Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 665 (22.6.1937)
- Date
- 1937-06-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 BOBS NEUIS vWELT Nr. 665 vom 22. Juni 19S7 AUS ALLER WELT Der jüdische Kriegsminister Englands Die Prager „Bohemia" befaßt sich in einem Leitartikel mit der Persönlichkeit des neuen englischen Kriegsministers Leslie Höre B e 1 i s h a und schreibt u. a.: „Leslie Höre Belisha war fünfundzwanzig Jahre alt, als er in Devonport, einer Stadt, die vom Schiffbau lebt und die in den schlechten Wirtschaftsjahren schwer gelitten hat, als Liberaler kandidierte. Er kam von Oxford. Ein geschulter, zündender Redner, der als Präsident der Oxford Union sich unter den Studienkameraden ausgezeichnet hatte. Sicher seines Sieges, beging der konservative Gegner in der Wahlschlacht den Irrtum, Belisha als die „Null von der College Bank" zu bezeichnen. Belisha aber griff das Schlagwort auf und die „Null von der C o 1- 1 e g e Bank" eroberte Devonport im Sturm. In allen späteren Wahlen hat Devonport seinem Abgeordneten die Treue gehalten. Vor sechs Jahren haben die Wähler den jungen Mann, der nicht müde wurde, die Regierung mit Interpellationen zu bombardieren, mit einer „Belisha - H a 11 e" gefeiert und 7000 Pfund Sterling für den Bau zusammengebracht. Eine Ehrung, die keinem lebenden Mitglied des Parlaments je zuteil wurde... Vierunddreißig Jahre alt, verwirklicht Höre Belisha seinen Traum, auf der Treasury Bench im Unterhaus als Unterstäatssekretär im Handelsministerium zu sitzen. Bereits nach einem Jahr ist eine neue Stufe erklommen und er wechselt als Unterstaatssekretär zum Schatzamt über. Damals erst wird der weitere Kreis politisch Interessierter auf ihn aufmerksam. Die Intensität, mit der er in das neue Ressort eindringt, die scharfe Logik, die brillante, oft witzige Formulierung seiner Erwiderungen machen ihn zu einem gerngehörten Redner im Hause. Zusammen mit Anthony Eiden, Oliver Stanley und Walter Elliot gehört er jetzt zu den großen Hoffnungen von Westminster..." Dieholländische Königsfamilie im Amsterdamer Judenviertel. Aus Amsterdam: Die königliche Familie hat in dieser Woche der Hauptstadt Amsterdam einen offiziellen Besuch abgestattet und dabei auch die mit Fahnen und Blumen reich ■ geschmückten jüdischen Viertel besichtigt. Auf dem Meyerplein, dem berühmten alten Platz im Amsterdamer Judenviertel, fand am Sonntag eine Huldigung von 1200 jüdischen Schulkindern für die königliche Familie statt. Unter der Leitung des berühmten Chordirigenten der Amsterdamer Großen Synagoge, S. H. Engländer, sangen die Kinder vor der geschmückten und im Lichterglanz erstrahlenden Synagoge zwei Strophen der Nationalhymne „Wühelmus" und einen Hymnus „Oranien und Israel". Die königliche Familie dankte in herzlichen Worten für den ihr bereiteten Empfang. P rinz Bern'hard, der Gemahl der Kronprinzessin Juliane, besuchte später die berühmte Diamantenfabrik Asscher. Er wurde von dem Leiter der Fabrik, dem Vorsitzenden der aschkenasischen jüdischen Gemeinde von Amsterdam, A. Asscher, durch den Betrieb geleitet. Die Türkei verlangt restlose Assimilation, Aus A n k a r a (J. T. A.): In der türkischen Nationalversammlung sprach während der Budgetdebatte der griechisch-orthodoxe Abgeordnete Stamati Zihni Odjdamar der Regierung den Dank dafür aus, daß sie die Kontrolle der Minderheitenschulen übernommen habe. Er schloß mit dem Wunsche, daß das Wort „Minderheit" aus dem juristischen Sprachschatz der Türkei verschwinden möge. Die in Istanbul erscheinende Tageszeitung „Tan" bemerkt zu dieser Debatte, daß das Minderheitenproblem auch in der Türkei wie in der ganzen Welt beseitigt werden müsse. Minderheiten seien solche . Gruppen, die sich von der herrschenden Bevölkerung nach . Religion, Sprache und Nationalität unterscheiden, wie etwa die Deutschen in der Tschechoslowakei. Aber die Juden, Tscherkessen und die sonstigen in der Türkei lebenden Bevölkerungselemente könnten nicht als Minderheiten betrachtet werden. Man dürfe keine Genehmigungen mehr zur Eröffnung von Minderheitenschulen erteilen, damit die junge Generation vollkommen assimiliert und zu echten Türken werde. Eine antisemitische Partei in der Tscheche»* Slowakei Aus Prag (J. T. A.): In Prag werden Flugblätter verteilt, die zum Beitritt und zur konstituierenden Versammlung einer neuen politischen tschechischen Partei unter dem Namen „National-radikale Partei" einladen. Die Partei, die das Wirtschaftsleben, das bürgerliche Selbstbewußtsein und die allgemeine Moral auf Grund von Rassengesetzen (so heißt es^in dem Flugblatt) heben will, will einen kompromißlosen, fanatischen Kampf gegen die Weltherrschaft des jüdischen Imperialismus, gegen den Liberalismus und' gegw den marxistischen Bolschewismus führen. Als Gründer der Partei zeichnen auf dem Flugblatt, drei im politischen Leben bisher unbekannte Personen: Ing. Wenzel Koula, ein pensionierter Major namens Emil Sourek und als Geschäftsleiter Hugo Tuskäny. Austritte aus dem Judentum Dr. Otto Kallir, Verleger, geb. 1. April 1894 Wien, verh., I., Mahlerstraße 3. — Eduard Schaar, Privatbeamter, geb. 23. Juli 1905 Wien, ledig, I., Schauflergasse 2. — Bruno Schlesinger, Hochschüler, geb. 16. Aprü 1911 Neunkirchen, ledig, XVIII., Weimarerstraße 7. — Malvine Reis geb. Mittler, Näherin, geb. 9. März 1889 Budapest, verh., XVII., Gilmgasse 11. — Josef Reis, Privatbeamter, geb. 22. Juni 1889 Wien, verh., XVII., Gilmgasse 4. — Margarete Reich, Kleidermachergehilfin, geb. 17. August 1901 Wien, ledig, V., Spengergasse 17. — Renee Klein, Sängerin, geb. 25. Mai 1907 Budapest, ledig, VIII., Wickenburggaase 10. — Sigmund Beck, Kaufmann, geb. 27. Mai 1875 Reichenberg, verh., VII., Wimbergergasse 32. — Abraham Katz oder Kogan, Privatbeamter, geb. 20. April 1899 Odessa, verh., VI., Gumpendorferstraße 150. — Paula Theimer geb. Erhart, Haushalt, geb. 9. Dezember 1905 Mistelbach, verh., XVIII,. Glanzinggasse 21. — Berta Klinger, geb. 4. Dezember 1915 Wien, ledig, IX., Liechtensteinstraße 109. — Anna Fürth, geb. Konisch, Private, geb. 14. September 1886 Komotau, ger. gesch., Xin., Trautmannsdorfgasse 48. — Franz Klein, Privatbeamter, geb. 29. November 1918 Wien, ledig, XIII., Hietzinger Hauptstraße 20. — Leopold Inländer, Friseur geb. 27. März 1904 Wien, Tannheim. — Friedrich Bratmann, Bundesvertragsangestellter, geb. 7. Oktober 1894 Wien, verh., XX., Stromstraße 81. — Vera Bernharda Ruth Meiseis, Gymnastiklehrerin, geb. 25. März 1907 Berlin, ledig, V., Siebenbrunnengasse 65. — Lily Reich, geb. 1. Dezember 1901 Wien, ledig, II., Praterstraße 32. — Otto Aberbach, geb. 3. Jänner 1923 Wien, ledig, II., Am Tabor 22. — Edith Kraus, geb. 9. Februar 1913 Oderberg, ledig, IX., Porzellangasse 10. — Josefine Frankel geb. Müller, Arztensgattln, geb. 4. März 1900 Wien, verh., XVI., Hyrtlgasse 11—13. — Emil Großmann, Webergehilfe, geb. 16. Februar 1907g Wien, ledig, VII., Zollergasse 2®. — Marie Behal geh« Freund, Private, geb. 25. Juli 1896 Prag, verh., VHI, Albertgasse 3. — Ernst Borgenlcht, Handelsangestellter, geb. 15. Aprü 1917 Wien, ledig, XVIII., Leitermayergasse 31. — Elvira Beilly geb. Wertheimer, geb. 7. Mai 1883 Wien verh., Siedlung Leopoldau. Ring der zionistischen Alt* HerrensVerbände Festveranstaltung im Offenbach-Saal am Dienstag, 22. Juni 1937, 3/48 Uhr. Programm: Begrüßung durch den Präsidenten des „Ringes", Dr. Moritz Har« nik. Margarete Bach: Rezitationen