Bograschow, Bernstein; die Misrachiführer Schragai und Grünberg, das Exekutivmitglied der Judenstaatspartei Dr. Rosenblum; die Präsidenten der sephardischen und der jemenitischen Gemeinde; der Bürgermeister von Tel-Aviv, Rokach, die Präsidenten der Gemeinden von Jaffa und Tel-Aviv, Vizebürgermeister von Jerusalem Auster; der Bürgermeister von Petach Tikwä Stamper; die Präsidenten der Kolonienräte von Rechowoth, Chedera, Kfar Saba und Ramat Gan; der Vizepräsident des A. C. Farbstein; Rabbi Ostrowski, Doktor Bodenheimer, Prof. J. Klausner, der lettische Konsul Kaspi u. a. * Wessen Unterschrift fehlt auf diesem Aufrufe? Wer schweigt, wenn das jüdische Volk in tiefster Sorge um sein Teuerstes seine Stimme erhebt? Es fehlen die Führer der Arbeiterpartei und ihrer Gewerkschaft „Histadruth", welche auf der Liste des arbeitenden Palästina in aller Welt um zionistische Stimmen werben. Es fehlen die Vertreter der „Allgemeinen Zionisten-Gruppe A" und der mit ihr verbundenen „Radikalen" und „Progressisten", welche an die Spitze ihrer Kandidatenlisten den Namen des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Weidmann, gesetzt haben. Als Symbol! Denn Präsident Weizmann hat sich bisher geweigert, auch nur mit e iTrein W o r t e zur Frage der Teilung Palästinas Stellung zu nehmen, und auf den Vorwurf, er habe bereits seine Zustimmung zur Teilung gegeben, schweigt er. Soll der XX. Zionistenkongreß, der entscheidende Kongreß, im Zeichen der P oIitik des ertötenden Schweigens tagen? Oder im Zeichen des heiligen Widerstandes gegen himmelschreiendes Unrecht? * Zionisten Oesterreichs! Auch an euch tritt diese Frage heran. Die zionistischen Gruppen, welche zum Kampfe gegen die Teilung bis zum äußersten entschlossen sind, haben sich für diese Wahl im „Nationalen Block" zusammengeschlossen. Gegen diesen Block stehen die Listen des „arbeitenden Palästina" und der A-Zionisten, also die Listen der „Schweigenden". Keine Stimme den „Schweigenden"! Wählet am 1, Juli die Liste „Nationaler Block* (Zionistischer Landesverband — Judenstaatszionisten)] Listenführer: Dr. Oskar Grünbaum — Robert Stricker. ü Amerika protestier! gegen die Teilung Palästinas Aus London wird uns berichtet: Der „Manchester Guardian" bringt einen aus Washington gekabelten Brief der Nationalen Delegation der Pro-Palestine Federation of America, in dem mitgeteilt wird, daß eine aus bekannten Pädagogen, Pastoren, Staatsgouverneuren und anderen einflußreichen Persönlichkeiten bestehende Abordnung beim Präsidenten Roosevelt und dem Staatssekretär Cordeil Hui 1 vorgesprochen hat, um ihnen ein Memorandum über die P a 1 ä s t i n a - F r a g e zu überreichen. Das Memorandum, dessen Text vom „Manchester Guardian" wiedergegeben wird, stellt fest, daß die bevorstehenden Empfehlungen der Kgl. Kommission f Ur Palästina geeignet seien, das Palästina-Mandat der Gefahr einer Abänderung oder Verstümmelung auszusetzen, die das jüdische Nationalheim schädigen und den Vertrag zwischen England und den Vereinigten Staaten in bezug auf Palästina verletzen würde. Der Präsident wird aufgefordert, bei der englischen Regierung zu intervenieren, um eine Interpretierung und Definierung des politischen Status Palästinas herbeizuführen, die der B a 1 f o u r- Deklaration und dem Mandat sowohl dem Buchstaben als auch dem Sinne nach gerecht wird. Ussischkins Propaganda gegen dio Teilung Aus Jerusalem (J. T. A.): Der Präsident des Jüdischen Nationalfonds und des Zionistischen Aktions- Comitees, M. M. Ussischkin, hat eine Reise durch alle jüdischen Siedlungen des Landes unternommen, um zum Widerstand gegen die Pläne einer Zerreißung Palästinas aufzufordern. In . Newe Chajim bei Chedera nahm Ussischkin an der Einweihung einer nach ihm benannten Straße teil. Die Ansprachen Ussischkins, in denen er zur Stärkung des zionistischen Selbstbewußtseins und zur Sicherung jüdischer Geschlossenheit bei Durchsetzung der jüdischen Forderungen aufruft, werden Uberall mit großer Begeisterung aufgenommen.