Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 659 (1.6.1937)
- Date
- 1937-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite $ DIE NEUE WELT Nr. 659 vom 1. Juni 1937 RUNDSCHAU Zwei luden im neuen englischen Kabine!f Aus London wird berichtet: Dem neuen englischen Kabinett Neville Chamberlain gehören zwei Juden an: Sir Höre Belisha, der bisherige Verkehrsminister, wurde an Stelle Dav Coopers zum Kriegsminister und der bisherige Staatssekretär im Luftfahrtministerium Sir Philip Sassoou wurde zum Arbeitsminister ernannt. Höre Belisha gehört einer altjüdischen Familie in England an. Als Verkehrsminister hat er geradezu revolutionierende Veränderungen für das Autowesen dekretiert. Er erwies sich auch als Spezialist auf dem Gebiete der Propaganda, welche Fähigkeit ihm im Kriegsministerium bei der Rekrutenwerbung sehr gelegen kommen wird. Sir Philip S a s s o o n, der ebenso wie Sir Höre Belisha einer alten jüdischen Patrizierfamilie in England entstammt, blickt auf eine langjährige Tätigkeit als Unterstaatssekretär im Luftfahr tministerium zurück. Als Erbauer der modernen englischen Luftflotte erfreut er sich im gesamten Empire größten Ansehens. Vereinigung jüdischer Aerzte in Wien Bei der Generalversammlung jüdischer Aerzte unter Vorsitz des Univ.-Prof. Dr. Herbert Elias wies der geschäftsführende Vizepräsident Dr. Gustav Jellinek auf die wachsende Not unter den jüdischen Aerzten Oesterreichs hin. Der Eliminierungsprozeß nimmt immer schärfere Formen an. Besonders katastrophal gestaltet sich die Zukunft jüdischer Jungärzte, denen jede Aussicht auf ein Fortkommen durch die Ausschaltungsbestrebungen maßgebender Kreise genommen wird. Die Generalversammlung nahm schließlich nachstehende Protestresolution an: „Die Generalversammlung der Vereinigung jüdischer Aerzte konstatiert mit größtem Bedauern, daß, von ganzwenigen Ausnahmen abgesehen, die jüdischen Jungärzte von der Anstellung als Hilfsärzte an den Fondskrankenanstalten seit vier Jahren ausgeschlossen werden. Sie erhebt feierlichen Protest gegen diese unverdiente und ungerechtfertigte Zurücksetzung junger jüdischer Aerzte und beschließt, neuerlich geeignete Schritte bei den zuständigen Stellen zu unternehmen, um dieses Unrecht aus der Welt zu schaffen." Die auf der Generalversammlung gewählte Leitung besteht aus dem Präsidenten Univ.-Prof. Dr. Herbert Elias, Vizepräsidenten Dr. Gustav Jellinek, Dr, Siegfried Plaschkes und Primarius Dr, Kurt Tschiaßny, Die englische Judenheil gegen den Nazismus In der Sitzung des Rates der Anglo-Jewish- Association führte dessen Präsident, Leonard G. Montefiore, aus, er und viele seiner Kollegen hätten das1 Gefühl, daß das Joint Foreign Committee .(Ausschuß für Wahrnehmung der Interessen im Ausland.) nach Durchführung der Reform, die dem Board of Deputies ein so starkes Uebergewicht gegenüber der Association gibt, nunmehr ein Teil des Board of D eputies werden wird. Das neu zusammengesetzte Joint Foreign Committee stehe vor weit schwierigeren Aufgaben als alle seine Vorgänger. Wohl gab es auch früher grauenhafte Exzesse und Pogrome, doch waren sie nicht Ausdruck einer systematischen Ausrottungspolitik gegen die Juden, wie sie es heute sind. Es gibt Regierungen, die sich von der Erwägung leiten lassen, daß es unklug sei, sich um des Judenschutzes willen unpopulär zu machen; wo doch die Erfahrung gelehrt hat, daß man nur der Judenhetze die Zügel lassen muß, um populär zu werden. Solche Stimmungen nützt das Dritte Reich aus und läßt in allen Ländern, wo der Boden für Judenhaß gut gedüngt ist, die Mark rollen und seinen Propagandaapparat spielen. Wenn