Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 663 (15.6.1937)
- Date
- 1937-06-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712288--6537-2720302- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 10 Groschen Dienstag/ dert 15« lani 1937 ff* Jahrgang Nr. niversitätsbibliothp' V* b. t»+ mteaf DIE NEUE WELT REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich ö 1.40. vierteljährig S 4.--, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 150,' vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel«* jährig Dinar 40.—; Bnmänlen monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. tferteljährl» Mark 3.-; Bnlgarien monaUich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; ItaUen monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lira Xi^l Schwei» und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50, i( Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX,Universitä1sstr.8,leLA-20-2-78 — Erscheint Dienstag ut Freitag Unverantwortliche Phantasien des „Morgen* Wje n, Mitte Juni. ' Jeder Herzl-Gcdenkiag drängt uns, Rückschau zti Italien über das, was seit dem Tode des Begründers des politischen Zionismus im gesamtjüdischen Bereich geschehen ist. Wir sind uns klar darüber, daß sich gemalt ige Umwälzungen in der Welt vollziehen, und wir fühlen, wie sich auch für uns Juden eine Neuordnung vorbereitet. Vor vierzig Jahren gründete HerzI die erste zionistische Zeitschrift „Die Welt" und vor vierzig Jahren berief er den L Zionistenkongreß ein. Diese beiden Instrumente waren etwas unerhört Neues in der Geschichte des jüdischen Volkes. Eine neue Epoche jüdischer Geschichte wurde durch Herzt eingeleitet, und menn vvir Juden wieder an uns glauben, das Leben und die Zukunft bejahen, wenn wir das Bewußtsein der Unzerstörbarkeit unseres Volkes ah eine beglückende Melodie in uns erklingen hören, dann haben wir auch die Pflicht, dieses Geschenk, diese Gnade als von Herzl gegeben zu empfinden. , Vierzig Jahre lang kommentierte man den Herzl-Gedanken vom J udenst tiat. Es war schwer, ihn mundgerecht zu machen. Aber der Gedanke, so kühn und erhaben und revoltierend er mar, hatte die unbezwingbare Folgerichtigkeit für sich, und als die Zmeifler und Defaitisten auf allen Wegen, die zur Erlösung des jüdischen Volkes führen, immer wieder auf die Kardinalidee dies Zionismus, den Judenstaat, stießen, begannen sie sich mit ihm abzufinden — im Gegensatz zu den Getreuen Herzls, zu den wahren Anhängern seiner Idee, die vom ersten Augenblick an den Führer und an den Judenslaat glaubten. Immer wieder stieß der zionistische Patriot auf den Widerstand jener, welche Herzls und seines Gedankens Größe verkleinern, abschwächen wollten. Heute steht der Begriff „Judenstaal(( wiederum im Blitzlicht . der zionistischen und internationalen Politik. Isis der große, umfassende, erlösende iierzlsche Judenstaat oder der seiner Verkleinerer und armseligen Kompromißler? j£| Die Eatj.QMduBB. V>fc& Wtf fallen. Im Zusammenhang mit dem Bericht des „Morgen" aus Genf, wonach dessen Korrespondenten offizielle Mitteilungen über die Teilung Palästinas zugekommen sind, erhalten wir vor Blattschluß folgende an den Zionistischen Landesverband Oesterreichs gerichtete telephonische Mitteilung des Herrn Doktor Nahum Goldmann aus Genf: 1, Das im Wiener Montagsblatt „Der Morgen" wiedergegebene Gespräch mit Dr. Nahum Goldmann hat nie stattgfunden. %. Alle Mitteilungen über die Teilung Palästinas beruhen auf freien Vermutungen, da in Genf selbst nicht die geringste authentische Nachricht über die j Empfehlungen der Königl. Kommission und die Entscheidung der Londoner Regierung vorliegt. 3. Die Mitteilung, daß die Ankunft des Präsidenten Dr. Weizmann in Genf zwecks Verhandlungen über die Palästina-Frage erwartet werde, ist frei erfunden. Prof. Weizmann wird derzeit iiicht nach Genf kommen. Wir verweisen im übrigen auf die Ausführungen in unserer heutigen Ausgabe unter dem Titel: „No ch immer Sensationsmeldungen über das SchicksaI Palästinas." Nit deutscher Gründlichkeit... Aus Prag: Der J.T.A.-Sonderkorrespondent, der soeben aus Deutschland in Prag eingetroffen Sit, gibt ein Bild der, gegenwärtigen Lage der Juden in Deutschland. Die Konfiskation des Vermögens der Bne B" r i t h- Logen ist mit echt deüt'scher Grü ndlichkeit durchgeführt worden. Die Organe der G e s t a p o beschlagnahmten nicht nur sämtliche Einrichtungsgegenstände, sondern auch alles Eßbesteck und die Tischtüeher, die den Logen-Institutionen gehörten. Sie rissen die Gedenktafeln aus den Wänden und entfernten die Porträte der Logengründer, die — wie den Vertretern der Bne Brith-Logen mitgeteilt wurde — für das antisemitische Museum in München bestimmt wurden. Insgesamt beläuft sich das konfiszierte Vermögen der Logen auf mehrere Millionen Mark. Dennoch war die >raww jeden Bart bezwingen I Gestapo über die geringe Ausbeute höchlichst erstaunt. Die hohen Gestapo-Beamten erklärten, sie hätten erwartet, daß die Bne Brith-Logen bedeutend reicher seien. Der J. T. A.