aus der Bibel. — Pause. — Prolog von Alfred Werner. — „Palästina- Kalender" (Luach 5 6 96), ein Spiel von Kampf und Aufbau in Erez Israel von Malkah Locker (deutseh von Michael Kienbein). — Ausführende: Die jüdischen Volksspieler des Keren Kajemeth Lejisrael. — Regie: Leopold Joßner. — Komposition: Wilhelm Grätzer. —* Musikalische Leitung: Siegfried Hacker. Schöne weiße Zähne üben eine starke Am ziehungskraft aus, sie sind der schönste, natürlichste Schmuck. Es ist so leicht, schöne weiße Zähne zu haben, wenn man morgens und abends die bekannte Qualitätszahnpaste Chlorodont benützt. Wählen Sie Chlorodont, schäumend oder nichtschäumend, nach Ihrem persönlichen Geschmack. E bietet iiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ Der dritte Fünfjahrplan für Biro-Bidsdian Aus Moskau: Der Vizepräsident der sowjetrussischen Regierungskommission für die A n s i e dlung von Juden auf dem flachen Lande, B. Troitsky, gab nähere Einzelheiten über den dritten Fünfjahrplan für Biro-Bidschan bekannt. Danach soll die geplante Einwanderung von 100.000 Juden in den nächsten fünf Jahren folgendermaßen vor sich gehen: im Jahre 1938 sollen 10.000 Juden einwandern, 1939 15.000 Juden, 1940 20.000, 1941 25.000 und 1942 30.000 Juden. Die Ziele der landwirtschaftlichen Kolonisierung während der nächsten fünf Jahre sind: Bildung einer geschlossenen jüdischen Landbevölkerung, Urbarmachung weiter anbaufähiger Flächen des Ansiediungsrayons und Vermehrung der Rinderfarmen im Rayon. Im Eisenbahngebiet des Rayons sollen Handwerke r-Kooperativen, gegründet werden, die in eigenen Gemüse- und Milchfarmen ihre Selbstversorgung erhalten werden. In den Zonen der Kollektivfarmen werden Handwerker-Kooperativen die notwendigen landwirtschaftlichen Geräte für die Farmer herstellen. Das Präsidium beschloß ferner, eine Reparaturfabrik für die neue Eisenbahn im Rayon zu bauen und die neuen Autostraßen für die Entwicklung der jüdischen Siedlungen weitgehend auszunützen. Spezielle Bauarbeiter-Kooperativen werden organisiert und Arbeiter der Bauindustrie nach Biro- Bidschan gebracht werden, um für die Unterbringung von 5000 jüdischen Handwerkerfamilien in den nächsten fünf Jahren zu sorgen. Da nach Ablauf der nächsten Fünf jahrperiode mit einem Anwachsen der Bevölkerung in Biro- Bidschan auf 200.000 Seelen gerechnet wird, ist es, so erklärt Troitsky, eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen des Kolonisationswerkes, daß der Rayon auf dem Gebiete der Nahrungsmittelversorgung autark wird. Das bedeutet, daß 65,0000 bis 70.000 Hektar des Bodens für den Anbau von Weizen, bzw. insgesamt 150.000 Hektar urbar gemacht werden. Die Landbevölkerung wird am Ende der nächsten Fünfjahrperiode infolge der Gründung von zahlreichen neuen Kollektivfarmen viermal so groß sein wie heute. * (J. T. A.) Das alles klingt sehr schön, steht aber zur Wirklichkeit in krassem Widerspruch. Die beiden vorangegangenen „Fünfjahrpläne" haben die Ansiedlung von 200.000 Juden vorgesehen. In diesen zehn Jahren sind aber kaum 40.000 nach Biro-Bidschan — viele zwangsweise — gebracht worden, von welchen mehr als die Hälfte das Land noch wenigen Monaten fluchtartig verließen. Heute leben nur zirka 16.000 Juden in der „jüdischen Republik" von Biro-Bidschan. Nach diesem Resultat einer zwölfjährigen, mit ungeheuren Geldmitteln (Joint- und Staatsmitteln) und seitens einer mit aller Macht ausgestatteten Regierung eines Riesenreiches betriebenen Arbeit ist wohl auch vom dritten Fünfjahrplan wenig zu -erhoffen. Wasch-Voüe und -Kretonne schöne helle Kleldermuater . < . * % » , p. m s K.-Seiden-Dirndl-Schürzen oder K.-Seiden-Damenstrümpfe, 2. 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