Großbritannien als eine Stätte der Freiheit erhalten bleiben soll, ist es unsere Aufgabe, gemeinsam mit Gleichgesinnten der Welt zu zeigen, wie Freiheit verteidigt wird und mit welchen Waffen sie in anderen Ländern angegriffen und vernichtet worden ist. Das ist die Aufgabe des Joint Foreign Committee. Seine Politik aber ist: Bekämpfung des Nationalsozialismus bis zu dessen Ende. (J. T, A.); Hitlerisfisdie Greuelmärchen Aus Basel wird berichtet; Der in Freiburg im; Breisgau erscheinende „Alemanne" bringt, groß aufgemacht, folgende Meldung: „Jüdische Leichenschänderin, Ein Vorfall In der Basler Anatomie. Eigene Drahtmeldung des „Alemannen", Basel, 18. Mai. In der Oeffentlichkeit wird jetzt die unglaublich erscheinende Handlungsweise einer, in des Basler Anatomie beschäftigten jüdischen Assistentin bekannt, Kürzlich war dort die Leiche eines zwölfjährigen Kindes eingeliefert worden, um zur Fest« I Stellung der Todesursache seziert zu werden. Die Vorbereitungen für die Sezierung sollte die Assistentin treffen, während bei der Sezierung selbst auch Studenten zugegen sein sollten. Als nun einer der Studenten, der Sohn eines bekannten Arztes in Riehen, den Sezierraum etwas zu frühzeitig betrat, ertappte er die Jüdin dabei, wie sie mit einer Zange dem toten Jungen die Goldzähne und Plomben aus dem Mund brach, um sie an sich zu nehmen. Der Student machte von dem Gesehenen der Leitung des Instituts Meldung, worauf die Jüdin entlassen wurde." Hiezu schreibt die „Basler National-Zeitun g": „Obschon der „Alemanne" in seiner Berichterstattung aus der Schweiz nur selten etwas nur halbwegs Richtiges meldet, schien uns diese Sache wichtig genug für eine genaue Untersuchung. Wir haben uns deshalb bei den zuständigen Professoren für Anatomie, Pathologie sowie beim Gerichtsarzt erkundigt und erfuhren, was wir beim Lesen des „A1 e m a n n e n"- Greuelmärchens uns gleich gedacht hatten. Die Geschichte ist von A bis Z frei erfunden — erstunken und erlogen. Es existiert keine jüdische Assistentin auf der Anatomie, kein Sohn eines bekannten Riehener Arztes studiert hier Medizin, und keine Leiche eines zwölfjährigen Kindes mit Goldplomben im Mund wurde in der Basler Anatomie eingeliefert. Aber mit solchen erfundenen Geschichten muß der „Alemanne" die Stellung seiner Auftraggeber festigen helfen. Wie schlecht muß es mit den Argumenten dieser Leute stehen, die solchen Unsinn erfinden müssen." (J. T. A), Herberl Samuel soll Kommissar lür das jüdische Gebiet werden Aus London wird berichtet: Emir Abdullah von Transjordanien, der an den Krönungsfeierlichkeiten in London teilgenommen hatte, hat London verlassen. Er hatte in London wichtige Unterredungen sowohl mit der britischen Regierung als auch mit dem bei der Krönung anwesenden türkischen Ministerpräsidenten Ismet Inönü. Die Besprechungen sollen sowohl der englisch-arabischen Zusammenarbeit als auch der Palästina-Politik gegolten haben. „News Review" will dazu wissen, daß England beabsichtige, den Völkerbund zu ersuchen, das britische Mandat über Palästina aufzuheben und damit die Voraussetzung für die Errichtung eines eigenen Dominions zu schaffen. Das Land soll dann in ein arabisches und ein jüdisches Gebiet aufgeteilt werden. Kommissär für das arabische Gebiet soll der Emir von Tränsjordanien werden; als High Commissioner für das jüdische Gebiet kommt Viscount Herbert Samuel in Betracht, (J, T, A.)