-Korrespondent berichtet weiter, daß die wirtschaftliche Lage der in den freien Berufen tätigen Juden von Tag zu Tag schlechter wird. Die jüdischen Rechtsanwälte, die noch zur Ausübung der Anwaltspraxis zugelassen werden — durchwegs Kriegsteilnehmer —, haben ihre nichtjüdische Klientel verloren, und sogar ihre jüdischen Klienten vermeiden es, 1 ihnen wichtige Rechtsfälle zu übertragen, da jüdische Rechtsanwälte vor deutschen Gerichten kein Gehör finden. Die wenigen jüdischen Krankenkassenärzte, die es noch , in Deutschland gibt, verlieren ihre letzten Patienten, da kein deutscher Beamter und keiner, der irgend welche Beziehungen zu offiziellen Kreisen unterhält, es wagt, einen jüdischen Arzt zu konsultieren. Erst vor kurzem ereigneten sich wieder einige Fälle, daß Nationalsozialisten vor den Ordinationsräumen jüdischer Aerzte Boykottposten aufstellten. * Nicht minder katastrophal ist die Lage der jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen in Deutschland. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes, das den jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen eine empfindliche Steuer auferlegt, werden deren Einnahmen bis zu 40 Prozent besteuert. Dazu kommt, daß die Institutionen für die letzten vier Jahre Steuernachzahlungen zu entrichten liaben, da das Gesetz mit rückwirkender Kraft erlassen wurde. Die jüdischen Gemeinden in Deutschland sind, nicht zuletzt durch die Abwanderung zahlreicher Gemeindemitglieder, sehr verarmt. Sie Bind nur deshalb in der Lage, sich zu halten, weil zahlreiche pensionierte jüdische Rechtsanwälte und Beamte ihnen ihre Dienste Hostsslos zur Xerfügung steUent wodurch, äte Xeoraitangs.-. spesen der Gemeinden bedeutend herabgesetzt werden, konnten. „Gepeinigt und ausgeplündert.. Amerika erwacht. Erwacht zum Bewußtsein,.daß das nationalsozialistische Deutschland' gegen 'die. Kul? tur gerichtet sei. In zahlreichen Versammlungen. wird, das hitlerische. Regime gebrandmarkt. Die sich verschärfenden Angriffe gegen die christliche'Kirche und schließlich die Rede des Propagandaministers Doktor Goebbels über die sogenannten „Sittlichkeitsprozes'se" haben in den Vereinigten Staaten einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Die katholischen Kreise sehen jetzt, wie einzelne ihrer Blätter schreiben, das „Ungeheuer Nationalsozialismus", das Deutschland von der übrigen Welt isoliere und alle Ideale der christi» liehen Anschauung vernichte. Amerika erwacht. Vor nicht langer Zeit! war es der New Yorker Bürgermeister La Guardia, der das hitlerische Deutschland als den Feind der Menschheit charakterisierte und mit seiner Meinung über das Hakenkreuzregime nicht zurückhielt. Damals > versuchte das offizielle Dritte Reich durch Verleumdung La Guardias dessen Anschuldigungen aus der Welt zu schaffen. Jetzt aber erhebt ein Mann seine Stimme, der Deutschland kennt, der längere Zeit auf Einladung führender kirchlicher Persönlichkeiten Deutschland bereiste und auch von Hitler empfangen wurde. Es ist der Generalsekretär des Bundesrates der amerikanischen Kirchen Rev. Charles S. MacFarland,; der; Meir Großmann in Wien Wien, den 14. Junu '.' Der Präsident der Weltleitung der Judenstaatspartei und Vizepräsident des Zionistischen A. C, - Melr Großmann, ist heute, Montag, den 14. Juni in Wien eingetroffen, um Uber das aktuellste zionistische Thema „Teilung des Landes — Schicksalsfrage des Volkes" zu sprechen. Meir Großmann wird seinen Aufenthalt in Wien dazu benützen, um mit den österreichischen Vertretern des Verbandes der Judenstaatszionisten die weiteren Aktionen seiner Gruppe zu besprechen un<l die Richtlinien für den Züricher Zionistenkongreß festzulegen. Meir Großmann, der zu den prominenten Persönlichkeiten des zionistischen Lebens gehört, ist u. a. Gast des Ringes der Alt-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen. Am Empfangsabend, der Dienstag, den 15. Juni, zu seinen. Ehren im Klubheim am Kohlmarkt 10 stattfindet, wird Großmann über alle aktuellen palästinensischem und zionistischen Fragen sprechen, Mittwoch, den 16. ds. wird M. Großmann in Prag, Donnerstag, den 17. ds. in Brünn über die Lage in* Zionismus referferen,