* Landkarle des geteilten Palästina Aus Jerusalem: Einer Meldung des „Haboker" zufolge, haben soeben dreißig englische Geometer die neue Landkarte Palästinas fertiggestellt, die von der Königlichen Kommission zum Zweck der Festlegung der Grenzen der künftigen Teile des Landes bestellt worden ist. Das Gebiet des jüdischen Staates soll angeblich drei Millionen Dunam von Galiläa einschließlich eines Teiles des Berglandes bis nach Gaza umfassen und die Bezeichnung „E r e z Israel" erhalten. Der übrige Teil des Landes soll an Transjordanien angeschlossen und der Herrschaft des Emirs Abdullah unterstellt werden. Jerusalem, Bethlehem und Haifa werden internationalisiert. Um das Bedürfnis nach intensiver jüdischer Kolonisation zu befriedigen, soll der Negew (süd* palästinensisches Steppengebiet) als Mandatsland erklärt werden, für das die Balfour-Deklaration gilt. Die Juden sollen das Recht erhalten, dort fünf Millionen Dunam zu kolonisieren. t(J, T. A.X Ein neues Stüde in den //Jüdischen Künsfilersßse&en" Nach Arnold Zweigs jüdischer Tragödie „Die Sendung Semaels" spielt Leo Reuß-Brandhofer den abtrünnigen und wiederheimgefundenen Artur Black im Schauspiel „Zurück zum Volk" von Leo Kobrin. Das Stück zeigt in drei sich steigernden Akten den Zusammenbruch eines Familienglückcs durch die Erkenntnis des Familienoberhauptes, daß hinter Schein und Maske das wahre Herz durchbricht und über alle Schranken der Konvention dort landet, wohin es gehört. Leo Reuß-Brandhofbewährt sich als grandioser Gestalter eines interessanten Menschenschicksals — zum erstenmal in jiddischer Sprache, Schwer löst sich das jiddische Wort von seinen Lippen, aber alles an ihm wirkt elementar, auch die neue Sprachmelodie, der er sich mit Leidenschaft hingibt, Jenny L o v i c brillierte in leichtem Konversationston, Lore Glücksmann war als Frau und Mutter überzeugend. Adolf Bell, Michael P r e i ß, Heimi L e w i n und Silvia Groß zauberten die jüdisch-amerikanische Luft des Stückes hervor, das von Eugen Jens er glänzend inszeniert wurde. Bension S i g a 11 holte sich in der Rolle eines nationaljüdischen Idealisten Separatapplaus. Der Premierenerfolg war über alle Maßen groß. o. r, Dr* Ignaz Zollsdian 60 Jahre Der jüdische Arzt und Anthropologe Dr. Ignaz Zollschan vollendet in diesen Tagen sein 60. Lebensjahr. Dr. Zollschan wurde 1877 in Erlach bei Wien geboren und lebt jetzt in Karlsbad. Er publizierte mehrere Arbeiten auf dem Gebiet der Röntgenologie der Bauchorgane, die in Fachkreisen überall Beachtung fanden. 1910 erschien sein Buch „Das Rassenproblem unter besonderer Berücksichtigung der theoretischen Grundlagen der jüdischen Rassenfrage", das weite Verbreitung fand und in mehreren Auflagen verlegt wurde. Es wird zu den Standardwerken der einschlägigen Literatur gezahlt. Zollschan war an der Gründung des B injan Haarez (Organisation für praktischen Aufbau Palästinas) beteiligt und veröffentlichte 1919 eine Schrift „Revision des jüdischen Nationalismus", in der er seine ablehnende Haltung gegenüber der Betonung des jüdischen Nationallsmus in der Diaspora und der Forderung nach nationalen Minderheitenrechten zum Ausdruck brachte. In der letzten Zeit hat Dr. Zollschan eine großzügige Aktion für Einberufung eines Kongresses der Anthropologen unter Patronanz des Völkerbundes zwecks Stellungnahme zu der von den Nationalsozialisten aufgeworfenen Rassenfrage eingeleitet. iCJ, T. A.). S S S Bedruckte Sommer-Waschstoffe licht- und waschecht, 80 breit , , , Kunstseide-Imprime schöne Blumenmuster, Sensationspreis Mode-Dirndl-Voile, Imprime neueste Dessins „.,«•*»« .» K.-Seiden-Dirndl-Zephire indanthrenecht, Karodessins „ ¥ . . v S K.-Seiden-Noppe das aparte neue Gewebe f. Sommerkleider S Crepe-de-Chine-Imprime (K-Seide) große Dessinauswahl, 90 breit t « » . 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